Piraten, Eis und Höchstgeschwindigkeit – zwei null eins drei. 2013.

“Hallo, 2013, du Jahr, in dem die Dinge weitergehen. Du hast noch knapp 24 Stunden zum Anlaufen. Und dann zeig’ mal, was du kannst.” Das habe ich vor genau einem Jahr gesagt. Hätte ich geahnt, wie es wirklich wird, hätte ich mich mit der Aufforderung etwas zurückgehalten.

Januar
Zum Jahresanfang geknutscht, zwei Stunden später gekotzt. Und im Prinzip ging das Jahr genau so weiter. Am Neujahrsmorgen mit einem knallroten Auge aufgewacht. Erste Anschaffung des Jahres: eine Augenklappe. Viel Kuchen. “Wo habt ihr euch kennengelernt?” – “Auf Foursquare.” Schon wieder Party. “Wenn du Pasta für mich kochst, komm ich noch mit zu dir.” Büro-Umzug. Känguru und Heuschrecke gegessen. “Alles, was man nicht kennt, schmeckt wie Hühnchen.” – “Ich mag aber kein Hühnchen.” Verhängnisvolle Käsekuchenverabredung im strömenden Regen.
Status: She’s a Pirate

Februar
Kurze Überlegung, ein Stunt-Double zu engagieren. “Du, ich muss mit dir reden.” Mit Katze im Bett. Lesebühnen sind noch besser, wenn man nebenher knutscht. Vollmond. Gin Tonics. Köln, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Köln. Noch schlimmer als Kranksein ist im Hotel und krank sein. Schneespaziergang. Köln. Ich glaube, ich will nach Hause. Nicht nach Hause gehen.
Status: WHAAAAAAAAAAAAAAAAA

März
Lunchdates. Köln. Bowling. “Wir werden Sie ja sehr vermissen.” Kühlschrankgedichte. Hamburg. Gin, Tonic, Gin Tonic. Schwarzlicht. Burger zum Frühstück. Fingermalfarben. Berlin, Käsekuchen und Hühnersuppe. Köln. Prenzlauer Berg-Spaziergang mit Lichterkette. Erste Fahrradfahrt. Konzert. “Schläfst du?” – “Nein, ich höre zu.” In love with Bacon mit Nutella. Köln. Keine Hotelzimmer mehr. 100 Jahre alte Raucher-Suite in Bonn. Köln. Sehr viel Kölsch. 7-Tage-Bart am Hals. Und im Gesicht. Und. Sehr viel Rumknutschen. Der Mann, der mir einen Schuhtausch anbot. Sonnenaufgang über dem Rhein. Erstklassiges Frühstück. “When you HTTParty, you must party hard!” Begegnung mit Esel. 29 Zigaretten. Bestes Bahnhofabholen aller Zeiten. Doris’ Bistro. Wer frei von Social ist, der werfe das erste Network.
Status: Man widerspricht dem Einhorn nicht.

April
Schneeschmelze. Tempelhofer Feld. “Früher war hier aber ganz sicher noch ein Weg!” Köln. Hamburg. Berlin. Köln. Philharmonie, Konzert. Fast weinen vor Glück. “Wenn du auf den French Toast noch Nutella, Banane und Bacon draufmachst und noch Sirup drübergießt, DANN wird das erst richtig geil.” #tassebier. Das erste Wiener Schnitzel EVER. Wale verschicken. Alles nicht wahr. taz-lab. Durch den Wald robben. “Eh, Mädel! Deine Jeans is kaputt! Näh dat mal, du Schlampe!” Erster langer Parktag. Fleisch. Letzter Arbeitstag.
Status: Goodbye, honey.

