Ich reise allein

Alleine zu reisen bedeutet für mich daher auch, dass ich mir immer wieder bewusst mache, dass ich bisweilen den sozialen Stecker ziehen muss, damit es mir gut geht, und dann irgendwo hinfahre, wo es schön ist und ich wieder Kräfte sammeln kann. Das Tolle ist: egal was vorher alles los war – spätestens nach drei Tagen verliere ich mein Zeitgefühl und mein Kopf ist so frei, dass ich wieder alles neu sortieren kann. Für mich ist diese Zeit eine, in der mir mühelos gelingt, was mich sonst sehr viel Kraft kostet: mich auf das Wesentliche konzentrieren. Mich um mich selbst kümmern. Der Abschaltfaktor eines solchen Urlaubs ist für mich durch nichts zu ersetzen.

“Ich reise allein” – warum das so ist, habe ich einmal für kleinerdrei aufgeschrieben.

Sardinien. E la vita è bella.

Edit: Ich habe die traumatischen Erlebnisse aus diesem kleinen Urlaub auch noch in einer Miniaturserie hübscher Texte aufgearbeitet. Falls Sie lesen mögen: bitte gerne – “ZELTEN”

Und nun zurück zum Eigentlichen:

La Maddalena, Sardinien

05:15 Uhr, Flughafen Köln-Bonn. 18,7kg aufzugebendes Gepäck. Man nimmt nicht so viel mit, auf so eine Reise. Viel ist es am Ende trotzdem: Zu jedem Kleidungsstück eines zum Wechseln, gewaschen wird täglich, dazu Zelt, Schlafsack, Kocher, Isomatte, Wanderkarte, Bücher, Fahrradlampe, Mütze, eine leere Plastikflasche, eine Tüte Studentenfutter. 1 Stunde 50 Minuten Flug bis Sardinien, Olbia. Der Rest zu Fuß und mit Überlandbussen. Temperaturen zwischen 10 und 28 Grad. In den Nächten auf Zeltplätzen und einer recht dünnen Isomatte. Größter Luxus: Hängematte, Espressokocher.

Brücke La Maddalena - La Caprera, Sardinien

Und dann: zwei Wochen alleine, bei traumhaftem bis wirklich saumiesem Wetter. Gewandert, spaziert, geschwommen, fotografiert. Weitergefahren. Gestaunt, gelacht, gelesen, geschaut. Zeit gehabt, für nichts, zum Denken, für lange Texte und Langzeitbelichtungen. Gelegen: in der Hängematte, im Zelt, am Strand, im Meer, auf Felsen, auf Wiesen. Gesucht: Touristen-Informationen, Zeltplätze, Sonnenmilch, Supermärkte, besseres Wetter. Gefreut: über Sonnenaufgänge, Sonnenschein, Schatten, Sonnenuntergänge, glasklares Wasser, einen ankommenden Bus, eine heiße Dusche, ein Croissant und einen geliehenen Hocker.

Palau, Sardinien

Und ansonsten: Blau und Grün und Sandweiß. Der Rest war Sternenhimmel und Meeresrauschen. Und das sah so aus (bei Klick sind die Bilder ganz zu sehen):

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Schlussabrechnung

Verluste: 7 Bücher (unterwegs ausgesetzt), 38 Texte (geschrieben in den vergangenen 2 Wochen, binnen 10 Sekunden unwiderruflich gelöscht), 1 Handtuch (weggeworfen).

Gewinne: 2.467 Fotos (davon 1.773 hochauflösend), 1 Sonnenbrand, 1 neue Haarfarbe (Straßenköterrotblond), 428g Sand, Dreck und Kekskrümel (verteilt auf 14 Hosen- und Rucksacktaschen), 150g Rosmarinhonig (gekauft), 1.500g Erholung (in kleinen Scheiben), 10 neue Ohrwürmer (zugezogen), 1 Muskelkater (dauerhaft), 2 Seile à 2 Meter (nachgekauft), 1 sehr kleiner Berg Dreckwäsche und 1 italienische Ameise (Direktimport).

San Teodoro, Sardinien

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Es sind nicht unbedingt die schlechtesten Geschichten, die beginnen mit Geht eine Frau in den Wald.

Ich ging, legte mich auf den Boden, robbte mit der Kamera vor dem Gesicht durchs Unterholz und kam nach vier Stunden wieder aus dem Wald heraus: mit trockenen Blättern und Zweigen in den Haaren, Dreck im Gesicht, verschrammten Armen und Grasflecken und Tannennadeln auf der Kleidung.

Was dabei entstand, ist eine Explosion von Farben und Licht und eine Ode an den Frühling. Viel Spaß!

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Der Film “Gerhard Richter Painting” ist jetzt online und warum man sich den auf jeden Fall anschauen sollte

Letzten Sommer gab es Freiluftkino im Volkspark Friedrichshain. Das war ziemlich awesome, da es warm war und ziemlich finster, so dass das einzige, was hell war, die Leinwand und außerdem der Sternenhimmel waren, und außerdem hatte ich einen Physiker dabei, und mit Physikern kann man lustige Diskussionen über so ziemlich alles führen.

Besonders awesome war jedenfalls der Film: Gerhard Richter Painting. Ich fand den Herrn Richter so schon spannend, und seit dem Abend bin ich ziemlich großer Fan, auch, weil er eigentlich völlig verschroben ist und sich ziemlich wundert über den Rummel um seine Person und weil er immer aussieht, als ob er gerade denkt “lasst mich! Ich will doch nur spielen!”. Außerdem hat er’s wirklich drauf. Und deshalb muss man diesen Film unbedingt sehen. Das auf dem Bild hier ist übrigens die Hand Gottes Richters. Die anderen Lichtpunkte sind Parklaternen.

Gerhard Richter sagt auch ziemlich gute Sachen, deshalb habe ich mir während der Vorstellung im Dunkeln mit Filzstift seine besten Sätze auf beide Unterarme geschrieben (ich bin Rechtshänder). (Bei Tageslicht betrachtet erschließt sich der Unsinn dieser Idee, ganz besonders an den durch Unterstreichung gekennzeichneten Stellen.) Das Ergebnis, exemplarisch an einem Unterarm (das auf seine Rücksendung wartende Zalando-Paket rechts unten im Bild hat nur eine Rolle als Statist abbekommen):

Ich habe kein einziges Zitat später noch lesen können, und deshalb und auch für alle, die den Film noch nicht gesehen haben, ist das hier eine besonders gute Nachricht: den Film gibt es jetzt bei Arte (danke für den Hinweis an André). Der Film ist noch bis Mittwoch online, nämlich hier, man kann sich das also ganz toll am Wochenende anschauen (das geht bestimmt auch mit Laptop auf dem Balkon). Ich werde das jedenfalls machen (und diesmal einen Block zur Hand haben).

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