Erledigungen vor dem Untergang der Welt

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Dies ist ein ganz gewöhnlicher Freitagabend nach einer ganz gewöhnlichen Woche, und zwischen Tagewerken und Nachtschwärmen müssen Zeit und Magen mit etwas Sinnvollem angefüllt werden. Was könnte da schöner sein als die Besichtigung eines Mikrokosmos, eines Paralleluniversums voller Metaphern, reich Verbindungen zum wahren Leben. Also gehe ich in den Supermarkt.

Hinein geht es durch eine Schleuse, die nur nach innen offen ist, dann vorbei an einem bedrohlich hohen Stapel roter Getränkekisten. Die Schleuse öffnet sich, der Stapel fällt, eine Transportmöglichkeit für die Einkäufe muss her, wenigstens bekommt man hier keinen Korb, sondern holt ihn sich selbst. Kaum gehe ich ein paar Schritte weiter, steht da ein Zeitschriftenregal im Weg, geschickt positioniert, unübersehbar und gleichzeitig sehr subtil. Doch die Schlagzeilen sprechen für sich, und wer im Vorbeilaufen an den schlechten Zustand der Welt erinnert wird, dem bleibt in seiner Not gar nichts anderes übrig, als einzukaufen.

Denn: die Zeit des Schönredens ist vorbei. Jetzt ist die Zeit des Schönfressens, des Schönsaufens, und am Ende wird uns schlecht, weil wir alles haben und den Hals nie voll kriegen können und doch die Nase so voll haben, dass uns bald der Kopf platzt, also kotzen wir, bevor unser Hypothalamus noch mit unserem Geldbeutel verschmilzt und wir unser letztes Gehirn für eine Packung Tütensuppe hergeben. Weil wir doch so hungrig sind. Wer Sorgen hat, hat auch Schokolade, und wer den Zustand der Welt betrachtet, hat bald auch eine Schokoladenfabrik, ach, es kann so einfach sein, und alles ist wieder wunderschön. Prompt springt mir eine Schlagzeile entgegen: “Grüne beleibter als je zuvor“. Der Erfolg bekommt ihnen wohl nicht, es joggt sich ja auch so schlecht in Birkenstock-Sandalen, und so sieht dann wohl das Ende aus. Das Ende der einst so erfolgshungrigen Partei ist ein Ohrensessel, den teilt sie sich mit ihrer neuen Sattheit und deren Schwester Behäbigkeit. Ich seufze leise, und ganz im Stillen wünsche ich mir Erfolglosigkeit. Ich wünsche mir, immer hungrig zu bleiben.

Zu spät bemerke ich die nahende Bedrohung, die Abteilung für Obst und Gemüse. Ich bin ein Kind der Generation Cheeseburger, nach dem Krieg gab es ja sonst nichts, und wer braucht schon Vitamine, die machen nur albern. Doch in diesem Augenblick geschieht, was ich nie für möglich hielt. Ich habe in dieser Abteilung einen Seelenverwandten gefunden. Es ist:

eine Avocado. Avocado Hass.
In dieser dunkelgrünen, 248 Gramm schweren Frucht (der Name bedeutet Hoden) konzentriert sich mein gesamtes Seelenleben. Avocados sind Panzerbeeren. Und ich liebe sie. Zwar kann ich keine Liebe zulassen, ich liebe sie also nicht direkt, doch im Gegensatz zu allem anderen auf dieser Welt kann ich diese Avocado wenigstens so weit wahrnehmen, dass ich in der Lage bin, sie standesgemäß zu hassen. Als kleinen Exkurs in die Biologie lassen Sie mich Ihnen sagen: Kürbisse, Bananen und Gurken sind ebenfalls Beeren, Erdbeeren hingegen lediglich Sammelnussfrüchte, und glauben Sie mir, nicht einmal Sprühsahne kann einer Sammelnussfrucht auch nur annähernd einen Hauch von Erotik verleihen. Im Übrigen konnte ich mich bereits im Kindergarten durch große Erfolge in der Nachzucht von Avocadopflanzen profilieren. Zehn Kartons Hass nehme ich mit.

Ich möchte gerne eine Panzerbeere sein.

