— wunder

Sie sieht die Bilder von vor zwei Jahren. Von dem Park, wo sie sich das erste Mal küssten. Von einer Spiegelung in einem Zugfenster, Gnocchi und einer gusseisernen Pfanne. Sie blättert weiter zu Kuchen, dann Bilder von einem Bahnhof und einem Besuch im Zoo. Eine Schlange, die sich häutet, Fische hinter dicken Glasscheiben und Kamele, die aussehen, als hätten sie dicke Teppiche an. Es war der Zoo, wo jedes Vogelhäuschen eine eigene Hausnummer hatte. Und wo es egal war, was sie fotografierte. Weil er da war, und alles andere war so einfach, so egal. Es gibt noch einen letzten Umschlag. Die Bilder, die er gemacht hat: sie, in seinem Badezimmerspiegel, nachts mit zerwühlten Haaren in der Küche, morgens auf dem Boden vor der Plattensammlung sitzend. Und sie, in seinem Shirt. Schlafend.

Die nächsten Fotos zeigen eine Wohnung voller gepackter Kartons. Möbelteile in allen Ecken, dazwischen ein Hammer und ein Schokomuffin. Und irgendwo er. Wenige Wochen später schon gibt es das Bett, die Möbel, die Wohnung nicht mehr. Und diese Stadt ist da schon lange nicht mehr ihre Stadt.

Man sagt, alles sei schön, was man mit Liebe betrachtet. Sie stellt die Kiste mit den Bildern zurück. Er muss sie sehr geliebt haben.

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Wenn der deutsche Journalismus endlich wieder träumen darf. Wenn ganz Deutschland auf Spiegel Online eine Schlacht beim Top-Spiel “Quartett Royal: Zocken mit Europas Königshäuptern” austrägt. Wenn öffentlich-rechtliche TV-Sender 6 (sechs!) Stunden lang ein Großereignis übertragen, bei dem niemand einem Ball hinterherläuft. Wenn Menschen an Straßen stehen und winken, kleine Mädchen in rosa Kleidchen Blumen verteilen und 21 Prozent der Deutschen vor dem Fernseher sitzen wollen.

Dann ist Märchenhochzeit in Großbritannien.

Der Vorteil von Märchen ist, dass sie anfangen mit “es war einmal” und enden mit “glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage”. Der Nachteil von Märchenhochzeiten ist, dass danach das anfängt, was in keinem Märchen mehr vorkommt, und dass ab da niemand mehr für “glücklich und zufrieden” garantiert.

Aber ach, was sage ich, das ist doch romantisch. Und wie. Wenn “romantisch” bedeutet, dass es “Menschen mit Liebe und Sehnsucht erfüllt”, wird vermutlich in den nächsten 48 Stunden halb Deutschland vor Liebe und Sehnsucht platzen.

Das mit der Romantik fing an als kulturgeschichtliche Epoche (und nicht als Vorstufe zum Kitsch), als Reaktion auf die vernunftbetonte Aufklärung. Deren rationalem Denken stellten die Romantiker das große Gefühl gegenüber, – Sehnsucht, Geheimnis, Leidenschaft, die Seele, gerne auch die gequälte. Und es kam, wie es kommen musste: Die Vertreter von Klassik und Aufklärung fühlten sich durch die Romantiker angegriffen und bezeichneten das Romantische als phantastisch oder krankhaft.

Ein Kaiserreich, zwei Weltkriege, eine Teilung und eine Wiedervereinigung, kurz, 210 Jahre später – ist alles beim Alten. Jeden Tag ein neuer Weltuntergang (die SPD behält Sarrazin, das Playstation-Netz wird gehackt, Schwarzenegger kehrt zurück, Diktatoren lassen Menschen töten, immer neue Gegenden werden durch alte Probleme (Öl, Landminen, Minen, Strahlung, Krieg) verseucht).

