wunder

schoen aber selten. Sometimes I do.

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Heute

Heute ist so einer dieser Tage, an denen man Bauch an Rücken oder Schulter an Hals oder Nase an Nase daliegen, und nicht in irgendeinem Auto sitzen und nur an roten Ampeln SMS schreiben, oder auf Sofas unter längs gestreifter Bettwäsche herumliegen sollte. Es ist kein Tag, an dem man Gedanken oder Sätze teilen sollte in Haupt- und Nebensätze, sondern einer dieser Tage, an denen man nur eines teilt, nämlich das Bett, das Sofa oder ein Stück Teppichboden, und zwar nur mit jemandem. So ein Tag ist das nämlich. Und deshalb weiß ich umso mehr noch, dass ich dich erkennen werde, wenn wir uns wiedersehen, und zwar vielleicht daran, wie du gehst oder stehst, daran, wie es aussieht, wenn du in die Sonne schaust und das Licht über deine Schultern fällt, wie deine Barthaare sich morgens kräuseln, wie dein blaues Hemd fällt, wenn es einen Knopf zu weit auf ist, wie du Kaffee kochst und wie du liegst, wenn du herumliegst, wie du eine Zigarette hältst, wie du atmest, wenn dein Herz schneller schlägt, wie du mich ansiehst, wenn du glaubst, dass ich es nicht sehe, wie du die Augen schließt, wenn du denkst, wie du deine dunkelgrüne Tasche trägst und deinen Pullover, wenn es schon viel zu kalt ist für nur einen Pullover, wie dir etwas einfällt, wie du in deinem Kopf die Pointen sortierst, wie du Gesten machst, wie du dich selbst unterbrichst, wie du Geschichten erzählst; für all das muss ich dich nicht einmal küssen, um das zu merken. Auch wenn küssen eine besonders gute Methode ist, um sicherzugehen: ich muss dich nicht küssen, um dich zu erkennen.

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(vom Aufheben)

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Ich streune durch die Straßen dieser Stadt, ich gehe ziellos durch die Gassen, ich suche nichts mehr, ich brauche nichts mehr, ich warte einfach nur noch ab, und alles, was ich noch habe, ist ein brauner Schuhkarton in meiner Hand. Denn da sind diese Sätze, die ich lange nicht sagte, die mir so aus dem Mund fallen, langsam zu Boden sinken wie die Blätter der Bäume um uns herum, kleine Kreise ziehen in Atemwolken, tanzen in der kalten Luft, kurz schwerelos sind, wenn ein Windstoß kommt, sich noch einmal aufbäumen, bis sie mit einer Ecke und dann ganz den Boden berühren und liegenbleiben. Manche von ihnen hebe ich auf und packe sie in den Schuhkarton, lege sie vorsichtig zu all den anderen, die schon da sind und warten, und setze den Deckel wieder darauf. In den Deckel habe ich drei Reihen kleiner Luftlöcher gestanzt, denn manche Sätze brauchen Licht, und manche Sätze müssen atmen. Ich bin wachsam, denn in meinem Schuhkarton, darin ist auch etwas von dir. Es ist etwas, was du nicht vermisst, und wovon du noch nicht einmal weißt, dass ich es habe. Es ist etwas, das vor einigen Tagen aus Versehen aus meinem Mund fiel und mit Schwung auf der Straße in einem Laubhaufen landete. Da kniete ich mich hin und sah es eine Weile an, wie es da so lag, in seinem kleinen Krater aus Laub und Straßendreck. Es war viel mächtiger als alle anderen, viel rauher und bunter, und als ich es aufhob, war es das Leichteste und Schwerste, das Kleinste und Größte, was ich je in Händen gehalten hatte. Es roch nach Nacht und Tag, nach Hunger und Durst und es roch vor allem nach dir. Ich öffnete den Schuhkarton, räumte darin ein wenig um und machte Platz, damit es hineinpasst, ich besah es noch einmal und packte es hinein, ich musste es diagonal legen, damit der Deckel noch zuging, und seitdem ist es da, in meiner linken Hand, wie alle anderen und eben doch auch nicht.