Die Kartons nehmen von Meter zu Meter an Gewicht zu, mit letzter Kraft umschiffe ich das Schild „Mit Thunfisch auf Qualitätskurs“, erreiche das Regal mit den Milchprodukten und überdenke die Anschaffung eines Joghurts. Doch wie könnte ich Joghurt kaufen, jetzt, wo die Abschaffung der Welt so kurz bevorsteht?  Vor dem Weltuntergang kauft man keinen Joghurt, vor dem Weltuntergang kauft man einen Bunker. Und ich gehe weiter.

An einer Wand hängt ein rotes Telefon, auf einem Zettel steht: “Haben Sie noch Wünsche? Wählen Sie die 31!”. Ich stelle die Kartons ab und wähle. 3-1. Eine Dame mit beeindruckend hoher Stimme meldet sich, “Sie wünschen?”. Ich muss husten. “Fräulein, bitte notieren Sie, ich wünsche mir ein Verbot von fettarmem Käse, außerdem Müsli ohne Rosinen, einen Bunker und Weltfrieden. Guten Tag.” Ich lege auf. Endlich jemand, der mir zuhört. Das ist ein schönes Gefühl.

Doch hinter dem nächsten Regal steht schon wieder ein Schild, es schreit mir entgegen „Markenqualität dauerbillig!”. Das schöne Gefühl ist verschwunden, ich werde wütend und rufe zurück „Billigmarke Dauerqual!“. Das Schild reagiert nicht, eine Frechheit, aber was rege ich mich auf, was will man auch von einem Pappkarton mit der Intelligenz eines Durchschnittsdeutschen erwarten. Durchschnittsdeutsche und schreiende Schilder hinterlassen ein Fiepen in meinen Ohren an diesem Ort der Töne. Dies ist ein Ort für das Piepsen der Scannerkassen, das Surren der Palettenwagen, das Geräusch aneinander stoßender Menschen. Sich aneinander stoßender Menschen. Und es gibt keinen Ort, an dem jeglicher Menschenhass sich so sehr potenziert wie hier. Keiner möchte hier sein, jeder möchte “nur schnell was erledigen“, sich nicht aufhalten, schon gar nicht aufhalten lassen, auch nicht vom Probierstand für Sojaschnitzel und Nutellafrischkäse, und auch nicht von Menschen, die im Weg herumstehen wie sonst nur die Touristen mitten auf der Kreuzung, wenn sie nicht wissen, in welche Richtung genau sie einen Stau verursachen sollen, also stauen sie sicherheitshalber gleich großräumig.

Haben Sie schon einmal von Freundinnen gehört, die an einem sonnigen Samstag Morgen gemeinsam einen Latte Macchiato schlürfen und dann bei Lidl shoppen gehen? Eben. Der Supermarkt an sich ist kein Ort für Menschen, der Supermarkt ist ein Hort der niederen Instinkte. Hier bin ich Tier, hier darf ich schrein. Hier wird geschubst, gekeift, hier entbrennen Kämpfe um den letzten Erdbeer-Sahne-Joghurt, hier zählt nichts als der zukünftig zu stillende Hunger, der in einer unbestimmten Zeit auftreten wird. Irgendwann in der Zukunft, idealerweise vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Überhaupt brauchen wir mehr Dinge mit Mindesthaltbarkeitsdatum. Aber vielleicht ist es auch so, dass alle Dinge um uns herum, alles, was wir anfangen, jeder, den wir treffen, schon ein Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Und dann wundern wir uns, wenn sie zu Ende gehen oder plötzlich kaputt sind, und rufen nach Mama, dem Servicetechniker und der Herstellergarantie. Dabei ist das alles nur eine tickende Zeitbombe, die irgendwann in die Luft fliegen wird. Und da ist niemand, der den Countdown kennt.

Ich schlage eine generelle Zutrittsbeschränkung für Supermärkte vor. Einzeln betreten, einzeln verlassen, bitte bezahlen Sie hier, fiept ein Kassenroboter. Denn die Menschen, denen man vor den Supermarkttüren zwangsläufig begegnen muss, sind nun wirklich Belastung genug. Und bei der Gelegenheit könnte man auch gleich die Stadt räumen, “Zutritt nur einzeln, bitte stellen Sie sich in Dreierreihen auf”. Man könnte Eintrittsgelder verlangen, von den Einnahmen eine Abrissbirne mieten und damit die hässlichsten Gebäude der Stadt abreißen. Mit dem Alexa finge man an, mit dem Hauptbahnhof machte man weiter, “wollen Sie auch mal“, – “oh ja, schon als kleiner Junge wolle ich Abrissbirnenfahrer werden, können Sie mir sagen, wann der Wasserklops dran ist, und ist auch das Mitbringen kleiner privater Sprengsätze erlaubt?”

