Wien, Tag 3 (oder: 43 Stunden wach, Folge 1)

Freitag kurz vor Mitternacht: Duschen. Wie ein neuer, etwas abgekühlter Mensch fühlen, mit nassen Haaren und einer Flasche Astra draußen sitzen.

Satelliten zählen, in die Nacht schauen.

Samstag

Die Nacht brachte weniger Gelsen, und endlich 4 Stunden Schlaf, wenn auch mitschlechten Träumen. Beim Aufwachen um

07 Uhr heilfroh. Auch wenn der Nachbar von nebenan lauthals schreit singt. Erinnere mich dunkel, schon schöner geweckt worden zu sein.

11 Uhr (4 Std.) Der Samstag beginnt langsam, mit einem gemütlichen Frühstück.

Und plötzlich ist sogar der Kaffee zu warm. Der Asphalt glüht, ein Flirren in allen Gassen.

14 Uhr (7 Std.) Ab unter den Sonnenschirm! Und nicht mehr bewegen. Kurz in den Supermarkt ums Eck. Können wir bitte in Ihrer Kühlwarenabteilung einen Fernseher aufstellen? Danke!

20 Uhr (13 Std.) Die zwei Meter vom Sofa zum Kühlschrank können verdammt weit sein.

Die 3 Kilometer bis zur neuen, “richtigen” Wohnung auch. Ein Glück: Es findet sich eine Taxifahrerin! Der Hafenjunge und die Mistress helfen beim Umzug und spenden Möbel. Vielen vielen Dank!!

21 Uhr (14 Std.) Die Sonne strahlt immer noch, ich koche vor Hitze. Der neue Mitbewohner kocht auch, aber Pfefferminztee mit viel Zucker. Nichts Besseres!

Tasche auspacken, Lachanfall: Entdecke das dicke, wohlig warme Sweatshirt. Ich liebe es. Aber hoffentlich brauch ich es nie, nie, nie!

Nacht von Samstag auf Sonntag, Mitternacht (17 Std.) Mein Königreich für eine kalte Dusche! Und frische Klamotten.

Und dann ab zum türkischen Bäcker, ins MuseumsQuartier, an die Linke Wienzeile, und noch ein bisschen weiter. Gegen Lärmwände laufen, trinken, reden (je nach Lärmwand: Schreien!!), weiterziehen.

Und plötzlich ist es

Sonntag, 4 Uhr (21 Std.). Und am Horizont taucht tropfenweise Helligkeit auf. Ein letztes Bier, und dann zum Naschmarkt.

6 Uhr (23 Std.) Die Gräfin vom Naschmarkt hat noch auf. Hier landet, wen die Nacht nicht wollte. Wen in dieser Nacht niemand wollte. Wer viel Alkohol und wenig zu Essen hatte.

Melange gibt es, Frühstück, Champagner, Bier, Fleisch. Alles, was das Herz um diese Uhrzeit braucht.

Nur Sonne gibt es nicht. Denn die geht vor der Türe auf.

07:30 Uhr (24,5 Std.) Wir ziehen weiter. Der Tag ist noch jung.

08.30 Uhr (25,5 Std.) Aus vieren werden zwei.

Ich hab’n dicken Kopf, ich muss’n Saft haben,
ich hab’ dringlichen Bock auf Bagdads Backwaren,
Da ist es warm, da geb’ ich mich meinen Träumen hin,
Bei Fatima, der süßen Backwarenverkäuferin. (Peter Fox)

Schwarztee und türkisches Gebäck. Die Sonne glitzert, die Stadt erwacht.
.
Wir auch.

Fortsetzung folgt …

2010_07_05_wien_franz

By Lena

Fast walker, avid reader, poetry fan, public speaker, violinist, pianist in the making, intersectional feminist. Works in tech, writes about anything here (and less frequently than in the past).

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