Mai
Hamburg. Gin Basil Smash. Gulasch im Garten über dem Feuer. Das erste Eis des Jahres. re:publica. Haupterinnerung: Bier im Innenhof, Kaffee auf der Hose. Replik geschrieben, Grafik gebaut. Köln. Sardinien. Zelten. Sterne gucken. Hauptnahrungsmittel: Cracker, Salami, Käse, Tomaten. Lieblingsplatz: Hängematte. Aufwachen, das Zelt aufmachen und nachsehen, ob das Meer noch da ist (ist es). Wandern. Alleine sein. Sortieren. “Wie schnell ist das Auto?” – “550 PS, von 0 auf 100 in 1,8 Sekunden. Achtung, wir fahren jetzt auch los.”
Status: Huiiiiii

Juni
So fühlt es sich also an, wenn man nicht nur kein Geld, sondern auch noch keinen Job mehr hat. Arbeitsamt. Erste Gedanken über einen Einstieg ins Pfandflaschenbusiness. Im Park arbeiten. Fahrt nach Brandenburg. Holunderlimo machen. Reisepass beantragen. Köln. Texte vorgelesen. Fahrradunfall, Krankenhaus. Alles kaputt. Heimlich rauchen. Nach Hause dürfen. Wer sein Fahrrad liebt, der trägt es von der Polizeiwache nach Hause. Protokolle. München. In einer nächtlichen Großaktion die Wohnung ausgemistet, ausgeräumt, umgeräumt. Das wirklich Geile daran, ein Blog zu betreiben. Angst vor dem Radfahren. Bier getrunken. Bochum. Mit einem Küchenmesser die Haare abgeschnitten. Verstanden: es ist ok.
Status: WTF???

Juli
Brandenburg. Alpakas. Neue Freunde. London. “May I interest you in a cup of tea?” Leider nein. Rosamunde Pilcher-Kulissen. Der weiße Pfau. 20 Grad, England, Sonnenbrand. Eine neue Liebe. Technoparty im Park. Endlich wieder Regionalbahn fahren. Süddeutschland. Der wichtigste Besuch des Jahres. Die wichtigste Musik des Jahres. Theater. Himbeeren. Frohsein. Theaterproben. Im Fluss schwimmen. Vollmond. Sommergewitter über dem Tal. Zurück nach Berlin. Minions im Kino. Demo. Schilder halten.
Status: Fett, Salz, Zucker, Sex.

August
Dachterrassen-Grillparty. Kino. Köln. Schloss Dyck. Mosel. Luxemburg. Köln. Grillparty am Weiher. Studienplatzzusage. Hubschrauber geflogen. Über Eichhörnchen gewettert. Dinner for fifty. Impfungen. Mein Name an einem Auto. Abfahrt.
Status: Wo bin ich?

September
Im Auto von Berlin nach Krakau, Lemberg, Odessa, Sewastopol, Jalta, Anapa, Adygea, Elista nach Astrachan (Teil 1, Teil 2).
Pferd. “Können wir jetzt bitte mal pinkeln? Over!” Neue Freunde. Sehr viel Bier. Bei Sonnenuntergang im See schwimmen. Gin Tonic aus Dosen. “Wasser haben wir nicht, aber es wäre noch Bier da.” Der längste Tresen der Welt. Zittern an der Grenze. Einträge im Reisepass. “Das raucht sich weg!” Rückflug Astrachan – Moskau. Konsterniert in der Raucherlounge herumhängen. Moskau – Berlin. Konsterniert vor dem Flughafen Schönefeld sitzen. Nerds. Konferenzen. “Das ist meine fünfte Party an fünf Tagen.” – “Heißt das, du trinkst heute nichts?” – “Natürlich nicht!” Facebook-Freundschaftsanfrage. Frühstück im Bett. Durchbrennen wollen und an der Ostsee landen. Taxifahrerin spielen. Kohle liefern lassen. “Geht mir genauso.” I’m dirty let’s party. Geburtstag nicht feiern wollen. Doch Geburtstag gefeiert. Sehr (SEHR) viel Whisky Sour. Deutsche Politik auf Englisch. “Komm du mir nochmal nach Berlin!” – “Ok!”
Status: Yeah, yeah, yeah

Oktober
Touristentour. Hamburg. Wochenende im Bett. Große Kaffeetassen. Katze. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Hamburg. 20 Dinge aufgeschrieben. “An die uneheliche Tochter von Klaus Störtebeker”. Bei einem Gemeinschaftsblog angefangen. Einen Tumblr verschenken. Im Cabrio durch die Stadt. “Ich trag ein Schild mit deinem Namen.” Flughafen. “Willkommen in Berlin!” Hund. Whisky. Köln. Das falsche Taxi. Bonn. Darmstadt. Vollmond über dem Industriegebiet. “Er musste zu dir passen.” Frankfurt. Stuttgart. Dachterrassenparty. München. Das erste Mal im Stadion. Bayern-Hertha. Kein Schlaf ist zu wenig Schlaf. Telefonate. Waschsalon.
Status: Rock’n’Roll!

