wunder

schoen aber selten. very much alive.

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Was soll’s: ungefähr 20 Dinge, die Sie und ich nie wissen wollten

Ich habe wieder einmal seit Wochen keinen geraden Satz geschrieben, und wenn das hier mal ein paar Sätze produziert, dann soll es eben so sein.

1. Ich weiß noch nicht, wie ich diese Liste vollkriegen soll. Ich hasse Listen.

2. Ich hasse Kameras. Und kann mich meist nur schwer beherrschen, gegen Menschen, die ein derartiges Gerät auf mich richten, nicht sofort gewalttätig zu werden. Aus pazifistischen Gründen verschwinde ich einfach meist rasend schnell hinter anderen Menschen, unter Tischen und in Schränken oder starre mit fiesem Blick in die Kamera. Und weil ich darauf nicht immer Lust habe, bin ich zum Selbstschutz einfach Fotografin geworden.

3. Ich pflege einen kleinen und heimlichen Fetisch für Gedankenstriche und Semikola.

4. Ich besitze keine Waschmaschine und trage seit 4 Jahren wöchentlich meine Wäsche in einen 2 Kilometer entfernten Waschsalon. Das ist im Sommer halbwegs okay, im Winter ist es zum Kotzen, weil dann mitunter die Wäsche im Wohnungsflur gefriert.

5. Ich bin Schulabbrecher und arbeite gerade hart an meiner Karriere als Studienabbrecher.

6. Es gibt so ungefähr 27 Menschen in meiner Twitter-Timeline, die ich wahnsinnig bewundere und für die ich heimlich ein bisschen schwärme.

7. Der erste Film, den ich im Kino gesehen habe, war Die Braut, die sich nicht traut. Dafür habe ich noch nie Titanic gesehen und plane auch nicht, das zu ändern.

8. Mein erster Freund war Nerd und ganz offensichtlich hat sich daraus ein gewissses Beuteschema Muster manifestiert.

9. Ich werde wohl auf Ewigkeit unheilbar verschossen in Jake Gyllenhaal sein.

10. Meine Erstkarriere dauerte fünf Jahre und fand statt – bei einer Bank. Ich war da sogar ziemlich schnell ziemlich erfolgreich, aber auf einer Grusel-Skala von null bis Anchovis war das eine der seltsamsten Zeiten in meinem Leben. Immerhin weiß ich seitdem alles, was man über Vertrieb (Finger weg!), Investmentgeschäfte (Finger weg!), Banken (Finger weg!), BWL (… ach, Sie wissen schon) und Arbeiten bis zur Selbstaufgabe wissen muss.

11. Ich habe ein Pasta-Trauma. Genauer: ICH HASSE NUDELN. Und an die Psychotherapeuten unter Ihnen: ja, es liegt an meiner Mutter. Sie hat das gerne gekocht, der Rest der Familie hat es gerne gegessen. Und ich habe es über alles gehasst.

12. Ich war 20 Jahre lang Vegetarier und habe letztes Jahr damit aufgehört.

13. 13 Dinge, in denen ich wahnsinnig schlecht bin: Milchreis nicht anbrennen lassen. Mit inkompetenten Leuten zusammenarbeiten. Kochen. Regelmäßig bloggen. Basteln. Traumabewältigung. Richtig gut auf Englisch schreiben. Termine mehr als 1 Woche im Voraus vereinbaren. Backofen reinigen. Beerdigungen. Schwindeln. Schreiben. Beziehungen.

14. 14 Dinge, in denen ich ziemlich gut bin: Mathe. Mixtapes. Käsekuchen. Feuer machen. Mich in fremder Umgebung zurechtfinden. Fahrradfahren. Sachen organisieren. Heimlich verschwinden. Portraitfotos machen. Tanzen. Mich kümmern. Alleine in Bars sitzen. Mit sehr wenig Geld auskommen. Nutellabärte.

15. Ich spiele seit 20 Jahren Geige, außerdem Gitarre, viel zu schlecht Klavier und habe eine Gesangsausbildung gemacht, weil ich meine Singstimme so schrecklich fand finde. Und ich wünschte, ich könnte Cello spielen.

16. Die wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben habe ich sehr spontan getroffen und dann binnen weniger Tage durchgezogen. Dazu gehörten: Schule schmeißen, bei meinen Eltern ausziehen, Jobs kündigen, Städte verlassen, Beziehungen beenden.

17. Ist meine Lieblingszahl.

18. Ich bin introvertiert. Wenn ich nicht ausreichend Zeit alleine habe, in der ich regenerieren kann, bin ich ganz schnell nicht mehr ich selbst.

19. Nach meiner Erstkarriere (vgl. #10) bin ich nochmal 40 Stunden pro Woche zur Schule gegangen, hatte nebenher einen Vollzeitjob und habe schließlich nach zwei Jahren das Abi auf dem zweiten Bildungsweg nachgemacht. Das geschafft zu haben, macht mich immer noch verdammt stolz.

