Ein schwäbisches Kinderwintermärchen (mit Übersetzung).

‘S wor amol a klois drolligs Mädle, a Bobbale, a Därgale, so drei odr vier. ‘S Mädle hod lange blonde Zöpfle ond ganz blaue Äugle ghett, wie kloane Sternle. Ond a Brille hot’s ghett, a lilane med Sternle, blaue un gelbe, med ganz dicke Gläser. Mit seiner Mamme un seim Babbe hod’s sei Oma bsucht. D’ Oma war lieb, ond hod immer lange weite Röck’ o’ghett ond hod emmer em Mädle sei Lieblingsesse kocht, gschdampfde Grombiera ond grüne Bohne mit brauner Soß’ odr mit Rodkraud ond brauner Soß’. On weil’s Wändr war, hot d’Oma in ihrer warme Küch, wo’s au a Holzefele ghett hod, bache: Kokosplätzle, ond Flachswickl, ond Bäredatze ond Gsälzplätzle ond no viel mehr. D’Oma hod emmer zum Mädle g’said, ‘s Mädle wär a Gsälzbärle, weil’s emmer so gern Gsälz gessa hod. Am liebschde Gsälz med Bräschdleng, Dreibla, odr Hägamark ond Quittegelee.

Ond weil’s Mädle so liab gwese isch, hod d’Oma ihre fenf Mark ind Hand drückt, kaufsch dr ebbes Schees, gell. Als se widdr dahoim wared, hod se ‘s Geld uf ihr Bettle glegt, hot sich danebe ghockt ond g’hirnt. Fenf Mark wared en Haufe Geld, ond des hod se net oifach so ‘s Fenschdr naus uffd Gass schmeiße welle.

Do hot se a Idee ghedd. Also isch se zu ihrer Mamme gange ond hod gfrogt, no hod se ihr Geld feschd en d’ Hand gnomma on isch uf d’ Schdaig. Ums Eck war nämlich en Bäcker, ond der Bäcker hod grad Martinsgäns ghett, aus Hefedaig für zwei Mark fuffzig, mit me Äugle aus Rosina ond Zuckerschdiggla als Fedra. So oine wolld se. ‘S Mädle hod sich scho gfrait, weil schleckig war se ned, mehr arg verfressa.

Abr vorm Bäcker hot scho ebern gwartet: En großer Bub, den hot se ausm Kindergarte kennd, en Rotzaff, en Rotzleffl war dess! ‘S Mädle war scho groß ond hod vor nix Ängschd ghett, abr dr Bub war viel größer! Ond stärker! Ond er hod emmr d’ kloine Kändr drangsalierd. Er isch zu ‘re gloffe ond hod gfrogt: “Was hosch’n Du do?” ‘S Mädle hot en o’guckt on gsaid “nix!”, ond hod ‘s Geld no a weng feschdr en d’ Hand gnomme. No hod dr Bub gsaid: “Guggemol, i han was viel Bessers als Du!” Ond hod r a Fenferle zaigt. ‘S Mädle hod guckt, on dr Granadeseggl hod’s ausgnutzt, hod ihr Fingerle ausenanderboge ond d fenf Mark gnomme ond ihre ‘s Fenferle ind Hand drückt. Ond bevor ‘s Mädle was gschnallt hod, isch r weggloffe. ‘S Mädle hod ihr Hand uffgmacht ond guckt ond gseha, dass d’ fenf Mark weg wared ond bloß no a Fenferle doglege isch. No hod se o’gfange z’ blärra ond isch hoim zu ihrer Mamma.

An äbba dem Dag hot se o’gfange, älla Büble zom hasse.

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Es war einmal ein kleines, niedliches Mädchen, ungefähr drei oder vier Jahre alt. Das Mädchen hatte lange blonde Zöpfe und ganz blaue Augen, wie kleine Sternchen. Und sie trug eine Brille, eine lilafarbene mit Sternchen, blauen und gelben, und ganz dicken Gläsern. Mit ihrer Mutter und ihrem Vater hatte sie ihre Oma besucht. Die Oma war lieb, und trug immer weite Röcke, und hat immer das Lieblingsessen des Mädchens gekocht, Kartoffelpüree und grüne Bohnen mit brauner Soße oder mit Rotkraut und brauner Soße. Und weil Winter war hat die Oma in ihrer warmen Küche, in der ein Holzofen stand, gebacken: Kokosplätzchen, Flachswickel, Bärentatzen und Marmeladenplätzchen und viele mehr. Die Oma hat immer zum Mädchen gesagt, das Mädchen wäre ein Gsälzbär, weil sie immer so gerne Marmelade gegessen hat. Am liebsten Marmelade mit Erdbeeren, Johannisbeeren, Hagebuttenmarmelade oder Quittengelee.

Und weil das Mädchen lieb gewesen war, hat die Oma ihr fünf Mark in die Hand gedrückt und meinte, sie solle sich damit etwas Schönes kaufen. Als sie mit ihrer Mutter und ihrem Vater wieder zuhause angekommen war, legte sie das Geld auf ihr Bett, setzte sich daneben und überlegte. Fünf Mark waren für sie viel Geld, und sie wollte es nicht einfach so zum Fenster hinauswerfen.

Da kam ihr eine großartige Idee. Sie lief zu ihrer Mutter und bat sie um Erlaubnis, dann schnappte sie die große, silberne Münze, umschloss sie fest mit ihren Fingern und verließ das Haus. Zwei Straßen weiter war nämlich ein Bäcker. Und bei dem Bäcker gab es gerade große Martinsgänse aus Hefeteig für zwei Mark und fünfzig Pfennig, mit einem Rosinenauge und Hagelzucker als Federn. So eine wollte sie haben. Das Mädchen freute sich schon sehr darauf, sie war nämlich gar nicht wählerisch, wenn es ums Essen ging, sondern aß ausgesprochen gerne.

Doch vor dem Bäcker wartete schon jemand: Ein großer, böser Junge, den sie aus ihrem Kindergarten kannte, er war immer sehr frech und aufsässig. Das Mädchen war schon groß, und hatte vor nichts Angst, doch der Junge war viel viel viel größer als sie! Und stärker! Und er ärgerte immer die kleineren Kinder. Da lief große böse Junge ihr entgegen und fragte: “Was hast Du denn da?” Das Mädchen sah zu ihm hoch und sagte “nichts!” und umschloss das Geld noch fester mit ihren kleinen Fingern. Also meinte der Junge: “Guck mal, ich hab was viel Tolleres als Du!” Er zeigte ihr ein Geldstück, das ganz klein war und viel schöner glänzte. Das Mädchen staunte mit großen Augen, und den Moment nutzte der Junge aus. Er bog ihre Fingerchen auseinander und nahm das Fünfmarkstück, stattdessen legte er das Fünf-Pfennig-Stück in ihre Hand und bog ihre Finger wieder zusammen und ehe das Mädchen gucken konnte, war er schon ganz schnell weggerannt. Das Mädchen öffnete ihre Hand und sah, dass das große Geldstück weg und nur noch so ein kleines darin war, und da fing sie an zu weinen und lief nach Hause zu ihrer Mama.

Das war der Tag, von dem an das Mädchen alle Jungs total doof fand.

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