November
Frankfurt. Nürnberg. Leipzig. Chemnitz. Dortmund. Bochum. Hamburg, Regenbogen über dem Hafen. Kiel. In Berlin im Hotel. Party im Bus. Und tschüss. Hamburg. Treffen am Kanal. Köln. “Ich hol dich am Bahnhof ab!” Küchengespräche. Party mit Gitarre. Filet. Kölsch. Wiedersehen. Haare. 7-Tage-Bart am Hals. Und am Ohr. Bissspuren. Kölsch. Unterhemd und Hut. “Ich habe mir extra für dich den Bart wachsen lassen!” Burger um 8 Uhr morgens. Wohnzimmerpicknick. “Meet me at the Hotel.” Fleischplatte. Im Hotel übernachtet. Hexenschuss. Die Physiotherapeutin! Island. Verzaubert. Viele Menschen mit Bärten. Der Finne! Ein Hotdog unten am Hafen. Hin und weg. Roadtrip.
Status: Sehr verliebt.

Dezember
Keine Lust auf Rückflug. Nikolaus im Schuh. “Ti Amo” im Duett. Brunch. Krank im Bett. Viel denken. “Kratz mich, beiß mich, koch mir Hühnersuppe!” Heiligabend in der Kneipe. Getrunken, Billard gespielt, noch mehr getrunken. Wirte sind übrigens an Heiligabend in der Regel sehr spendabel. Sehr betrunken ins Bett. Ingwertee, my friend. Viel singen. Aufnahmen. Frankfurt. “Hoffentlich machen sie hier kein Feuerwerk!”
Status: ¡Hasta la vista, baby!

ENDZEITFRAGEN:

Haare länger oder kürzer?
Rechts länger, links zwei Millimeter.

Mehr Kohle oder weniger?
500 Kilo Kohle.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger.

Mehr bewegt oder weniger?
8 Monate sehr viel, dann sehr viel weniger.

Der hirnrissigste Plan?
“Ich geh da jetzt rein!”

Die gefährlichste Unternehmung?
Wild zelten. Bei Schneesturm und 5 Metern Sicht Auto fahren.

Der beste Sex?
Mit T. (Name geändert).

Die teuerste Anschaffung?
Eine neue Kamera.

Die beste Musik?
Selbstgemacht.

Das schönste Konzert?
Philharmonie Berlin: Deutsches Symphonieorchester mit Grieg, Hummel, Sibelius.

2013 zum ersten Mal getan?
Linksverkehr gefahren. Beifahrer: “Du solltest vielleicht doch noch ein Stück weiter rechts fahren, sonst haben wir gleich das Gebüsch vom Straßenrand im Auto.”

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat:
“Zerstören wir zusammen Hotelzimmer, dröhnen uns vorher mit Bergen von Koks zu und kopulieren im hoteleigenen Lastenaufzug auf der Flucht vor der Security?”

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe:
“Nimm diese Mülltüte als Zeichen meiner Freundschaft!”

2013 war mit einem Satz …
eines der ereignisreichsten und intensivsten Jahre, die ich je hatte.

Und mit einem Wort …
ZOMG!!!!!

Nachsatz
Save the last dance for me.

Sag zum Abschied leise …
DANKE:
Allen, mit denen ich dieses Jahr Zeit verbringen durfte. Danke an alle, die schöne Sachen ins Internet geschrieben und gute Dinge gemacht haben. Danke an alle, die mir Geschenke geschickt haben, auch an die Absender von “Russland to go” und “100$ Startup”. Danke an alle, die hier Kommentare geschrieben, mir E-Mails geschickt und geflattrt haben. Danke Ihnen, dass Sie hier oder drüben mitlasen und -lesen.