Immer noch dreht sich die Erde an jedem Tag unserer Zeitrechnung einmal um sich selbst. Aber unsere Welt dreht sich immer schneller und wird immer lauter, während unsere gefühlten Tage immer kürzer werden. Und wenn wir einmal ganz leise sind, bohren sie, die Fragen, wohin führt das, wohin sollen wir mit alledem. Und wohin mit uns.

Dann wohl: vor den Fernseher. 29. April, 09 Uhr.

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Aufgrund einiger verbliebener Freundschaften verfolge ich noch sporadisch, was in der Region Heilbronn passiert. Wer die Stadt nicht kennt: Die 120.000-Einwohner-Stadt Heilbronn liegt nördlich von Stuttgart, und wurde von der Zeit in einem Beitrag über eine Berliner Band einmal ironisch so charakterisiert: “[...] böse Stimmen [...] beklagen, wesentliche Teile [Berlins] seien zu einer Abfüllstation für Hotelgäste, Ballermanntouristen und Schulklassen aus Heilbronn geworden.”

Der Rest des nachfolgenden Beitrags ist völlig ironiefrei.
Denn die Stadt Heilbronn betreibt eine ganz bemerkenswerte Politik, was Proteste gegen Nazis angeht. Heilbronns Bevölkerung besteht zu ca. 50 Prozent aus Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist für alles, was dort passiert, nicht irrelevant.

Geplante Demonstration

Für den 1. Mai hat das “nationale und soziale Aktionsbündnis 1.Mai, bestehend aus diversen rechtsextremen Parteien, Bündnissen und nationalsozialistischen Vereinigungen, zu einer Demonstration augerufen. Motto: “Fremdarbeiterinvasion stoppen”.*

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Ich war dieses Jahr aus diversen, unumgänglichen Gründen nicht auf der re:publica. Leider. Nun hing ich also 3 Tage lang schluchzend vor meinem Monitor, hasste alle Tweets mit #rp11-Hashtag, guckte in freien Minuten den LiveStream und las alles, was zu kriegen war. Und es war viel zu kriegen. Insbesondere, nachdem der große Spuk vorbei war, alle Blogger wieder Wlan hatten zuhause waren und endlich Dampf ablassen konnten. Zum Beispiel über die “Digitale Gesellschaft“.

Ich möchte nachfolgend laut darüber und über einige Grundsatzfragen nachdenken.

Prolog

Sascha Lobo. Man kann von ihm halten, was man will, ich halte jedenfalls nichts von frisurbasierten Vorverurteilungen, und da ich ihn nicht kenne, bin ich da recht neutral. Er schrieb vor Kurzem im Spiegel über Die Dagegen-Öffentlichkeit.

Er sprach mit dem Beitrag einen Punkt an, der mir ebenfalls schon länger auf die Nerven geht. Atomkraft? Finden bei Twitter und Facebook ja alle irgendwie blöd. Aber finden Sie da mal jemanden, der mit auf eine Demo geht. Oder nehmen Sie Vorratsdatenspeicherung, JMStV, Netzsperren etc. – es gibt zu den meisten Themen enorm viele, die dagegen sind. Dagegen sein ist so einfach, Dagegen lässt sich schnell in Polemik, Zynismus und Satire verpacken, bei Bedarf auf 140 Zeichen reduzieren, bums. Fertig. Genauso einfach ist es, mal schnell Argumente zu zerschießen. Ernsthafte Kritik ist da schon schwieriger, verlangt Konstruktivität, im Wortsinn: etwas aufzubauen, also Anstrengung, Nachdenken, Zeit und ein Auseinandersetzen mit dem Thema. Nun aber kommt Populismus gerade im Internet verdammt gut an. Populismus schafft Popularität.

Die Dagegen-Öffentlichkeit also. Fast, als hätte er’s geahnt.

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Es gibt im Internet einen Briefkasten für Briefe ohne Absender. Formspring heißt der, und die Fragen, die da ankommen, sind manchmal lustig („warum twitterst du andauernd über sex, anstatt ihn zu machen?“), manchmal naheliegend („wie alt bist du?“), und oft einfach schön („Fährst du mit mir ans Meer?“). Ich mag das.

