Mein erster Talk auf einer Tech-Konferenz

Ende März, ein sonniger Dienstagvormittag. Ich sitze entspannt in meiner Küche, trinke Kaffee, arbeite und sehe eben meine Twitter-Timeline durch, als eine Nachricht auf meinem Rechner aufploppt: “Ich habe eben eine Anfrage für eine Konferenz bekommen. Frag doch mal, ob du dort auch einen Talk halten kannst!” Meine Arbeitskollegin und gute Freundin, eine erfahrene Software-Entwicklerin, schreibt. In eben diesem Moment sehe ich einen Tweet der Speakerinnen: die selbe Konferenz sei auf der Suche nach weiblichen Vortragenden.

Und dann geht plötzlich alles ganz schnell. …

Ich arbeite, wie Sie vielleicht wissen, seit ein paar Jahren als Nicht-Programmiererin im Technologie-Bereich. Letzte Woche habe ich das erste Mal einen Vortrag auf einer Konferenz für Programmierer_innen gehalten und das war ziemlich aufregend. Drüben bei Kleinerdrei habe ich einmal aufgeschrieben, wie es dazu kam und wie das so war.

Kübel voll Eiswasser und kein Frühstück: der Februar

Gemacht
Keinen Bikini eingepackt
Im Schnee versunken

Am Lagerfeuer gesessen
Nackt durch den Wald gerannt
In der Sauna gesessen
Huskyschlitten gefahren

Im Hot Pot gesessen und Whisky getrunken
Ins Eisloch gehüpft
Zum ersten Mal nach 5 Jahren ein Konzert gespielt
Einen Husky gewonnen

Die Menschheit gehasst (und meinen Zahnarzt besonders)
In der Küche gesessen und nächtelang geredet
Einen Bürobesuch
“Kaffee getrunken”™
Ein Konzert verpasst

Gesehen
1,20m Schnee

Gehört
“Hello again, ich sag einfach hello again”
“Anziehn, anziehn!”
“You’re a totally crazy woman.”
“Da geht noch was!”
Leeeenaaa, du hast es oft nicht leicht.”

“I LOVE YOU BABY AND IF IT’S QUITE ALRIGHT …”
“So ein Lagerfeuer ist doch das schönste Fernsehprogramm überhaupt.”
“Warte, ich hole noch Kaugummi, falls wir heute doch noch knutschen.”

Gewesen
Berlin, Helsinki, Enontekiö (Lappland), Hamburg
Beim Zahnarzt
Im Café
Beim Steuerberater
Beim Anwalt

Gehabt
Schnee unter dem Pullover
Kübel Eiswasser im Rücken
Rentierfilet

Ein neues T-Shirt
Pizza
Einen geheimen Termin


(Bild: Alex Feyerke)

Geredet
“Ich bin zu alt für dich.” – “Als ich vier Jahre jünger war als heute, war ich schon mit Menschen zusammen, die älter waren als du jetzt.” – Und jetzt bin ich dir zu jung?” – “… .”

“Eigentlich fand ich meine Weisheitszähne gar nicht SO scheiße.”
“I hate you.” – “I hate you more.”
“Kannst du mal irgendeine Emotion zeigen?” – “Du zeigst doch schon so viele.”
“I don’t make plans. And I don’t make breakfast.”
“Tschüss.”

Gemerkt
Fließend Wasser ist schon, wenn man sich das Duschwasser mit einer Kelle über den Kopf schüttet.
Ich darf mir nicht immer die Haare schneiden, nur weil ich das Surren des Haartrimmers so mag.
Reden ist manchmal schon ganz gut.
Küche schlägt Party.

Gehört (2)
“Ich habe das Gefühl, das ist alles grotesk überschätzt: Parkett und Stuck und Flügeltüren und Balkon und keine Raufaser, bloß keine Raufaser! Die Leute führen sich auf als ginge es um Leben und Tod, dabei geht es doch bloß um die Wohnung. Alle sitzen sie, untereinander und übereinander und nebeneinander und in ihren Altbauwohnungen und warten darauf, dass sie glücklich werden. Lauter Glücksanwärter mit abgezogenen Dielen und Flügeltüren, die sich einbilden, sie könnten nur glücklich werden, wenn keine Raufaser an der Wand klebt.”

Gefeiert
Hoodie-Geburtstag

Geschrieben
Im Hoodie-Blog:
Die wöchentlichen Linksammlungen
Here comes the sun, here comes the Hoodies: Hoodie Offsite #2 – Lanzarote

Sonst so:
“Die versteckte Lust der Frauen” – eine Rezension
“Explizit ist das neue implizit”

Musik
Silversun Pickups – Make Believe
Moderat – Slow Match

Status
Was? Es ist schon März?