Ein Pfeil weist zur “Frischfleisch Bedienung“, das wäre doch mal ein Name für eine Bar. Ein Kalb wiegt bei der Geburt 45 Kilogramm. Eine Kuh frisst pro Tag 70 Kilogramm frisches Gras und säuft am Tag bis zu 100 Liter Wasser, irgendwann heißt sie Mastrind und wiegt 800 Kilo, dann nennt man sie schlachtreif und erhält 400 Kilo Fleisch, verarbeitet sie zu Salami und verpackt sie in Packungen zu 200 Gramm. Dann kann man aus einem Rind einen 50 Meter hohen Stapel Salamipackungen bauen. Eine davon kostet 89 Cent. Und wir wundern uns noch, aus welchem Boden uns all die Lebensmittelskandale entgegenschießen.

“Billig? Will ich!” Traue keinem Satz, der mit einem Ausrufezeichen endet. Wer Argumente hat, kann auch nach Punkten siegen. Aber glaube Sätzen mit Fragezeichen, denn eigentlich sagen sie nichts, und sagen sie doch etwas, so handelt es sich um rhetorische Fragen, nach denen genauso gut ein Ausrufezeichen … Sie verstehen.

Wie um alles in der Welt konnte es so weit kommen, wie es nun kam? Ich könnte sagen, ich könne nichts dafür, ich sei seit nicht einmal dreißig Jahren auf diesem Planeten, doch Ausreden waren noch nie meine Stärke. Manchmal denke ich deshalb, wir sollten weniger wegwerfen und mehr recyceln. Flaschen, Tüten, Erbsendosen, Pappkartons, Farbeimer, Möbelstücke. Freundschaften. Beziehungen. Bei allem, was wir einmal gebraucht haben, wissen wir, was wir daran hatten. Wissen, was wir wieder daran haben werden. Und das einzige, was uns an der Wiederverwendung hindert, ist unser Stolz, unsere Weigerung, uns einzugestehen, dass wir es vielleicht nicht nur ein Mal gebraucht haben, sondern es wieder brauchen. Der selbe Stolz, der uns vergessen lässt, dass manche Verpackung und mancher Mensch strapazierfähiger ist als wir denken.

Manchmal frage ich mich, warum wir uns nicht mehr wundern, wenn uns Geschmackserdbeeren angeboten werden. Dass alles in Plastik eingepackt ist, der Salat, der Käse, das Brot, und wir zwischen den Regalen, eingepackt in unsere Allwetterjacken aus Plastik. Manchmal frage ich mich, wie viele Bäume jeder von uns pflanzen müsste, um den Transport der Lebensmittel zu rechtfertigen, die er in einem Jahr verzehrt, Flugmangos nicht eingerechnet. Manchmal frage ich mich, warum Lebensmitteln das Recht abgesprochen wurde, Mittel zum Leben zu sein. Und warum mit jedem Joghurt eine Landliebe-Familie verkauft wird, mit jedem Stück Fleisch ein ganzer Kerl, mit jeder Margarinepackung ein gesünderes Herz, mit jedem Baguette ein Stück Frankreich und mit jedem Käse ein Quadratmeter Alpenwiese.

Ich stelle die zehn Kisten Hass auf das Kassenband und ziehe meinen Geldbeutel aus der Tasche. Dieser Einkauf übersteigt um Längen mein Budget und erfüllt nicht im Geringsten meine Bedürfnisse. In der Schlange hinter mir weint ein Kind, vor mir zählt eine alte Dame ihr Kleingeld centweise, irgendwo zerbricht ein Gurkenglas, es riecht nach Wurst und meine Schuhe kleben in einer Cola-Lache. Plötzlich ist es mir unmöglich, einen zur Panzerbeere gewordenen Welthass zu kaufen. Als ob nichts wäre. Als ob das irgendetwas verändern könnte. Ich trage die Kisten zurück und gehe mit leeren Taschen zum Ausgang. Die Flügeltüren gehen von alleine auf, als ich auf die Türe zugehe.

