Was man häufiger tun sollte: denken und hören

Don’t leave my hyper heart alone on the water
Cover me in rag and bone sympathy
’cause I don’t wanna get over you
I don’t wanna get over you.

Zu Besuch sein, Wein getrunken haben (viel Wein), und während das Licht noch aus ist, dem Schein des Rechner-Monitors folgen, eine Playlist entdecken und The National finden.

Daran denken, dass es genau 2 Jahre und 10 Tage her ist, als man noch in Wien gewohnt hat und bei einem Konzert war, es spielten The Low Anthem und The National; dass S. einem damals die Karte geschenkt hatte, weil man 4 Tage später nach Berlin ziehen sollte. Sich erinnern, wie man mit dem Hollandrad zur Arena geradelt war, wo man auf C. und E. wartete, und was für ein formidabler, lauer Sommerabend das war. Damals, in Wien.

Was an alledem seltsam und lustig und schön ist, ist, was im Jahr davor und den beiden Jahren danach passierte. Und dass es gut ist, Musik mit jemandem wiederzufinden.

I never thought about love when I thought about home.

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Man sollte ja generell häufiger The National hören.

Und es war Sommer

Es war im Sommer vor drei Jahren, als Gustav eines Abends vorschlug, ein Auto zu mieten.

Wir saßen in seiner WG am Küchentisch, der Küchentisch war eigentlich nur ein niedriger Couchtisch, wir saßen auf den beiden alten Sofas, die Gustav und zwei seiner schwedischen Freunde eines Nachts auf dem Heimweg von einer Party an einer Straßenecke gefunden und betrunken in die Wohnung getragen hatten. Nach ihren Erzählungen waren sie damit vom äußersten Ende der Donaustadt vorbei am Praterstern bis zu unserer Wohnung an der linken Wienzeile gelaufen. Wir alle waren in jener Nacht nicht dabei.

Wir, das waren: Martin, der Physiker mit dem unkontrollierbaren Hang zur Zubereitung von Sprengstoff in der WG-Küche; Jochen, der es geschafft hatte, Taxifahrer zu werden, ohne vorher Musiker oder Geisteswissenschaftler gewesen zu sein; und ich, ich glaube, das war der Sommer, in dem ich mir die Haare mit einer Bastelschere abgeschnitten hatte und die meiste Zeit mit irgendwem knutschend an der Donau lag, wobei “Irgendwem” sich bald zum Problem auswuchs. In jenem Sommer wohnten wir mit Gustav in einer WG, Gustav, der erst Arzt werden wollte und nun Straßenmusiker war, seit er entdeckt hatte, dass das seine Chancen bei Frauen in ungeahnte Dimensionen steigen ließ, und seinen Eltern in Schweden allerdings weiter regelmäßig mit einer Photoshop-Raubkopie gefälschte Scheine von der Uni schickte. Seine Geschichte von der Eroberung des Sofas hielten wir daher für ungefähr genauso wahr wie die Bescheinigung über seine letzte bestandene Prüfung. Wir vermuteten dagegen, die Sofas hatten einfach um die Ecke gestanden, doch da es niemanden gab, der das nachprüfen konnte oder gar wollte, ließen wir Gustav seine Geschichte und nickten jedes Mal, wenn er davon erzählte, ehrfürchtigen Blickes.

Die Sofas waren mittlerweile gezeichnet von Rotweinflecken, Brandlöchern und undefinierbaren weiße Spuren. Jochen, einer der drei, die das Sofa getragen hatten, behauptete, die weißen Spuren stammten von einem Frühstücksei. Da jedoch nicht überliefert war, dass in dieser Wohnung seit Beginn der Sofazeit oder davor irgendjemand Frühstück in Form von fester Nahrung zu sich genommen oder gar Ei gekocht hätte, versuchten wir seit Auftauchen des ersten weißen Flecks, herauszufinden, mit welcher Frau er auf diesem Sofa geschlafen hatte und wann.

