*September: kaum zu fassen

Gelacht
“Nun muss Ihr neues Sofa nur noch zu Ihnen nach Hause. Wie sind Sie denn hier – mit Transporter oder Anhänger?” – “Mit dem Rennrad.”

Gesagt
Es muss auch Jäger geben, es können nicht alle nur von Beeren leben.
Mein Kiez ist nicht asozial! … Gut. Jedenfalls die linke Seite der Straße. Da gibt es sogar Pizza!Wenn bei neo Paradise eine Band vorgestellt wird, die ich schon seit über einem Jahr nicht mehr höre: bin ich dann Hipster?
Schatz, ich kann dir nichts versprechen.

Gestaunt
ripe-to-over-ripe heißt wirklich reif bis überreif. (Was viel besser ist: ich weiß das wegen eines Unfalls mit einem Bananenbrot. Nun ja.)

Genickt

Nein, ich glaube, ich muss kein Netzaktivist sein, weil das Internet nur ein Werkzeug ist. Ich benutze ein Telefon und einen Kühlschrank, aber ich muss nicht mit jedem darüber reden, wie fantastisch das ist. Ich finde es wichtiger, ein Beispiel vorzuleben. Ich muss Internet nicht bewerben, dem gehts gut. (die formidable Amanda Palmer in der Zeit)

Gehört
“Du kannst nicht noch ein Blog aufmachen!”  Continue reading “*September: kaum zu fassen”

C’est la vie, mon amour. C’est la vie.

Was das Leben ist, fragst du. Ich packe eine Tasche und ein Flugticket ein und denke nach:

während des Flugs über den Mont Blanc, während der Zugfahrt und bei der Suche auf dem Bahnsteig. Beim Radeln auf einem Klapprad, beim Einkaufen, bei Croissants aus je einem Kilo Luft und Butter pro Stück; bei Orangina (mit Fruchtfleisch), Baguette, Pfirsichmarmelade, Steaks; beim Wandern durch die Dünen, während die Kamera fünf Minuten lang für ein einziges Bild belichtet, als ich aus Versehen jemanden mit fotografiere, beim Meeresrauschen bei Nacht, als das Meer so weit weg zu scheint und doch noch ganz nah ist; bei schnarchenden Männern (oder auch nicht). Im Schlafsack, im Wohnwagen, in der Hängematte, am Strand, im Meer, unter der Dusche.

   




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich denke nach, während das Salz auf meiner Haut trocknet, während der Sand zurück auf den Strand rieselt, als die Welle mich mit zum Strand zieht. Als das Frühstück im Dreck liegt, als die Ameisen über die Melone herfallen, als die Wäsche auf der Leine trocknet, und während sich der Sand überall hineinfläzt, während ich Briefmarken anlecke und der Wind das Geschrei der Möwen in den Dünen verweht. Während ich noch einen Schluck Wein trinke und einen zweiten Schluck in die Pfanne zum Abendessen gieße, während ein Junge singt “gib mir nur deine Hand, ich kauf dir morgen die Welt”. Ich denke nach, als mir eine Welle eine Finne ins Knie rammt, als ich aussehe wie nach einer Straßenschlägerei, bei Gesprächen zwischen Baum und Hängematte irgendwann nachts. Und als ich einschlafe. Müde und glücklich. Beim Aufwachen, wenn es draußen schon so warm ist, beim Schwimmen und Tauchen. Während der Party, bei der Eminem fast für Kopfverletzungen sorgt, während die Duftkerze die Luft verpestet, während ich am Morgen danach hundert betrunkene Ameisen aus einem Glas schütte und wir Bierdeckel aufsammeln,

                                      

beim Schaukeln im Schaukelstuhl, beim Liegen in der Hängematte, beim Kopfüberfotografieren. beim Abspülen, bei der Frage, ob noch jemand eine Coke Zero will, beim Schreiben und Lesen, Ich denke nach, während ich bei Sonnenuntergang auf dem Surfbrett sitze, und wünschte, das Glitzern des Wassers nie wieder zu vergessen. Bei Autofahrten mit Diskussionen über Männer und Frauen und alles, was dazwischen ist, und während TKKG wieder einen Fall lösen, auf der Fahrt durch Paris und als ich die Wohnungstür zuhause aufschließe,

und mir denke

So ist das Leben:

Das Leben ist dieses Licht, das einfach da ist, die Sonne, die manchmal einfach nicht da ist, die Sterne und die Milchstraße, die man nur sieht, wo es gut ist. Es ist immer jemand, der aufs Klo muss oder Hunger hat oder Durst, jemand, der fragt, wie lang es noch dauert, und die Tatsache, dass immer diejenigen ohne Badekleidung am Strand liegen, bei denen man das am wenigsten gewollt hätte (und das Leben ist auch, dass einen niemand fragt, bei wem man das wollen würde). Das Leben ist ein Neoprenanzug gegen die Kälte, es heißt auch, sich immer an den entscheidenden Stellen nicht mit ausreichend Sonnenschutzmittel eingecremt zu haben, und es ist die Eiswaffel, die an entscheidender Stelle zerbricht.