Und nun lassen Sie es krachen oder ziehen Sie sich rechtzeitig die Bettdecke über den Kopf. Gehaben Sie sich wohl. Wir sehen, lesen und schreiben uns 2014.

<3

Ich reise allein

Alleine zu reisen bedeutet für mich daher auch, dass ich mir immer wieder bewusst mache, dass ich bisweilen den sozialen Stecker ziehen muss, damit es mir gut geht, und dann irgendwo hinfahre, wo es schön ist und ich wieder Kräfte sammeln kann. Das Tolle ist: egal was vorher alles los war – spätestens nach drei Tagen verliere ich mein Zeitgefühl und mein Kopf ist so frei, dass ich wieder alles neu sortieren kann. Für mich ist diese Zeit eine, in der mir mühelos gelingt, was mich sonst sehr viel Kraft kostet: mich auf das Wesentliche konzentrieren. Mich um mich selbst kümmern. Der Abschaltfaktor eines solchen Urlaubs ist für mich durch nichts zu ersetzen.

“Ich reise allein” – warum das so ist, habe ich einmal für kleinerdrei aufgeschrieben.

Hallo Island, Tag 2: Puderzucker auf Lava, Teddybären klauende Weihnachtsmänner, Wut-Gifs und Wasser von überall

Gemacht

Touristenprogramm. Endlich mal Teil einer Bewegung sein! Allerdings einer Bewegung, die sich doch eher … langsam bewegt. Mit der bin ich auf der ersten Station des Tages gleich mal in einem Gewächshaus gelandet, das so bei Nacht (also um 10:30 Uhr morgens) aussieht wie ein UFO. Und das außerdem genauso viel Strom verbraucht wie eine Stadt mit 3.000 Einwohnern. Dafür gibt es hier Tomaten, die gibt es in Städten mit 3.000 Einwohnern nämlich nicht nur im Supermarkt.

Gleich neben dem CO2-Container neben dem Gewächshaus eine statisch HÖCHST fragwürdige Konstruktuion entdeckt, bei der ich mich natürlich sofort frage, wo ich noch so drei, vier Europaletten herbekomme, damit ich ausprobieren kann, wann das Ding um- und ins Gewächshaus unterhalb reinfällt (ICH WAR’S NICHT!).

Und dann fing es auch noch an zu schneien. Aber wie!

Ansonsten: geatmet

Wieder total gesund ernährt (aber diese Cocktailsauce (oder Kokteilsósa, wie wir Isländer sagen) ist ein wirklich ziemlich gutes Zeug.

Peinliche Langzeitbelichtungen von Flüssen. Kann man auch mal wieder machen.

Gewesen

Im Bus
Beim Dampfkochtopf
Am Felsen
Am Wasserfall
Am größten See Islands
An der Touristeninformation

Gesehen

Die Stelle, an der die eurasische auf die nordamerikanische Kontinentaleplatte trifft. Genauer gesagt: die Platten driften jedes Jahr 2 Zentimeter auseinander, und damit wäre dann auch tektonisch belegt, was politisch eh schon länger überfällig ist. Nordamerika ist übrigens der fette, schwarze Fels, der da so rausragt.

Getroffen

E., dank der ich eine Touristentour inmitten lauter Pärchen überstand (<3!), und die außerdem im Schneesturm dieses Bild machte (nein, das sind KEINE Tränen in meinem Gesicht)

Gemerkt

Wie krass groß die Wälder hier doch sind!
Keinen Schnee von der Lava ablecken, auch wenn es echt gut aussieht (der Schnee)
Der Weihnachtsmann hat meinen Teddybären von früher geklaut! Blödi.

Gehört

“I love your haircut. It’s perfect!” (Zufällige Touristin am Geysir) <3

“Wie ihr seht … also, gut, ihr seht es ja nicht, es ist zu dunkel.” (Touristenführerin um 11:30 Uhr)

“So lange sie fett sind, dürfen sie bei jedem Wetter draußen sein.” (Touristenführerin. Und, nein, sie sprach nicht über die Mitreisenden, sondenr über Islandponys)

Zum Ende des Abends noch ein Konzert einer nicht namentlich bekannten Band. Isländer sind sie auf jeden Fall. Und sie singen auf Englisch (jedenfalls, so weit das zu verstehen war). Lautstärke: WAS HAST DU GESAGT??? Aber ansonsten wirklich, wirklich prima.