Der langsame Tod eines sehr großen Tieres

Ich bekomme den Mund nicht mehr richtig auf (aber auch nicht richtig zu). Auf meiner Zunge sitzt der Geschmack von Zahnpasta und Mundspülung fest. Ich bin zu müde, das Bett zu verlassen. Ich habe keine Lust mehr, zu essen. Gestern habe ich nur ein halbes, kleines Stück Käsekuchen geschafft. Ich esse den ganzen Tag Schmerzmittel, damit ich nicht anfange, gegen Wände zu laufen. In meinem ganzen Kopf zieht es, in die Schläfen, in den Wangen, am Hals seitlich hinten nach innen, ich frage mich, wie Nervenstränge verlaufen und wann das mal wieder aufhört. Eigentlich fand ich meine Weisheitszähne nämlich gar nicht so schlimm.

Und dann denke ich daran, wie das letzte Woche war. Heute vor einer Woche, da bin ich noch mit hundert Sachen über gefrorene Seen und dann in den Wald gedüst (das aber nicht mehr ganz so schnell). Heute vor einer Woche, da bin ich im Hotpot gesessen, ins Eisloch gehüpft und habe Schnaps getrunken und Zigarren geraucht. Und am Abend, heute vor einer Woche, da haben wir ein Konzert gespielt, vor hundert verrückten Finnen, und ich habe gesungen bis nachts um 2.

In meinem Mund, was da passiert, das ist der langsame Tod eines sehr großen Tieres.

Und dann fällt mir ein, dass damit eigentlich mal etwas ganz anderes gemeint war:

“Are you joining me in the pool or is it just casual friday?” – Der Januar

Gemacht (1)
Rührei bestellt
Island vermisst
Im Hotelbett gelegen
Sehr viel geschlafen
Chips gegessen
Da gewesen
Serien geguckt (Mad Men / Dr. Who / 2 Broke Girls)
Seriengucken aufgegeben (nach 2 Episoden / nach 4 Staffeln / nach einer Staffel)
Mit der Rentenversicherung telefoniert
Sehr viel gesungen
Sachen aufgenommen
Weitergemacht
Bürobier getrunken
Haare gerauft
Haare abrasiert
Fotoshooting
KLASSENFAAAAAAAHRT!
Ingwer nach Lanzarote ausgeflogen

Gehabt
Blaue Flecke
Moscow Mule mit wenig Ginger Beer
Sonnenbrand
Sardelle

Gesehen
Hannes und der Bürgermeister
Meer
Einen fast waagerechten Regenbogen direkt über dem Boden
Sonnenuntergang über den Wolken, Alta
Schnee
Stadtautobahn
Mehr Schnee

Gemacht (2)
Meer geguckt
Vermisst
Im Meer gestanden und nass geworden
Beachvolleyball gespielt
Mir beim Hinfallen derart mit dem Arm gegen den Schädel gedonnert, dass ich Sterne gesehen habe
Im Pool gebadet
Im Pool Meeting abgehalten
Sterne geguckt
Hühnersuppe gekocht
Chlorwasser geschluckt
Wichtige Sachen beredet
Umarmt
In der Hängematte gelegen
Eis gegessen
Gekocht
Pläne geschmiedet
Mercedes Vito rückwärts eingeparkt
Gearbeitet
Fotos
Temperatursturz verarbeitet
Mich einen Idioten geheißen
Ein Wiedersehen
Texte geschrieben
Mehr Fotos
Kein Foto
Über Geld geredet
Mehr Haare gerauft
Mehr gearbeitet
Das letzte Ginger Beer verschenkt
Schneespaziergang im Park
Ein bisschen verliebt, vielleicht

Gemocht
Sonne!
Eis

Gewesen
In Frankfurt
In Berlin
Auf Lanzarote
Braungebrannt
In Potsdam
Im Radio (hier zum Nachhören)

Gesagt (1)
“Ich renne jetzt los, und du sorgst dafür, dass das Feuerwerk noch da ist, wenn ich zurückkomme!”
“Herzlichen Glückwunsch zur Verlobung.”
“Wäre diese Woche ein Newsletter, hätte ich mich direkt am Montag abmelden sollen.”
“Das ist schlimmer als ein Kindergarten, in dem ein Sack Flöhe ausgebrochen ist!”
“Mein realistisches Äußeres ist nur Schein. Tief in mir drin bin ich ein Romantiker, der nur darauf wartet, auf die Menschheit losgelassen werden.”

Gesagt (2)
“Dieses Open Source-Projekt ist ein bisschen wie ein Bauernhof: hier muss jeder alles machen.”
“Are you fine?” – “I always will be.”
“We decided that you will cook tonight.”
“Gepäckausgabe?” – “Läuft!”
“Ich brauche ein Anti-Aggressionstraining.”
“Don’t date a girl who travels.”