20. Ich reise am liebsten allein. Ich kann kaum besser entspannen, als wenn ich mit Rucksack, Zelt, Hängematte und Kamera unterwegs bin, und meist bin ich dann schon nach 2 Tagen der ausgegelichenste Mensch auf dem weiten Erdenrund. Als nächstes will ich nach Finnland, Island, einen Roadtrip durch Osteuropa und einen von Berlin nach Mumbai machen.

21. Ich habe schon zu viel erlebt und zu viele Menschen durch den Tod verloren, um mich nicht bisweilen viel älter zu fühlen, als ich eigentlich bin.

22. Ich mag Alpakas und Hamster.

23. Ich behaupte seit 5 Jahren, an einem Roman zu schreiben. In Wahrheit existieren dazu nur drei Ideen und ein paar Seiten Geschreibsel und ich bezweifle, dass daraus je mehr werden wird.

24. Eigentlich habe ich nie Zeit und wundere mich dann bisweilen, wenn ich zwei Tage damit verbringe, ein völlig unsinniges Video zu schneiden oder vier volle Tage lang ein Geburtstagsgeschenk für einen Freund vorbereite.

25. Ich habe in meinem Leben erst ein einziges Mal meinen Geburtstag gefeiert. Vielleicht gibt es dieses Jahr noch eine nachträgliche Feier. Statistisch betrachtet aber wohl eher nicht.

26. Ich finde schlechte Rechtschreibung wahnsinnig unsexy.

27. Ich halte mich ungern an Vorgaben, wenn sie mir unpassend erscheinen.

20 Dinge habe ich außerdem sehr gerne gelesen bei Frau Meike, Orbis Claudiae, Herrn Mirus, Herrn Trotzendorff, Frau Schüßler, Formschub und Frau Nuf.

Segelboot, trotz allem (Szenen)

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In der Küche liegen noch einige Zettel, kleine Grüße in fremder Handschrift aus den drei Minuten vor Verlassen des Hauses. Sorgsam schichte ich sie auf einen Stapel und stelle das nutella-Glas darauf.

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Es ist Montag, ich gehe in den Waschsalon. Als ich die Waschmaschine einschalten will, merke ich, dass ich meine Mütze noch trage, ziehe sie mir vom Kopf und werfe sie in die Trommel.

Viele Autos in Russland haben eine kleine Kamera eingebaut, die das Geschehen in der Umgebung filmt, 5 Minuten lang speichert und dann wieder überschreibt. Wird man in einen Unfall verwickelt, drückt man einen kleinen Knopf und alle Bilder der letzten 5 Minuten bleiben dauerhaft gespeichert. Letzteres ist der Stand der Dinge.

Ich habe eine Trocknerbenutzung gekauft, 15 Minuten, 60 Grad. Ich öffne die Tür mit dem schwarzen Griff, werfe nur die Mütze hinein, und dann setze ich mich davor und sehe zu, wie das kleine schwarze Bündel in der riesigen Trommel herumwirbelt.

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Da war, vor einer nicht näher bezeichneten Anzahl von Tagen, dieser eine, kurze, halb von der Seite streifende Blick. Und seitdem.

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Ich habe mich aus der Wohnung ausgesperrt. Alles, was ich dabei habe, sind mein Personalausweis, ein Päckchen Kaugummi, ein Sack nasse Wäsche, eine trockene Mütze und 27 Cent. Das Geld drücke ich an der nächsten Straßenecke jemandem in die Hand. Geht, so.

In der U-Bahn, ein Kind mit einem Cello steigt ein und die Frau mit den kurzen braunen Haaren und den riesigen Augen sieht mich an. Lächelt.

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Er sitzt mir gegenüber, breitbeinig wie immer, eine Hand in den Haaren vergraben, mit der anderen fährt er sich übers Gesicht. Es sind diese kleinen, vertrauten Gesten, die bleiben. Immer. Trotz allem.

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Dienstag, in der Bar hockt ein Mann, mehr ein Junge, an einem Zweiertisch, er sitzt alleine mit seinem Buch, manchmal streicht er sich die blonden Haare aus dem Gesicht. Auf seinen rechten Oberarm, halb verdeckt vom T-Shirt-Ärmel, ist ein Segelschiff tätowiert. Es ist ein Dreimaster.

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Ich sitze in einem Bus, es ist angenehm warm hier drin, die Menschen sind leise, ich höre gute Musik, wir fahren durch die Nacht und es wäre völlig in Ordnung, jetzt einfach so weiterzufahren, und gerne auch für immer.

Man sollte eh häufiger einfach mal behaupten, dass es für immer ist. Mal nur noch das machen, wovon man das wollen würde, dann zur Eingewöhnung so tun als ob und schließlich einfach daran glauben, dass es für immer sein kann. Für immer ist. Oder wenigstens fast.

Große Lust, einfach falsch umzusteigen und durch die Nacht zu fahren. Für immer.

Vielleicht auch im Taxi.

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Ich steige aus der Bahn aus und gehe die Treppen hoch, auf der letzten Stufe zünde ich mir eine Zigarette an, ich laufe geradeaus, über das Lüftungsgitter, vorbei am Theater, namenlosen Sträuchern, Bäumen, Gewächshäusern, unter der Kastanie durch.

