Es regnet, es ist kurz vor stockdunkel und schweinekalt, als ich mit nur so halb zugeknöpften Mantel über die Landebahn in den Flughafen laufe. Ich bin froh, endlich hier zu sein. In Berlin war alles noch ein bisschen spannender, als mir lieb war, erst musste ich zur Sprengstoffkontrolle meines Macbooks, dann zur Gepäck-Nachuntersuchung, und das alles mit ohne viel Schlaf in der Nacht vorher.

Dann also der Flug. 2.400 Kilometer, dreieinhalb Stunden, da kann man ruhig mal ein bisschen schlafen. Der Versuch, eine bequeme Schlafposition zu finden glückt, hilft aber mal gar nichts, denn direkt in der Reihe vor mir befindet sich ein französisches Kleinkind (zu erkennen daran, dass es regelmäßig von den, ebenfalls französischen, Eltern ermahnt wird mit “assis-toi!”, “setz dich!”.) Und ermahnt wird es völlig zurecht, denn es vollführt auf dem Sitz Turnübungen höchsten Schwierigkeitsgrades, dass es eine wahre Freude ist. Genauer gesagt: dass es eine Freude sein könnte, wenn ich wacher UND Turnübungen grundsätzlich etwas freundlicher zugeneigt wäre UND Kleinkinder gut fände, die beim Turnen vor Freude krähen. Die. Ganze. Zeit. Ich brumme böse Flüche vor mich hin (auf Deutsch natürlich, ich will dem Kleinkind ja nicht den Spracherwerb erleichtern verderben) und versuche, trotzdem ein bisschen zu dösen.

Das mit Island und mir, das ist eine sehr lange Geschichte, und sie ist ein ganzes Stück älter als ich bin. Mein Vater war vor 31 Jahren zum ersten Mal hier, im Mai 1982, für eine Rucksacktour mit zwei Freunden. Der erste der beiden kehrte schon direkt am Flughafen wieder um, weil es ihm zu kalt war, die beiden anderen blieben für sech Wochen. Seitdem hat Island mich immer ein bisschen begleitet. Mein Vater erzählt sehr gerne Geschichten, auch von dieser Tour, und er erzählt sie heute noch gerne und bei jeder Gelegenheit (meine Mutter kann sie inzwischen selbst wörtlich nacherzählen, wie langjährige Paare eben so sind).

Und deshalb wollte ich schon ungefähr immer nach Island fahren. Immerhin, bis nach Schweden und Norwegen habe ich es schon mehrfach geschafft, aber weiter nördlich – erst gestern Nachmittag, 16:30 Uhr Ortszeit. Dann ging es in den Bus nach Reykjavik, und in den Bussen hier gibt es Wlan. Wlan! Alta!

bus, iceland

Dann nur das übliche Programm, aus dem Bus aussteigen, sich nicht von Autos überfahren lassen, ins Hostel, zum Abendessen die letzten mitgebrachten Nüsse, Bett, Licht aus, schlafen. Das war jetzt aber eh nur der Vorspann. Ab jetzt hier wieder das gleichermaßen bekannte wie beliebte (also unbekannte und unbeliebte) Format, ausnahmsweise täglich.

Gesehen

Reykjavik von oben

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Niedliche bunte Häuser

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Weihnachtsbäume, die mit vier Verankerungen im Boden gesichert werden

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Getroffen

Diesen UNFASSBAR niedlichen und flauschigen Kater, der mir zur Begrüßung ans Knie gehüpft ist, sich danach eine halbe Stunde hat streicheln lassen und mir dann noch eine ganze Weile gefolgt ist. Typisch Kerl.

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Einen älteren Herrn, der aussah wie ein unglaublich niedlicher Gnom (leider ohne Bild).

Einen Hund, der verzweifelt versuchte, in einen Burgerladen hineinzukommen und dann in seiner Verzweiflung an die Tür pinkelte. Konsequent!

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Gemacht

Vom Sturm umgeweht worden (ohne Foto, zum Glück).

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5 Stunden Hardcore-Spaziergang ohne Pause, unter anderem in dieser Einkaufsstraße mit unauffälliger Glöckchen-Deko:

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Gewartet

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Gehabt

Was mit Zimt und Butter und dazu super Kaffee

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Ein Webcam-Date!
(Falls Sie nicht wissen sollten, was das ist – das funktioniert so: eine Person ruft eine Internetseite auf, auf der ein Platz in einer Stadt zu sehen ist, dann verabredet man sich zu einer bestimmten Uhrzeit (Achtung: Zeitzonen beachten!) und dann stellt  sich die andere Person vor die hochauflösende Kamera und winkt. Oder steht wenigstens einfach da. (Falls Sie jetzt suchen sollten: nein ich bin nicht das Gebäude mit dem Turm!)

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Zu beachten: die Person, die das Webcambild betrachtet, kann zurückwinken, wird aber nicht gesehen. Von unten sah das Webcam-Date nämlich so aus:

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Verliebt. In das Licht. Meine Güte. Dieses Licht!

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Also, wenn es denn da ist, das Licht. Meistens ist es ja eher nicht da, hell (oder das, was man hier “hell” nennt) ist es so von 11 bis 16 Uhr. Und wenn dann noch die Sonne rauskommt … boah!

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Gemerkt

Es gibt ja zwei Sorten Menschen – die einen haben englischen Rasen, die anderen eine Vulkanshow im Garten.

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Ich finde ja, Baustellen sind meist die schöneren Kunstwerke.

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ICH LIEBE BAUSTELLEN!

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Ohrwürmer des Tages

Dazu muss ich kurz einleitend sagen: wenn ich alleine reise, rede ich meist nicht sonderlich viel außer mit mir selbst. Und dann fallen mir die absonderlichsten Musikstücke ein, die ich den ganzen Tag nicht aus dem Ohr bekomme. Das war schon auf Sardinien so (Sie erinnern sich vielleicht), nur habe ich damals die Liste leider verloren. Das passiert diesmal nicht mehr!

Rocky Horror Picture Show – Time Warp
Rocky Horror Picture Show – Sweet Transvestite
Herman’s Hermits – No milk today
Northern Lite – Girl with a Gun

Und jetzt wird hier schnell geschlafen, denn morgen gibt es gleich ganz früh Touristenprogramm. Hurra!