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Wien-Berlin: Ein Höllentrip, Superheldenkräfte und Improvisationskunst

Oh, welch ein Spaß. Ein großer Spaß.

2 Stunden Schlaf, 42 Kilo Gepäck, 1,5 Kilometer und 50 Stufen, kein Geld für ein Taxi, und ja, es ist sehr lustig, wenn der Kram, den du trägst, deutlich mehr als die Hälfte deines eigenen Gewichts hat. Erst recht, wenn du seit 5 Uhr auf bist und schon um 7 denkst, das nächste, was du nach deinem Schreikrampf bekommst, ist ein Kreislaufzusammenbruch.

Und dann sitzt du im Zug, deine Hände zittern und du denkst: _____________ .

Als du wieder denken kannst, ist es eine Stunde später, du hast alles irgendwie aus dem Zug gewuchtet, stehst auf dem Bahnsteig, und bist immerhin wieder so weit bei dir, dass du in der Ichform weiterschreiben kannst. Puh. Ach ja: Hallo

Breclav.

Ich kann wieder atmen und umsteigen. Leider erledigt sich das mit dem Atmen schnell wieder, als im Zug keine Klimaanlage funktioniert, wir köcheln vor uns hin, schwitzen, die Luft ist zum Schneiden, die Fenster sind dicht. Draußen fliegt die Landschaft vorbei und vor den Augen dreht sich alles, 9 Stunden lang ein einziges Delirium. Die Zeit zählen im 10-Minuten-Takt, wie im Fieberwahn, in Prag schnell ein Foto. Und immer vor Augen: Das Miniatur-Österreich.

Und plötzlich: Kaffee mit Zimt. Strahlend blauer Himmel. Ausblick.

Bitte wenden Sie den Kopf nach rechts, sehen Sie und bewundern Sie …

Berlin.

Wahnsinn.

Die Tinte auf dem Mietvertrag trocknet noch, ums Auspacken schert sich heute keiner mehr, dafür umso mehr um die Lichtverhältnisse.

Es ist alles so surreal. Ich muss mich am Türrahmen festhalten, sonst haut es mich um.

Gute Nacht, Berlin. Erste Nächte haben etwas Magisches, selbst wenn der Rücken am Morgen danach sehr sehr irdisch schmerzt.

Guten Morgen, entschuldigen Sie, wo ist der Sommer hin?

Was soll ich sagen. Da ist er: Die zwei Quadratmeter unter Ihnen.

Ein Haufen Musik, ein Haufen Ideen. Ein Haufen Wind und Sonne, ein Haufen Tag, und vielviel Nacht. Ein Haufen Spaß, ein Haufen Freude. Ein Haufen Hoffnung. Und ein Haufen Liebe.

Dann gibt es Rosinenschnecken, mit Rosinenschneckenzuckerguss (Lieblingsding), und viel Kaffee, und es regnet, regnet, regnet. Ich hab euch Sonne in Wien gelassen. Denkt mal an mich, wenn sie scheint.

Und plötzlich rufe ich ein Hoch auf die Improvisationskunst!, es tönt ein Tusch, und dann sind da ein Schrank und eine für-mich-Matratze, und eine enorm riesige Sofa-und-Gästebett-Matratze, und heute kommt noch eine ebenso große Matratze ganz obendrauf, und wer immer mich besucht, wird schlafen wie ein König.

Darauf freu ich mich sehr.

Wien-Tagebuch: Wochenendfotos und Abschiedsgeschichten

Ich hatte mir in Wien geschworen, vor Verlassen der Stadt niemals zu denken “das ist das letzte Mal, dass …”. Aber dann habe ich doch ein Foto gemacht, von der letzten Mohnschnecke zum Frühstück.

Das Wochenende ist sehr schlaflos, aber wen stört das schon, die paar Augenringe mehr, und irgendwann ganz früh am Morgen sehen die Füße dann so aus. Und tragen die Schuhabdrücke fremder Menschen mit sich und mir herum.

Wir sind zu sehr das Nichtlicht der Bars gewohnt, die Stadt schaut erschreckend hell aus und trägt den Schlaf vieler Leute im Gesicht. Wir steigen hinter einem hohen Fabrikgebäude die Stiegen hinauf und setzen uns mit dem Rücken zur Welt. Und dann fragst du, warum, und ich schweige, und mehr braucht es vielleicht auch nicht als Antwort, jetzt.