Ich kann sie nicht alle aufheben, manchmal bin ich zu müde, mich um sie zu bemühen, und wenn der Karton am Ende des Tages so schwer geworden ist, dass ich ihn nicht mehr tragen kann, dann lasse ich sie auf dem Boden liegen, lege mich hinter den Straßenecken, in den letzten beblätterten Büschen auf die Lauer, ich warte, was passiert, und sehe den Menschen zu, die an ihnen vorbeilaufen, über sie hinweggehen, auf sie drauftreten, sehe den bunten Blättern zu, die sie bedecken, dem Regen, der auf sie fällt, und wenn es dunkel wird und sich die Nacht  in die Häuserschluchten drängt, dann hoffe ich, dass noch jemand kommt, der sie erkennt, sie vielleicht nur kurz betrachtet, oder gar einen von ihnen aufhebt und mitnimmt. Ich liege derweil in meinem Versteck, ich warte nicht und warte doch ab, ich beobachte die Menschen und sehe die Vögel, die die Stadt noch immer nicht verlassen haben. Manchmal nicke ich für einen Moment ein, dann liegt mein Kopf auf dem Karton wie auf einem eckigen Kissen, und manchmal kommt ein Hund vorbei, wundert sich kurz und geht dann weiter.

Und wenn es dann zu kalt wird, in meinem Versteck, dann nehme ich den Schuhkarton in meine linke Hand, die Taschenlampe in meine rechte, und gehe zurück in meine Wohnung, ganz dicht gehe ich an den Häusern entlang, im Schatten der Straßenlaternen, in der Hoffnung, dass niemand mich bemerkt, husche ich ins Warme zurück. Behutsam schließe ich die Türen der Wohnung auf , stelle meine schlammigen Schuhe in eine Ecke und räume den Boden frei. Dort breite ich sie nun alle aus: die langen Sätze, die halben Buchseiten, die Wörter, die kleinen, zusammenhanglosen, durchnässten Wortgruppen, oft viel zu früh an falscher Stelle abgerissen, beschädigt, mit Flecken vom Dreck der Straßen, viele mit Gebrauchsspuren, andere vom Zerdenken ganz mürbe, manche schon völlig zerfetzt. Nur einige wenige so schön, dass ich sie kaum mit meinen viel zu großen Händen anfassen mag, dass ich sie nur mit einer Pinzette berühre, nebeneinanderlege und betrachte. Aber wenn alles ganz leise ist, dann kann man hören, dass manche von ihnen Musik sind, wenn sie leise atmen und manche von ihnen singen. Und dann, wenn ich sie alle ausgebreitet habe, lege ich sie zum Trocknen ganz nah an die Heizung und warte ab. Warte, bis sie trocken sind, und bis ein neuer Tag beginnt. Eines Tages, da werde ich sie alle gefunden haben. Und eines Tages, da werde ich dir zeigen, was einst in einen Laubhaufen fiel und eigentlich nur dir gehört.

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we could have been lovers

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Und als der Regen fiel, hätten wir uns küssen können zwischen den Pfützen, an den grünen Ampeln, auf den Zebrastreifen und unter den Brücken.

Weil unsere Mäntel mit dem Grau des Tages verschwommen wären, hätten nur ein paar Leute uns gesehen, wie wir da stehen, wie ich meine Hände vergrabe in deinen hellen Locken, wie deine Arme um mich geschlungen sind, wie nass unsere Haare schon sind vom Dastehen und Küssen und dass deine Füße in den schönen grünen Sneakers auf einem Gullydeckel stehen und ein kleiner Bach an ihnen vorbeifließt, der schlingernd eine Handvoll Blätter, drei Kippen und ein Kaugummi in die Tiefe trägt. Es wäre gewesen wie damals, an jenem Regentag vor dreieinhalb Jahren, als wir an einem anderen Bahnhof in einer anderen Stadt standen, aneinandergelehnt, uns in die Augen sahen und der alte Mann uns sah, stehenblieb, lächelte und ganz leise sagte so muss die wahre Liebe sein und weiterging. Hätten wir uns geküsst, wäre das Leben weitergegangen wie er, zur Bahn, zum Bäcker, den Bach runter oder ziellos die Straße entlang.