Unfall des Tages

Die letzten zwei Stufen aus dem Bus rausgefallen, weil die Stufen leider glatt waren. Sah ungefähr so aus:

Ohrwürmer des Tages Den ganzen Tag gesungen

The Beatles – All my loving

Johnny Cash – Rose of my heart
Joe Cocker – You can leave your hat on

Morgen

Verabredet mit E., wir gehen schwimmen. Oder so. Olé!

Vorsätze für morgen

Alle Klamotten wieder trockenkriegen.
Nicht mehr wie ein kalter, nasser Hund aussehen riechen.
Weniger Wolken!

Hallo Island! Tag 1: Vulkane im Garten, Zimt, Gnome und Weihnachtsbaumsicherungen

Es regnet, es ist kurz vor stockdunkel und schweinekalt, als ich mit nur so halb zugeknöpften Mantel über die Landebahn in den Flughafen laufe. Ich bin froh, endlich hier zu sein. In Berlin war alles noch ein bisschen spannender, als mir lieb war, erst musste ich zur Sprengstoffkontrolle meines Macbooks, dann zur Gepäck-Nachuntersuchung, und das alles mit ohne viel Schlaf in der Nacht vorher.

Dann also der Flug. 2.400 Kilometer, dreieinhalb Stunden, da kann man ruhig mal ein bisschen schlafen. Der Versuch, eine bequeme Schlafposition zu finden glückt, hilft aber mal gar nichts, denn direkt in der Reihe vor mir befindet sich ein französisches Kleinkind (zu erkennen daran, dass es regelmäßig von den, ebenfalls französischen, Eltern ermahnt wird mit “assis-toi!”, “setz dich!”.) Und ermahnt wird es völlig zurecht, denn es vollführt auf dem Sitz Turnübungen höchsten Schwierigkeitsgrades, dass es eine wahre Freude ist. Genauer gesagt: dass es eine Freude sein könnte, wenn ich wacher UND Turnübungen grundsätzlich etwas freundlicher zugeneigt wäre UND Kleinkinder gut fände, die beim Turnen vor Freude krähen. Die. Ganze. Zeit. Ich brumme böse Flüche vor mich hin (auf Deutsch natürlich, ich will dem Kleinkind ja nicht den Spracherwerb erleichtern verderben) und versuche, trotzdem ein bisschen zu dösen.

Das mit Island und mir, das ist eine sehr lange Geschichte, und sie ist ein ganzes Stück älter als ich bin. Mein Vater war vor 31 Jahren zum ersten Mal hier, im Mai 1982, für eine Rucksacktour mit zwei Freunden. Der erste der beiden kehrte schon direkt am Flughafen wieder um, weil es ihm zu kalt war, die beiden anderen blieben für sech Wochen. Seitdem hat Island mich immer ein bisschen begleitet. Mein Vater erzählt sehr gerne Geschichten, auch von dieser Tour, und er erzählt sie heute noch gerne und bei jeder Gelegenheit (meine Mutter kann sie inzwischen selbst wörtlich nacherzählen, wie langjährige Paare eben so sind).

Und deshalb wollte ich schon ungefähr immer nach Island fahren. Immerhin, bis nach Schweden und Norwegen habe ich es schon mehrfach geschafft, aber weiter nördlich – erst gestern Nachmittag, 16:30 Uhr Ortszeit. Dann ging es in den Bus nach Reykjavik, und in den Bussen hier gibt es Wlan. Wlan! Alta!

bus, iceland

Dann nur das übliche Programm, aus dem Bus aussteigen, sich nicht von Autos überfahren lassen, ins Hostel, zum Abendessen die letzten mitgebrachten Nüsse, Bett, Licht aus, schlafen. Das war jetzt aber eh nur der Vorspann. Ab jetzt hier wieder das gleichermaßen bekannte wie beliebte (also unbekannte und unbeliebte) Format, ausnahmsweise täglich.

