2011 Wünsche (ohne Vorsatz)

Jawohl, kein Vorsatz, das Zeug kommt mir dieses Jahr nicht ins Haus. Ein inflationär zum Jahresanfang aus allen Schubladen geholtes, auf Leistung basierendes Konzept, bei dem bisher Unerreichtes “ab morgen ganz anders” werden soll (das klassische Diätenproblem, man kennt das), und das persönliches Scheitern als Automatismus mit vorsieht, kann nicht gut sein, das kann niemandem gut tun. Und, mal ernsthaft, wer wollte schon eine Liste mit 2011 Vorsätzen abarbeiten?

Das Wünschen hingegen ist fantastisch. Wer noch wünschen kann, hat Ideen. Hoffnungen. Sehnsüchte. Hat etwas, worauf er sich freuen, was er herbeisehnen kann – und weiß doch, dass nicht jeder Wunsch in Erfüllung geht. Womit wir bei diesem neuen Jahr wären. 2011.

2011 Wünsche, das sind mehr als 5,5 für jeden Tag.

Was also wünschen?

Man könnte sich einfache Dinge wünschen, wie guten Kaffee, frische Brötchen, funktionierende Internetverbindungen und schönes Wetter. Profan. Simpel. Schlicht. Doch wer einmal am Bahnsteig stand und auf jemanden wartete, dessen Zug nicht ankam, da überall Schnee lag, weiß, dass diese Banalitäten manchmal doch gar nicht so irrelevant sind, wie sie sonst scheinen. Und wer noch nie wirklich guten Kaffee hatte, hat keine Ahnung, was ihm fehlt.

Man könnte sich auch die viel größeren Dinge wünschen.  Weltfrieden zum Beispiel. Bessere Politik, die nicht nur für eine Gesellschaftsschicht gut ist. Besseren Journalismus, der sich auf seine eigentliche Rolle im Staat zurückbesinnt, statt mit der Politik auf einem roten Samtsofa zu kuscheln. Weniger Hass. Weniger Terror, weniger Krieg, weniger Gewalt. Mehr Höflichkeit, mehr Ehrlichkeit. Mehr Gelassenheit, mehr Gerechtigkeit, mehr Freundlichkeit, weniger Egoismus.

Man könnte sich auch die privaten Weltereignisse wünschen: Ein warmes Zuhause. Zeit. Ruhe. Jemanden, neben dem man einschlafen, und neben dem man aufwachen will. Eine Badewanne mit warmem Wasser und Schaumbergen. Ein gutes Essen mit Freunden. Schöne Bücher, bereichernde Gespräche. Liebe. Freiheit. Abenteuer.

Und dann wären da noch ein paar wünschenswerte Kleinigkeiten, nur so für mich: Wieder Musik machen, mehr singen, endlich einen Klavierlehrer finden, mehr Lieder schreiben. Fotografieren, Texte schreiben, backen, kochen. Reisen, lesen, tanzen, einen Schal stricken, der achthundert Meter lang ist. Und vorher: Stricken lernen. Falls mir vorher nichts Besseres einfällt, was ich mit meiner Zeit anfangen kann.

Macht auf jeden Fall noch 1999 freie Plätze auf der Wunschliste, und vielleicht ist das mit den Wunschlisten wie mit den Sternschnuppen – die wirklich wichtigen Wünsche muss man geheimhalten. Sonst gehen sie nicht in Erfüllung.

Eines ist klar: Es bleibt spannend, erst recht jetzt, wo alle Uhren auf Anfang stehen.

Also:

Genießt. Liebt. Tanzt. Lebt.

Wild und gefährlich.

Auf dass eure Pfannkuchen, Berliner, Krapfen, nennt es, wie ihr wollt, nicht im Matsch landen. In diesem Sinne:

Herzlich willkommen im neuen Jahr!

Und, was im Übrigen 2010 angeht:

One thought on “2011 Wünsche (ohne Vorsatz)

  1. Ja, es soll gut werden und ich wünsche Ihnen viele erfüllte Wünsche und dazwischen ungeahnte Überraschungen, ein grobes Netz voller Pläne, das auch schon mal welche verliert, denn wo kämen wir hin mit all den Plänen und dem vergessenen Leben, das sich zwangsläufig einstellte. Ich wünsche Ihnen wunderbare Menschen, genug Wolle aus Fasern und Worte, die sich zu Texten zusammenfügen. Es soll einfach gut sein, dieses 2011 – mit Ihnen, zu Ihnen und in Ihnen.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz von
    Hermann Josef Schmitz

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