Zu einer Frage gehört meist, dass sie keine Antworten impliziert. Dass sie nur dasteht, nackt und alleine auf einer Landstraße. Dass man sie mitnehmen kann, oder so stehen lassen. Das ist der Job einer Frage.

Die meisten Fragen lassen sich irgendwie beantworten. Man kann um sie herumfahren, sie beäugen, berühren, ihnen durch die Haare wuscheln, ihnen die Gegend und die Wolken am Himmel zeigen, oder man kann mit ihnen lachen. Dann kann man sie abhaken. Sie sind flüchtige Bekannte, die man einmal kurz traf, und die einem nie wieder begegnen.

Bei manchen Fragen ist das anders. Sie lassen nicht einfach irgendetwas mit sich machen, irgendetwas aus sich machen, lassen sich schon gar nicht mal eben so beantworten. Nein: sie wuscheln einem durch die Haare, verdrehen einem den Kopf, damit man das Reh sieht, das am Wald steht. Sie füttern einen mit Kekskrümeln, sie lenken einen so lange ab, bis man gar nicht mehr weiß, wo man eigentlich hin wollte. Sie treffen genau im richtigen Moment genau diesen einen wunden Punkt, von dem man glaubte, ihn so gut versteckt zu haben. Sie bringen einen zum Denken, ob man will oder nicht, man muss dann nachdenken, und zwar gleich mal über alles. Dann sitzt man da und grübelt: wer sie zu einem geschickt hat. Was das von einem will. Was das mit einem macht. Was man damit macht.

Und was passierte, wenn man es wüsste: Von wem, warum, wohin damit.

Diese Fragen sind keine Freunde. Sie sind die verhasste Zicke aus der ersten Klasse, die einen damals nie beim Seilhüpfen hat mitspielen lassen, die mit den furchtbar schönen langen, braunen Haaren, die immer die guten Noten hatte und die schönsten Pausenbrote. Bei der man froh war, als sie nach der zweiten Klasse in eine andere Stadt gezogen ist. Und von der man hoffte, sie nie wieder sehen zu müssen. Genau sie ist es aber, die man immer wieder trifft. Beim Schulausflug, auf dem Gymnasium, im Bus, beim Schulfest, im Zug in die Stadt, in der Dorfkneipe, und in der großen Stadt, in die man irgendwann gezogen ist. Man hat jedes Mal mit ihr geredet, Mensch, schönes Wetter, ach, es ist so toll hier, was machst du, wie geht’s dir, gut, alles bestens, und war froh, wenn man zufällig aussteigen oder weg musste.

So ist das mit diesen Fragen. Die man nicht einfach abschalten kann, – weil sie einen eh schon beschäftigt haben. Bevor jemand sie aussprach, bevor sie plötzlich für alle sichtbar dastanden. Weil sie etwas sind, das einem immer wieder begegnet ist. Und von dem man weiß, dass man es wiedersehen wird. Irgendwann, in diesem Leben.

„Haben wir den Moment verpasst?“

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Hutzeit, Mutzeit, Brutzeit, Wutzeit. Gutzeit: Frühling.

Durch diese Tage tragen mich Gläser mit Multivitaminsaft.

Kurze, berührungslose Begegnungen mit Straßenlaternen.

Wäre ich so flüchtig wie meine Gedanken, wäre ich unsichtbar.

Die schönsten englischen Begriffe sind auf Deutsch Sägespäne im Mund.

To kiss goodbye.

Jeder Kitsch wird weniger, wenn man ihn auf Englisch ausspricht. Es ist eine Sprache, die unsere Wahrheiten auf Abstand hält.

Vielleicht ist die Gewissheit, dass etwas vorbei ist, leichter als das ständige Hoffen, dass es nie enden möge.

Schweigen sagt mehr als tausend Worte.

Hör niemals auf zu fragen.