Gesehen

Reykjavik von oben

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Niedliche bunte Häuser

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Weihnachtsbäume, die mit vier Verankerungen im Boden gesichert werden

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Getroffen

Diesen UNFASSBAR niedlichen und flauschigen Kater, der mir zur Begrüßung ans Knie gehüpft ist, sich danach eine halbe Stunde hat streicheln lassen und mir dann noch eine ganze Weile gefolgt ist. Typisch Kerl.

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Einen älteren Herrn, der aussah wie ein unglaublich niedlicher Gnom (leider ohne Bild).

Einen Hund, der verzweifelt versuchte, in einen Burgerladen hineinzukommen und dann in seiner Verzweiflung an die Tür pinkelte. Konsequent!

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Gemacht

Vom Sturm umgeweht worden (ohne Foto, zum Glück).

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5 Stunden Hardcore-Spaziergang ohne Pause, unter anderem in dieser Einkaufsstraße mit unauffälliger Glöckchen-Deko:

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Gewartet

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Gehabt

Was mit Zimt und Butter und dazu super Kaffee

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Ein Webcam-Date!
(Falls Sie nicht wissen sollten, was das ist – das funktioniert so: eine Person ruft eine Internetseite auf, auf der ein Platz in einer Stadt zu sehen ist, dann verabredet man sich zu einer bestimmten Uhrzeit (Achtung: Zeitzonen beachten!) und dann stellt  sich die andere Person vor die hochauflösende Kamera und winkt. Oder steht wenigstens einfach da. (Falls Sie jetzt suchen sollten: nein ich bin nicht das Gebäude mit dem Turm!)

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Zu beachten: die Person, die das Webcambild betrachtet, kann zurückwinken, wird aber nicht gesehen. Von unten sah das Webcam-Date nämlich so aus:

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Verliebt. In das Licht. Meine Güte. Dieses Licht!

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Also, wenn es denn da ist, das Licht. Meistens ist es ja eher nicht da, hell (oder das, was man hier “hell” nennt) ist es so von 11 bis 16 Uhr. Und wenn dann noch die Sonne rauskommt … boah!

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Gemerkt

Es gibt ja zwei Sorten Menschen – die einen haben englischen Rasen, die anderen eine Vulkanshow im Garten.

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Ich finde ja, Baustellen sind meist die schöneren Kunstwerke.

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ICH LIEBE BAUSTELLEN!

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Ohrwürmer des Tages

Dazu muss ich kurz einleitend sagen: wenn ich alleine reise, rede ich meist nicht sonderlich viel außer mit mir selbst. Und dann fallen mir die absonderlichsten Musikstücke ein, die ich den ganzen Tag nicht aus dem Ohr bekomme. Das war schon auf Sardinien so (Sie erinnern sich vielleicht), nur habe ich damals die Liste leider verloren. Das passiert diesmal nicht mehr!

Rocky Horror Picture Show – Time Warp
Rocky Horror Picture Show – Sweet Transvestite
Herman’s Hermits – No milk today
Northern Lite – Girl with a Gun

Und jetzt wird hier schnell geschlafen, denn morgen gibt es gleich ganz früh Touristenprogramm. Hurra!

Woche woanders #8: tanzen mit Pi und Motorrädern, Haare zu Waffen und Gedichten, und dann ab damit in den Baumarkt

Wir hatten das ja schon lange nicht mehr hier. Das liegt daran, dass ich viel weg war, dass ich meine Feeds nicht mehr lesen wollte, dass ich das Sofa nicht einmal mehr gedanklich verlassen wollte, weil ich so, so müde war, dass ich nach wie vor alle guten Ideen in 2000 Zeichen lange SMS stecke und auch gar nicht wusste, was ich so hätte schreiben sollen. Jetzt habe ich Rücken und kann das Sofa nicht mehr verlassen. Also schreibe ich jetzt doch. Und deshalb — hallo zurück.

Tanzen, als würde keiner zusehen, und dann mit geladener Waffe zu Starbucks

“Sie weichen vom traditionellen Frauenbild ab. Sie haben keine Ehemänner, keine Verlobten, keine mentalen Zuhälter. … Sie sind finanziell unabhängig. Man erkennt sie daran, dass sie essen, wenn sie Hunger haben, tanzen, als würde keiner zusehen, und ein unbürokratischeres Sexleben haben als verpaarte Frauen.”Else Buschheuer über Freifrauen.

