Das Verhältnis der Deutschen zur englischen Sprache

Ich erleide regelmäßig krampfartige Schmerzen im Sprachzentrum meines Gehirns, wenn ich englische Texte lese, die von Deutschen geschrieben wurden. Mittlerweile denke ich darüber nach, mit der Lektüre der gesamten Reden Günther Oettingers oder Zitate ausgewählter Ex-Fußballer wie Berti Vogts und Franz Beckenbauer eine Konfrontationstherapie zu beginnen. Nur Lothar Matthäus, das wär doch noch ein bisschen zu krass.

Nach einem langen Leidensweg habe ich mich daher nun entschlossen, an die Öffentlichkeit zu treten und zu sagen:

Liebe deutsche Mitbürger. Sprechen Sie Deutsch, so beherrschen Sie bereits eine der seltsamsten Sprachen, die auf diesem Planeten existieren. Die englische ist dahingegen nun wirklich recht simpel – logisch, strukturiert, mit einfachen Regeln, die man sich leicht merken kann. Ihre Kenntnisse, die Sie im Anwenden der deutschen Sprache besitzen, berechtigt Sie jedoch nicht, die englische mit Füßen zu treten. Daher lassen Sich mich an Sie appellieren und ausrufen: auch Wörter haben Gefühle, deshalb tun Sie ihnen nicht weh!

Also: geben Sie sich nicht auf! Lernen Sie den Unterschied zwischen it’s und its! Denn: it’s beziehungsweise it is steht für es ist und its für das Possessivpronomen sein. (Das Possessivpronomen stammt vom Lateinischen possessivuseinen Besitz anzeigend, oder  possidere – besitzen, deshalb nennt man das Possessivpronomen auch besitzanzeigendes Fürwort). Sie wissen also jetzt: “Sein Stein” heißt  nicht “it’s Stein”, sondern “its Stein”.

Und auch Sie können verstehen, dass there einfach dort bedeutet, aber their ebenfalls ein Possessivpronomen ist. Their heißt ihr und bedeutet, dass mehreren Leuten etwas gehört. Bezogen auf kompakte Objekte aus Mineral oder Gestein heißt es also their Stein. “There Stein” hingegen liegt dagegen ungefähr knapp über dem sprachlichen Niveau eines Schimpansen und lässt sich übersetzen mit

“Ugah, ugah, da, ugah, Stein! Grrrr!”

Ich spreche Ihnen an dieser Stelle mein volles Vertrauen aus. Ich glaube fest an Sie. Sie können das schaffen! Auch Sie können lernen, besseres Englisch zu sprechen als ein Affe!

Und in der nächsten Lektion verrate ich dann auch Ihnen, was Stein auf Englisch heißt.

Aktualisiert um 12 Uhr: es gab hierzu auch eine prima Diskussion bei Facebook, die u.a. auch nochmal zeigt, worum es mir vor allem geht: um Achtsamkeit. Und darum, dass mir diese Fehler in letzter Zeit vor allem bei Leuten auffielen, die eine “ich bin ein Englisch-Profi”-Attitüde vor sich her tragen.

7 comments

  1. Als Deutscher, der vermutlich mehr Englisch als Deutsch liest und schreibt, kann ich Dir versichern, dass die Muttersprachler da keinen Deut besser sind als die Deutschen. Mein subjektiver Eindruck ist eher, dass die Muttersprachler noch viel schlimmer sind.

  2. Sicher. Aber als Deutsche, die vermutlich mehr Deutsch als Englisch liest und schreibt, kann ich Dir versichern, dass auch das Deutsche für Deutsche häufig schon ein Problem ist. Und das ist nichtmal der Punkt – mir geht es um Achtsamkeit. Und darum, dass manche Sachen einfach simpel sind, aber das Erscheinungsbild eines Textes massiv verbessern können.

  3. Erstmal müssten die Deutschen ihre eigene Sprache beherrschen und vor allem pflegen bevor sie sich um andere kümmern..

  4. Naja, wieviele Deutsche gibt es denn, die den Unterschied zwischen z.B. das und dass, seid und seit oder Tod und tot kennen?

  5. Ja, das sind wohl nicht besonders viele (ebenso wie es viele native Englisch-Sprechende gibt, die o.g. Unterschied auch nicht beachten). Deshalb hätte das damit genauso funktioniert. Nur kam mir das hier Beschriebene damals eben grade in großer Häufung unter und von Leuten, die sich für große Englisch-Kenner und -Könner halten.

    Und als eine, die Sprache sehr schätzt und liebt, mag ich Achtsamkeit (und dabei meine ich keine Flüchtigkeitsfehler). Diese hier, das sind, ebenso wie die von Dir beschriebenen Punkte, alles Fälle, die man lernen kann.

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