Für mehr Bücher, die ihre Leser verstehen.

Manchmal muss man im Schnee rückwärts fahren, um wieder vorwärts fahren zu können.

Vergleiche aus vergangenen Jahreszeiten sind sinnlos.

Vielleicht regnet es bald wieder, und der Schlamm kehrt zurück.

Dann passt wenigstens der Vergleich wieder.

Neulich war ich im Zirkus. Der Mann lenkte das Pferd, die Frau turnte herum und machte Seifenblasen. So war das also, vor Erfindung des Automobils.

„Schöne Scheiße“ ist auch nur ein schlechtes Oxymoron.

Der Stapel aus Pizzakartons hinter der Eingangstüre ist umgefallen. Er blockiert die Wohnung.

Wärst du mein Hunger, Leibgericht /
ich äß‘ dich mit den Fingern nur /
ich ließ’ von dir nicht einen Krümel /
keine noch so kleine Spur.

Wo die Liebe hinfällt, da wächst kein Gras mehr. Wo das Verlieben hinfällt, da wird es Frühling.

Für mehr Leicht, und für mehr Sinn.

To feel blue.

Und wärest du ein Text, Gedicht /
dann schriebe ich dich stets von Hand /
und klebte Worte mit Gesicht /
auf jede Mauer, jede Wand.

Jedes Jahr an meinem Geburtstag beginnt der Herbst.

Herzen sind Tulpen. Man kann sie abbrechen. Aber sie wachsen jedes Jahr wieder.

Ich bin allergisch gegen Frühling.

Hüte dich vor Männern, die mit Musikinstrumenten umgehen können.

Seit du weg bist, sind wir Gehschichte.

Das letzte Licht im Nachbarhaus erlischt.

Wir und das Wlan, das nicht funktioniert: Ratlose Kommunikation.

Ich hege den Verdacht, dass mein Unterbewusstsein mich hintergeht.

Gegen mut-, absichts-, erklärungs-. Für mehr Los.

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Und morgen nähe ich ein Trautkleid.

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(Serviervorschlag)

Manchmal ist dieser Übergang von einer Woche auf die nächste ein besonderer. Dieses Gefühl, das Vergangene noch ein wenig zu dehnen, indem man die Nacht von Sonntag auf Montag verlängert, den Sonntag länger verweilen lässt, als ihm eigentlich zustünde. Es ist, weil dieser Wochenübergang anders ist als all die Übergänge zuvor. Es wird etwas passieren, das steht fest, und von da an wird alles anders sein. Also koste ich diesen Sonntag aus, bis er Überstunden macht und neben mir im Bett liegt, übermüdet von all diesen Strapazen des Tages. Er musste mit mir im Bett frühstücken, dann zogen wir durch die Stadt, lagen in der Sonne auf einer Wiese, aßen Eis, lasen Bücher und schrieben lange Texte. Er hatte Maracujaschorle mitgebracht, also setzten wir uns ans Spreeufer und verweigerten uns: Dem Denken, den öffentlichen Verkehrsmitteln, den Grasflecken auf den hochgekrempelten Jeans, den Ameisen auf unseren Beinen, den Sonnenbrillenträgern, den Hundehaufen, den kruden Straßenbands, den Erdbeerverkäufern, den streunenden Junggesellen, den Politikneuigkeiten, die keine Neuigkeiten waren. Wir wollten nichts, und als wir das hatten, war das mehr als genug. Später am Tag nahmen wir eine Papiertüte, da hinein wickelten wir eine halbe Stunde Sonne und eine Scheibe Himmelblau. Zuhause versteckten wir sie ganz hinten im dunklen Vorratsschrank.

Dort liegt sie nun. Damit auch im nächsten Winter einmal die Sonne scheint.

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Ihr Name war Yukiko.

An einem einundzwanzigsten Dezember feierte sie ihren achtzehnten Geburtstag. Yukiko war immer ein großes und starkes Mädchen gewesen. Sie pustete die Kerzen auf der Schokoladentorte aus und ging in ihr Zimmer.

