— wunder

Bis Ende 2009 gab es hier die Etymologiekolumne nur ein Wort. Die Autorin hat ein Herz für Sprache und Wörter (zum Unterschied zwischen “Worten” und “Wörtern” sei dieser Beitrag empfohlen) und setzt diese Reihe nun fort. Wer ein schönes Wort kennt und besprochen beschrieben lesen möchte, möge es vorschlagen.

Der Schmetterling ist ein Insekt mit zwei beschuppten, bunt gemusterten Flügelpaaren. Schmetterlinge bilden nach den Käfern die artenreichste Insektenordnung.

Als Herkunft dieses Wortes wird Schmetten für Sahne, Rahm vermutet, das wiederum eine Entlehnung des gleichnamigen tschechischen smetana ist. Einige Schmetterlingsarten wurden offenbar von Rahm oder vom Geräusch des Butterschlagens angelockt. Daraus entsprang vermutlich der Volksglaube, dass Hexen in Schmetterlingsgestalt fliegen, um Milch und Rahm zu stehlen. So entstand auch das englische butterfly, im Russischen heißt Schmetterling babushka. Ein zweiter Aberglaube besagt, dass die Seelen der Verstorbenen in der Verkörperung von Nachtfaltern in den Rahm flogen und ertranken.

Im Altgriechischen hießen die Tiere psyche (Atem, Hauch, Seele), die Göttin Psyche wird daher häufig mit Schmetterlingsflügeln oder einem Schmetterling auf ihrer Hand dargestellt.

Falter

Die Bezeichnung Falter als Synonym für den Schmetterling existierte schon im Althochdeutschen als fifalt(a)ra und bedeutet wie seine weiteren Entwicklungen Flatterndes. Bei fifalt(a)ra und seinen Nachfolgern, u.a. vivalter und fifoldara, handelt es sich um eine reduplizierende Wortform, die Verdopplung verdeutlicht die schnelle Geschwindigkeit des Flatterns. Erst spät, zum Ende des 18. Jahrhunderts, wurde das Wort vereinfacht, und Falter setzte sich durch. Im Italienischen heißen Schmetterlinge weiter farfalla und sind auch als Nudeln (farfalle) zu haben.

Schmetterlingseffekt (butterfly effect)

Der Schmetterlingseffekt ist ein Begriff aus der Chaostheorie. Er drückt metaphorisch aus, dass in einem komplexen System eine kleine Veränderung der Anfangsbedingungen (das Flügelflattern eines Schmetterlings) langfristig große, unvorhersagbare Veränderungen an nachfolgenden Stellen bewirken kann.

Er stammt vermutlich vom amerikanischen Meteorologen Edward N. Lorenz, der 1972 einen Vortrag mit dem Thema “Predictability: Does the flap of a butterfly’s wings in Brazil set off a tornado in Texas?” hielt (und zunächst eine Möwe zur Veranschaulichung verwendete).

Insbesondere für Theorien rund um Zeitreisen ist der Schmetterlingseffekt interessant. So tritt in der 1952 erschienenen Kurzgeschichte A Sound of Thunder von Ray Bradbury ein Zeitreisender im Jahr 2055 auf einen Schmetterling und verändert damit die Zukunft.

Der Schmetterlingseffekt ist nicht zu verwechseln mit dem Schneeball- oder Dominoeffekt, bei dem kleine Einzelteile (Dominosteine) sich über eine Kettenreaktion selbst verstärken.

Butterfly Effect gibt es übrigens auch als Film.

(Quellen: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Pfeifer, dtv 2005, Wikipedia, Wikipedia II, Faustmann)

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breathing puppies, battery operated
set contains:
– pet bed
– brush
– adoption certificate
– pet carrier
– battery
39,-

 

Es ist so still hier, gerade.

Genau überlegt, tatsächlich, man könnte sagen, ich schriebe noch: drei-Wort-E-Mails. Aufsätze zu Demokratiedefiziten, Theaterstücken, Umweltkatastrophen. Demo-Plakate. Tweets. Liebesbriefe für Banknachbarn. Manöverkritiken. Lieder.

Für mehr – fehlen mir Themen, Ideen. Das ist so etwas wie die Hälfte der Wahrheit. Die andere Hälfte ist wohl, dass die Handvoll neuer Texte die Zensurstelle nicht übersteht. Und das Schlimmste daran: Schreiben übers Nichtschreiben. Ich hasse Oxymora.

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(Blick vom TU-Hochhaus, Janur 2011)

In Berlin weiß man nur, dass Wochenende ist, weil die Bahn seltener fährt als an Werktagen.

Sie setzt sich auf eine Bank unterm Fernsehturm und beobachtet das Leben, wie so oft in diesen Tagen, wenn sie irgendwo zwischen Menschen ist und den Dingen zusieht, die sie tun. Sie sieht die Münder, die sich bewegen, die Hände, die in die Luft malen, doch sie sieht die Bilder nicht. Die fliegenden Blicke, die sprechenden Körper, sie sieht die rennenden Schritte auf dem Boden, doch sie hört das Läuten der Straßenbahnen nicht.

