Risse

Manchmal kommt es, dass in einer Wand ein Loch ist, weil man mit einer Bohrmaschine nicht umgehen kann oder zu spät gemerkt hat, dass einem die Wand entgegenrieselt, in feinen Körnchen. Seufzend sucht man die Kiste, in der man doch … man findet die Spachtelmasse, die man beim letzten Umzug gekauft hat, rührt sie an, zwei Teile Pulver, ein Teil Wasser, mit dem Spachtel das Loch auffüllen, mit dem Spachtel nicht klarkommen, doch die Finger nehmen, die Stirn runzeln, als etwas davon auf den Boden tropft, die Oberfläche des Lochs glattstreichen. Vielleicht noch drüberstreichen, drübertapezieren. Raufaser heilt alle Wunden. Und warten. Warten, bis es trocknet. Warten, bis es gut ist.

Manchmal kommt es, dass in einer Wand kein Loch ist, kein großes jedenfalls, nur ein winziges Loch, tief zwar, aber kaum sichtbar, oder ein winziger Riss, von einer Ecke des Raums zur nächsten, nicht groß, nur ein Haarriss zwischen den Steinen. Nicht der Rede wert, wer ihn nicht kennt, merkt nicht, dass er da ist. Es ist kein Riss von der Dimension, bei der es sich lohnen würde, die Kiste zu suchen, die Spachtelmasse anzurühren. Und einem bleibt nur, es häufiger anzusehen, oder gar nicht mehr anzusehen, daran vorbeizuschauen, an allen Wänden vorbei und dahin, wo die Bäume sind. Oder ein Blatt Papier zu nehmen, einen Kolibri zu falten, den Vogel auf das Loch zu setzen und zu warten. Zu beobachten, wie sein Schatten wandert und die Risse fliegen lernen.

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