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Irgendwann dann doch ins Bett, aber erst, als der Schokokuchen glasiert ist und die Sonne schon lange durch die Dachfenster leuchtet. Dabei bin ich doch gar nicht müde, eigentlich, ich habe so viel im Kopf und würde gerne noch so viel von dieser Stadt und jeder einzelnen Sekunde hier aufsaugen, weil die Sekunden so gut schmecken hier.

Doch vielleicht hilft gegen all das gedankliche Achterbahnfahren doch ein wenig Schlaf, und seien es nur zwei Stunden.

Und dann, am Tag nach dem Aufwachen, sind alle da:

Das Hafenmädchen und der Hafenjunge bringen Kuchen mit, ach, die Nachbarn sogar auch, ein unverhofftes Geburtstagskind kommt vorbei, und das Essen ist eh sowas von egal, weil einfach die richtigen Leute am Tisch sitzen.

Irgendwann sind dann doch alle weg. Das letzte Geschirr ist abgespült, der letzte Löffel poliert, die Bank nach drinnen getragen, die Krümel abgewischt. Schotten dicht.

Nur noch ein letztes Eis für diesen Wiener Sommer, und der Eismann schaut so traurig.

Das Packen will ich immer noch vor mir herschieben, das wird auch 8 Stunden vor Abfahrt nicht besser, lieber noch einmal raus, raus, raus aus den Wänden, rauf auf die Straßen, das Fahrrad zurückgeben, ein Päckchen deponieren, den Kopf freikriegen.

Mitten auf der Straße stehen, staunen, und irgendwann -

innehalten.

Der Lieblingsplatz im Innenhof, den Notizblock auf den Knien, und ich dachte den ganzen Tag schon, irgendwann muss ich noch heulen. Ich war mir so sicher, aber noch nicht einmal hier wird es damit etwas. Spontan verleihe ich mir in Gedanken einen großen Tapferkeitsorden. Und dann schreibe, denke, grüble, notiere, verwerfe ich, und schlendere irgendwann nach Hause. Ich hab’ noch einen Koffer zu packen.

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Aber das … ist der nächste Teil der Geschichte.

Österreichisch für Ausländer (4): Unschönes Schimpfen, wirkungsvolles Drohen und Aufforderungen zum Nahkampf

Die Verwendung menschlicher Exkremente im Österreichischen:

[we:n zammscheisn] = mit jemandem schimpfen

[dô hods mi: ani: gschissn] = da ist mir etwas passiert, das ich so nicht wollte

oder auch: Hässliches, charmant ausgesprochen:

[gfra:st], [glumpert] = etwas funktioniert nicht

[deifl ani!] = zum Teufel!

[scha:ß] = Mist

[schiach] = hässlich

deppert [debbad] = unintelligent

saudeppert [saudebbad] = gehirnarm

Und jetzt: Do legst di nieda oder Wirkungsvolles Drohen und Aufforderungen zum Nahkampf

Wir beobachten eine Prügelei zwischen Frauen: [wei:wa gädschn]

Wir drohen pädagogisch wertvoll (auch zur Kindererziehung geeignet):

du siehst es nicht,
du merkst es kaum,
es reift die Frucht
am Watschenbaum!

Wir legen einer anderen Person höflich nahe, sich aus unserer Umgebung zu entfernen und verschärfen dabei leicht den Tonfall (bitte nicht zur Kinder-, maximal zur Hundeerziehung nutzen):

putz dich [butz di:] = verkrümel dich

[schla:ch di:!] = bitte geh jetzt. Echt jetzt!!!

[sonst richt i dia die wadln vieri] = sonst zieh ich dir die Hosenbeine lang!

Jetzt spielt’s Granada! = Androhung von Konsequenzen

Wir kommunizieren unmissverständliche Aufforderungen zum Nahkampf:

[geh ma auf die bludwiesn!] = Lass uns unsere Fehde draußen austragen.

[i drisch di zam!] = ich hau dich!  Bei übereinstimmendem Willen beider Parteien:

[geh ma schlägan!] = lass uns eine Prügelei anfangen!

[wenns di jetzn nou weider spuilst, foats zahnbürschdl morgn ins leere] = Wenn du so weitermachst, musst du dir morgen nicht die Zähne putzen!

[wenns debbad bist reiß i dia n schädl ani un scheiß dia ins gnack ani] = ich kann so nicht arbeiten!

Wien-Tagebuch: Vorletzter Eintrag.

Das Ticket ist gebucht, der Wecker gestellt, die Koffer (ächz!) sind gepackt. Heute war mein letzter Tag in Wien, noch eine Nacht, und ich verabschiede mich. Für mich geht es woanders weiter.

