wunder

schoen aber selten. very much alive.

Menu Close

Page 5 of 147

Der langsame Tod eines sehr großen Tieres

Ich bekomme den Mund nicht mehr richtig auf (aber auch nicht richtig zu). Auf meiner Zunge sitzt der Geschmack von Zahnpasta und Mundspülung fest. Ich bin zu müde, das Bett zu verlassen. Ich habe keine Lust mehr, zu essen. Gestern habe ich nur ein halbes, kleines Stück Käsekuchen geschafft. Ich esse den ganzen Tag Schmerzmittel, damit ich nicht anfange, gegen Wände zu laufen. In meinem ganzen Kopf zieht es, in die Schläfen, in den Wangen, am Hals seitlich hinten nach innen, ich frage mich, wie Nervenstränge verlaufen und wann das mal wieder aufhört. Eigentlich fand ich meine Weisheitszähne nämlich gar nicht so schlimm.

Und dann denke ich daran, wie das letzte Woche war. Heute vor einer Woche, da bin ich noch mit hundert Sachen über gefrorene Seen und dann in den Wald gedüst (das aber nicht mehr ganz so schnell). Heute vor einer Woche, da bin ich im Hotpot gesessen, ins Eisloch gehüpft und habe Schnaps getrunken und Zigarren geraucht. Und am Abend, heute vor einer Woche, da haben wir ein Konzert gespielt, vor hundert verrückten Finnen, und ich habe gesungen bis nachts um 2.

In meinem Mund, was da passiert, das ist der langsame Tod eines sehr großen Tieres.

Und dann fällt mir ein, dass damit eigentlich mal etwas ganz anderes gemeint war:

“Are you joining me in the pool or is it just casual friday?” – Der Januar

201312_silvester142

Gemacht (1)
Rührei bestellt
Island vermisst
Im Hotelbett gelegen
Sehr viel geschlafen
Chips gegessen
Da gewesen
Serien geguckt (Mad Men / Dr. Who / 2 Broke Girls)
Seriengucken aufgegeben (nach 2 Episoden / nach 4 Staffeln / nach einer Staffel)
Mit der Rentenversicherung telefoniert
Sehr viel gesungen
Sachen aufgenommen
Weitergemacht
Bürobier getrunken
Haare gerauft
Haare abrasiert
Fotoshooting
KLASSENFAAAAAAAHRT!
Ingwer nach Lanzarote ausgeflogen

201419_0433

Gehabt
Blaue Flecke
Moscow Mule mit wenig Ginger Beer
Sonnenbrand
Sardelle

Gesehen
Hannes und der Bürgermeister
Meer
Einen fast waagerechten Regenbogen direkt über dem Boden
Sonnenuntergang über den Wolken, Alta
Schnee
Stadtautobahn
Mehr Schnee

201419_1233

Gemacht (2)
Meer geguckt
Vermisst
Im Meer gestanden und nass geworden
Beachvolleyball gespielt
Mir beim Hinfallen derart mit dem Arm gegen den Schädel gedonnert, dass ich Sterne gesehen habe
Im Pool gebadet
Im Pool Meeting abgehalten
Sterne geguckt
Hühnersuppe gekocht
Chlorwasser geschluckt
Wichtige Sachen beredet
Umarmt
In der Hängematte gelegen
Eis gegessen
Gekocht
Pläne geschmiedet
Mercedes Vito rückwärts eingeparkt
Gearbeitet
Fotos
Temperatursturz verarbeitet
Mich einen Idioten geheißen
Ein Wiedersehen
Texte geschrieben
Mehr Fotos
Kein Foto
Über Geld geredet
Mehr Haare gerauft
Mehr gearbeitet
Das letzte Ginger Beer verschenkt
Schneespaziergang im Park
Ein bisschen verliebt, vielleicht

201419_1518

Gemocht
Sonne!
Eis

Gewesen
In Frankfurt
In Berlin
Auf Lanzarote
Braungebrannt
In Potsdam
Im Radio (hier zum Nachhören)

201419_1234

Gesagt (1)
“Ich renne jetzt los, und du sorgst dafür, dass das Feuerwerk noch da ist, wenn ich zurückkomme!”
“Herzlichen Glückwunsch zur Verlobung.”
“Wäre diese Woche ein Newsletter, hätte ich mich direkt am Montag abmelden sollen.”
“Das ist schlimmer als ein Kindergarten, in dem ein Sack Flöhe ausgebrochen ist!”
“Mein realistisches Äußeres ist nur Schein. Tief in mir drin bin ich ein Romantiker, der nur darauf wartet, auf die Menschheit losgelassen werden.”

201419_1319

Gesagt (2)
“Dieses Open Source-Projekt ist ein bisschen wie ein Bauernhof: hier muss jeder alles machen.”
“Are you fine?” – “I always will be.”
“We decided that you will cook tonight.”
“Gepäckausgabe?” – “Läuft!”
“Ich brauche ein Anti-Aggressionstraining.”
“Don’t date a girl who travels.”

