M.

kaesekuchentruemmer

Ich liege im Bett und denke an D. und E. aus M.. Die beiden traf ich am Flughafen LHR, es war der Tag, als ein Flugzeug brannte und wir nicht nach Hause konnten. Wir mussten noch eine Nacht bleiben, fanden uns spontan sympathisch, der Grund war wohl, dass wir in der selben Warteschlange standen, ich vor ihnen, sie hinter mir (andere Gründe hatten wir ja nicht). Dann: Spontanzusammenfindung zu einer Solidaritätsgruppe. Es folgten die gezielte Buchung des selben Hotels, ein Dinner bei spiritusbetriebenen Catering-Warmhalteplatten und Trümmern von zu warmem Käsekuchen, mit verdorbenem Wein, halluzinogenen Teppichböden und dem schnellen Konsens über den ebenfalls anwesenden Namenlosen aus S., der in seiner Unsinnsrederei allein sich selbst überzeugen konnte (dies dafür aber umso mehr). Letzterer verzog sich wenigstens recht zeitig. Der Teppichboden blieb. D. und E. hofften, ihre angesichts der Umstände eher missliche Lage dadurch aufzulockern, dass sie wenigstens mit einer Berühmtheit am Tisch säßen, womit sie hinterher gegenüber Freunden prahlen zu können hofften. Diese Frage zog sich zunächst über dem Essen hin und endete schließlich beim Nachtisch mit einer Google-Suche (Suchbegriffe: Vorname Nachname) recht enttäuschend.

D. und ich hatten uns ganz zu Beginn noch gesiezt, wie man sich eben so siezt, wenn man einander in der Businessklamotte des Tages gegenübersitzt, den Koffer zur Sitzgelegenheit umfunktioniert, den Rechner auf dem Schoß, das Telefon am Ohr, und wild herumgestikuliert, auf dass doch jemand einen aus dieser Warteschlange befreien möge. Tut aber keiner. Das Siezen hat E. irgendwann aufgelöst, dankenswerterweise, und hat auch später die spannenderen Dinge erzählt, aus den Anfangsjahren des Chaos Computer Clubs, während D. die interessanteren Fragen stellte und mir nachhaltiger im Gedächtnis geblieben war. Jetzt, über eine Woche später, liege ich im Bett und wundere mich über ihn, bis ich verstehe, warum: es ist wegen seiner Art, zu sprechen, und seiner Art, zu lachen. Beides erinnert mich an C.. An C., wie D. und E. ebenfalls aus M.. C., in den ich damals so wahnsinnig verliebt war, nicht nur wegen der vielen Tattoos auf seinem Körper (gut, schon auch sehr deswegen), aber eben auch wegen seines Lachens, seines federnden Gangs, ach, und wegen der Art, wie er sich die immer ein wenig zu langen Haare aus der Stirn strich. C., dessentwegen ich sogar M. gut fand. Seit drei Jahren ist das jetzt vorbei, und ich bin froh darüber. Nur wusste ich seitdem nie mehr recht, was ich von M. halten soll, also so als Stadt an sich, jetzt habe ich D. und E. getroffen und wieder eine grundsätzlich positive Haltung dazu entwickelt.

Es sind nie die Städte, es sind immer die Menschen.

halluzinogener_teppich

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3 Responses to “M.”

  1. You happen to be amazing. ;)

  2. Mann mit Hund says:

    Dann doch lieber Tarte Tatin

  3. Sylvia says:

    Toll geschrieben, das kannst Du gut. Ich arbeite noch an so einem Schreibstil ;-)

    Sylvia

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