Leben ist Sterben: Biologie für Metaphoriker

Leben beginnt mit dem Zusammenschluss der größten und der kleinsten Zelle des Menschen – Eizelle und Spermium. Mit ihrem Verschmelzen entsteht die Zygote, aus der in 9 Monaten Billionen von über 200 verschiedenen Zellarten entstehen.

Mensch kann nur werden, wer sterben kann: Ab der 6. Lebenswoche wachsen die Hände zunächst nicht weiter, sondern einzelne Zellen sterben ab, so erst werden die Finger später beweglich. Ab der 7. Woche dann beginnt die Zellteilung wieder, die Hände wachsen, kurz darauf kann der Embryo einen Daumen in den Mund nehmen. Unser Leben hängt davon ab, dass Zellen rechtzeitig Selbstmord begehen.

Die Hydra wird mit dem selben Prinzip nie alt. Der Süßwasserpolyp, wenige Millimeter groß und eines der primitivsten Lebewesen überhaupt, hat durch laufendes Abtöten und Bilden von Zellen (sie besitzt nur drei Stammzelllinien) die Unsterblichkeit geschafft. Wir hingegen – sind zu komplex. Oder wenigstens nicht primitiv genug. (Für die Unsterblichkeit.)

Babyspeck, seltsame Haarfarben, Baumkletternarben, alles verschwindet mit der Zeit. Weil alles in unserem Körper sich erneuert:

Die Lungenoberfläche alle 8 Tage (Teer darin bleibt ein Jahr lang).
Die Haut auf den Lippen wird 14,7 Tage alt, die gesamte Epidermis 26 Tage.
Unsere Riechsinneszellen leben ca. einen Monat lang.
Rote Blutkörperchen werden 120 Tage alt, dabei legen sie 1.600 km in den Blutgefäßen zurück.
Weibliche Eizellen können sich nicht vermehren, ihre Zahl ist von Geburt an festgelegt. Sind alle verbraucht, stoppt die Hormonproduktion im weiblichen Körper, die Wechseljahre beginnen.
Haarfollikelzellen erneuern sich nie, was weg ist, ist weg.
Die Nervenzellen, die für unser Erinnern da sind, werden so alt wie wir.

Herzmuskelzellen leben ein Leben lang.

Herzscheiße, und wieder eine neue Wunde. Und wieder eine alte Frage:
Verwächst sich das?

3 thoughts on “Leben ist Sterben: Biologie für Metaphoriker

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