Ein kleiner Junge trägt auf seiner Wollmütze eine Burger King-Krone und jagt die Tauben vom Platz. Ein Pärchen läuft vorbei, jeder hält eine Kamera in der Hand, sie fotografieren sich gleichzeitig gegenseitig und es kann eigentlich nur ihrer Anwesenheit auf dem Foto wegen sein, dass er dieses Bild von einem Bahnhof später einmal schön finden wird. Der Junge mit der Krone ist gegangen, die Tauben kommen wieder. Sie picken an einer Alufolie herum, aus der Döner-Reste ragen, es stellt sich die Frage, ob Tauben Knoblauch- oder Kräutersoße bevorzugen, doch sie weiß es nicht, und ehe sie über den Boden kriechen und die Tauben befragen kann, fährt ein Radtaxi vorbei und alle fliegen auseinander. Sie fliegt nicht mit.

Die Sonne steht schon tief. Ein Paar läuft vorbei, er hat die Augen geschlossen, sie hält seine Hand und führt ihn.

Vielleicht ist das ja dieses Liebe,
von dem alle reden.

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(14.03.2011 / Berlin, Bundeskanzleramt / Mahnwache)

Ein kurzer Ausflug in die Etymologie oder die Widerlegung der Aussage, eine Steigerung des “größten anzunehmenden Unfalls” (GAU) könne es nicht geben.

Synonym für den GAU ist der Auslegungsstörfall. Kernkraftwerke sind offiziell für den Auslegungsstörfall ausgelegt, d.h. dieser Fall wurde bereits in den Planungen des AKWs berücksichtigt. Im Auslegungsstörfall (GAU) darf kein radioaktives Material an die Umwelt außerhalb der Anlage abgegeben werden.

Die International Nuclear and Radiological Event Scale (Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse, kurz INES) klassifiziert den Schweregrad solcher Störfälle, gemessen an 1. radiologischen Auswirkungen innerhalb und 2. außerhalb der Anlage, sowie 3. an der Beeinträchtigung der Sicherheitsvorkehrungen der Anlage. Diese Skala reicht von 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) bis 7 (schwerste Freisetzung mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld). Die Katastrophe von Tschernobyl wurde mit 7 klassifiziert, die Unfälle von Lucens und Three Miles Island mit 5 (“ernster Unfall”).

Ab INES-5 kann man im deutschen Sprachraum vom Super-GAU beziehungsweise dem Auslegungsüberschreitenden Störfall sprechen, in der Praxis jedoch meist erst ab INES-6. Im Englischen unterscheidet man je nach Schweregrad zwischen Incident (Zwischenfall) und Accident (Unfall).

Etymologisch betrachtet ist die Bezeichnung Super-GAU so zu erklären: Die lateinische Präposition super bedeutet “über (alle Maßen)”. “Im Deutschen [ist] seit dem 16. Jh. super- als erstes Kompositionsglied in nominalen Zusammensetzungen zur Bezeichnung einer inhaltlichen Steigerung im Sinne von ‘besonders, über alle Maßen, überdurchschnittlich’ geläufig.” (Quelle: dtv Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 8. Auflage 2005).

Der Super-GAU geht über das hinaus, wofür das Kernkraftwerk ausgelegt ist, er wird daher auch als Auslegungsüberschreitender Störfall bezeichnet. Es handelt sich beim Super-GAU daher nicht wie gerne behauptet um eine sprachliche Übertreibung und der unglückliche Versuch einer Steigerung des Superlativs “am größten”, sondern um eine Verbildlichung des Vorgangs, der im Kernkraftwerk (bzw. dann auch außerhalb) abläuft.

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Am Freitag sieht man ungläubig auf Animationen von Kontinentalplatten, und auf die Wucht, mit der ganze Dörfer weggerissen wurden, und alles ist so groß, dass man denkt, es ginge um die Häuser, wo es doch um Menschen geht. Nachts bleibt man wach, um zu erfahren, wenn etwas passiert, als könnte man dadurch irgendetwas ändern. Früh morgens liest man die Zahl der Beben, die Zahl der Verletzten, die Zahl der Toten. Und hat noch nicht einmal verstanden, wie ein Atomkraftwerk genau funktioniert. Was genau vor 25 Jahren in Tschernobyl passiert ist. Oder gewusst, dass weltweit noch 442 Reaktoren am Netz sind. Und 65 im Bau.

Man wundert sich über all die online auftauchenden Zyniker, Witzeerzähler, Besserwisser und Kernkraftexperten. Und über die, die sich beschweren, dass der Bäcker um die Ecke geschlossen hat. Dann denkt man kurz an den Begriff der Problemwelten, daran, dass man die eigene mickrige Welt weiter öffnen sollte. (Das ist kein Gutmenschentum, kein Weltverbesserungsdenken. Das ist der Versuch einer Relativierung der eigenen Existenz.)

Also schaltet man den Computer aus und wartet. Warten auf den Weltuntergang? Nein. Man zählt die Zeit, bis alles  explodiert. Um bald weiterzugehen, als wäre nichts geschehen.

