Weihnachten loswerden in 17 Schritten

1. Betreten Sie den Baumraum und fordern Sie alle weiteren Familienmitglieder auf, den Raum unverzüglich zu verlassen. Überprüfen Sie nun gründlich, ob alle Geschenke ordnungsgemäß entfernt wurden.

2. Führen Sie die Überprüfung ein zweites Mal durch. Bei dieser Gelegenheit verzehren Sie gleich am Baum verbliebene Schokokringel und Plätzchen. Kauen fördert die Hirntätigkeit. Sollten sich an den Gebäckstücken bereits Knabberspuren finden, stören Sie sich nicht daran, das ist der normale Zerfallprozess. Plätzchen sind ein Keks wie Sie und ich.

Stecken Sie eines der angeknabberten Exemplare in Ihre Jackentasche.

3. Sollten Sie noch Geschenke finden, gehören diese gemäß §3, Abs. 4, WO (Weihnachtsbaumordnung) Ihnen.

4. Freuen Sie sich!

Ja, auch über eine Barbiepuppe mit pinkfarbenem Bikini. Beschwerden über schwarze Herrensocken mit Baumstickerei sind ausdrücklich nicht gestattet (§3, Art. 8 WO).

5. Umarmen Sie Ihren Baum ein letztes Mal.

Sollte er dabei vor Schreck ein Kilo Nadeln zu Boden werfen, knien Sie vor ihn und schwören bei der Heiligen Mutter des Einzelhandels und dem Schutzpatron der Nadelbäume, kommende Weihnachten überhaupt einmal gründlicher zu gießen.

6. Fordern Sie alle anderen Familienmitglieder auf, den Raum wieder zu betreten. Füllen Sie derweil einen Beutel mit allen Alkoholika, die Sie in der Wohnung finden, und hängen Sie ihn über Ihre Schulter.

7. Lassen Sie vom jüngsten Familienmitglied die Baumhalterung entfernen und den Baum nach draußen tragen.

Selbstverständlich tragen Sie nicht, sondern beobachten die Situation aus sicherer Entfernung, um bei übermäßigem Abnadeln auf der Strecke regelmäßig “ich hab doch gleich gesagt, du sollst vorsichtiger sein, wer putzt denn jetzt die Sauerei weg!” zu murmeln. Schreien ist gestattet.

8. Lassen Sie den Baum in hohem Bogen werfen.

Als ideale Zielpunkte Zielpunkt erwiesen sich Gehwege, Schneehaufen, Parks, Gebüsch aller Arten sowie die Mitte der Kreuzung. Der ADAC rät: Auf der Autobahn wählen Sie am besten den Seitenstreifen. Ideal ist dann eine Geschwindigkeit von 120 km/h, bei der Ihre Frau das Fenster auf der Beifahrerseite öffnet, den Baum vom Rücksitz wuchtet und aus dem Fenster stupst. Sollte das Stupsen zu heftig ausfallen und Ihre Frau dabei verloren gehen, halten Sie nicht an. Ihre Frau könnte sonst zurückkommen.

9. Sollten Ihre Angehörigen das Ziel nicht treffen, stecken Sie alle auf das Kommando “#fail!” hin die Hände in die Hosentaschen, pfeifen im Kanon “Alle meine Bäumchen” und schlendern so unauffällig wie möglich die Straße entlang. Sie waren’s nicht (§18, Abs. 1 WO).

10. Sollten Sie  zwar nicht das Ziel, aber eine achtzigjährige Dame getroffen haben, waren Sie’s (§18, Abs. 2 WO). Bieten Sie ihr das Plätzchen an, das sich zufällig noch in Ihrer Jackentasche befindet.

11. Das Wurfergebnis sollte ungefähr so aussehen:

12. Schicken Sie nun die anderen Familienmitglieder wieder ins Warme, sie könnten sich sonst erkälten.

Leeren Sie nun alleine die mitgebrachten Flaschen mit Alkoholresten. Es bieten sich an: Halbvolle Sektflaschen, die Silvester keiner mehr trinken wollte, Vodka und Bier. Es ist noch vor 9 Uhr morgens? … Wieso sind Sie um diese Zeit überhaupt schon wach?

Also: Gähnen Sie nicht, trinken Sie!

Und freuen Sie sich über Ihr Werk.

13. Die sektbedingt euphorisch ausfallende Alkoholwirkung zwingt Sie, den Gehweg mit Lametta zu dekorieren.

14. Mit auslandenden Armbewegungen streuen Sie in hohem Bogen Zimtsterne über ALLES.

15. Mit letzter Kraft streuen Sie Ihre letzte Flasche hinterher,

setzen sich neben den Baum – und warten.

Aufs den Weihnachtsmann? Nein, Sie Dummerchen.

17. Haben Sie Anweisung 1 bis 16 streng befolgt, erscheint Ihnen nun das Christkind. Es trägt übrigens eine Brille und ist mit der Straßenreinigung unterwegs.

Fröhliche Weihnachten auch!

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