Das Leben ist eins der Croissants, die ein Tier angeknabbert hat, während wir kurz weg waren; ein Zelt oder ein Wohnwagen, ein Bademeister, der über einen Strand rast. Das Leben ist, dass man verlernen kann, wie hell und dunkel es sein kann, wenn man nur die Straßenlaternen kennt, es ist, wieder eine Ahnung davon zu haben, wie viele Arten von Blau es gibt. Es ist ein Surfer, der auf die nächste große Welle wartet, ein Schaukelstuhl, eine Hängematte und der beste Schlafplatz der Welt. Es ist ein kaltes Meer mit gefährlich hohen Wellen, es ist Weißwasser, das auch für Anfänger geeignet ist, es ist Möwen, die überall nach Essen suchen. Es ist ein Sonnenuntergang und eigentlich ist es unerträglich viel Kitsch.

Und wenn man es am Ende umdreht und ausschüttet, fällt ein Kilo Sand heraus.

(Frankreich 2012. Danke an B. & T. & den belgischen Reifenhändlermitarbeiter.)

Du, ich und das Meer: Gewinne einen Hauptgewinn

Die Autorin dieser Zeilen sitzt in diesem Moment, beim Verfassen derselben, in einem überaus niedlichen Café weit außerhalb der Tore Berlins. Fern von zuhause, ganz nah am Meer den Kopf ein bisschen freikriegen, vor allem aber sehr viel arbeiten und noch mehr schreiben – das ist der Plan.

Und weil die Plätzchenaktion schon so lange her ist und ich euch, hoch verehrte Leserschaft, so schätze, gibt es nun mal wieder etwas.

Was zu tun ist: einfach hier kommentieren und bis Mittwoch Abend Geduld haben, da verrate ich, welche fünf Glücklichen mitreisen.

Was es es zu gewinnen gibt, das wird aussehen wie eine Postkarte. Doch es wird eine besondere Postkarte sein: Handgeschrieben, veredelt mit Küstenwind, einer Prise Sand und einer klitzekleinen Spur Tee mit Kandis, mit Apfelstreuselkuchen und Schlagsahne und einem Schuss Rum.

Eine kleine Alltagsflucht, ein Augenblick weg von allem, eine Reise hierher ans Meer. Ich freue mich auf eure Kommentare und wünsche viel Glück! Und jetzt schon: gute Reise.

Das Meer in dir

Du klapptest die Trittleiter auf, stelltest sie vors Regal und stiegst die beiden Stufen hoch. Es gibt nichts Schöneres, als Texte übers Meer zu lesen, sagtest du und strichst mit dem Zeigefinger die Rücken der Bücher im Regal entlang. Ich saß im großen grünen Ohrensessel, meine Beine über einer der Armlehnen, die Hände im Nacken verschränkt, und sah dir zu. Ab und an blieb dein Finger an einem der Buchrücken stehen, du zogst ein Buch heraus, schlugst es in der Mitte auf, blättertest einige Seiten durch, manchmal hieltest du kurz inne, um deine Brille zurechtzurücken, wenn sie wieder verrutscht war. Meist schütteltest du dann bald schon den Kopf und stelltest sie wieder zurück. Für einige wenige stiegst du von der Trittleiter herunter und legtest sie auf den Tisch, klettertest wieder hinauf, legtest deinen Kopf schräg und suchtest weiter. Als du den ersten Regalmeter durchgesehen hattest, stiegst du, vorsichtig hinter dich blickend, die beiden Stufen hinunter, versetztest die Leiter ein Stück und stiegst wieder hinauf, um weiterzusuchen.

Die große schwarze Wanduhr tickte. Nach einer Stunde warst du am Ende des Regals angelangt. Du setztest dich mir gegenüber auf das Sofa, ich sah dich immer noch an, während du die Bücher noch einmal durchblättertest und eines nach dem anderen verärgert auf die andere Seite des Sofas warfst. Es gibt niemanden mehr, der schöne Texte übers Meer schreibt, seufztest du, noch während das letzte Buch in die Ecke flog.

Weißt du noch, was ich dir damals sagte?  Continue reading “Das Meer in dir”

liebe, geographisch oder: wäre deine haut eine landkarte, wollte ich

deine grenzen höhen täler
küstenwind und alpenglühn
mittagshitze nebelnachtblau
stille wellentodezähler
frühling heidebodengrün
winter großstadtfelsengrau

unsre staatsform lippenbogen
unsre sprache gänsehaut
währungseinheit augenblick
dir, könig, maßlos ich gewogen
fingerspitzennah vertraut
von dir gibt es kein zurück

schlafen, küstenwind im nacken
morgens wimpern voller sand
schwarz von deines feuers rauch
glänzen meiner krone zacken
schnee und tau in meiner hand
tannennadeln auf dem bauch

und ein schiff wir uns dann falten
einmal noch vom mondlicht trinken
taschen voll von unserm geld
hamburg, hafen, hände halten
um gemeinsam zu versinken
in der ausmessung der welt.