Die letzten Tage war ich, mit Verlaub, kreuzunglücklich. Denn eigentlich – will ich nicht weg. Ich könnte jetzt etwas von Geld erzählen, und noch zweimal von Geld, denn am Ende war es das, was mich zu dieser Entscheidung gezwungen hat. Und ich will noch nicht einmal sagen, es ging sich nicht aus, denn das wäre gelogen, es war nicht ES. Das war ich, die sich nicht ausging.

Das Prinzip Abschied ist mir zuwider wie selten zuvor. An dieser Stadt hier hängt zu viel für mich. Zu viele tolle Menschen, Eindrücke, Orte, eine gute Arbeit, schöne Begegnungen, Gespräche, Parties, ein neues, sehr lange ungekanntes Gefühl von angekommen-und-zuhause-Sein. Undsoweiterundüberhaupt:

Hier wird zu viel von mir zurückbleiben, wenn ich jetzt gehe. Und obendrein noch eine Sehnsucht, aber die hat ihre eigene Geschichte.

Ach, verdammt. Ich lass’ ein halbes Herz in Wien.

Und eines ist eh schon klar, bevor ich nachher in den Zug steige: Es wird weitergehen. Hier. Für mich.

Wien wird immer für dich da sein, wenn du zurückkommst.*

Das war der schönste Satz, den ich dieses Wochenende auf einer Party zu diesem emotionalen Geschwurbel (Funny van Dannen hätte gesagt: Herzscheiße.) gehört habe. In diesem Sinne:

Heute ist nicht alle Tage. Ich komme wieder – keine Frage.

Und der Pink Panther hat immer Recht.

Dies ist der vorletzte Eintrag im Wien-Tagebuch. Einen letzten … gibt es nicht. Und wird es nicht geben.

Sommer in Wien.

Live in Concert: The National. 18. August, Wien, Arena

Support: U.a. The Low Anthem. Indie-Folk. Zum Reinhören: Die machen sowas wie das hier, und sowas und das.

Kurzfazit: Leider etwas zu folkig, zu ruhig. Instrumente gut, Lieder schön, Musiker eh super. Aber, ein sehr großes Aber: Das ist Musik für Buch und Teetasse. Und Musik für wir-sind-bei-einem-von-uns-beiden-zuhause-haben-gegessen-und-rutschen-seit-einer-Stunde-zentimeterweise-näher-an-den-anderen-heran. Musik für solche Abende. Nächte. Musik für kleine Clubs und kleine bis große Momente. Aber es ist (leider, Mensch) keine Musik für ein mittelgroßes Open Air-Konzert.

Und Musik fürs Näherrücken machen die nächsten auch. Die Sogwirkung ist da allerdings ungefähr vergleichbar damit, was passiert, wenn man zwei Magnete auf einen glatten Untergrund legt:

KAWUMM!!

Die 5 Jungs von The National lassen es krachen. Aber wie. Mit dabei: Junge mit Bratsche, (kann ich ihn heiraten? Ich will ihn heiraten! … und nehm aber sonst auch einen der) zwei Blechjungs . Und wie es kracht. Jaja, diese Formulierung ist ausgelutscht, das ist wie heiter bis wolkig beim Wetterbericht, aber ich kann nicht anders.

Das erste Mal sind mir The National im Winter begegnet, im selben Zug mit dem Musikgenre Shoegaze. Nein, es lag nicht am enorm eisigen Winter, und ja, das gibt es auch als Musik. Musiker, die meist auf ihre Schuhe starren, und zwischen Augen und Schuhen ab und an noch auf die Gitarre schielen. Und irgendwann vollends in ihrer Musik untertauchen (bezeichnenderweise hieß eine der bekanntesten Bands aus der ersten Zeit dieses Genres – Slowdive).

Dichte, atmosphärisch aufgeladene, elektrisierte, stellenweise fast ekstatische Musik, und wenn man die Augen schließt, glaubt man, gleich haut einen erst der Bass weg, und dann fliegt man auf den Gitarrenriffs davon.

Und damit wäre zu The National schon das Wichtigste gesagt. Ein bisschen Koketterie sei ihnen in dem Alter gegönnt (“we can’t play the next song … physically. It’s too hard for us!“), und einen Satz dürfen sie selbst zu ihrer Musik sagen: “We’re gonna play an old song now. You may not recognize it, but, well … it’s loud. And it’s angry.”


