Hundstage auf dem Land. Tag 2: Heute wird g’schafft!

Samstag.

Früher Nachmittag

Das Wetter ist traumhaft – blauer Himmel, Sonnenschein, ein paar Schäfchenwolken.

Ich bin auf der Straße durchs Dorf die einzige mit Hund. Kein Wunder – ein anständiger Schwabe verbringt den Samstag anderweitig:
Auto mit dem Hochdruckreiniger in der Garageneinfahrt waschen. Garten umgraben (im Frühling??). Auto reparieren. Kinder durch die Gegend scheuchen. Pferdestall misten. Oma besuchen (Friedhof). Mist ausfahren. Rasen mähen (nach zwei Wochen Schonzeit muss der ab!).

Ich grüße überall artig (“Grüß Gott! Hallo! Tag!“), und scheuche die Hunde an den Vorgärten vorbei, in die ich sie sonst ungehindert pinkeln lasse. Muss ja niemand sehen…

Nach dem Gassigehen noch einkaufen, muss leider sein. Und ich muss dringend Altglas wegbringen. Als ich durchs Dorf fahre, drehe ich extra die Musik leiser. Die gucken eh alle schon immer so komisch aus ihren Vorgärten hinter mir her.

Ich bin froh, dass die Hexenverbrennung auch hier abgeschafft wurde.

hoffentlich jedenfalls.

Die Mentalität der Dorfmenschen färbt langsam ab. Ich putze Bad, Küche, Flur, und sauge das ganze Haus, einschließlich der Treppe. Hundehaare überall, – der Traum eines jeden Staubsaugervertreters.

21 Uhr

Wir gehen noch eine Runde raus, Hunde entleeren.
Dunkel ist es, und kalt, ich ziehe zusätzlich zur Lederjacke Strickjacke und Schal an.

Die Straßen – leergefegt, keine Menschenseele mehr zu sehen. Aus einzelnen Fenstern dringt Licht, ab und an eine Straßenlaterne. Die letzte lassen wir nach 300 Metern hinter uns, vor uns: Dunkelheit.

Die Hunde lasse ich früher laufen als sonst, heute begegnet uns eh niemand mehr. 30 Meter weit sehe ich noch, alles sieht ganz unwirklich aus: Die Scheune, die Holzstapel, die Hütten, an denen wir vorbeilaufen, – schon das kleinste Rascheln ist plötzlich laut. Ich bin heilfroh, als wir an allen Gebäuden vorbei sind. Angenehm fühlt sich anders an. Die Kälte kriecht mir unter die Haut.

Nur noch das freie Feld, keine Bäume, keine Sträucher. Nach 20 Minuten sind wir am höchsten Punkt angelangt.

Das Dorf ist kaum beleuchtet, wozu auch. Im Tal fahren vereinzelt Autos auf der Landstraße zum Nachbardorf. Auf einer gegenüberliegenden Anhöhe habe ich gestern ein Feuer gesehen. Heute ist es dort stockfinster.

Ich lege den Kopf in den Nacken.

Klarer, pechschwarzer Himmel. Endlos viele Sterne. Cassiopeia, die Bären, Orion. Ich halte noch ein wenig inne, atme die kühle Luft ein, den Duft von frisch gemähtem Gras.

Wir kehren um.
Inzwischen ist es dunkel, dunkel, dunkel. 5 Meter Sicht, vielleicht. Ich drehe mich nach den Hunden um – und sehe sie nicht mehr. Ich pfeife, nichts rührt sich. Mir wird kurz anders, ich pfeife noch einmal, …

… und da höre ich es, das vertraute Tappsen von Hundepfoten. Bin ich erleichtert… Die beiden wollen heim. Ich auch.

Es reicht für heute, ab ins Bett.
Gute Nacht!

By Lena

Engineering executive turned leadership coach & consultant, public speaker, and psychology student. Fast walker, avid reader, poetry fan, violinist, pianist in the making, and intersectional feminist. Writes about all the above (and, occasionally, trees).

One comment

  1. Genau das sind die Momente dich ich in der großen Stadt echt vermissen werde 😉

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