Zynisch? Realistisch.

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Manchmal ist die Frage, ob die es gar nicht um die Quantität der Optionen geht, sondern darum, ob nicht einfach jede davon die falsche ist.

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Man könnte dies als philosophisches Betrachten einer Fleischtheke deuten.
Könnte man. Muss man aber nicht.

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(See, um 1999)

Seit ihrer Kindheit war sie fest überzeugt, wasserlöslich zu sein. Sie wartete nur darauf, eines Tages ohne Schirm und Cape im Regen zu stehen. Sie würde auf der Straße neben dem Gehweg stehen und zusehen, wie sie sich langsam auflöst. Wie ihre Kleidung verschwimmt, ihre Haare, ihre Hände weggewaschen werden und ihre Farben am Gehwegrand entlang in den Gully an der Kreuzung fließen. Und sie würde dastehen und zusehen. Wie sie langsam verschwindet.

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Leben beginnt mit dem Zusammenschluss der größten und der kleinsten Zelle des Menschen – Eizelle und Spermium. Mit ihrem Verschmelzen entsteht die Zygote, aus der in 9 Monaten Billionen von über 200 verschiedenen Zellarten entstehen.

Mensch kann nur werden, wer sterben kann: Ab der 6. Lebenswoche wachsen die Hände zunächst nicht weiter, sondern einzelne Zellen sterben ab, so erst werden die Finger später beweglich. Ab der 7. Woche dann beginnt die Zellteilung wieder, die Hände wachsen, kurz darauf kann der Embryo einen Daumen in den Mund nehmen. Unser Leben hängt davon ab, dass Zellen rechtzeitig Selbstmord begehen.

Die Hydra wird mit dem selben Prinzip nie alt. Der Süßwasserpolyp, wenige Millimeter groß und eines der primitivsten Lebewesen überhaupt, hat durch laufendes Abtöten und Bilden von Zellen (sie besitzt nur drei Stammzelllinien) die Unsterblichkeit geschafft. Wir hingegen – sind zu komplex. Oder wenigstens nicht primitiv genug. (Für die Unsterblichkeit.)

Babyspeck, seltsame Haarfarben, Baumkletternarben, alles verschwindet mit der Zeit. Weil alles in unserem Körper sich erneuert:

Die Lungenoberfläche alle 8 Tage (Teer darin bleibt ein Jahr lang).
Die Haut auf den Lippen wird 14,7 Tage alt, die gesamte Epidermis 26 Tage.
Unsere Riechsinneszellen leben ca. einen Monat lang.
Rote Blutkörperchen werden 120 Tage alt, dabei legen sie 1.600 km in den Blutgefäßen zurück.
Weibliche Eizellen können sich nicht vermehren, ihre Zahl ist von Geburt an festgelegt. Sind alle verbraucht, stoppt die Hormonproduktion im weiblichen Körper, die Wechseljahre beginnen.
Haarfollikelzellen erneuern sich nie, was weg ist, ist weg.
Die Nervenzellen, die für unser Erinnern da sind, werden so alt wie wir.

Herzmuskelzellen leben ein Leben lang.

Herzscheiße, und wieder eine neue Wunde. Und wieder eine alte Frage:
Verwächst sich das?

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Ich würde gerne analog bloggen.

Die Texte schriebe ich in ein Notizbuch, schnitte die Seiten aus und steckte sie in Briefumschläge. Ich übte extra eine schönere Handschrift, und Fotos schickte ich als Abzüge mit. Für übers-Bett, für an-die-Wand und für Freunde. Und beim Feed wäre jede Woche ein Keks mit im Umschlag.

Das wäre schön.

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Egal was war, da war immer Musik:
Beim Aufwachen, beim Zähneputzen, beim Autofahren, im Bus, im Café, in der Bar, im Kopf und beim Einschlafen.

Ich habe immer Musik gemacht: Spiele Geige, seit ich denken kann, Gitarre irgendwie auch. Dann war da noch diese Gesangsausbildung, ich fing an, Musik zu schreiben, und will endlich auf dem Klavier Improvisieren lernen. Denn vor ein paar Tagen ist das Klavier hier angekommen.

Gestern war ein schöner Tag. Ich saß bei einem guten Freund, er hatte Nudeln gekocht und ein paar Takte im Kopf, ich zwischen Tür und Angel einige Zeilen gekritzelt. Der Rest der Geschichte ist: Ein Lied.

Und sie ist wieder da. Die große Liebe.

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In Italien war der Herbst noch immer viel mehr ein Sommer. Wir waren mit meinem alten Auto gefahren, durch die Berge, vorbei am Lago Maggiore, bis da nur noch Feldwege waren. An einem kleinen Haus neben einer Pferdekoppel ließen wir das Auto stehen und zogen die Schuhe aus. Hand in Hand liefen wir durch den Pinienwald, die Ameisen krabbelten über unsere Sommerbeine, die letzten Meter rannten wir durch den heißen Sand. Bis wir im Dünengras standen und das Meer sahen.

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