Nicht gesagt
“Ihr heiratet???!”
“WHAT THE FUCK?!”
“WHAT THE FUCKING FUCK???!”
“Wanna date me?”

Gelernt
Jedes Mal, wenn ich Knäckebrot oder Möhren esse, bekomme ich Schluckauf.
Mir fehlen nicht die Parties, mir fehlt das Gefühl nachts auf dem Heimweg.
Sieben Leute essen verdammt viel Essen weg.
Ich kann krass schnell sprechen.

Gehört (1)
“Ein bisschen Stilbruch ist ja immer ganz gut.” – “Aber musste es dafür ausgerechnet diese Tapete sein?”
“I don’t make plans. And I don’t make breakfast.”
“Womöglich musst du einfach mehr trinken.”
“Tja, so ist das als beste Freundin. Man hat da einen Job zu tun!”
“Wir lassen die Probe ausfallen und gehen einfach gleich Bier trinken.”
Tainted Love
“Es ist schon schlimm, dass es abends so kalt ist. Man muss fast schon ein zweites T-Shirt anziehen!”
“Are you joining me in the pool or is it just casual friday?”

Gelacht
“I could rain on you any time.”
“Choo choo, Motherfucker!”
“I’m a creep, I’m a weirdo.”

Gehört (2)
“Say ‘fuck yeah high 5’!”
“Mut zum Sonnenuntergang!”
“Love the Poke!”
“Wenn du mir absagen willst, musst du dir schon ein bisschen mehr Mühe geben.”
“Ich hab mich jetzt leider gar nicht vorbereitet. Sorry!”
“We have to go drinking next week.”

Lied zum Monat
Moderat – A new Error (ja mei)

Anzahl DSLR-Fotos
3.285

Offene Fragen
Wer hat meinen Smoothie ausgetrunken?

Status
Wenn das so weitergeht …

 

“Wehe, Sie fummeln an meiner Aura rum!”

Damit wir uns alle mal wieder erinnern, wie Fernsehen sein könnte, wenn es häufiger wäre, hat der NDR den Tatortreiniger eingekauft. Aber eigentlich ist die Sache mit dem Geld auch einfach mal komplett egal, weil jeder Tag ein besserer Tag wird, wenn man sich diese Filmchen anschaut.

“Wir haben all die Liebe, die für ein ganzes Leben hätte reichen sollen, an einem Wochenende verballert.”

In jedem Fall: es gibt neue Folgen. Wenn Sie das Format noch nicht kennen: hier steht, warum Sie das gucken müssen, selbst wenn Sie wie ich das Fernsehen verabscheuen worum es geht. Kurz gesagt: ein Kammerspiel und das ganz wahre Leben: unprätentiös, und sich nicht zu blöde, wenn alles vorbei ist, den Dreck vom Boden zu wischen.

“Die Spuren da, was bedeutet das?” – “Größe 43.”

So sieht das dann aus, in den folgenden Folgen:

Ganz normale Jobs
Geschmackssache
Auftrag aus dem Jenseits
Angehörige

Heute gibt es wohl um 22 Uhr im NDR noch mehr Folgen (zum Beispiel “Schottys Kampf”, die ist ganz hervorragend und bietet gute kulturelle Hintergrundinformationen zu Gummibärchen). Sie finden das alles entweder hier beim NDR oder da in der ARD Mediathek oder im Fernsehempfangsgerät Ihres Vertrauens, und ganz bestimmt noch ein paar Tage lang.

Und falls Sie sich danach gleich mal noch darüber aufregen wundern wollen, wie das so läuft beim Öffentlich-Rechtlichen: hier wäre noch ein Interview mit Herrn Mädel (dem Tatortreiniger), Herrn Feldhusen (dem Regisseur) und Herrn Heistermann (einem echten Tatortreiniger).

 “Vielleicht will ich gar nicht so einer sein, der glücksbesoffen mit Räucherstäbchen durch die Welt läuft. Vielleicht bin ich ja ganz gerne auf meiner niedrigen Entwicklungsstufe.”

“Aber bevor wir Freunde wurden, waren wir uns ein einzigartiges Wochenende lang die ganz große Liebe. Freitag Nachmittag haben wir uns im Supermarkt bei der Tiefkühlpizza zu lang in die Augen geschaut. Als wir uns beim Feigensenf dann wiedertrafen, da waren wir schon verliebt, und als wir an der Kasse standen, da kannten wir uns schon seit 1000 Jahren. Freitag Abend haben wir uns verlobt und Samstag Morgen sind wir nach Ibiza geflogen, um zu heiraten. Unsere Zeit auf Ibiza war die schönste meines Lebens.”  –  “Wie lang wart ihr da?” – “Sonntag. Nachmittag.”

(Quelle aller Screenshots und Zitate: NDR)