Ich habe ein Herz wie eine Lichtschranke. Kaum nimmt es eine Bewegung in seiner Nähe wahr, öffnet es sich. Einmal drin, alles hin.

White Wedding

Wenn der deutsche Journalismus endlich wieder träumen darf. Wenn ganz Deutschland auf Spiegel Online eine Schlacht beim Top-Spiel “Quartett Royal: Zocken mit Europas Königshäuptern” austrägt. Wenn öffentlich-rechtliche TV-Sender 6 (sechs!) Stunden lang ein Großereignis übertragen, bei dem niemand einem Ball hinterherläuft. Wenn Menschen an Straßen stehen und winken, kleine Mädchen in rosa Kleidchen Blumen verteilen und 21 Prozent der Deutschen vor dem Fernseher sitzen wollen.

Dann ist Märchenhochzeit in Großbritannien.

Der Vorteil von Märchen ist, dass sie anfangen mit “es war einmal” und enden mit “glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage”. Der Nachteil von Märchenhochzeiten ist, dass danach das anfängt, was in keinem Märchen mehr vorkommt, und dass ab da niemand mehr für “glücklich und zufrieden” garantiert.

Aber ach, was sage ich, das ist doch romantisch. Und wie. Wenn “romantisch” bedeutet, dass es “Menschen mit Liebe und Sehnsucht erfüllt”, wird vermutlich in den nächsten 48 Stunden halb Deutschland vor Liebe und Sehnsucht platzen.

Das mit der Romantik fing an als kulturgeschichtliche Epoche (und nicht als Vorstufe zum Kitsch), als Reaktion auf die vernunftbetonte Aufklärung. Deren rationalem Denken stellten die Romantiker das große Gefühl gegenüber, – Sehnsucht, Geheimnis, Leidenschaft, die Seele, gerne auch die gequälte. Und es kam, wie es kommen musste: Die Vertreter von Klassik und Aufklärung fühlten sich durch die Romantiker angegriffen und bezeichneten das Romantische als phantastisch oder krankhaft.

Ein Kaiserreich, zwei Weltkriege, eine Teilung und eine Wiedervereinigung, kurz, 210 Jahre später – ist alles beim Alten. Jeden Tag ein neuer Weltuntergang (die SPD behält Sarrazin, das Playstation-Netz wird gehackt, Schwarzenegger kehrt zurück, Diktatoren lassen Menschen töten, immer neue Gegenden werden durch alte Probleme (Öl, Landminen, Minen, Strahlung, Krieg) verseucht).

Immer noch dreht sich die Erde an jedem Tag unserer Zeitrechnung einmal um sich selbst. Aber unsere Welt dreht sich immer schneller und wird immer lauter, während unsere gefühlten Tage immer kürzer werden. Und wenn wir einmal ganz leise sind, bohren sie, die Fragen, wohin führt das, wohin sollen wir mit alledem. Und wohin mit uns.

Dann wohl: vor den Fernseher. 29. April, 09 Uhr.

Leben ist Sterben: Biologie für Metaphoriker

Leben beginnt mit dem Zusammenschluss der größten und der kleinsten Zelle des Menschen – Eizelle und Spermium. Mit ihrem Verschmelzen entsteht die Zygote, aus der in 9 Monaten Billionen von über 200 verschiedenen Zellarten entstehen.

Mensch kann nur werden, wer sterben kann: Ab der 6. Lebenswoche wachsen die Hände zunächst nicht weiter, sondern einzelne Zellen sterben ab, so erst werden die Finger später beweglich. Ab der 7. Woche dann beginnt die Zellteilung wieder, die Hände wachsen, kurz darauf kann der Embryo einen Daumen in den Mund nehmen. Unser Leben hängt davon ab, dass Zellen rechtzeitig Selbstmord begehen.

Die Hydra wird mit dem selben Prinzip nie alt. Der Süßwasserpolyp, wenige Millimeter groß und eines der primitivsten Lebewesen überhaupt, hat durch laufendes Abtöten und Bilden von Zellen (sie besitzt nur drei Stammzelllinien) die Unsterblichkeit geschafft. Wir hingegen – sind zu komplex. Oder wenigstens nicht primitiv genug. (Für die Unsterblichkeit.)

