fremde hemden. oder hack, gemischt.

wenn der schlaf dir um kurz vor 3
seine falltüren geöffnet hat, dir nachblickt
während du in seine tiefen arme stürzt

und im fallen plötzlich der film zurückspult
ein sog dich nach oben reißt
schreckst du hoch, sitzt schwer atmend im bett
dann weißt du
dass dich das hackfleisch ruft

das ist das hackfleisch
das du bei sonnenaufgang gekauft
und im hausflur vergessen hast
das ist die weiche milch der frühe
morgen flockig, hart und sauer

du denkst nicht mehr an die wärme der decken um deinen körper
denn das hackfleisch ruft
die letzte hand, die dich vollends aus den weichen armen
emporreißt ist die kälte des raums
die dich mit beiden händen packt

deine gedanken laufen durch den flur
dein körper sucht erst im stehen sein gleichgewicht
er steht noch an der schlafzimmertüre
die gedanken durchwühlen schon deine einkaufstasche

als sie doch zurückkehren, sich mit deinem körper vereinen
und dich eisig und grausam an deine nacktheit erinnern, doch
jetzt ist keine zeit für moral
denn das hackfleisch ruft

du durchwühlst den wäschekorb deiner wohngemeinschaft
nimmst dir im dunkeln ein hemd, es sieht aus wie deines
(du vergisst: man erkennt hemden ausschließlich an ihrem geruch)
horchst auf den ruf des hackfleischs
und das platte tappsen deiner füße auf dem parkett

das sind die nächte, nach denen tage damit beginnen,
dass man in einem fremden hemd erwacht.

[vertont.]

By Lena

Fast walker, avid reader, poetry fan, public speaker, violinist, pianist in the making, intersectional feminist. Works in tech, writes about anything here (and less frequently than in the past).

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