Entlang der Seidenstraße von Berlin nach Astrachan – Teil 2, Abrechnung und ein Dankeschön

10 Tage, 4.000 Kilometer, 11 Autos und 21 Menschen, die sich noch nie begegnet sind: von Berlin nach Astrachan entlang der Seidenstraße. Eine Reise, immer gen Osten. Zu Teil 1 (Berlin-Sewastopol) hier entlang.

Nachtrag, 22.09.: und hier ist das Video zur Reise:

Tag 6: Sewastopol-Jalta

Am Morgen eine Bootsfahrt im Hafen von Sewastopol, ein Matrose, der mit freiem Oberkörper das Deck wischt. Zum Frühstück gibt es Kwas, einen Brottrunk, der wider Erwarten gar nicht säuerlich schmeckt, sondern wie abgestandene Cola.

Aufbruch und Abfahrt nach Jalta, erst off road in den Wald, dann weiter in die Berge, erstmals im Auto für eine Viertelstunde schlafen, während der Fahrer die Serpentinen hochkurvt. Größter Vertrauensbeweis unter Fahrerteams: bestanden.

Plötzlich auf 1200 m ü.NN., es ist eiskalt, ich stehe frierend am Abgrund, unser Fotograf erzählt, er habe unterwegs Brot und Honig gekauft, und fragt, ob ich auch ein Stück will. Wenige Minuten darauf an der ganzen Reisegruppe mit einem großen Honigbrot vorbeimarschieren und zwei Leute abbeißen lassen, mit dem Mitfahrer den Rest teilen.  Continue reading “Entlang der Seidenstraße von Berlin nach Astrachan – Teil 2, Abrechnung und ein Dankeschön”

re:publica 2013: Replik, Respektsbekundungen, ein Rant und offene Fragen

Ich war lange nicht mehr so körperlich und mental am Ende und gleichzeitig so froh. Es war meine erste “richtige” re:publica, die Jahre vorher hatte ich es nie geschafft, rechtzeitig ein bezahlbares Ticket zu organisieren, hatte also die Konferenz selbst nur online verfolgt und war immer nur zu den Parties gegangen. Dann also dieses Jahr mit Ticket. Und es war gut.

Vor allem aber war es: diese besondere Mischung aus Klassentreffen (“Und was machst Du jetzt so?”) und Familientreffen (“Kind! Du bist aber groß geworden!”), ein Wiedersehen mit alten Freunden, ein erstes offline-Kennenlernen (“Ich folg’ Dir seit drei Jahren!”), und voller Diskussionen über Online- und Offlinethemen und Ideensammlungen für neue Projekte.

Und ansonsten war das so: rp13-replik Es gibt noch ein paar Sessions, die ich sehr empfehlen möchte: Ben Scott über die Frage, wer kontrolliert, wie offen / geschlossen dein Internet ist, und warum – kurz: Netzneutralität. Das Video gibt es hier. Neil Harbisson, der Farben hören kann, erzählt hier aus seinem Leben als Cyborg, das ist ziemlich spannend. Toll war auch das anschließende Colour Concert, und die Musik war ganz schön schön. Auf keinen Fall zu verpassen wären da noch Laurie Pennys Session über Sexismus im Netz und die Folgen und warum das nicht nur für Frauen wichtig ist. Und Anne Wizorek, die über #Aufschrei sprach, das war ziemlich gut. Und dann erzählte Matthias Bauer noch etwas darüber, wie mensch als Geek gut leben kann (hier im Video, hier in der Zusammenfassung).

Alles in allem: tolles Programm, tolle Menschen dahinter und viele Freiwillige, die das möglich gemacht haben. Danke dafür! 

<rant>Was ich mich im Kontext der re:publica wie in den vergangenen Jahren auch wieder fragte, war, wie selbstbezogen man eigentlich sein kann (und das geht auch an mich, ich bin da ja nicht besser). Wir sind mit “unseren” Themen an der Realität gescheitert, weil wir es nicht schaffen, die Realität für sie zu begeistern. Wir sind so wahnsinnig gut darin, die Zukunft zu entwerfen, dass wir darüber die Gegenwart vergessen.