Unser Versuch blieb lange erfolglos: Jochen verweigerte erst beharrlich die Auskunft, täuschte kurz darauf vorübergehende Amnesie und, als das nicht half, Verstummen vor und kochte auch noch seit unserem ersten Nachfragen hartnäckig täglich acht Frühstückseier, aß eines davon und machte aus den anderen Eiern alle zwei Tage eine große Schüssel vom schlechtesten Eiersalat, den diese Stadt jemals gesehen hatte. Eigentlich waren es auch eher zerbröselte Eier mit einem Kilo Mayonnaise, die er in einer blauen Tupperschüssel servierte (auch die Frage, warum Jochen eine blaue Tupperschüssel besaß, ist bis heute nicht geklärt). Er dekorierte das Mayonnaise-Inferno häufig noch mit etwas Grün, bei dem es sich entweder um Löwenzahnblätter, Basilikum vom Nachbarbalkon oder ein bisschen Gras, ebenfalls vom Nachbarbalkon, handelte.

Meistens blieb es zunächst bei Letzterem, jedenfalls bis zu dem Tag, an dem der Nachbar Sturm klingelte und uns hochroten Kopfes anschrie, wir sollten doch bitte die Finger von seinem Gras lassen. Im Originalton (auf Österreichisch und ohne “Bitte”) klang das ungefähr so: “DEIFL ANI IHR SAUDEBBADN PREIßN LOSSTS IHR EIER FINGER VON MEINA PFLONZN SONST RICHT I EICH DIA WADLN VIERI!”. Leider hatte Anna die Tür geöffnet, Anna war Schwedin und für ein paar Tage bei Gustav zu Besuch, Anna sprach kein Deutsch und schon gar nicht das Österreichisch des hochgradig wütenden Nachbarn. Leicht verschreckt entgegnete sie auf seinen Wutanfall zunächst nur ein freundliches “Pardon? How may I help you?”, was ihn kaum zu beruhigen vermochte.

“WENNS EICH JETZN NOU WEIDER SPUILT, FOATS ZAHNBÜRSCHDL MORGN INS LEERE. UN WENNS DEBBAD SEIDS REIß I EICH N SCHÄDL ANI UN SCHEIß EICH INS GNACK ANI! I DRISCH EICH ZAM!”

Gustav, Martin und ich hatten die recht einseitige Konversation bis dahin nur aus der Küche verfolgt und schlichen nun in Richtung Tür, um der armen Anna Beistand zu leisten. Als wir ankamen, lehnte eine zufrieden dreinblickende Anna mit dem Rücken an der geschlossenen Tür. Vom Nachbarn war nichts zu sehen und schon gar nichts mehr zu hören. Und Anna grinste: “I just told him I’m only the Putzfrau.”

Bis heute war nicht zu ermitteln, woher sie dieses Wort kannte, wo doch das zweite Wort, das sie kannte, ein schlimmes Schimpfwort war, von dem wir froh waren, dass sie es in der kurzen Begegnung nicht verwendet hatte. Damit war die Sache mit dem Nachbarn erledigt und Jochen stieg endgültig auf Basilikumgarnitur zum Eiersalat um. Die Ernsthaftigkeit, mit der er uns dieses Gericht alle paar Tage präsentierte, hatte in der Regel die Ernsthaftigkeit eines erstklassigen Strebers, aber wir liebten ihn trotzdem (auch, weil der Eiersalat trotz seiner Streber-Attitüde wirklich widerlich schmeckte).

Das Gericht hatte jedoch einen großen Vorteil, den wir schnell erkannten: Aufgrund seines hohen Eiweiß- (Eier!), Fett- (Eier!) und Mayonnaise- (Eier! Öl!) Gehalts stellte der Eiersalat eine ungeahnt gute Grundlage für jeden Kneipenabend dar. Jeder, dessen Magen sich angesichts dieser hochkalorischen Zumutung nicht sofort umdrehte, konnte auch problemlos größere Mengen Alkohols vernichten. Die vernichtbare Menge Alkohol stieg zudem exponentiell mit der verzehrten Menge Eiersalat an, weshalb wir bald jeden Freitag mit einem größeren Eiersalatgelage begannen, in dessen Lauf zwanzig Eier und ein Glas Mayonnaise vernichtet wurden. Der Einzige, der keinen Eiersalat mehr aß, war — Jochen. Ausgerechnet Jochen, der uns das alles eingebrockt hatte. Doch Jochen hatte nicht etwa eine Allergie gegen Eier entwickelt oder war, noch schlimmer, dem Veganismus anheim gefallen. Nein – der schlimmste aller Fälle war eingetreten: Jochen hatte sich verliebt.

Und sah nun den Verzehr enormer Mengen Eiersalat als seiner neuen Flamme unwürdig an.

