Montag Morgen, der Weg zur U-Bahn. Niemand ist auf den Straßen, es ist eigentümlich leise. Alle Bahnen: menschenleer, bis auf ein paar Touristen mit Rollkoffern, wahrscheinlich haben sie ihren Flieger verpasst, warum sonst sollten sie noch hier sein. Es ist doch niemand mehr hier, alle haben die Stadt verlassen, sind unterwegs zu ihren Familien, wie eine kleine Flucht aus der Stadt, aus dem Alltag, aus dem Leben, das man hier so hat. Es regnet. Auf den Straßen liegt Schneematsch, darunter Kies, weiter darunter Eis, zwischendrin tiefe, schwarze Pfützen. Entweder man tritt in die Pfützen, rutscht auf dem Eis aus oder die Schuhe füllen sich allmählich mit kleinen Kieselsteinchen.

Durch die Straßen gehen, beschwingter als an den vorigen Montagen, wie fast ein wenig glücklich, als ob — ja, was? Als ob etwas anders wäre. Es ist nicht so, dass sich die Art verändert hätte, wie die Erde um die Sonne kreist, oder der Lauf der Dinge, der viel häufiger ein Stillstand ist. Es ist auch nicht, dass sich plötzlich die Dinge geordnet oder entschieden hätten, dass plötzlich alles klar wäre. Es ist eher das Zwischenergebnis einer gewissen Distanz zu den Dingen. Wie wenn man auf einmal merkt, Continue reading “–”

149 Dinge.

Ich trinke Milch aus Flaschen.
Wein manchmal auch.

Ich habe Prinzipien und bin ein Freund von Ausnahmen. Ich mag kein Bier, hasse Nutella und Schokolade (meistens), aber ich liebe Schokoladeneis. In meiner Wohnung hängen Gedichte an den Wänden. Manchmal mache ich versehentlich durch; manchmal auch absichtlich. Ich höre Hip Hop, Elektro und Klassik. Ich wohne in keinem Szenebezirk und gehe nicht in Clubs, auf Agenturparties oder dahin, wo man gerade hingeht, überhaupt mache ich einen Bogen um die meisten Dinge, die man macht.

Ich mache mir nichts aus Geld und von allem, was ich besitze, brauche ich nur drei Dinge wirklich (und etwas zum Anziehen). Ich weine nicht. Ich bin ziemlich schmerzfrei und mir ist nichts peinlich. Ich glaube nicht an den Hype, aber ich glaube an die Heimat. Ich nehme nie einen Regenschirm mit (schon gar nicht, wenn es regnet). Ich verspreche nichts und halte alles. (Auch den Mund, wenn es sein muss.) Ich liebe Himbeeren und Kirschen und ich bin mit Abstand die schlechteste Kirschkernweitspuckerin, die es gibt. Außerdem die schlechteste Nägellackiererin, Lügnerin, Beifahrerin und Witzeerzählerin der Welt. Dafür kann ich ziemlich gut Continue reading “149 Dinge.”

Augenblicke

Ein Gastbeitrag vom großartigen Punktfreund, Koch, Jungen @Lumpensammler

Augenblicke, die ich genieße.

Oben ohne auf dem Balkon im 8. Stock stehen und die Knochen im ganzen Körper knacken lassen. Den ersten Kaffee am Morgen kochen und ihn dann, in 2-Minuten-Takten schlürfend, während der Nachrichten vor dem Fernseher geniessen. Das Einkaufen im Supermarkt um die Ecke, wo jeder meinen Namen kennt und mir schon in den Wagen packt, was ich kaufen will, bevor ich den Markt überhaupt komplett betreten habe.

Ich geniesse es, vor die Tür zu gehen und bekannte Gesichter und ihre Hunde zu treffen, den Baum um die Ecke von Tag zu Tag grüner werden zu sehen, die frische Luft, die meine Nase umspielt, als wenn sie nur für mich in dieser Ozonschicht gefangen wäre. Ich mag es, in einem Bett zu liegen und mich zuhause zu fühlen, obwohl es nicht mein eigenes ist.

Es gibt viele kleine Dinge, die mein Leben hier so wunderschön machen.

Die langen Gespräche am Billiardtisch mit den Jungs, die allsonntägliche Tasse Tee mit Honig auf dem Balkon meiner französischen Nachbarin, und die Tage, an denen man das Geld für den Einkauf auf den Cent passend hat.

Ich geniesse jeden dieser Momente, sauge sie auf wie ein Schwamm das Wasser aus dem Waschbecken.

Das Knistern und Rascheln der Bäume bei einem Spaziergang durch den Wald, oder das Gefühl von Sand und der salzige Geruch des Meeres vor dir. Die 3 Versuche, die man braucht, um den Schlüssel ins Schloss zu bekommen, obwohl man nicht getrunken hat, und danach der erste Schritt in die eigene Wohnung.

Augenblicke, die ich geniesse.
In ihrer Unvollkommenheit so nah dran am Vollkommensein, dass ich ohne sie nicht leben könnte.