Denn, ganz ehrlich: 5.000 Menschen mit Smartphones, die sich für Crowdsourcing, Data Mining, Online-Protestkultur, Open Source, Datenbefreiung, neue Formen von Arbeit und all die anderen tollen Themen begeistern – das ist nicht die Realität. Die Realität ist da draußen, da, wo, und das meine ich nicht despektierlich, ganz normale Leute zu ihrer ganz normalen Arbeit gehen und das Internet nutzen, um mal ein ganz normales Foto per E-Mail an ihre Kinder zu schicken. Das ist die Realität, die Wirklichkeit der meisten Menschen in diesem Land, und wer will sich da noch darüber wundern, dass es de facto so gar niemanden stört, wenn die großen Parteien netzpolitische Themen eher nicht zum Kampfthema im Wahlkampf machen werden? Das sind wunderschöne Nischenthemen, die die genannte Realität aller Menschen tiefgreifend verändern werden – so lange sich aber niemand dafür interessiert, und sei es nur, weil er nichts davon weiß oder sie nicht versteht, lässt sich das auch ganz prima in dieser Nische belassen. Update 12.05., 23:20 Uhr: – Und in genau dieser Nische, da haben wir uns genauso recht komfortabel eingerichtet. Wir kennen uns alle, haben unsere drei, vier Experten zu Themen™, und dann hocken wir da, braten in unserem eigenen Saft, und bisweilen, wenn mal wieder irgendwer ein Gesetz durchpeitschen will, wird es uns ein bisschen ungemütlich, dann stellen wir uns auf die Hinterbeine und in ebendiesem Moment fest, dass sich genau keiner da draußen für uns interessiert. –

Wie also wollen wir diese “normalen” Leute erreichen? Bislang sind wir daran gescheitert.

Ich hatte zwar den Eindruck, dass uns diese Tatsache inzwischen dank unseres Scheiterns bei Leistungsschutzrecht und Bestandsdatenauskunft (und, ja, das ist nichts anderes als unser Scheitern – wir haben es verkackt) und dank der Netzneutralitätsdiskussionen, wenn auch schmerzlich, aber bewusster ist. Aber Lösungen? Sehe ich, ehrlichgestanden, keine. Wir kämpfen schon so auf unseren eigenen Baustellen, mit Trollen, zermürbenden Hatern, unseren inhaltlichen Zerwürfnissen, damit, uns zu finanzieren, und schaffen es nicht, unsere Positionen (wir haben ja auch nicht eine, sondern eine Vielzahl davon) so nach außen zu tragen, dass wir die Wahrnehmungshöhe der Realität erreichen. Wir sind in/side/out, mit unseren Blogs und Podcasts und Tweets, aber, mal ganz ehrlich, wer liest uns denn? Wir sind immer noch viel zu abhängig davon, dass große Medien “unsere” Themen aufgreifen und bestenfalls in unserem Sinne vertreten (haha), damit irgendjemand uns wahrnimmt (und ob er sich dann dafür interessiert, ist nochmal eine ganz andere Frage).

Aber out/side/in, wo sind wir das denn? Wo interessieren wir uns für die ganz normale Realität, wo versuchen wir, diese Menschen einzubeziehen? Mit unseren Texten und Rants erreichen wir genau die, die ohnehin so mehr oder weniger unserer Meinung sind. Und sonst genau niemanden. Wie auch? Wer kann gesichert sagen, dass die Leute außerhalb unserer “Szene”, und sagt jetzt nicht, es wäre keine, überhaupt wissen, dass es uns gibt? Wir bewegen uns in elitären Kreisen, zwischen Leuten, die “unsere” Themen verstehen, und die kapieren, dass es dafür einen Betroffenenkreis gibt, der das gesamte Land umfasst, aber das Land, das bekommen wir nicht. Wie auch? Ich habe immer noch keine Antworten dazu. Ich habe einige Ideen und werde in den kommenden Monaten etwas starten, um genau dieses Erreichen zu versuchen, aber das alles, was ich im Rahmen meiner Möglichkeiten sehe, ist eben auch nur – online. Und online ist vielleicht unsere Realität, aber nicht die der Menschen in diesem Land. Ihre Realität ist es mehr, als sie wissen oder ahnen mögen. Es ist also an jemandem, ihnen das klar zu machen. Es ist an uns. Wir brauchen eine Lösung. Denn so kann es nicht weitergehen.</rant>

Können Bots weinen? Trauer im Internet

Dirk Bach ist tot. Das ist — ja, was nun?

