Kindischer Joghurt und Kosmetiktipps: Almighurt Mais von Ehrmann – Produkttest

Es ist kalt. Ich habe meine Jacke zugezogen, von links her weht ein eisiger Wind.
Ich fahre herum. Traue meinen Ohren nicht. Hat da gerade jemand “grüß Gott!” gesagt? Ich sehe mich um. Keine Menschenseele weit und breit. Doch da, ein Stimmchen! “Grrrrüüüüß Gott!” Ein rollendes R, von links unten.

Ich trete näher, und da sehe ich ihn. Ein kleiner Joghurtbecher in den weiß-blauen Nationalfarben Bayerns, der fröhlich winkt.

“Keiner will mich. Nimmst Du mich mit? Nimm mich mit!”

Gut, er ist im Angebot, noch dazu ist er ausgesprochen höflich für einen Joghurt in seinem Alter, na gut. Seufzend packe ich ihn in den Einkaufswagen und laufe weiter die Kühltheke entlang.

“Halli, hallo, hallöchen! Ich bin der Almighurt Mais, von Ehrmann! Ich gratuliere Dir zu Deiner Kaufentscheidung! Ich wiege 150g, und habe 103 Maiskörner auf dem Deckel! Und ich bin aus Bi-, Ba-, Bayern!”, flötet er. “Willst Du mein Freund sein?”

Ich bin ein ernstzunehmender Produkttester. Eine emotionale Bindung zu einem kindischen Testprodukt aufzubauen könnte die Objektivität des Tests ernsthaft gefährden. Deshalb, jetzt und hier:

Der ultimative Produkttest.

Unabhängig, unbestechlich, unemotional.

Heute: Almighurt Mais von Ehrmann.

Weitere Mitwirkende: Ein Tee- und ein Esslöffel. Eine Wange. Und, wie immer hilfreich assistierend: Ein ausgehungerter Mitbewohner.

Los geht’s!

Das sagt der Hersteller: (Screenshots: www.ehrmann.de)

Wahnsinn. So viel Extravaganz und Genuss, und das für nur 33 Cent!

Und das sagt das Auge:
Frisches Design! Jung, weiß-blau, sexy! Ein gelber Maiskolben! Sommerlich gelb und doch, kühl, blau, frisch! Ein Logo auf der Becherseite: “Beste Ehrmann Qualität ständig kontrolliert … aus Allgäuer Milch”.

Aaah, das Allgäu!
Da stehen Holztische auf sommerlichen Blumenwiesen. Und es hat Seen und Berge.

Im Allgäu gibt es das Dorf Oberschönegg. In dem Dorf gibt es auch Wiesen, aber ohne Blumen. Dafür hat es 950 Einwohner. 55 Bauernhöfe. Und vor allem gibt es: Die Ehrmann AG.

Und die sagt:

Mit dem Allgäu verbinden wir zurecht glückliche Kühe, saftige Wiesen, malerische Seen und einfach eine unbeschreiblich schöne Natur!

Auf den Holztischen im Allgäu steht Joghurt, sagt die Ehrmann AG:

Genau wie hier, im Prüflabor. Aber wie riecht eigentlich das Allgäu? Nach Kuh? Nach Käse? Nach Gras? Wir öffnen also den Joghurtdeckel und inhalieren.

Geht man danach, riecht das Allgäu stark nach: Zucker. Ein extrem süßlicher Duft entströmt, von Mais noch keine Spur. Im leicht gelblichen Joghurt schwimmt ein einsames Maiskorn.

Wir tauchen einen Löffel ein in die Masse. Tadaaaa – noch mehr Mais!

Nun schnell den Löffel in den Mund, und diesem unvergleichlichen Geschmackserlebnis hingegeben. Aaaaah!

…. puh. Der Geschmack von Mais, eingelegt in Tonnen von Zucker, umspült unsere Zunge, beim Kauen entfaltet sich abermals der pappsüße Note der Maiskörner, der Zucker klebt an unseren Zähnen fest, das Schlucken fällt schwer, alles klebt, schnell, schnell, schnell, ein Notfall, man reiche uns Chips, Salzstangen, Bier, Burger, Essiggurken!

Der Magen schreit nach Kontrastprogramm! Der Mitbewohner nimmt noch einen Löffel, läuft zuckerweiß an und bricht den Test ab.

Mit jedem Löffel wird nun der Becher scheinbar tiefer, die Menge scheint kaum abzunehmen. Wir steigen um von Tee- auf Esslöffel, um schneller fertig zu sein. Und dann immer wechselweise: Salzstangen
1 Schluck Bier
1 Löffel Joghurt
Salzstangen
Bier
Joghurt,…

Hallelujah, der Becher ist leer!
Schnell noch ein wenig Bier hinterher.
Aaaaah. Geschafft!

Ab mit dem Becher in den gelben Sack. Vernichtendes Testurteil auf den Testprotokollbogen gekritzelt, Hersteller angerufen, auf welchem wessen Mist das gewachsen ist, und dass die sich nicht wundern brauchen, dass das Zeug noch palettenweise im Kühlregal steht.

Maisreste zwischen den Zähnen rausgeklaubt, Feierabend!

