Google verfolgt mich. Street View – eine Google-Geschichte.

Wer bald auf einer der Google Street View-Aufnahmen eine Frau mit schwarzem Trenchcoat und roten Haaren entdeckt – bonjour, c’est moi.

Und zu mir gehört auch einige hundert Meter weiter das kleine, rote Auto, das an der Ampel gerade noch rechtzeitig bremst…

Dienste wie Google Earth, Google Mail, YouTube, der Browser Google Chrome, Picasa, die Wissenssammlung Knol, das Google-Usenet, seit Neuerem Google Book Search, und natürlich die Suchmaschine Google gehören wie Blogger zum großen Google-Imperium. Und über allem steht das berühmte Firmenmotto der Google Inc. (“Don’t be evil“). Dass Google seit Langem in der Kritik steht, u.a. wegen der Themen Zensur, Datenschutz sowie aufgrund seiner Monopolstellung (weit über 80% der weltweiten Suchanfragen laufen über Google), wäre allein einen ganzen Blog wert.

Und jetzt sind sie unterwegs, uns zu filmen:
Alles im Dienst der “kostenlosen Information für alle”. Dass der Wolf “Datenkrake” unter diesem wunderschön gehäkelten Mäntelchen sitzt, weiß inzwischen jedes Kind. Aber: Google Inc. weiß auch, was wir wollen: Komfortables, schnelles Surfen, viele Vernetzungen und verknüpfte Services und Standards. Wir wollen die Welt sehen und nichts dafür bezahlen.
Es dient sich unserem Schweinehund und unserem Bequemlichkeitsdenken an. Und bietet uns zu viele Möglichkeiten, den bösen Wolf ganz schnell zu vergessen.

Denn, ganz ehrlich – ich finde das alles nicht mehr nur praktisch oder witzig, sondern gerade in diesem Fall zunehmend beängstigend.

Rein quantitativ brauchen wir Street View nicht. Es gibt hier auch so schon genug Kameras.
Hier in der Stadt filmt eine Webcam das Geschehen in der Innenstadt, zusätzlich wurden an Brennpunkten u.a. zur Bekämpfung der offenen Drogenszene Überwachungskameras installiert. Wir werden gefilmt, sobald wir die Straße überqueren, einen Supermarkt, eine Bank, einen Laden betreten. Aber wer hat auf die Aufnahmen eigentlich Zugriff? Wie lange werden die Aufzeichnungen gespeichert?

Geht es um Aufnahmen, die ich gemacht habe bzw. auf denen ich zu sehen bin, ist mir sehr daran gelegen, dass ich selbst kontrolliere, welche Bilder von mir wo zu sehen sind, und wer Aufnahmen von mir besitzt. Doch mir entgleitet jegliche Kontrolle, wenn es um öffentliche und private Überwachung geht.

Doch am Ende wird es mit Googles Street View so sein, wie es zu Googles Freude immer ist, wie es zuletzt bei Google Chrome war: Datenschützer winden sich vor Schmerzen, ein paar Bürger protestieren, und am Ende finden es alle wieder “total praktisch!”.

Die österreichische Medienkünstlerin Manu Luksch, die in London, der Stadt der tausend Kameras, lebt, hat mit “The Faceless Project” im vergangenen Jahr ein Plädoyer für den aufmerksamen Umgang mit unseren Fußabdrücken in die Kinos gebracht. Der Film besteht ausschließlich aus Aufzeichnungen von Überwachungskameras.
Mehr zu dem bedrückenden Szenario, mit dem der Science-Fiction-Märchenfilm den Zuschauer konfrontiert: Eine Dokumentation seiner Entstehung, ein Interview mit der Künstlerin, der Trailer zum Film.

Zu Google Street View ein Artikel bei heise online vom 04.05.2009.

Einsprüche gegen die Veröffentlichung von Aufnahmen sind zu erheben per Mail an streetview-deutschland@google.com.

Quote of the week. No: Quote of the year!

“Ich liebe Männer. Man kann so viel Spaß mit ihnen haben. Sie haben so irre Ideen, erfinden Schiffe, Druckmaschinen und Flugzeuge. Natürlich haben sie ihre Grenzen, und sie haben lange darunter gelitten, dass sie die patriarchalischen Erwartungen des 20. Jahrhunderts nicht erfüllen konnten. In Wirklichkeit sind Männer seltsame, aufregende, herrliche Freaks. Sie sind bei weitem nicht so stark, stabil, zuverlässig, vernünftig, korrekt oder gründlich wie Frauen. Leider wurden die Frauen meiner Generation auch zu diesen falschen patriarchalischen Erwartungen erzogen und wurden dann wütend auf Männer, weil sie sich enttäuscht sahen.”

“Haben die jetzigen Generationen es leichter?”

In dieser Beziehung schon: Sie haben gelernt, ihre Erwartungen besser an die Realität anzupassen. Männer haben weniger Angst vor Frauen, weil sie von starken, oft alleinerziehenden Müttern aufgezogen wurden. Deswegen ist es möglich, dass es in Deutschland eine Kanzlerin gibt oder in Amerika eine Frau fast Präsidentin geworden wäre: Weil die jungen Männer mit der Idee, einer Frau die Führung zu überlassen, nicht mehr so große Probleme haben. So sind sie ja aufgewachsen: Ihr Leben funktionierte, weil Mama den Laden geschmissen hat.”

(Lauren Hutton, Supermodel mit Zahnlücke, 65, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 25. Januar 2009. Das Interview führte Katharina von der Leyen)

Einziger Kommentar hierzu: 😉