Wer sich länger als eine Woche in einem sozialen Netzwerk bewegt hat, kennt vermutlich die Diskussion, die sich dort mit murmeltierhaftiger Konsequenz abspielt, wenn ein Prominenter stirbt, an den Tod von Amy Winehouse und Michael Jackson erinnere ich mich da beispielsweise noch. Manchmal auch bei Unglücken, wenn viele Menschen sterben, oder womöglich auch noch Kinder.

Was dann regelmäßig geschieht, lässt sich verknappt so darstellen:

  1. Gruppe 1 drückt aus, traurig zu sein, denjenigen gemocht zu haben und jetzt schon zu vermissen. R.I.P.
  2. Nahezu reflexhaft folgen nun die Reaktionen von Gruppe 2, die fragt, ob man so überhaupt reagieren sollte und darf, die Tode gegeneinander aufrechnen (“Wie, du betrauerst Amy Winehouse? Da sind auf der anderen Seite des Planeten 20 Kinder gestorben!”) oder sich aufregen über Gruppe 1 und sie als Heuchler oder Zyniker bezeichnen.
  3. Darauf folgt Gruppe 3, die sich aufregt, dass 1 und 2 schon wieder so reagieren, wie sie immer reagieren.
  4. Woraufhin sich 1 darüber aufregt, dass 2 sich aufregt, und 2 sich über 3, woraufhin 2 wiederum …
  5. ja.

Aber wie ist das nun? Ist es legitim, online den Tod eines Prominenten zu kommentieren, gar Trauer oder Schmerz auszudrücken?

Ich kenne mich nun mit Prominenten nicht so gut aus. Aber vermutlich kannten die wenigsten derer, die seinen Tod kommentieren, den verstorbenen Menschen persönlich. Die, die ihn kannten, werden nicht die sein, die twittern.

Stirbt eine prominente Person, so ist das häufig jemand, den man “kannte”. Natürlich – es ist nicht das selbe “Kennen” wie bei einem guten Freund. Und dennoch: man hat eine Beziehung aufgebaut, womöglich sogar über Jahrzehnte hinweg. Hat seine Musik gehört, seine Filme gesehen, seine Bücher gelesen, sich gefreut, wenn er etwas Neues veröffentlichte, derjenige war Teil des eigenen Lebens über seine Werke, die einen womöglich durch entscheidende Momente begleitet haben. Er war etwas für einen, hatte eine Bedeutung, die man selbst nie für denjenigen hatte. Das ist eine ziemlich einseitige Beziehung, und lediglich eine Beziehung zu einem Bild, das derjenige in der Öffentlichkeit hatte. Aber – es ist trotzdem eine Beziehung, die man selbst als solche empfindet. Und Empfindungen sind nunmal dafür bekannt, meist recht subjektiv zu sein und sich nicht davon beirren zu lassen, dass man selbst demjenigen unbekannt war.

Das Internet ist aber auch ganz gut darin, eine Empfindungsmaschine zu sein. Eine, in der noch mehr Emotion und noch mehr Lautstärke, Capslock und Bold zählen, in der es für alles eine Steigerung gibt und es immer noch ein bisschen härter, witziger, dramatischer sein muss. Eine Empfindungs-, Erregungs-, Hype-Maschine, in der zählt, wer gehört wird

Und eine, aus der sich abmeldet, verschwindet, offline geht, wer den Lärm nicht erträgt und leise sein will.

Der zweite, m.E. wesentliche Aspekt dabei ist: trauerten vor nicht allzu langer Zeit noch ganze Dörfer um einen Verstorbenen, so ist Trauer zusammen mit den meisten Trauerbräuchen aus der Öffentlichkeit verschwunden. Continue reading “Können Bots weinen? Trauer im Internet”

M.