Babyspeck, seltsame Haarfarben, Baumkletternarben, alles verschwindet mit der Zeit. Weil alles in unserem Körper sich erneuert:

Die Lungenoberfläche alle 8 Tage (Teer darin bleibt ein Jahr lang).
Die Haut auf den Lippen wird 14,7 Tage alt, die gesamte Epidermis 26 Tage.
Unsere Riechsinneszellen leben ca. einen Monat lang.
Rote Blutkörperchen werden 120 Tage alt, dabei legen sie 1.600 km in den Blutgefäßen zurück.
Weibliche Eizellen können sich nicht vermehren, ihre Zahl ist von Geburt an festgelegt. Sind alle verbraucht, stoppt die Hormonproduktion im weiblichen Körper, die Wechseljahre beginnen.
Haarfollikelzellen erneuern sich nie, was weg ist, ist weg.
Die Nervenzellen, die für unser Erinnern da sind, werden so alt wie wir.

Herzmuskelzellen leben ein Leben lang.

Herzscheiße, und wieder eine neue Wunde. Und wieder eine alte Frage:
Verwächst sich das?

Schuhcreme in teuer und lecker: Der große Schokolade-aufs-Brot-Test

Die Mitwirkenden:

Nudossi, Eszet Vollmilch-Nuss, Nussano, NussPli, Nuss Schoko Creme, nutella

außerdem:
1 Teller
1 geschärftes Messer


6 unerschrockene Scheiben Buttertoast

(genauer: 8 Scheiben (2 davon als Opfer für den defekten Toastergott))

1 furchtlose Autorin (kurz F.)
und 1 furchtloser Mitbewohner
(Hänsel. Er wohnt hier nur, weil er sich im finsteren Wald verlaufen hat, und wird gemästet. Und zu Weihnachten… harharhar).

Los geht’s!


Nr. 1: Die Hauptstadtschoki

Nussenia Nuss Schoko Creme von Winsenia aus Berlin, 400g für 1,29 €
Untertitel: 30% weniger Zucker*

Untertitel: 30% weniger Zucker*

beim ersten Öffnen ertönt der Duft von…
Altleder, bestrichen mit Schokoladen-Body-Lotion

Ableckfaktor:
Sehr zart, läuft von selbst in den Mund, ein Touch von Schokobrunnen zum Selberbasteln


Der Mitbewohner sagt:
“Sehr crämig. Pappt am Gaumen. Äh. 30% weniger Zucker? Weniger als? Hä?”
Der Aufkleber mit Sternchen antwortet dem kleinen Mitbewohner: “*als herkömmliche Nuss Schoko Creme”
Mitbewohner: “Das ist mir zu politisch. Ich bin für Spaßgesellschaft!”
F.: “Naja, besser als gar keinen Sex.”

Der knallharte Faktencheck, durchgeführt von Prof. Ich Fressenenuss:
581kcal. 39,4g Fett. 36,7g Zucker. Das ist immer noch zu viel!

Der bessere Werbeslogan:
Zuckerarm, aber sexy!

Diese Mamis lieben es:
“Sören-Günther wird nächsten Monat 3. Er spielt seit 5 Jahren Geige, Klavier und singt bei den Wiener Sängerknaben, und selbstverständlich achte ich auf seine Ernährung, Zucker bekommt er natürlich nicht, wo kämen wir denn da hin? Aber zu seinem Geburtstag bekommt er ein Knäckebrot mit einem Löffelchen Nuss Schoko Creme. Wenn er beim Vorspielen vor Omi und Opi keinen Fehler gemacht hat.”

Das ist… der Schnurrbart zur Krise.
Manfred K. aus B.: “Ich arbeite seit 40 Jahren in der Automobilbranche, und ich sag Ihnen, das ist ein hartes Brot. Aber seit ich meinen gelben Schal trage, sind die Leute wieder viel netter zu mir, das bringt ein bisschen Sonne in die graue Stimmung. Und dank Nussena zeigt mein Bart jetzt immer nach oben. Seitdem weiß auch mein Chef: Es geht aufwärts!!”


Eros Ramazotti hätte seine wahre Freude an —
Kandidat Nr. 2 — 
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Nr. 2: Der Italiener.

nutella von Ferrero, 400g für 1,99 €
Untertitel: Nuss-Nugat-Creme. Der Brotaufstrich für ein besseres Frühstück. mit dem Besten aus 1/3 l entrahmter Milch.

beim ersten Öffnen ertönt…

Adriano Celentano – Il ragazzo della via gluck

Ableckfaktor:
Finger bleibt im Glas stecken. Steinhart! Hat man den Finger befreit, schmilzt es dafür nicht so schnell. Geeignet für “ich muss nochmal kurz weg… warte so lange auf mich!”