Das ist Musik, die irgendwo in der Bauchnabelgegend hängenbleibt, die einem an der Fußsohle klebt, und die letzten Grashalme auf dem Arena-Innenhof umhaut. Die so lange hochtreibt, jagt, pulsiert, bis irgendwann Ohren, Haut, Finger- und Haarspitzen dermaßen elektrisiert sind, dass die Spannung einem den Atem raubt. Dass es einfach krachen, explodieren muss, dass man nur darauf wartet, dass jeden Moment alles in die Luft fliegt.

Und dann:

Kawumm.

Und plötzlich ist alles wieder ganz still. Ganz sanft. Und alles knutscht, oder hält sich wenigstens (wenn sonst schon niemand da ist) am Bier fest, oder guckt unauffällig melancholisch auf die Bühne. Ja, so ist das. [...] Aber dann kracht es wieder so laut, dass sich auch die Letzten die Knutschflecken und die Tränen der Rührung aus dem Gesicht wischen und sich freuen, dass auch Bass im Magen Kribbeln macht.

The National zum Reinhören: Fake Empire, Bloodbuzz Ohio, Conversation 16.

Liebe S., nochmal und höchst offiziell, und auch wenn ich mich wiederhole: Danke!!

Österreichisch für Ausländer (3): Mobilien und Immobilien

Sprachliche Besonderheiten bei Mobilien und Immobilien:

Stuhl mit Beinen, ohne Polsterung = Stuhl, Sessel

Stuhl mit Beinen und Polsterung, würde im Hochdeutschen als Sessel bezeichnet = fauteuil [fo:dö:]

(Kommt man also mit einem Umzugswagen von Ö. nach D., kann aus einem Fauteuil ein Sessel werden, aber auch aus einem Sessel ein Stuhl. Anm. d. Aut.: Es war verdammt spät Nachts, aber ich habe wirklich zwei Demonstrationsobjekte gebraucht, um das zu verstehen. Deshalb hier … Demonstrationsobjekte: …)

Hochdeutsch Schrank = Kasten [gasdn]

Hochdt. Treppenhaus = Stiegenhaus [schdi:gnhaus]

Hochdt. jm. begegnen (Dativ) = jn. kreuzen (Akkusativ)

Das Auto funktioniert nicht und wir reparieren es unter Gewaltanwendung: Gwahn

Wir bestellen in einer Lokalität und bitten um zeitnahe Lieferung:

[A: Bia:, oba Jennifer!] = Ein Bier, aber zeitig!

Wo der Italiener pronto“und der Hannoveraner rasch sagen würde, sagt der Österreicher Jennifer. Schuld daran ist die gleichnamige Sängerin mit dem Familiennamen Rush (haha! Wortspiel! haha!), der ein großer Durchbruch unter ihrem bürgerlichen Namen Heidi Stern verwehrt blieb, aber das interessiert eh niemanden, wenn der Bierdurst groß ist.

noch einmal Auto: Wir sagen Dinge, die wir hinterher bereuen:

weiße Maus = Motorradpolizist

(mit Dank fürs Kfz-Vokabular an die Redakteure der Autorevue)

Österreichisch für Ausländer (2): Heute noch in brav – harmlose Begriffe für Alltagsgegenstände

Wir kaufen ein:

des kost an Nasenrammel = das ist sehr preiswert

harmlose Begriffe und Alltagsgegenstände:

Grusch = Kram, Krust

Badewaschl = Bademeister

Haferl = Tasse

Agrasel [â:grosl] = Stachelbeeren

Strudel [schdrrrrudl] = dünner Teig mit Füllung, typischerweise aus Quark oder Äpfeln und Rosinen

mehr Mehlspeisen: Schmarrn, Buchteln, Guglhupf, Kratzate, Krapferl

Golatsche [go:la:dschn] = Plundergebäck mit Quarkfüllung

Germ = Hefe

[gâ:da] = Gouda

Nudeln = mit niederer Drehzahl fahren

Sprudel = Benzin

Reiskocher = Motorrad, Auto

[ga:tsch] = Schlamm

[schwa:sn] = mit dem Auto rasen. Auch: Saufen.

Hangerl = Geschirrtuch. Auch:

Fetzen [fedsn]. Auch: Führerschein

jm. mit dem nassen Fetzen verjagen = jemanden sehr rüde verabschieden. Sowie:

einen Fetzen haben [an fedsn ham] = betrunken sein

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Freuen Sie sich auf die nächste Folge: Wirkungsvolles Drohen und Aufforderungen zum Nahkampf

I SET MYSELF ON FIRE WITHOUT YOU.