Ich sah den langen Flur entlang. Grauer PVC-Boden mit Schleifspuren von Birkenstock-Sandalen und Betten, weiße Rauhfasertapete. Wir sind jetzt in Containern, bis der Neubau fertig ist, hatten sie gesagt, noch zwei Jahre, und du kannst gleich mitgehen, am Ende des Gangs ist dein Zimmer. Kopfschütteln änderte jetzt auch nichts mehr, also nickte ich, hievte den Riemen meiner Tasche über meine Schulter, schleppte mich den Flur entlang und setzte mich aufs Bett. Vor dem Fenster türmte sich ein Haufen lehmiger, frisch ausgehobener Erde, dahinter ein knorriger Baum und eine Bundesstraße. Außer dem Bett gab es noch einen Nachttisch, ein lilafarbener, metallener Kasten mit Rollen, und einen Wandschrank, der bis unter die Decke reichte. Die Wände waren weiß, es war Herbst, es war vierzehn Uhr dreißig, und auf dem Flur war kein Laut zu hören.

Da also.

Eine halbe Stunde später ging ich wieder aus dem Zimmer, ich wollte fragen, woher ich etwas zu trinken bekommen könnte, ich lief den Flur entlang, da stürmte ein Mensch um die Ecke und rannte mir entgegen. Ein Mensch mit langen lockigen Haaren und einem Lächeln, das über beide Ohren reichte, sie blieb kurz vor mir stehen, streckte mir ihre Hand entgegen und sagte:

Hallo! Ich bin M., und wer bist du?

Das war der Tag, an dem M. und ich uns kennenlernten.

M. war ein Muko-Kind. Mukoviszidose. Von Lateinisch mucus (Schleim) und viscidus (zäh, klebrig). Eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Wassergehalt der Sekrete von Bronchien, Bauchspeicheldrüse und anderen inneren Organen zu niedrig ist, was zum Beispiel zu chronischen Lungenerkrankungen führt. Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 300 Kinder mit Mukoviszidose zur Welt. Mukoviszidose ist eine Erbkrankheit; Symptome können behandelt werden, die Krankheit selbst ist immer noch, auch in unserer hoch technisierten, medizinisch scheinbar so weit fortgeschrittenen Gesellschaft, – unheilbar.

Ich gab ihr die Hand und sagte hallo, ich bin L., ihre Hand war ganz klein und zart, ich drückte sie nicht, ich hielt sie nur fest, um sie nicht zu zerbrechen. Ich fragte sie, wo es hier etwas zu trinken gäbe, sie sagte komm mit, dann saßen wir im Aufenthaltsraum auf kleinen Kinderstühlen, ich schlug mir beim Hinsetzen das Knie an der Tischkante an, M. holte noch einen kleinen Getränkekarton aus ihrem Zimmer und erzählte.

Die Getränkekartons gab es in braun, gelb und rot, darauf stand Schokolade, Vanille oder Erdbeere, die Aufschrift war aber überflüssig, was darin war, schmeckte immer gleich. Nach Getränkekarton. Die Flüssigkeit war hochkalorische Nahrung.

Continue reading “M.”

Wo sollen wir hin, was sollen wir tun, was soll das alles, und wer übernimmt die Verantwortung?

Um sieben Uhr gehe ich jeden Morgen aus dem Haus. Das Haus steht nördlich eines großen Parks, der Park liegt in einer Stadt, die seit Jahren Hauptstadt sein will. Sieben Tage die Woche bin ich in dieser Stadt unterwegs, meist zwölf, manchmal auch fünfzehn oder zwanzig Stunden.

Seit über fünfzehn Jahren warte ich.

In all der Zeit konnten weder YPS noch Armin aus der Sendung mit der Maus oder Daniel Düsentrieb ihrem Versprechen nachkommen, einen Anzug zu erfinden, der dessen Träger unsichtbar macht. Also ist man in dieser Stadt unterwegs, und es wäre ja noch zu ertragen, dass die anderen einen sehen können. Weit schlimmer:

man sieht die anderen.