Der Mitbewohner sagt:
“Hey, als ich noch Gothic war, hätt ich dieses schwarze Zeug geil gefunden. Aber jetzt… verbrannte Haselnüsse?”
Hilfloser Blick, Schulterzucken. Ratlosigkeit mit Haselnussduft: “Nussig? … Ach, übrigens, wo wir grade bei ‘braun’ sind… kennst Du den schon…”
F. (hebt den Zeigefinger): “Jetzt ist keine Zeit für Nazi-Witze!”
Mitbewohner: “Der Bart ist ja übrigens schief, Du solltest den mit rechts malen.”
F.: “Ich sagte KEINE NAZI-WITZE!”

Der bessere Werbeslogan:
Die nutella-Diät – weckt den Italo-Lover in Dir!

Diese Mamis lieben es:
Luigs Mama.

Der passende Schnurrbart:
Schon Super Mario wusste: nutella macht starken Bartwuchs!


und nun zu Kandidat Nr. 3 —
das ist der Typ für den schmalen Geldbeutel

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Nr. 3: Billich? Willich!

Nussano von K Classic, 400g für 0,99 €.
Untertitel: Nuss-Nougat-Creme. 8189 (???)

Beim ersten Öffnen ertönt der Duft von…
Röstaroma, Verursacher: Die 12 1/2 Nüsse auf dem Deckel. Moment, nochmal riechen — Mist, jetzt hängt mir das Zeug auf der Nasenspitze.

Ableckfaktor:
Sehr flüssig, bröckelt gleichzeitig ganz dubios weg.
Optisch bäh, aber im Dunkeln gehts.

Der Mitbewohner sagt:
“Happi, Happi! … Mensch, Du musst den Toast kalt werden lassen, sonst faked das die Konsistenz! … … … Duuuu… Darf ich auch sagen, dass das aussieht wie Sch…”
F. (unterbricht, hält das Niveau vom Wegrennen ab): “NEIN! Das macht man nicht im Text. Dafür gibts die Kommentarfunktion!”

Der bessere Werbeslogan:
Nuss, nussiger, Nussano!

Diese Mamis lieben es:
“Also, meine Kinners kriechen das mit dem Frühstück alleine hin. Mein Mann kauft ja immer ein, ne, und der kauft halt dat Zeugs. Ach, so lang’s den Kleinen schmeckt, is mir dat doch ejal. Is noch wat?”

Der passende Schnurrbart:
Johannes, 33, treffen wir in seiner Stammbar. Der gut gekleidete, erfolgreiche Sänger und Gitarrist der Band “The Jazz Gents” ist, wie wir zu unserem Erstaunen erfahren, Achtung, liebe Damenwelt!, – derzeit Single! Bei einer Zigarette erzählt er uns von seinem Leben zwischen Gigs, Groupies und gebratenen Garnelenschwänzen (sein Leibgericht). Sein Laster? Johannes wird etwas verlegen und senkt den Blick: Nussano. Er lächelt verschmitzt, und wir schmelzen dahin wie Schokocreme auf heißem Buttertoast.


Freu Dich auf:
Kandidat 4 — für alle Poser und Ölscheichs.

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Nr. 4: Der Poser-Brotaufstrich für Nussromantiker

Nudossi von Vadossi, 200g für 1,59 €
Untertitel: 36% Haselnuss. RIESEN NUSS-GENUSS MIT EXTRA VIEL HASELNUSS. Zum Öffnen Sicherungsverschluss abreißen.

Beim ersten Öffnen ertönt der Duft von…
Altfett. Iiiiih! Eine Öllache auf der Oberfläche! Greenpeace würde jetzt Alarm schlagen.

Ableckfaktor:
Ich hol jetzt meinen iPod und hör die neue Disturbed-Platte. Vielleicht erbarmt sich ja in der Zwischenzeit jemand und isst das ölige Zeug von meinen zitternden Fingern runter.

