(Books you’ll love) Edgar Rai: “Nächsten Sommer”

“Keine Sorge … morgen bin ich wieder ganz die Alte”, antwortet sie. Glaub ich nicht, denke ich.

Die Geschichte:

Vier Freunde auf dem Weg von Berlin auf nach Südfrankreich, wo einer von ihnen ein Haus geerbt hat. Alle lassen etwas zurück, – eine an Parkinson erkrankte Mutter, einen Kater namens Run and Hide, einen Ludger. Sie lesen sowas wie Scarlett Johansson und Miss Indiana Jones auf, verlieben sich, prügeln sich, gehen bei Nacht über Wiesen voller Glühwürmchen und liegen auf dem Dach ihres VW-Bus.

Aber eigentlich geht es um… :

Die Sommer, die man nie vergisst.

Die so voll sind von Musik, gutem Essen, neuen Bildern im Kopf, Wind in den Haaren, Sonne auf der Haut. Voll von einigen lauten und vielen ganz leisen Gefühlen, Mut und einer großen Portion Lust auf Neues.

Es geht um diese Sommer, von denen man noch Winter später zehrt, die man am liebsten in Flaschen abfüllen und einlagern möchte, die in Kisten verpackt selbst die dunkelste Kellerecke erhellen würden. reundschaft, Wahrheit, Liebe,  – und die richtige Musik dazu.

Und um ein Versprechen aus zwei Worten: Nächsten Sommer.

Das ist ein Buch, das einen mitnimmt und nach Seite 236 ausspuckt wie wenn einen bei voller Fahrt jemand aus einem Auto schubst. Und irgendwie ist danach nichts mehr wie es vorher war.

Deshalb: Lesen!

You better hope you’re not alone. (Jack Johnson)


(Edgar Rai – “Nächsten Sommer”, erschienen bei Kiepenheuer, 236 Seiten, 16,95 €)

(Ach ja, lieber Edgar, falls Du das lesen solltest – ein paar Jack Johnson-Songzitate und eine Spur weniger Schachdramatik hätten es echt auch getan. Aber ist schon ok.)

Books you’ll love: “Radio Heimat” von Frank Goosen

“Ich sach ma so: Der Schrebbagahten is dem kleinen Mann sein Ssangssussieh. Ich weiß gar nich, wenn ich tot bin, wie ich ohne datt leben soll.”

Weit vorn auf meiner Liste der tollsten Bücher, die mir dieses Jahr geschenkt hat (eigentlich habe ich sie mir geschenkt, aber das ist eine andere Geschichte, und überhaupt, kann ich nicht einfach jede Woche Geburtstag haben?):

Radio Heimat” von Frank Goosen.

Ein häufig sentimental-nostalgisches,  immer selbstironisches und unglaublich komisches Buch übers Aufwachsen im Ruhrgebiet – mit liebenswerten Charakteren, die einem sofort ans Herz wachsen, und so viel Liebe zur Heimat, dass es fast schon wehtut, weil es so schön ist.

Besonders bemerkenswert: Bei Goosen ist Dialekt nicht nur ausgesprochen gut lesbar geschrieben, er haucht den Figuren damit Leben ein, hebt sie fast aus der Zweidimensionalität der Buchseiten.

Am liebsten möchte ich mit ihm im Büdchen ein Bier kaufen, Currywurstpommesmayo essen, im Schrebergarten ein Pinnchen kippen, mit Oppa Tierfilme gucken und im Partykeller von Pommes’ Eltern feiern. Und überlege insgeheim, wann ich mal ins Ruhrgebiet fahre. Um zu verstehen, was genau die Leutchen dort meinen, wenn sie sagen:

“Nä, schön is dat nich. Abba meins!”

Noch mehr Bücher: “Ruhm” von Daniel Kehlmann und “Aprilwetter” von Thommie Bayer

Gern gelesen: “Ruhm” von Daniel Kehlmann, “ein Roman in 9 Geschichten” (Untertitel). Der Autor präsentiert verschiedene Charaktere, deren Verflechtungen sich im Laufe des Buchs offenbaren, was häufige Aha-Erlebnisse hervorruft und die Vielschichtigkeit einiger Figuren erst peu à peu freilegt. Gut geschrieben, kurzweilig, ein wenig traurig im Abgang. Dieses Bittersüße mochte ich sehr – die Figuren, die zerbrechen, die, die langsam und unmerklich zugrunde gehen, und die, die sich ihm entziehen – dem Ruhm. Continue reading “Noch mehr Bücher: “Ruhm” von Daniel Kehlmann und “Aprilwetter” von Thommie Bayer”

Gelesen + gemocht + empfohlen (KW 17, Teil 1)

Peter Hossli in Generation Klick über das Mediennutzungsverhalten von Schweizer Jugendlichen.

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach in Mal jenseits des Fanboys-Jubelns: Warum Jeff Jarvis die richtigen Fragen stellt über Jarvis’ Besuch auf der Re:publica 2010  Continue reading “Gelesen + gemocht + empfohlen (KW 17, Teil 1)”