Filmkritik / So gesehen: Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los

In Teil 2 hat es getaut. Und nun wird es noch wärmer. Denn: Das Rudel entdeckt das Reich der Dinosaurier.

Man könnte meinen, in der Eiswelt habe sich ein klein wenig die Langeweile eingeschlichen. Scrat, das Eichhörnchen mit den langen, spitzen Eckzähnen, verfolgt immer noch verzweifelt (und erfolglos) eine Eichel.
Die Mammuts Manni und Ellie erwarten ein Baby, und Manni, ganz der stolze werdende Vater, verbringt seine Tage hauptsächlich damit, einen hinreißend niedlichen Spielplatz für das Kleine zu bauen, und seine Frau von zu großer Anstrengung fernzuhalten. Säbelzahntiger Diego bemerkt an sich nach der langen Zeit, die er nun in seinem neuen Rudel verbracht hat, Verweichlichungs- und Alterserscheinungen und muss sich von einer Gazelle für seine Langsamkeit auslachen lassen. Und selbst Faultier Sid beginnt, sich nach einer eigenen Familie zu sehnen… Einzige Abwechslung im drögen Alltag bietet Manni, der mit regelmäßig wiederkehrenden “das Baby kommt!!”-Fehlalarmen sämtliche Tiere aufschreckt, um dann doch von seiner Frau darauf hingewiesen zu werden, dass das Baby nur gegen ihren Bauch getreten habe…
kurzum: Gemütlichkeit, Ruhe und Sesshaftigkeit halten Einzug, und man könnte fast nach einigen Minuten Film den Abspann laufen lassen, “Happy End” ans Ende pinseln, das Licht einschalten, und schön war’s.

Wäre da nicht – das Faultier.
Sid entwickelt exponentiell zum wachsenden Bauch der Mammutfrau Ellie einen unbezähmbaren Kinderwunsch. Und als er in einer Höhle auf 3 scheinbar verlassene Eier stößt, kann er einfach nicht widerstehen, sein Mutterinstinkt ist zu stark… Das Ende vom Lied: Drei knallrot-orangefarbene Dinosaurierbabys, alle einen guten Kopf größer als das Faultier, die zu vegetarischer Ernährung erzogen werden sollen. Die jedoch schon eine Mama haben. Eine Mama auf der Suche nach den Kleinen. Mama ist sehr groß. Und Mama ist sehr, sehr böse…

Die Dinosauriermama holt sich ihre Kinder zurück, und nachdem sie ihrem Ärger in ohrenbetäubender Lautstärke Luft gemacht hat, nimmt sie die zwischenzeitliche Ersatzmutter gleich mit. Und dabei dachten doch alle, die Dinosaurier seien längst ausgestorben. So beginnt eine abenteuerliche Reise in das Land unter der Eisschicht, – das Land der Dinosaurier. Immer dabei: Eine schwangere Mammutdame, ein hochnervöser werdender Vater, die beiden Opossums Crash und Eddie, Säbelzahntiger Diego und die unübertroffene Nervensäge Sid. …

 

Der Film ist herrlich emanzipiert. Dummerweise kommen die Herren der Schöpfung dabei gar nicht gut weg: Beseelt von Lachgas und Helium, ahnungslos, was Nahkampftechniken angeht, insbesondere im Nahkampf gegen eine wunderschöne Frau, die sie mit ihren langen Wimpern betört. Nicht in der Lage, andere um Hilfe zu bitten, geschweige denn, auf jemand anderes zu hören!

Da wäre nur ein Problem. Dies ist ein Kinderfilm (FSK: Ohne Altersbeschränkung). Allerdings – welcher Sechsjährige kann mit Sprüchen wie “stell dich nicht so an, Manni, ich dachte, Ellie wäre schwanger und hätte Probleme mit den Hormonen!” etwas anfangen? Auch Spielplatzszenen, in denen Sid als “alleinerziehende Mutter” sich mit anderen Müttern anlegt, sind urkomisch – aber kaum für kleine Kinder verständlich. Die dürften sich vor allem über die vielen actionreichen Szenen, die tollen Bilder und das tollpatschige Faultier freuen. Familie und Zusammenhalt, die großen Themen des Films, kommen gerade noch so bekömmlich rüber, dass man hinterher nicht Moralinsäure im Mund schmeckt. Und die (die Kinder begleitenden oder doch alleine den Film besuchenden) Erwachsenen lachen über die tollen Dialoge, netten Pointen, die Situationskomik und vor allem in Urzeitform verpackte Männer-und-Frauen-Klischees.

Gute Nachricht zum Schluss für alle Romantiker: Ice Age geht in seiner zweiten Fortsetzung schwer ans Herz… Liebe liegt in der Luft! Da wird geturtelt und geknutscht, Dinosaurier formen vor Sonnenuntergängen ihre Hälse zu einem Herz, und Rosa, so weit das Auge reicht…

Kinderfaktor: *****
für Pärchen: *****
zum Alleinegucken geeignet: *****
Ernsthaftigkeit: *****
noch-Stunden-danach-Lachfaktor: *****

By Lena

Fast walker, avid reader, poetry fan, public speaker, violinist, pianist in the making, intersectional feminist. Works in tech, writes about anything here (and less frequently than in the past).

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