Es gibt nur dieses eine Foto von uns. Im impulsiven Moment eines Gefühls von Kulturmangel hatte ich mir eine Eintrittskarte gekauft, und dann war ich tatsächlich auch hingegangen, ins Theater, ganz alleine, und ich war viel zu früh da. Auf dem Foto läufst du links durchs Bild, lachend und eine Geste in die Luft malend, inmitten einer Gruppe Menschen, die ich davor und danach nie wieder gesehen habe, ich stehe rechts im Bild, ganz hinten an einer Säule, und betrachte den Boden, das war, weil auf dem Boden ein Fleck zu sehen war, von dem ich überlegte, ob es ein festgetretenes Kaugummi sein könnte, ein Fleck, den ich mir in Wahrheit nur ausgedacht hatte, weil ich nicht gewusst hatte, wohin mit meinen Augen. Nach der Aufführung war ich schnell nach draußen gegangen, vor dem Theatereingang stehengeblieben, weil ich erst da die Sinnlosigkeit dieses schnellen Aufbruchs bemerkt hatte, sinnlos, wo ich doch eh nicht wusste, wohin mit mir und dem Rest des Abends. Ich lief am Theater entlang, landete vor dem Bühneneingang, setzte mich auf eine Mauer und steckte mir eine Zigarette an, Da ging die Tür auf, du kamst heraus, fragtest nach Feuer und setztest dich neben mir auf die Mauer, und dann saßen wir da so. Bis du sagtest ich bin müde, morgen ist schon die nächste Aufführung, die Knie unter dein Kinn zogst und ich nicht wusste, was ich dich fragen oder sagen sollte, alle Worte, die ich mir im Kopf zurechtlegte, sahen bei näherer Betrachtung falsch und unangemessen aus, also sagte ich nicht viel. Du auch nicht. Du wolltest noch ein wenig spazieren, zum Runterkommen, und dann nach Hause gehen, ich dachte dann, so ein Spaziergang, das wäre doch ok, und dann liefen wir einfach, die Isar entlang, über das Eis, durch einen Park und leere Straßen zurück zum Fluss, es war furchtbar kalt und dunkel, nur im Schein der Straßenlaternen sahen wir noch die Atemluft in den Nachthimmel steigen. Das nächste Mal sagten wir etwas, als wir auf diese Brücke zugingen, und alles anfing.

Deinetwegen habe ich. Ach. Ich bin Dichter, das weißt du, hast es immer gewusst, noch bevor wir auf dieser Brücke über der Isar standen und die Sonne aufging. Wir Dichter haben es mehr mit der Sehnsucht als mit der Erfüllung, das ist Schrott, aber wenigstens systemimmanent. Du bist Tänzerin, du hast es mehr mit der Bewegung als mit dem Stillstand, das ist auch Schrott, aber wenigstens sieht es schön aus. Ich mag es, wenn du tanzt.