Die neue Flamme hieß Louise. irgendwann war sie ihm wohl unter dubiosen Umständen auf der Herrentoilette eines Clubs zugelaufen, und an jenem Abend, um den es nun geht, saß sie auf seinem Schoß. Louise war nicht seine Freundin, sie wurde nicht müde, das im Viertelstunden-Takt zu betonen, nicht, ohne stets kurz darauf für zehn Minuten eine Hand in seinen Nacken zu legen und mit der anderen Hand eine seiner Hände zu halten, während sie knutschten, bis einer von beiden nach Luft schnappte. Wenn die beiden nicht knutschten, drehte Louise unablässig Zigaretten und rauchte sie in einer irrsinnigen Geschwindigkeit weg, ab und an steckte sie Jochen eine der Kippen in den Mundwinkel, der behielt sie dort so lange, bis der Filter ganz durchgeweicht sein musste, wenn er sie dann anzündete, sah man nach und nach das Filterstück wieder durch trocknen. Gustav saß im einzigen Sessel und schien über etwas nachzudenken, bis er plötzlich aufsprang, sich den Kopf an der Deckenlampe stieß, die daraufhin hin- und herschwang, die Faust in die Luft reckte und rief:

“Kommt, wir mieten ein Auto!”

(Sie lasen: Teil 1.)

zweinulleinseins.

Jahresrückblicke liest niemand, sie sind ätzlangweilig und Ende Dezember macht’s jeder (wenn man das ZDF ist, auch früher). Nur war dieses Jahr genug los für drei Jahre, wie sollte ich mir das alles merken? Und an die Kinder, die ich einmal haben werde: hier könnt ihr nachlesen, wie Mutters wildromantische Jugend war. Bitteschön.

Januar

Mein erster Monat in der neuen Wohnung im Ghetto, es ist wirklich sehr sehr kalt, ich habe keine Heizung, ich ziehe den Mantel auch nicht aus, wenn ich schlafen gehe. Ich mag die neue Wohnung und komme endlich über Wien hinweg (ach, Wien, ach). Weiß jetzt, was Futschi ist. Mein Laptop geht kaputt. An einem Morgen wache ich davon auf, dass es neben meinem Bett lichterloh brennt. Vor der Tür des St. Oberholz steht ein Typ mit Bart*, zieht an seiner Zigarette und sagt gemeine Sachen zu mir.

Februar

Ich esse ein Eis und schreibe einen meiner Lieblingstexte dieses Jahres. Und besuche eine Hochschulmesse, auf der mir viele Leute nichts Neues erzählen. Alles, was ich von dort mitnehme, ist ein Kugelschreiber und die immer stärker bohrende Frage, ob ein Studium das richtige für mich ist (die Antwort ist: nein).

März, April, Mai, Juni

Für eine Woche sind zwei Katzen bei mir zu Besuch, sie mögen mich nicht und schmeißen mich aus meiner Wohnung. Ich bin verstört. Ich sehe “Biutiful” mit Javier Bardem und bin noch verstörter, dann sind Ferien, ich sollte lernen und tue es nicht, stattdessen schreibe ich anlässlich der re:publica einen Artikel über Netzpolitik und die “Digitale Gesellschaft” und plötzlich fliegt mir diese Seite um die Ohren. Und ich stelle mir viele Fragen. Ansonsten sitze ich sehr lange in Parks und freue mich über das gute Wetter, was auch gut ist, weil da der Sommer ist (das weiß zu der Zeit nur noch keiner). Dann sind die Ferien vorbei, ich schreibe Prüfungen, ohne gelernt zu haben, was auch voll gut ist, vor allem, als es vorbei ist. Denn da fahre ich ans Meer, führe meinen neuen Bikini vor aus, spiele Volleyball am Strand, esse jeden Tag fünf Kugeln Eis, baue Sandburgen, laufe morgens um 6 am Strand entlang und auf einmal ist alles so gut und so richtig.

Juli & August

Ich lese vor, in Berlin und spontan auch in Köln. Auf den Abend der Lesung folgen eine denkwürdige Nacht und ein böser Morgen, ich dusche im Hallenbad und wickle mich danach in das größte Handtuch, das jemals eine Handtuchfabrik verlassen hat, da bin ich seit 35 Stunden wach, später fahre ich noch mit dem Zug in eine andere Stadt, zu jemandem, den ich sehr mag, geschlafen wird nach 46 Stunden Wachsein. Einen Tag später werde ich am Bahnhof dieser Stadt sitzen und auf die Ankunft einer Frau mit braunen Locken warten, die mein Leben sehr großartig machen wird, aber das weiß ich noch nicht, als ich warte. Und von diesem Tag an bin ich für 6 Wochen unterwegs.