201419_2384

Nicht gesagt
“Ihr heiratet???!”
“WHAT THE FUCK?!”
“WHAT THE FUCKING FUCK???!”
“Wanna date me?”

201419_0422

Gelernt
Jedes Mal, wenn ich Knäckebrot oder Möhren esse, bekomme ich Schluckauf.
Mir fehlen nicht die Parties, mir fehlt das Gefühl nachts auf dem Heimweg.
Sieben Leute essen verdammt viel Essen weg.
Ich kann krass schnell sprechen.

201419_1277

Gehört (1)
“Ein bisschen Stilbruch ist ja immer ganz gut.” – “Aber musste es dafür ausgerechnet diese Tapete sein?”
“I don’t make plans. And I don’t make breakfast.”
“Womöglich musst du einfach mehr trinken.”
“Tja, so ist das als beste Freundin. Man hat da einen Job zu tun!”
“Wir lassen die Probe ausfallen und gehen einfach gleich Bier trinken.”
Tainted Love
“Es ist schon schlimm, dass es abends so kalt ist. Man muss fast schon ein zweites T-Shirt anziehen!”
“Are you joining me in the pool or is it just casual friday?”

201419_0369

Gelacht
“I could rain on you any time.”
“Choo choo, Motherfucker!”
“I’m a creep, I’m a weirdo.”

Gehört (2)
“Say ‘fuck yeah high 5’!”
“Mut zum Sonnenuntergang!”
“Love the Poke!”
“Wenn du mir absagen willst, musst du dir schon ein bisschen mehr Mühe geben.”
“Ich hab mich jetzt leider gar nicht vorbereitet. Sorry!”
“We have to go drinking next week.”

201419_1087

Lied zum Monat
Moderat – A new Error (ja mei)

Anzahl DSLR-Fotos
3.285

Offene Fragen
Wer hat meinen Smoothie ausgetrunken?

Status
Wenn das so weitergeht …

 

Radio, Radio

201419_1400

Ich bin seit noch nicht einmal 24 Stunden von einer Reise nach Lanzarote zurück, ich habe drei Pullover an und ich versuche, den Temperatursturz um 30 Grad zu verarbeiten. Jedenfalls, machen wir es kurz: am Montag, also morgen, bin ich ab 22 Uhr bei Radio Fritz zu Gast. Wir reden übers Alleinereisen und diesen Text und ich versuche, möglichst selten “äh” zu sagen. Ach ja: für alle ohne Rundfunkempfangsgeräte gibt es hier auch einen Livestream.

Machen Sie sich einen schönen Abend. Ich gehe mich jetzt mal auftauen.

201419_0369

Der Mond, der Arsch

Es ist ein Wochenende, es ist schon spät am Abend, ich bin schon wieder auf einer Party, obwohl ich sonst nie auf Parties gehe, und ich komme ins Wundern. Ich wundere mich, dass es nichts Neues gibt, nur die selben Klamotten wie in der letzten Woche, die selben Tricks, die selben Sprüche wie in den letzten Monaten, es ist nichts Besonderes mehr dabei. Und genau genommen wundere ich mich noch nicht einmal, höchstens genau so viel, wie sich jemand wundern kann, der in ein altes Brot beißt, das wie altes Brot schmeckt und weich wird, je länger man darauf herumkaut. Fad. Hunde, die beißen, bellen nicht, denke ich mir, trinke mein letztes Getränk nicht aus, stelle mich an die Straße, winke und nehme ein Taxi in die Gegenrichtung. Der Taxifahrer spricht nicht, ich spreche auch nicht, ich kurbele das Taxifenster herunter, strecke den Kopf hinaus und versuche, den Mond zu sehen. Aber es ist Neumond und da hat der Mond frei. Der Arsch.

Spät ist es, als ich ankomme, an der Adresse, die du beschrieben hast, durchs Dunkel gehe ich an einer Baustellenbeleuchtung vorbei. Jemand hat kleine Lampions an den Wegesrand gestellt, als ich die Tür öffne, tropft Kondenswasser von der Decke. Der Raum ist dunkel, niedrig, ich kenne niemanden hier, ich werfe meine Lederjacke in eine Ecke und stelle mich irgendwo dazu, n Bier n Euro, ich habe keine Lust auf Bier, die Musik ist nicht richtig laut, ich habe sehr große Lust auf sehr laute Musik. Du bist nicht da, du hast eine Verabredung. Komm doch mit, hast du gesagt, ich habe nur den Kopf geschüttelt. Niemand den ich kenne und ich, wir stehen in einer Ecke und rauchen, weil wir dann nicht reden müssen, wir trinken Gin aus der Flasche, weil das jetzt geht. Wir legen uns in einer Ecke auf das Sofa, weil alle anderen gegangen sind. Und dann liegen wir da, zu fünft oder sechst, so genau erkenne ich das nicht, quer und längs gestapelt, wie viele Leute man wohl braucht, um einen großen menschlichen Teppich zu weben?. Mein Kopf liegt an irgendeiner Brust (ein Teppich, der atmet, das wäre schön), irgendwer streichelt mir den Rücken, es ist mir egal, wenigstens ist es warm und der Zigarettenrauch steigt nach oben. Jemand deckt mich mit seinem Körper zu, irgendwann schlafe ich ein, an irgendeiner Brust.