Und dann, vor ein paar Wochen, hast du mir auf die Mailbox gesprochen, an meinem Geburtstag. Nur deinetwegen hatte ich die Mailbox wieder aktiviert. Ich hatte schon geahnt, was passieren würde, wenn du anrufst, dabei hatte ich nicht einmal gewusst, ob du es tun würdest. Dann blinkte dein Name auf dem Display und ich tat so, als sähe ich es nicht, als hörte ich das Klingeln nicht. Dabei habe ich doch nur darauf gewartet, dass es endlich aufhört, wie ich seit drei Jahren jede Stunde darauf warte, dass es endlich aufhört. Die ganze Zeit seit meinem Geburtstag habe ich deine Stimme in meiner Jackentasche herumgetragen, ja, in der Jackentasche, nicht in der Hosentasche, weit genug weg, kein direkter Körperkontakt; und doch ausreichend nah, nur wenige Sekunden und fünf Zentimeter weit entfernt; alles genau so, wie es immer war. Ich habe mir diesen Moment aufgespart, für einen Augenblick, in dem es passt, in dem alles soweit gut ist, dass ich dir wieder begegnen kann, ich habe gewartet, mich verzehrt und mich dafür gehasst, doch der Augenblick kam nicht, und dann habe ich es nicht mehr ausgehalten, ich habe die Mailbox abgerufen, Sie haben eine neue Nachricht, ein Knacken und dann der Moment, in dem die Luft im Raum in sich zusammenfällt. Danach ging ich einkaufen, das Spülmittel war leer.

Wir waren nie so viel, wie wir hätten sein können, und noch heute trete ich beim Gedanken daran trotzig gegen kleine Steine.

Dann sahen wir uns das letzte Mal, von dem wir wussten, dass es das letzte Mal sein würde. Und wir haben uns nicht geküsst. Wir haben nur dagestanden, voreinander, und uns an den Händen gehalten. Wir haben uns nicht mehr angesehen, und nun weiß ich nicht einmal mehr, wie hell deine Locken sind. Es gibt doch nur dieses eine Foto von uns. Ich weiß nur noch, dass beim Kiosk nebenan zehn verschiedene Schlagzeilen auslagen, Päckchen von roten Gummischlangen und das neueste Lustige Taschenbuch; dass da vierzehn Backsteinplatten an der Wand schwarz bemalt waren, fünf Punks in einer Ecke saßen und sieben Hunde an uns vorbeiliefen in all der Zeit. Und als ich danach aus Versehen wieder in dein Gesicht sah, da weintest du, ich weinte auch, und es war nicht wie in diesem scheiß Lied, weil nämlich jeder genau weiß, was Regen ist und was nicht.

Und ich glaube, der alte Mann hatte Recht.

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Segelboot, trotz allem (Szenen)

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In der Küche liegen noch einige Zettel, kleine Grüße in fremder Handschrift aus den drei Minuten vor Verlassen des Hauses. Sorgsam schichte ich sie auf einen Stapel und stelle das nutella-Glas darauf.

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Es ist Montag, ich gehe in den Waschsalon. Als ich die Waschmaschine einschalten will, merke ich, dass ich meine Mütze noch trage, ziehe sie mir vom Kopf und werfe sie in die Trommel.

Viele Autos in Russland haben eine kleine Kamera eingebaut, die das Geschehen in der Umgebung filmt, 5 Minuten lang speichert und dann wieder überschreibt. Wird man in einen Unfall verwickelt, drückt man einen kleinen Knopf und alle Bilder der letzten 5 Minuten bleiben dauerhaft gespeichert. Letzteres ist der Stand der Dinge.

Ich habe eine Trocknerbenutzung gekauft, 15 Minuten, 60 Grad. Ich öffne die Tür mit dem schwarzen Griff, werfe nur die Mütze hinein, und dann setze ich mich davor und sehe zu, wie das kleine schwarze Bündel in der riesigen Trommel herumwirbelt.

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Da war, vor einer nicht näher bezeichneten Anzahl von Tagen, dieser eine, kurze, halb von der Seite streifende Blick. Und seitdem.

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Ich habe mich aus der Wohnung ausgesperrt. Alles, was ich dabei habe, sind mein Personalausweis, ein Päckchen Kaugummi, ein Sack nasse Wäsche, eine trockene Mütze und 27 Cent. Das Geld drücke ich an der nächsten Straßenecke jemandem in die Hand. Geht, so.

In der U-Bahn, ein Kind mit einem Cello steigt ein und die Frau mit den kurzen braunen Haaren und den riesigen Augen sieht mich an. Lächelt.