Starbucks machte den Fehler Vorstoß, seine Kunden darum zu bitten, doch ihre Waffen zuhause zu lassen, wenn sie ihren Filterkaffee einnehmen. Das hier ist der empörte Gegenruf eines Kunden (und einer der großartigsten Texte, die ich in den letzten Monaten gelesen habe): Why I need my gun at Starbucks.

Pi und Dinge, mit denen man nicht rechnen kann

“‘Ich rauche sonst gar nicht’, sagt der Mann und zieht den Rauch der Zigarette tief ein, dann fügt er hinzu: ‘Also jetzt seit acht Jahren nicht mehr.'” – Der Mann am Rande der Straße.

Sieht kompliziert aus, ist aber ganz einfach und erspart einem eine Menge Ärger mit falschen Kalkulationen: warum man seine Abschätzungen bei Planungen immer mit Pi multiplizieren sollte.

Über Arbeit

“Die Uni war ein Trainingscamp für Selbstdarsteller.” – Meine Karriere als Studienabbrecherin läuft bislang recht gut. Hier erzählt Sascha Lobo, wie das für ihn an der Uni war und was ihm das heute noch so bringt (außer der immer gleichen Frage nach seiner Frisur).

“An der Kasse sitzen, putzen, Leuten irgendwelchen Mist andrehen, bei Douglas oder so, auf stupideste Weise dieses menschenfeindliche kapitalistische Drecksrad am Laufen halten – ist das nicht auch total schädlich für den Kopf? Macht das irgendwer echt freiwillig?” – Antonia Baum über Sexarbeiterinnen. Kluge Analyse, warum Alice Schwarzers neuester Vorstoß gegen Prostitution mit Vollgas an den wichtigen Fragen vorbeistürmt. Ich habe mal eine ganze Weile an einer Supermarktkasse gesessen, und, nein, freiwillig war das nicht.

Alles, was einen Motor hat

Voll fies: Ein Schere-Stein-Papier-Roboter, der immer gewinnt:

Falls sich jemand noch nicht ganz sicher war, dass die Posen von Models an Motorrädern und Autos wirklich dämlich sind: hier gibt es das Ganze in unübersehbar:

852 Instagram-Bilder in einem zauberhaften Kurzfilm. Schön ist das:

A propos Liebe. 

Deine Haare aus Versehen zu einer Waffe zerzaust. Singt Hans Unstern, und er hat Recht.

Es gibt auch in diesem Jahr wieder den Reporterpreis. Das Tolle daran ist: egal wer gewinnt, man kann alle nominierten Texte nachlesen, das ist eine prima Beschäftigung für lange U-Bahn-Fahrten und diese Tage, an denen es schon um 15 Uhr schon wieder Nacht ist. Und da sind wirklich fantastische Sachen dabei. Hier findet man alle Beiträge, sehr empfehlen kann ich bislang (ich bin längst noch nicht fertig) diese hier: “Nüchtern“, übers Nüchternbleiben in einer Partygesellschaft;  “Alexanderplatz” über einen Ort in Berlin, der nie wieder so sein wird, wie er einmal war; “Die ganze Welt im Verdacht” über Geheimdienst-Aussteiger und von Erwin Koch, einem meiner Lieblingsautoren, “Eigentlich eine Liebesgeschichte“, darüber, was passiert, wenn ein Mensch sehr krank wird.

“Wer liebt, kauft weniger. Wer sich aufgehoben fühlt, hat weniger Angst, die er durch den Erwerb von Produkten zu beschwichtigen sucht.” – Gegen Kapitalismus hilft nur Liebe.