Als ich wieder aufwache, will ich weiterschlafen, stattdessen suche ich meine Jacke in der Ecke, ziehe sie an, die anderen schlafen alle noch. Es ist ein Berg Mensch, der atmet. Ich gehe nach draußen. Die Lampions am Weg sind aus, es ist schon winterhell und ich gehe zu dir. Leise drehe ich den Schlüssel im Schloss herum, mache die Türe vorsichtig hinter mir zu. Durch die Vorhänge im Wohnzimmer leuchtet die Morgensonne, ich will nicht auf den knarzenden Dielen laufen und trete doch darauf. Ihr Geräusch durchdringt die Stille. Ich drehe die Heizung auf und putze mir nicht mehr die Zähne, weil das so laut ist. Ich hoffe, dass du noch schläfst, ich ziehe mich aus, werfe die Klamotten in eine Ecke, lege mich hin, die Knie ans Kinn gezogen. Als ich wieder aufwache, stehst du mit zwei Tassen Kaffee vor dem Sofa, du riechst geduscht, deine Haut ist nass, deine langen Haare kleben auf deinem Rücken, du trägst nur ein T-Shirt und siehst auf mich herunter, wie man auf einen Überrest der Nacht heruntersieht, der aus Versehen in den Tag gefallen ist. Dann reichst du mir eine Tasse, ich rutsche ein Stück zur Seite, du legst dich neben mich, wir trinken unsere Tassen leer und stellen einander keine Fragen.

“Wehe, Sie fummeln an meiner Aura rum!”

Screen Shot 2014-01-09 at 18.06.53

Damit wir uns alle mal wieder erinnern, wie Fernsehen sein könnte, wenn es häufiger wäre, hat der NDR den Tatortreiniger eingekauft. Aber eigentlich ist die Sache mit dem Geld auch einfach mal komplett egal, weil jeder Tag ein besserer Tag wird, wenn man sich diese Filmchen anschaut.

“Wir haben all die Liebe, die für ein ganzes Leben hätte reichen sollen, an einem Wochenende verballert.”

In jedem Fall: es gibt neue Folgen. Wenn Sie das Format noch nicht kennen: hier steht, warum Sie das gucken müssen, selbst wenn Sie wie ich das Fernsehen verabscheuen worum es geht. Kurz gesagt: ein Kammerspiel und das ganz wahre Leben: unprätentiös, und sich nicht zu blöde, wenn alles vorbei ist, den Dreck vom Boden zu wischen.

“Die Spuren da, was bedeutet das?” – “Größe 43.”

So sieht das dann aus, in den folgenden Folgen:

Ganz normale Jobs
Geschmackssache
Auftrag aus dem Jenseits
Angehörige

Heute gibt es wohl um 22 Uhr im NDR noch mehr Folgen (zum Beispiel “Schottys Kampf”, die ist ganz hervorragend und bietet gute kulturelle Hintergrundinformationen zu Gummibärchen). Sie finden das alles entweder hier beim NDR oder da in der ARD Mediathek oder im Fernsehempfangsgerät Ihres Vertrauens, und ganz bestimmt noch ein paar Tage lang.

Screen Shot 2014-01-09 at 18.07.18

Und falls Sie sich danach gleich mal noch darüber aufregen wundern wollen, wie das so läuft beim Öffentlich-Rechtlichen: hier wäre noch ein Interview mit Herrn Mädel (dem Tatortreiniger), Herrn Feldhusen (dem Regisseur) und Herrn Heistermann (einem echten Tatortreiniger).

 “Vielleicht will ich gar nicht so einer sein, der glücksbesoffen mit Räucherstäbchen durch die Welt läuft. Vielleicht bin ich ja ganz gerne auf meiner niedrigen Entwicklungsstufe.”

Screen Shot 2014-01-09 at 18.07.16

“Aber bevor wir Freunde wurden, waren wir uns ein einzigartiges Wochenende lang die ganz große Liebe. Freitag Nachmittag haben wir uns im Supermarkt bei der Tiefkühlpizza zu lang in die Augen geschaut. Als wir uns beim Feigensenf dann wiedertrafen, da waren wir schon verliebt, und als wir an der Kasse standen, da kannten wir uns schon seit 1000 Jahren. Freitag Abend haben wir uns verlobt und Samstag Morgen sind wir nach Ibiza geflogen, um zu heiraten. Unsere Zeit auf Ibiza war die schönste meines Lebens.”  –  “Wie lang wart ihr da?” – “Sonntag. Nachmittag.”

(Quelle aller Screenshots und Zitate: NDR)

© 2016 wunder. All rights reserved.

Theme by Anders Norén.