Hundstage auf dem Land // Ein Tagebuch. Tag 1: Heute wird’s eklig

Keine Katze. Nein, auch kein Meerschweinchen, und erst recht keinen Hund, Kind, wo denkst Du hinl!

Mama war immer konsequent, Papa nicht so, aber er wagte keinen Widerstand, denn die Putzhoheit lag bei ihr. So war mein Leben bislang immer haustierfrei, trist und langweilig.

Bis vor zwei Wochen. Da zieht man in eine kleine Bleibe auf dem Land, und hat plötzlich zwei Hunde. Ja, genau. Ich wohne jetzt auf dem Dorf. Jawoll. Raus aus der hässlichen Provinzstadt, rein ins Landleben!

Seitdem versuchen Dorf, Hunde und ich, uns aneinander zu gewöhnen.

Das hier ist das Tagebuch dazu.


Ich öffne alle Fenster weit, um nach der langen Nacht frische Luft hereinzulassen. Als ich nach dem Duschen wieder in mein Zimmer komme, riecht es wie ein frischer Misthaufen.

Puh… schnell etwas anziehen, runter in die Küche, ich muss Kaffee haben. Doch als ich die Tür zum Flur unten öffne, strömt mir ein seltsamer Geruch entgegen. Viel Hund, aber anders als sonst.

Das muss der Osterhase gewesen sein – anders sind die riesigen Eier und Pfützen im Flur und die unschuldigen Blicke der Hunde jedenfalls nicht zu erklären.

Bisher hatte ich geglaubt, ich sei eher hart im Nehmen, aber die visuellen und olfaktorischen Eindrücke auf leeren Magen sind zu viel des Guten. Also, seufzend Kaffeegedanken verschieben, Hunde vor die Tür setzen und erstmal putzen.

Viel Küchenpapier, Putzmittel und Wasser später ist die Wohnung endlich sauber und gelüftet. Die beiden Border Collies haben sich inzwischen zum Schämen in den Garten verkrochen: Er hat den Kopf zwischen seine Pfoten vergraben und liegt zwischen Gartentor und einem Blumentopf, sie hockt hinter einem Busch.

Jetzt aber: Kaffee!

Theoretisch. Praktisch ist der leider leer, und der nächste Supermarkt, naaaa? 8 Kilometer von hier. Ab ins Auto, Kaffee kaufen, Getränke und Waschmittel brauchen wir auch.

Ein Gutes hat die Ausfahrt aber: Mein Rückweg führt am Rathaus vorbei, da wollte ich ja auch noch hin!

So. Jetzt ist es Mittag.

Kaffee hatte ich zwar immer noch keinen, aber dafür bin ich offiziell Dorfbewohner.

Den Nachmittag über werde ich die Dorf-Image-Broschüre studieren und abwarten, was der Dorffunk so spricht: Es gehen Gerüchte, ich wolle bald jemanden von hier heiraten.

By Lena

Engineering executive turned leadership coach & consultant, public speaker, and psychology student. Fast walker, avid reader, poetry fan, violinist, pianist in the making, and intersectional feminist. Writes about all the above (and, occasionally, trees).

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