Der Mitbewohner sagt:

HURZ! Oh mein Gott, mach es weg, es brennt!…” (hält inne, prüft) “…Irgendwie schmeckt das voll nussig.”
F. dreht sich um, möchte den Raum verlassen.
Mitbewohner wirft in Panik seine Toastscheibe hinterher:
 “Halt, nimm das Ding wieder mit!”
F.: “Pass bloß auf, sonst schmier ich Dir eine!”
Mitbewohner (schwenkt seinen letzten Bissen kurz im Mund.): “Ranzig im Abgang.” (Spuckt den Bissen Sommelier-like in die bereitstehende Tupperschüssel) “Winterspeck wird ja total überbewertet!”

der bessere Werbeslogan für eine bessere Welt:
Der Mauerfall wird 20 Jahr / Nudossi ist trotzdem noch da!

Diese Mamis lieben es:
“Für meine Kleine will ich nur das Allerbeste, und deshalb bekommt sie ein Nudossi-Brot mit in die Schule. Das essen wir alle, denn da wissen wir einfach, was drin ist.”

der passende Schnurrbart:
Michael gähnt. Langsam setzt er sich in seinem Bett auf und schlurft ins Bad. Gott, ist das hell! Die Uhr sagt: Dienstag, 16:54 Uhr. Er kratzt sich übers Gesicht, ach nee, sein Gesicht kratzt seine Hand. Wann war das, dass er sich zuletzt rasiert hat? Vor 3 Tagen? 3 Wochen? Egal. Sein Magen knurrt. Er trottet in die Küche, von nebenan hört er das Keifen seiner Mutter. Bis gestern war er beim Wacken, da gabs jeden Morgen so gegen 15, 16 Uhr erstmal ein blutiges Steak zum Frühstück. Das rockt, Alter. Michael wirft einen Blick in den Kühlschrank. Keine Steaks mehr, fuck. Also guckt er in die Speisekammer, denn Mutti hat immer ein Glas Nudossi im Vorrat. Yeeah! Er holt sich einen Esslöffel, fährt seinen PC hoch und dreht die Anlage auf. Die Wände wackeln, als er den ersten Löffel Nudossi zwischen seinen Zähnen hin- und herschiebt.


Kandidat Nr. 5
bringt tiefschürfende Erkenntnisse ans Tageslicht

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Nr. 5: Die Hellste im Test, aber nicht zwingend die Intelligenteste

NussPli von Zentis, 400g für 0,77 €
Untertitel: Kobold mit grünem Haar und Milchkanne, der gleich in ein Riesen-Schokocremebrot latscht.

beim ersten Öffnen ertönt… der Song zum Brotaufstrich:


Zehn Tenöre – Bohemian Rhapsody (ab 01:17)

Ableckfaktor:
der Mitbewohner: “Übrigens, meine Zunge schafft 4cm² pro Sekunde!”
F. (bleibt der Bissen im Hals stecken): “Hust!”
der Mitbewohner: “Da biste neidisch, wa?”
F. (läuft blau an): “Würg!”

Der Mitbewohner sagt:
“Na, da haste aber dick aufgetragen! … Ach so, ist ja auch das Billigste.”

Der bessere Werbeslogan:
Open your eyes, look up to the skyes and seeeee: NussPliiiiiii! (Und im Hintergrund erscheint mit gelbem Heiligenschein ein Becher Nusspli, getragen von einem Heer von Engelchen mit Schokomündern.)

diese Mamis lieben es:
“Mein Hans-Jürgen ist gerade 43 geworden, er ist der drittjüngste Lebensmittelkontrolleur ganz Deutschlands! Wir machen ja immer diesen Witz. Der geht so: Ich frage: ‘Hans-Jürgen, hast Du eine Nussallergie?’ Und Hans-Jürgen sagt:’Oh ja! Auf dumme Nüsse reagier ich sehr allergisch! Aber bei allen anderen gehts.’ Und dann lachen wir. Ist das nicht lustig?? … Setzen Sie sich doch. Ich muss für den Hans-Jürgen etwas zum Abendessen machen, der arbeitet doch immer so hart, der arme Junge.”