September

Ich bin zurück in Berlin und ich ertrage diese Stadt nicht mehr. Ich bin zurück in der Schule und hasse es. Ich verstehe nicht, wieso ich mir das alles antun soll, nur für diesen Schein, auf dem “Abitur” steht. Ich sitze dort Zeit ab, 50 Stunden pro Woche, Zeit, die ich weit sinnvoller nutzen könnte, ich lerne nichts und schlage mich mit Bürokratie und den absurden Beschlüssen der Berliner Senatsverwaltung herum. Nebenher arbeite ich 30 Stunden pro Woche, und ich will alles hinschmeißen. Zur Kompensation gehe ich sehr häufig Eis essen und sitze dabei auf einem Holzschlitten.

Oktober, November, Dezember

Ich bin immer noch in Berlin und zwar stehe ich am Rande eines Nervenzusammenbruchs, aber gehe immer noch zur Schule. An einem Sonntag fällt auf dem Weg zur Arbeit mein iPhone auf den Boden und ist kaputt. Ich habe kein Geld, mir ein neues zu kaufen. Außerdem habe ich kein Date, gehe nicht ins Kino, da die Filmrolle nicht ankommt, und esse handtellergroße Ravioli im hässlichsten italienischen Restaurant Berlins, was bemerkenswert ist, gibt es doch sehr viele Anwärter für den Titel “hässlichstes italienisches Restaurant Berlins”. Ich arbeite sehr sehr viel, transportiere große Regale mit der U-Bahn, habe einen blauen Fleck in Form des Batman-Symbols, führe Bartdiskussionen, gehe auf ein Konzert. Und plötzlich ist es Ende Dezember und ich habe an Silvester etwas vor, das wird schön, und plötzlich ist alles gut.

/

Das Jahr in Zahlen:

– nicht vollendete Blog- und Twitteraccountlöschungen: 6
– zum Jahresende noch zu beantwortende Nachrichten: Drölfzigtausend. (An alle, die noch auf eine Antwort von mir warten: ich schreibe. Baldestmöglich. Und bitte um Verzeihung.)
– Anzahl erhaltener Tierstempel für herausragende Leistungen im Fach Mathematik: 4
– verbrannte Bettdecken: 2
– Zahl des Jahres: Umzüge: 0
Beziehungsstatus bei Facebook geändert: 0 Mal
– Momente für die Ewigkeit: 178

Leistungen, für die ich wieder keinen Nobelpreis erhielt:

Einen Topf mit 3 Litern Karottensuppe aus 2 Metern Höhe fallen lassen.

Lieblingsliedzeile:

Unterm Jackett ihre Hände / fragte mich die Fremde: / wie ich ew’ge Liebe fände. (Erdmöbel)

Gewesen:

Awesome. Wütend. Versöhnt. Frustriert. Genervt. s.w.a.g. Verknallt. Verliebt. Unterwegs. Unkool. Nicht allein. Albern. Kindisch. Niedlich. Übermütig. Dafür. Zusammen. Wild. Verschlafen. Durch. Dagegen. Nervös. Zufrieden. Übermüdet. Aufgeregt. Sehnsüchtig. Allein. Wildkatze. Glücklich.

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2012

Wenn alles gut läuft,

ist alles gut. Ganz bestimmt. Und deshalb: wir werden sehen.

/

Zum Schluss will, muss ich danke sagen. Den beiden Männern vom Verein: *dem, der endlich wieder Bart trägt, und dem, der endlich wieder eine Frisur hat: ihr seid die Allertollsten. Dem Traummädchen. Und, ja: … .

Verehrter Leser dieser Zeilen, Glückwunsch, Sie haben es geschafft. Dieser Text ist durch, und dieses Jahr ist durch. Ich danke Ihnen im Namen aller Texte auf dieser Seite für alle Aufmerksamkeit. Danke auch allen, die mich davon abhielten, diesen Blog zu löschen. Bleiben Sie uns gewogen, wir sehen uns im neuen Jahr. Und jetzt, worauf warten Sie noch? Schalten Sie Ihren Computer aus und

gehen Sie leben. Jetzt. Es wird 2012. Und es wird

 

gut.