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Er sitzt mir gegenüber, breitbeinig wie immer, eine Hand in den Haaren vergraben, mit der anderen fährt er sich übers Gesicht. Es sind diese kleinen, vertrauten Gesten, die bleiben. Immer. Trotz allem.

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Dienstag, in der Bar hockt ein Mann, mehr ein Junge, an einem Zweiertisch, er sitzt alleine mit seinem Buch, manchmal streicht er sich die blonden Haare aus dem Gesicht. Auf seinen rechten Oberarm, halb verdeckt vom T-Shirt-Ärmel, ist ein Segelschiff tätowiert. Es ist ein Dreimaster.

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Ich sitze in einem Bus, es ist angenehm warm hier drin, die Menschen sind leise, ich höre gute Musik, wir fahren durch die Nacht und es wäre völlig in Ordnung, jetzt einfach so weiterzufahren, und gerne auch für immer.

Man sollte eh häufiger einfach mal behaupten, dass es für immer ist. Mal nur noch das machen, wovon man das wollen würde, dann zur Eingewöhnung so tun als ob und schließlich einfach daran glauben, dass es für immer sein kann. Für immer ist. Oder wenigstens fast.

Große Lust, einfach falsch umzusteigen und durch die Nacht zu fahren. Für immer.

Vielleicht auch im Taxi.

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Ich steige aus der Bahn aus und gehe die Treppen hoch, auf der letzten Stufe zünde ich mir eine Zigarette an, ich laufe geradeaus, über das Lüftungsgitter, vorbei am Theater, namenlosen Sträuchern, Bäumen, Gewächshäusern, unter der Kastanie durch.

Es ist finster, ich sehe, spüre, sage nichts, da bricht die Zigarette ab, zwischen meinen Fingern nur noch der Filter, und ich merke, dass es seit einem halben Kilometer in Strömen regnet.

Ich gehe in der selben Geschwindigkeit weiter, der Regen wird stärker, meine Jeans kleben an meinen Beinen. Als ich in die Wohnung komme, tropft das Wasser aus meinen Haaren, fällt zu Boden, dann liegt es da und ich hole einen Putzlappen.

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Meide keine Pfützen.

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Cela

Und dann die Rituale. Den Schlüsselbund herausziehen, den Schlüssel finden, die erste Tür aufstoßen. Den Briefkasten öffnen, die Post noch im Treppenhaus durchsehen, die Stufen zählen, die Wohnungstür aufschließen, vorbeigehen am Fahrrad, das immer noch im Flur steht. Gepäck in eine Ecke werfen, die Fenster öffnen, in den Sessel fallen und eine Zigarette rauchen. Das Wasser aufdrehen, den Boiler einschalten, die Stecker wieder in die Steckdosen stecken (die Sicherungen klemmen). Wieder auf dem Sofa schlafen, weil das Bett so groß geworden ist, über all die Zeit. Am nächsten Tag aufwachen. Alles ausziehen, auf einen Haufen werfen, Schals und Mützen dazu, dann die Steppe aus dem Bauchnabel pulen, das Kleingeld abzählen, dreifünfzig pro Maschine, in den Waschsalon laufen, sechzig Grad normal, fünfunddreißig Minuten warten. Vor dem Waschsalon auf der Fensterbank sitzen, rauchen, eine Nummer wählen, reden, Fragen stellen, nicken, nichts beantworten können, auflegen. Die Wäsche aus der Maschine ziehen, zwei Euro und ein blaues Feuerzeug wiederfinden, in die Wohnung zurückgehen, alles aufhängen, das Geschirr spülen, im Abflussstrudeln einem Lebensgefühl hinterherblicken. Niemals winken, wenn es geht. Mit nassen Händen durch die Wohnung gehen, hin und her, die Hände an den Jeans abstreifen, Dinge in die Hand nehmen, abtasten, nichts dabei fühlen, weitergehen, an einem Tischbein hängenbleiben, noch ein Fenster öffnen, hinaussehen, sich umdrehen, in den Raum blicken

und sich wundern, wie man es so lange hier ausgehalten hat.

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