Es ist finster, ich sehe, spüre, sage nichts, da bricht die Zigarette ab, zwischen meinen Fingern nur noch der Filter, und ich merke, dass es seit einem halben Kilometer in Strömen regnet.

Ich gehe in der selben Geschwindigkeit weiter, der Regen wird stärker, meine Jeans kleben an meinen Beinen. Als ich in die Wohnung komme, tropft das Wasser aus meinen Haaren, fällt zu Boden, dann liegt es da und ich hole einen Putzlappen.

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Meide keine Pfützen.

Für alle Leute, die schiefe Horizonte, Sonne und schöne Bilder mögen

… hätte ich da was. Lautsprecher an, Kopfhörer auf, und viel Spaß.

Video description & credits:

11 cars. 21 drivers.
11 days. 2,400 miles east.
From Berlin to Astrakhan: Silkroad 2013.

This short german-russian fairytale is based on scenes shot in August / September during the first 11 days of Land Rover Experience Tour 2013 on the track from Berlin to Astrakhan.

Made with fantastic music by the following artists:
P.W&DEE — ??????? ?????
????? ???? — REKA
Aris Appaev — Uzak
?????? — ??? ?? ???????
Aris Appaev — Desire (Master Version)

With many thanks to everyone who made this journey possible and with whom I spent a great time in cars, parks and bars. And special thanks to Alex Kahl (@probefahrer) for the support.

— remember all your journeys and they will last forever.

Entlang der Seidenstraße von Berlin nach Astrachan – Teil 2, Abrechnung und ein Dankeschön

10 Tage, 4.000 Kilometer, 11 Autos und 21 Menschen, die sich noch nie begegnet sind: von Berlin nach Astrachan entlang der Seidenstraße. Eine Reise, immer gen Osten. Zu Teil 1 (Berlin-Sewastopol) hier entlang.

Nachtrag, 22.09.: und hier ist das Video zur Reise:

Tag 6: Sewastopol-Jalta

Am Morgen eine Bootsfahrt im Hafen von Sewastopol, ein Matrose, der mit freiem Oberkörper das Deck wischt. Zum Frühstück gibt es Kwas, einen Brottrunk, der wider Erwarten gar nicht säuerlich schmeckt, sondern wie abgestandene Cola.

Aufbruch und Abfahrt nach Jalta, erst off road in den Wald, dann weiter in die Berge, erstmals im Auto für eine Viertelstunde schlafen, während der Fahrer die Serpentinen hochkurvt. Größter Vertrauensbeweis unter Fahrerteams: bestanden.

Plötzlich auf 1200 m ü.NN., es ist eiskalt, ich stehe frierend am Abgrund, unser Fotograf erzählt, er habe unterwegs Brot und Honig gekauft, und fragt, ob ich auch ein Stück will. Wenige Minuten darauf an der ganzen Reisegruppe mit einem großen Honigbrot vorbeimarschieren und zwei Leute abbeißen lassen, mit dem Mitfahrer den Rest teilen.  Read more

Cela

Und dann die Rituale. Den Schlüsselbund herausziehen, den Schlüssel finden, die erste Tür aufstoßen. Den Briefkasten öffnen, die Post noch im Treppenhaus durchsehen, die Stufen zählen, die Wohnungstür aufschließen, vorbeigehen am Fahrrad, das immer noch im Flur steht. Gepäck in eine Ecke werfen, die Fenster öffnen, in den Sessel fallen und eine Zigarette rauchen. Das Wasser aufdrehen, den Boiler einschalten, die Stecker wieder in die Steckdosen stecken (die Sicherungen klemmen). Wieder auf dem Sofa schlafen, weil das Bett so groß geworden ist, über all die Zeit. Am nächsten Tag aufwachen. Alles ausziehen, auf einen Haufen werfen, Schals und Mützen dazu, dann die Steppe aus dem Bauchnabel pulen, das Kleingeld abzählen, dreifünfzig pro Maschine, in den Waschsalon laufen, sechzig Grad normal, fünfunddreißig Minuten warten. Vor dem Waschsalon auf der Fensterbank sitzen, rauchen, eine Nummer wählen, reden, Fragen stellen, nicken, nichts beantworten können, auflegen. Die Wäsche aus der Maschine ziehen, zwei Euro und ein blaues Feuerzeug wiederfinden, in die Wohnung zurückgehen, alles aufhängen, das Geschirr spülen, im Abflussstrudeln einem Lebensgefühl hinterherblicken. Niemals winken, wenn es geht. Mit nassen Händen durch die Wohnung gehen, hin und her, die Hände an den Jeans abstreifen, Dinge in die Hand nehmen, abtasten, nichts dabei fühlen, weitergehen, an einem Tischbein hängenbleiben, noch ein Fenster öffnen, hinaussehen, sich umdrehen, in den Raum blicken

und sich wundern, wie man es so lange hier ausgehalten hat.

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