Baby, wir sind Stars, wir scheinen herab auf die Verdammten / und ich glaub’, es könnte sein, dass wir für immer tanzen. Sagen Brockdorff Klang Labor und Jens Friebe, und sie haben auch Recht. (Wobei Jens Friebe ja immer Recht hat, und wer das nicht glauben mag, höre dieses Lied:)

Himmel und Hölle: über den Wolken und im Baumarkt

“‘Ratschenkasten’, bellte sie. Der Verkäufer blickte sie ungläubig an. Ich interessierte mich auffällig für die Unterschiede zwischen braunen und schwarzen Pinseln, griff aber nicht in die Kampfhandlungen ein. ‘Sie wollen also einen Ratschenkasten’, stammelte er. Anne zog indigniert eine Braue hoch. ‘Wenn ich ein Toastbrot wollte, hätte ich ‚Toastbrot‘ gesagt.'”Was Frauen wünschen. Ein unfassbar großartiger Text.

Wenn ich mal Mitglied in einem Club werde, dann in der Cloud Appreciation Society. Leute, die Wolken mögen, können keine schlechten Menschen sein.

Über gefährliche Randsportarten wie Dichten und Fahrradfahren

“Ja gäbe es noch Dichter, die sich als Dichter verstünden, die weit über das Sich-ins-Fernsehen-einladen-Lassen und Neues-Buch-in-die-Kamera-Halten hinausgingen, die etwas zu sagen hätten, das in noch keinem ihrer Bücher gedruckt wäre und das sie nicht aus verkaufsfördernden Gründen sagen würden. Ja wenn!” – Vielleicht Dichter. Eine Fluchtschrift von Matthias Schumacher.

Ich warte immer noch darauf, dass Radfahren in Berlin bald bei Versicherungen unter “Extremsportarten” gelistet wird. Damit es vielleicht nicht ganz so weit kommt: hier gibt es eine offizielle Liste, in der man gefährliche Stellen, Kreuzungen und Ecken eintragen kann.

Über den Winter übe ich schonmal die Stunts für diese Nummer hier. Im Flur. Auf Pappkartons. Und einem Stapel Matratzen. Dann kann ich im Frühjahr das hier nachdrehen: von diesem Typen, der mit dem Radl nicht auf dem unbefahrbaren Fahrradweg fuhr, einen Strafzettel bekam und … so reagierte:

Inspiration fällt nicht vom Himmel. Obwohl …

“Die Muse küsst nicht an den Orten, wo es üblich ist. Sie leckt nur rum an den unmöglichsten Stelle, in dem ungünstigsten Augenblick, wenn alle hinschauen und sich fragen, was wohl da wieder in sie gefahren ist.”Übers Sein.

Nordlichter. Das kann man sich mal ansehen (und mir die Daumen drücken. Ich bin ab kommender Woche da, vielleicht habe ich ja Glück. Die Spezial-Wettervorhersage dazu gibt es übrigens hier und hier.)

https://www.youtube.com/watch?v=_EVAECh21eU

Mein Verhältnis zu Bärten habe ich ja bislang immer eher subtil angedeutet, deshalb jetzt, in aller gebotenen Zurückhaltung, nur das hier: Disney-Prinzessinnen mit Bärten. Keine weiteren Fragen.

Noch mehr Liebe (aber anders)

Ich habe selten Orgasmen, mag lieber Blümchen- als Oralsex, will aber dafür quasi IMMER Sex haben, und meine Beziehungen halten maximal 10 Monate. – Das war Ihnen jetzt etwas zu direkt? Dann formulieren wir es anders: ich hasse Sport, ich bin Optimistin, Fleischesserin, Atheistin, würde meine Figur mit “kurvig” beschreiben und twittere häufig. Das jedenfalls sind die Rückschlüsse, die sich aus diesen fantastischen Studienergebnissen ziehen lassen.

Ich stehe ja sehr auf GIFs. Und das hier, das ist quasi Liebe zum Kurbeln:

P.S.: Falls jemand diese Kategorie hier ein bisschen vermisst hat: ich arbeite für das Projekt Hoodie, eine Datenbank für Web-Anwendungen. Im Blog dazu gibt es immer freitags eine wöchentliche Linksammlung unter dem Titel “TGIF!” (Thank God it’s Friday). Da sind zwar auch ein, zwei technische Themen dabei, ansonsten aber alles, was einfach gut und wichtig ist. Ich empfehle daher so oder so unbedingt einen Besuch dort. Hier sind alle bisherigen Beiträge gelistet.