… machen wollen. Denn da wirft der Mitbewohner ein:

Was ist eigentlich, wenn der gar nicht zum Essen gedacht ist?

… Das muss es sein! Das ist es! Es ist nur ein Gag, dass der Joghurt im Kühlregal beim Joghurt steht, in Wahrheit ist er gar nicht zum Essen gedacht! Das erklärt auch diesen … Geschmack! Und im Kühlregal stehen nur deshalb Massen von Almighurt Mais, weil dieses Prinzip bisher noch niemand erkannt hat!

Nun also hopp, hopp, hopp, andere Denkansätze müssen her: Wofür kann dieses Produkt in Wahrheit entwickelt worden sein?

Möglichkeit 1: Die Joghurt-Diät!

Jetzt neu von Ehrmann: 12 Pfund in 12 Tagen – mit nur 12 Bechern am Tag!

Ein Becher Almighurt Mais enthält nur 102kcal – essen Sie 12 Becher am Tag, und Sie werden sehen, wie Ihre Pfunde purzeln!
Sie haben noch nie so gerne auf eine Mahlzeit verzichtet wie mit der Almighurt-Mais-Diät!

Drastische Nebenwirkung: Maisallergie.

Möglichkeit 2: Zur Körperpflege!

Babyhaut mit Mais-Joghurt – werfen Sie nichts weg, was noch verwendet werden kann! Für alle, die schon immer eine Abneigung gegen das Ablecken von Joghurtdeckeln hatten: Verwenden Sie Almighurt Mais als Hautpflege!

Anleitung: Nach Abziehen des Deckels legen Sie diesen ohne vorheriges Ablecken auf eine besonders pflegebedürftige Hautregion in Ihrem Gesicht.

Lassen Sie diesen während des Verzehrs des Joghurts einwirken. Danach Deckel entfernen, Haut abwaschen – Sie werden spüren, wie glatt und zart sich Ihre Haut danach anfühlt.

Warnhinweis: Gegebenenfalls vorhandene Maiskörner zuvor vom Deckel entfernen, um Reizungen der Haut zu vermeiden.

Alternativen: Joghurt-Haarkur (1 Becher Joghurt, 1 Teelöffel Honig, 1 Esslöffel Olivenöl). Und als post-Winter-Spezialpackung: Joghurt-Peeling! Joghurt ins Gesicht, trocknen lassen, abspülen, fertig!
Hinweis: Bitte in allen Fällen Maiskörner zuvor entfernen.

Möglichkeit 3: Strom aus Joghurt!

Joghurtbakterien, die Zuckermoleküle verdauen, als Ersatz für Wasserstoff. Mit unserem Joghurt wird Ihr Traum wahr: Das eigene kleine Joghurtkraftwerk für zuhause!

Oder wie wäre es mit Möglichkeit 4: Joghurt als Ausrede!

Die kleine Giulia-Barbara hat schon wieder ihre Hausaufgaben nicht gemacht, und da kommt auch schon die gestrenge Frau Lehrerin!
Schnell nimmt sie ihr Mathe-Heft und kritzelt ein paar Zahlen mit Füller auf das karierte Papier. Flugs den Almighurt Mais aus dem Schulranzen geholt, geöffnet, ach, ups, oh nein, Drama, Drama, der ganze Joghurt hat sich übers Heft entleert!
Sie läuft samt Heft zum Waschbecken, das Flusensieb hängt voller Maiskörner, verschmierte Tinte und Joghurtreste zieren das Heft. “Frau Lehrerin, es tut mir sooooo leid, mir ist der Joghurt über die Hausaufgaben gekippt!”

Nebenwirkung: “Ach, schön, Giulia-Barbara, Du hast die Hausaufgaben gemacht. Das mit dem Heft ist nicht so schlimm, Du weißt ja dann wie es geht und kannst uns an der Tafel vorrechnen!”

Von Möglichkeit 5 (Joghurt-KULTURen als Angestellte im Ministerium für Jugend, Kultur und Sport) und Möglichkeit 6 (Performance-Kunst mit Joghurt) sehen wir ab

…und widmen uns der Aufarbeitung des Produkts im Labor. Wir präsentieren:

Weltexklusiv für alle Fans von Almighurt Mais:
Das Rezept! Mais-Joghurt (für 4 Personen):

1 Dose Mais abtropfen lassen, unbedingt die Flüssigkeit auffangen!
Diese Flüssigkeit mit
500g Naturjoghurt verrühren.
400g Zucker zugeben.
Nun noch zur Dekoration
2 Esslöffel Mais dazu und in Schüsseln abgefüllt servieren. –

Fertig!

(Unser Tipp zur Resteverwertung: Der übrig gebliebene Mais lässt sich hervorragend als Füllung für Tortillas verwenden. Diese sind ebenfalls geeignet, um den stark süßlichen Joghurtgeschmack im Mund zu dämpfen)

Bitte schalten Sie bald wieder ein zu unserem ultimativen Produkttest. Sehen Sie dann, was passiert, wenn man Almighurt Mais in der Pfanne brät –

in der nächsten Folge: Almighurt Popcorn!

By Lena

Fast walker, avid reader, poetry fan, public speaker, violinist, pianist in the making, intersectional feminist. Works in tech, writes about anything here (and less frequently than in the past).

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