projekt30, tag 5: your favourite quote

wenn unsre lippen augen haben hör besser auf mich anzusehen und schmink dir diese blicke ab die an mir kleben bleiben werd ich nie  was soll die augenwischerei uns bindet nur die haut und die hat sich schon genug erregt  lass mich dich trösten kann ich nicht zum weinen hab ich nur spucke übrig.

(Albert Ostermaier)

allein ein regen/vor/weihnachts/sams/tag. /// macht. aber kein gefühl.

ich schleiche durch die stadt, die ihren körper in geschwätziges getrappel und eine regenwolke hüllt und ihr fahles gesicht mit greller weihnachtsbeleuchtung überschminkt hat. laufe mit meinem roten wintermantel durch die weihnachtsgansartig gestopfte fußgängerzone, und meine schuhe klackern gegen den takt.

denn in gedanken streiche ich noch einmal über deine eisluftspröden lippen, _______________________________ . und weil du vor 27 stunden, 12 minuten und 76 sekunden ein letztes mal gegangen bist, fühle ich mich tausendfach einsamer als die hälfte einer zweisamkeit. und kann noch nicht einmal so tun, als wäre ich weihnachtsvorfreudig und glücklich oder verträumt lächelnd ein handy an mein linkes ohr halten und gegen die menge anflüstern. ///

.

also laufe ich in schreibwarenläden. fingere mit sehsuchtzitternden fingern nach der tinte in meiner tasche, als wäre sie meine droge. meine augen irren durch den laden, greifen nach den füllern.

und dann schreibe ich dir. auf blöcke, die als überschrift “Bitte probieren Sie” tragen, schreibe dir liebesbriefe auf französisch. schreibe von arriver und s’en aller, und überall (mit vierzehn strichen) je t’embrasse.

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und solltest du an diesem regentag noch einen füller kaufen, wirst du lesen, was ich dir niemals gesagt habe.

du wirst die seiten abreißen, voll ärger, dass jemand das ganze papier verbraucht hat.

und du wirst nie erfahren, dass ich es war.

[vertont.]

entschuldigen sie oder ich hab den empfänger vergessen.

ich kaufte guten klebstoff packpapier rotes seidenband
wickelte ich fest darum falzte alle knickstellen
mit meinen nägeln strich ich über mein begehren
mein träumen mein hoffen mein sehnen mein weinen
hätte ich auch gerne verpackt ging aber noch nie
also ließ ichs weiter sein packte dann zuletzt mich ein
und schloss noch schnell hinter mir zu auch vor mir
die lücke zwischen kinn und stirn mit dem letzten rest
hingabe brachte ich alles zur post der herr dort runzelte die stirn
zeigte mit goldring und fingerbehaarung auf das eine paket
das sehnen hatte übergewicht da überlegte ich nicht
eine abwärtshandbewegung lang ein ach werfense’s weg
und er schmiss es mit wucht in hohem bogen
über seine linke schulter es krachte da runter
wo nun der sternstaub von der decke hängt
zwischen bauschutt begraben gab ich ihm mein letztes geld dafür
pappte er mir eine marke auf die stirn haute einen stempel rauf
auf den paketwagen im flug verlor ich sinne und verstand
so ist das wenn man ohnmächtig wird.

[vertont]

eigentlich (sie hat ja alles).

dach über kopf und füße in schuhen
grüne wiesen ein lieblingscafé
brille und durchblick betten zum ruhen
espresso plus drei vier sorten von tee

lange beine und blonden dickkopf
menschen für nachts so gegen halb vier
brötchengeber und gusseisenkochtopf
lieblingsmenschen ersatzkuscheltier

dicke schals und warme mützen
herrenhüte schwarze hosen
wärmespender blaue blitze
in den augen plätzchenblechdosen

milch und honig große kerzen
wasserkocher karamell
walderdbeeren feuer im herzen
heiße dusche eisbärfell

geige klavier gitarre und noten
pinsel farbe leinwand papier
rauch in der stimme katzensamtpfoten
den sommerhimmel hell über ihr

schalk im nacken und kuscheldecken
vorlesebücher für spät in der nacht
telefonstimme apfelzimtschnecken
auf ihrem haupte die krone der macht

alles was fehlt ist ein blauer
umschlag der anblick der bleibt
bei sonne wind sturm und regen von dauer
jemand der ein gedicht ihr schreibt.

der ein gedicht ihr schreibt.
der ihr schreibt.
ein gedicht.

ein
jemand.

[vertont]