Der passende Schnurrbart:
Aufgemerkt! Der extrem kurzsichtige Heidelberger Oberstudienrat Prof. Dr. Whitebread fährt jedes Jahr für zwei Wochen mit seiner Frau, Dr. Marie-Louise Fullcorn-Whitebread, zum Wandern in die Südtiroler Alpen. Doch der Frankophile möchte auch hier nicht auf alle Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation verzichten, diesen Hauch von Nougatgeschmack “au petit-déjeuner” lässt er sich nicht nehmen. Und wenn er dann richtig gut gelaunt ist, trägt er seine Kappe auch mal schrägt und summt leise “Hoch auf dem gelben Wagen”. Ausnahmsweise!


hast Du ein gutes Gebiss? Bist Du mutig?
Dann lies schnell weiter bei Kandidat Nr. 6!

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Nr. 6 Knackt beim ersten Bissen,
entpuppt sich als Krümelmonster

Eszet Schnitten von Sarotti, 75g kosten ein Vermögen 0,69 €
Untertitel: Köstlicher Brotbelag aus feinster VOLLMILCH-NUSS Schokolade

Beim ersten Öffnen ertönt…
Raschelraschelraschel. Duftige Mischung aus weißer Patina und dem Geruch von Omas Haarspray.
Ableckfaktor:
Negativ. Langweiligstes Produkt im Test, gibt nach langem Auf-der-Zunge-Liegen nach und beginnt zu schmelzen. Schmeckt aber igitt lecker (sagt der Mitbewohner, und gibt einen Tipp für mehr Spaß: Schokosoße ist billiger. Und, hehe, zartschmelzender.)Der Mitbewohner sagt:
“Boah ey, ich krieg Bläschen im Mund! Das krümelt ja voll beim Abbeißen! … Leicht zitronig, oder limettig. Ist das echt Nuss-Schokolade? Hab ich Dir schonmal gesagt, dass ich gar keine Schokolade mag? Ich glaube, ich muss ko…”

[Anmerkung der Supervisoren:
Verehrtes Publikum, an dieser Stelle brechen wir nun … äh, zu unserem Bedauern den Test ab. Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit. Nachdem die gesamte WG-Kasse in diesen Test floss, wird der Weihnachtsbraten wohl etwas mager, dieses Jahr]

Prof. Ich Fressenennuss sagt:
Eine Überprüfung aller 6 Verpackungsseiten ergibt: Keine Nährwertinformationen vorhanden. Ich recherchierte knallhart im Internet. Und fand heraus: Offensichtlich hat dieser Brotbelag 0kcal und ist damit klarer Gesundheits-Testsieger!

Der bessere Werbeslogan:
Die Erde. Is(s)t. Eine Scheibe!

Diese Mamis lieben es:
Hallo, ich bin die Brigitte und meine Tochter Barbara und ich sind gerade auf Diät. Und weil wir auf der Packung gelesen haben, dass die Eszet Vollmilch-Nuss null Kalorien hat (“Der schlanke Brotbelag – mit Vollmilch-Nuss zur Traumfigur!”), essen wir nur noch Schokolade auf unserem … ach nee, Brot essen wir ja keins. Nur mit dem Abnehmen klappts nicht so, aber man soll das ja langfristig sehen, nich.

der passende Schnurrbart:
Claude-Michel ist Senior Partner in einer Werbeagentur, dort arbeitet er 100 Stunden die Woche. Derzeit ist seine Putzfrau erkrankt, daher wurde seit 3 Wochen das Geschirr in seiner Wohnung nicht gespült. Normalerweise macht das auch nichts, er schläft ja eh mit dem Kopf auf seinem Schreibtisch, in dem er immer eine Packung Eszet hat. Vollmilch-Nuss. An Eszet schätzt Claude-Michel besonders den Aufreißfaktor.

Heute Abend geht er nämlich das erste Mal seit 10 Jahren wieder weg, und da darf bei seinem Hemd ruhig auch mal der oberste Knopf offen sein. Und wenn er dann die süße Tine abgeschleppt hat, gibt es zum Frühstück Eszet. Dann werden nämlich die Bettlaken nicht schmutzig, und man braucht kein sauberes Messer.


Zum Testergebnis…

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Am Ende des Tests blieb offen:

1. Wozu ist da überall “entrahmte Milch” und “fettarmes Kakaopulver” drin, wenn dann doch 40% Pflanzenfett zugegeben werden? Ist das für die Diät haltenden Inhaltsstoffleser?

2. “nach dem Öffnen innerhalb von 4 Monaten aufbrauchen.”

Und ganz zum Schluss wäre noch die Frage: 

Wer mag zur Schokoaufstrichparty kommen? Wir fragen für 2,2 kg Schokocreme.