Hauptbahnhof. Hauptplatz. Hauptdarsteller. Hauptwort. Hauptsache: Leben.


Ich sitze auf einem Sofa, den Laptop auf dem Schoß, die Füße in dicken, bunt gemusterten Wollsocken. Meine Beine liegen auf dem Couchtisch. Im Zimmer ist es 14,3 Grad warm. Vierzehnkommadrei Grad. Kalt. Im Ofen liegen die letzten beiden Briketts. Wenn sie verglüht sind, wird es noch kälter sein. Ich habe keine Kohle mehr.

Where you gonna run to?
All on that day

Das Schlimmste für jemanden, der fürs Schreiben lebt, ist, nicht schreiben zu können. Seit Stunden starre ich auf den Cursor und das große Weiß dahinter und glaube für einen Moment, dass er im Takt meiner Gedanken läuft. Null. 0. Eins. Eins. Null. 110. 01101100011011110111011001100101. Letzte Woche habe ich Kisten gekauft, um mein Leben zu sortieren. Eine Woche später habe ich mein Leben nicht sortiert, aber ich habe alles in ein Zimmer gestopft und die Tür sehr fest zugezogen.

Well, I run to the rock, please hide me

Ich gehe raus auf die Straße. Es schneit, schneit, schneit, dicke Flocken wie Puderzucker. Wäre ich eine Waffel, ich wäre unsterblich in Puderzucker verliebt. Ich setze meine Kapuze auf. Manchmal fürchte ich mich vor dem Sommer, wenn ich diese Kapuze nicht mehr tragen kann, diese textilen Scheuklappen, die mir die Menschen vom Leib halten. Vielleicht wird es gar nicht Sommer, in diesem Jahr.

I said, rock, what’s a matter with you rock?
Don’t you see I need you, rock?

Manchmal denke ich, ich sollte eine Agentur eröffnen, die bei Twitter sammelt, #wasfehlt, und den Menschen das Fehlende zukommen lässt. In einem Paket ohne Absender. Und dann glaube ich wieder, dass es manchmal leichter ist, mit dem Fehlen umzugehen, als mit dem Haben, und verschiebe den Eröffnungstermin.

So I run to the Lord, please hide me Lord
Don’t you see me prayin’?

Auf meinem Mantel kleben Katzenhaare, auf meinem Blazer liegt ein einzelnes Haar. Ich muss in den Waschsalon.

But the Lord said, go to the devil

Ich bin fürs Jetzt und ich bin fürs Hier. Ich bin für Zukunft, aber Zukunft ist erst, wenn ich das nächste Mal geatmet habe. Ich werde noch sehr viel atmen. Bis dahin wird immer ein Jetzt sein.

So I ran to the devil, he was waiting

Und führe uns in Versuchung.

All on that day.

Der Cursor blinkt weiter hämisch. Ich glaube, er lacht mich aus.

Leave a Reply

Your e-mail address will not be published. Required fields are marked *

Related Posts

Begin typing your search term above and press enter to search. Press ESC to cancel.

Back To Top