Und was sieht man da? Ich erspare Ihnen die Details, ich will Sie nicht verstören, aber vertrauen Sie mir, wenn ich Ihnen sage: man sieht nichts Schönes. Gar nichts Schönes. Jetzt ist es Mai, da wird es zu allem Übel auch noch Sommer, ich bin sicher, Sie lasen davon in der Timeline Ihres Vertrauens, manche Twitterer behaupten derzeit, sie hätten das Haus verlassen und sogar die Sonne gesehen. Und diese Twitterer glauben, man glaubte ihnen das. Wie naiv! Und niedlich, nicht? Nicht. Aber auch der Wetterbericht sagt, es sei Sommer. Und wenn es Sommer wird, dann sehen die anderen nicht nur unschön aus, hinzu kommt eine nicht zu unterschätzende olfaktorische Komponente. Manchmal bin ich froh, kein Synästhetiker zu sein, ich würde vermutlich beginnen, zu halluzinieren.

Was tut man also?

1. Im Bett bleiben.

Eine sehr gute Sache, gerne auch einen ganzen Tag lang. Bleibt noch die Schwierigkeit, seine Vorgesetzten, Kollegen und Kunden dazu zu bringen, dass Meetings dann auch in diesem Bett stattfinden. Hat noch nicht funktioniert.

2. Chauffeur, Limousine, verdunkelte Scheiben.

Ja. Unbedingt. Sollten Sie mir dies finanzieren wollen, schicken Sie bitte eine kurze Nachricht an die hinterlegte E-Mail-Adresse.

3. Per Helikopter einfliegen.

Siehe Punkt 2, zusätzlich müssten Sie lediglich einen Hubschrauberlandeplatz subventionieren. Wenn Sie lieb sind, nehme ich Sie vielleicht auch mal mit.

Man könnte natürlich eine Sonnenbrille tragen, kann man aber dann doch nicht aufgrund des enormen nächtlichen Verletzungsrisikos.

Alteingesessene Berliner weichen der visuellen Konfrontation mit ihren Mitmenschen aus, indem sie gesenkten Hauptes durch die Stadt gehen, nein, die twittern nicht alle, die müssen aufpassen, dass sie nicht in Schlaglöcher treten und wollen niemanden sehen außer ihrer rechten, linken, rechten, linken, rechten Fußspitze. Mein Orthopäde allerdings sagt, Kopf runter und Schultern hängenlassen is nich, is schlecht fürn Rücken und fürn Nacken eh. Sie müssen wissen, ich habe Nacken, und ich habe keine Lösung.

Ich wollte das Unglück quantifizieren. Seine Dimensionen vermessen. Also zählte ich. Alle als Personen wahrnehmbaren Personen, die ich im Laufe eines sommerlichen Freitags sah. An jenem Tag ging ich aus dem Haus, fuhr U-Bahn und S-Bahn, ging einen Kilometer zu Fuß, setzte mich in ein kleines Café, ging ins Büro, war im Büro, verließ das Büro, ging drei Kilometer zu Fuß, holte die Liebste ab, ging mit ihr über die Oberbaumbrücke, wir aßen ein Eis, gingen in eine Bar, gingen zur U-Bahn, ich stieg ein, stieg um, lief die letzten 300 Meter und war zuhause. Ich wohne allein.

An diesem Tag zählte ich, all diese Menschen. Und als ich schließlich in meiner Alleinwohnwohnung ankam, waren es zweitausend. Nein, nicht Einhörnchen oder Eichhörner. Menschen. Das ist mehr, als mancher Ort in diesem Land Einwohner hat. Und ich sage Ihnen, schön war das nicht. (Bis auf zwei Ausnahmen, aber ein Promille, ich bitte Sie, das ist nicht der Rede wert.)

Wenn man das alles sieht, macht das ja was mit einem. Das hinterlässt Spuren, das macht einen fertig, das zerstört Illusionen, das ernährt ganze Heerscharen von Ärzten und Therapeuten.

Und das liefert die Daseinsberechtigung für dieses Blog. Natürlich könnte ich auch bloggen, weil ich es kann, aber, ich bitte Sie, das wussten Sie doch eh schon. Ich mache das, weil ich es will. Also setzen Sie sich, nehmen Sie sich einen Keks.

Keine Sorge, hier wird es schön.

Herzlich willkommen.

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