Heute

Heute ist so einer dieser Tage, an denen man Bauch an Rücken oder Schulter an Hals oder Nase an Nase daliegen, und nicht in irgendeinem Auto sitzen und nur an roten Ampeln SMS schreiben, oder auf Sofas unter längs gestreifter Bettwäsche herumliegen sollte. Es ist kein Tag, an dem man Gedanken oder Sätze teilen sollte in Haupt- und Nebensätze, sondern einer dieser Tage, an denen man nur eines teilt, nämlich das Bett, das Sofa oder ein Stück Teppichboden, und zwar nur mit jemandem. So ein Tag ist das nämlich. Und deshalb weiß ich umso mehr noch, dass ich dich erkennen werde, wenn wir uns wiedersehen, und zwar vielleicht daran, wie du gehst oder stehst, daran, wie es aussieht, wenn du in die Sonne schaust und das Licht über deine Schultern fällt, wie deine Barthaare sich morgens kräuseln, wie dein blaues Hemd fällt, wenn es einen Knopf zu weit auf ist, wie du Kaffee kochst und wie du liegst, wenn du herumliegst, wie du eine Zigarette hältst, wie du atmest, wenn dein Herz schneller schlägt, wie du mich ansiehst, wenn du glaubst, dass ich es nicht sehe, wie du die Augen schließt, wenn du denkst, wie du deine dunkelgrüne Tasche trägst und deinen Pullover, wenn es schon viel zu kalt ist für nur einen Pullover, wie dir etwas einfällt, wie du in deinem Kopf die Pointen sortierst, wie du Gesten machst, wie du dich selbst unterbrichst, wie du Geschichten erzählst; für all das muss ich dich nicht einmal küssen, um das zu merken. Auch wenn küssen eine besonders gute Methode ist, um sicherzugehen: ich muss dich nicht küssen, um dich zu erkennen.

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