Das Wichtigste zum Schluss: Die Vorsätze für 2010, ein bisschen Pathos, und ein Dankeschön

Es ist Silvester, die Zeit der großen omnipräsenten Jahresrückblicke ist hoffentlich bald vorbei. Die Zeit des “so war 2010” in jenen Medien, die meinen, der Bevölkerung damit etwas Gutes zu tun, und dabei doch meist nur noch einmal alles durch den selben Kakao ziehen, der schon in den letzten 12 Monaten eher wie das braune Pfützenwasser war, das im Kindergarten den Kleinsten immer als Kakao angedreht werden sollte. Ja.

Was hier trotz allem bleibt, ist immer die Frage: Wie war das Jahr, und wo ist es hin?

Gut war’s. Den Rest – wüsste ich selbst gern, und fürchte, es ist auf der Strecke geblieben, weiß ich doch nur noch, wo es war: Auf dem Land. In Wien. In Berlin. Und immer: Auf der Suche.

Vor genau einem Jahr, am 31. Dezember 2009, gab es hier eine Liste mit 8 Vorsätzen für 2010.

Und was war nun mit all den Vorsätzen? Gar nicht so schlecht war das. Vielleicht könnte man mir vorwerfen, sie abzunicken sei Selbstbetrug. Doch ich sage: Wenn man mit zunehmendem Alter (hört, hört) versöhnlicher wird, mit sich und seiner Umwelt, ist ein gut war’s kein Euphemismus. Sondern erst recht eine Erfolgsmeldung.

Da war viel Leben, in diesem Jahr.

Mit viel Musik und Draußensein, mit Tanzen, Lachen und viel Schönem. Da war auch Weinen und ein zu früher Abschied*, und manchmal spürt man das Leben erst einmal nur noch, weil es an einer Stelle wehtut. (…)  Ergiebig war das Jahr, viele Bilder, viele Texte sind entstanden, manche hier, manche woanders.

Und dann war da noch der Vorsatz, mit dem Brauchen aufzuhören, und ich gebe freiweg zu: Ich habe versagt. Jedenfalls fast, denn, hey, ich brauche kein Auto mehr (nur manchmal, da vermiss’ ich es), ich brauche auch kaum etwas von all dem Wohnungs- und Lebens-Kram, der doch nur Ballast war. Doch es gibt Manches, wovon ich viel mehr brauche, und wovon ich nie genug haben werde: Gute Gespräche mit guten Menschen. Schöne Tage, Abende, Nächte. Guter Kaffee, Musik, Kerzenlicht, – aber hey, aber wer braucht das nicht.

Was bleibt

nach all dem Suchen, Stöbern, ist die Dankbarkeit für alles, was war. Für alles, was gut tat, für alles, was wehtat, und auch für alles, was mich hat Achterbahn fahren lassen. Vor allem bleibt die Freude darüber, hier zu sein. Und immer noch lockt die Neugier auf das, was kommt. Die Hoffnung, dass es weitergeht, die Hoffnung, dass alles irgendwie gutgehen mag.

Das ist die Sehnsucht, der Wunsch, und, soweit in meiner Macht: Der Vorsatz. Für 2011.

Eines – dann doch noch.

Euch allen, die ihr hier mitgelesen, kommentiert oder mir E-Mails geschrieben habt: Danke. Danke fürs Vorbeischauen, danke fürs Schreiben, und danke fürs Wiederkommen.

Ich wünsche euch einen schönen Abschluss dieses Jahres, einen guten Beginn des neuen, und dass sich erfüllen mag, was auch immer ihr euch erträumt. Und: Habt es gut.

(Read on, my dear. Read on – next year.)

*30.12.: Nicht einer. Zwei. Ja, es kommt immer anders. … Und manchmal auch ganz anders, als man sich ausmalen mag. R.I.P.

Wo die Weihnachtsmärkte heller, die Goldlockengel kitschiger, die Waffelherzen herziger, die Punschgetränke klebriger, die Straßenzüge windiger, die Regenschauer eisiger und die Apfelstrudel zuckriger sind als überall auf dieser Welt, wie man Schokolade in einer Tasse versenkt und was zu tun ist, wenn es in den Punsch reinregnet: Zweiundfünfzig Stunden Wien

(*)

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P.S.:      –