Dort öffnete sie das Fenster und sah hinaus. Es war noch dunkel an jenem Morgen, eine einsame Straßenlaterne erleuchtete die Gasse. Es hatte immer noch nicht geschneit diesen Winter. Sie dachte nach. Schon seit Wochen fühlte sie, dass sich etwas veränderte. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, nicht mit Händen, nicht mit Worten, sie konnte nicht mehr essen, und sie wurde immer schwächer.

Sie schloss das Fenster, packte ein paar Dinge in eine Tasche, keines davon der Rede wert, schrieb einen Brief und legte ihn auf den Schreibtisch. Alles, was sie wusste, war, dass sie gehen musste. Doch sie wusste nicht, wohin. Mit der Tasche, mit den Dingen, mit diesem Tag, mit sich. So bog sie in die Straße ein und lief den Gehweg entlang. Irgendwann endete der Gehweg, es endete die Stadt, es endeten die großen Straßen. Sie lief, lief, lief, durch Tage und Nächte, im Sonnenschein und im Regen.

Es hatte immer noch nicht geschneit in jenem Winter, und sie wurde immer dünner und blasser.

Eines Tages kam sie zu einem Feld, weit weg von jeder Stadt, jedem Dorf, jedem Licht. Auf dem Feld stand ein Junge und betrachtete durch ein Teleskop den Mond. Sie ging langsam auf ihn zu, bis sie neben ihm stand. Dann schwieg sie. Er sah weiter den Mond an. Irgendwann sagte er:

Es wird Schnee geben, heute Nacht. Aber nicht hier, sondern in dem Land, in dem es niemals Tag wird. Ich brauche die Dunkelheit, um sehen zu können. Und es muss schneien, damit du leben kannst. Willst du mit mir gehen?

Sie sprachen nicht viel auf ihrem Weg. Sie brauchten keine Worte. Alles, was sie brauchten, war ein Platz, an dem sie bleiben konnten.

So liefen sie zusammen bis in das Land, in dem es niemals heller wurde als gerade so hell, dass man seine eigene Hand vor den Augen erkennen konnte. In das Land, in dem es jede Nacht schneite, und in dem es niemals Sommer wurde. Bald nach ihrer Ankunft wurde es ganz finster, mit der Dunkelheit kam die Stille, in die Stille fielen die ersten Schneeflocken. Und das Mädchen verstand.

Der Junge baute ein Iglu für sie beide. Für sich. Und für das Schneemädchen.

In diesem Land leben die beiden immer noch. Jeden Abend gibt sie ihm einen Kuss, damit er schlafen kann.

Dann geht sie nach draußen. Und wartet auf den Schnee.

 

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Dies hier ist Eintrag Nummer 500 in diesem Blog.

Und er ist allen Lesern und Kommentarschreibern gewidmet. Das Schreiben hier funktioniert, bei all meiner Leidenschaft dafür, nicht von selbst, und nicht alleine. Deshalb: Danke. Beehren Sie uns bald wieder.

Herzlichst,
die Ihre.

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P.S.: Im Rückblick auf die letzten 4 Jahre empfehle ich nachfolgende, bunt zusammengewürfelte Einträge:

Warum verschwindet bei “Paar” das zweite a, wenn man ein Pärchen ist?

Bist Du ein Mann oder eine Frau? Finde es heraus! Mit diesem Test.

Wenn ich groß bin, werd ich ein Star.  Ein Brief an Rihanna

Wien: Die Nacht davor und der Morgen danach: ImPulsTanz im MuseumsQuartier.

Wien-Berlin: Ein Höllentrip, Superheldenkräfte und Improvisationskunst

Verlagsgejammer und Paid Content – ein Brief an Zeitungsmacher und Journalisten

Internet & Verlage (3): Verraten Sie es nicht weiter, aber: Ich habe da einen Traum.

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Erlaubt mir ein’ und andre Frage.
Mit Eifer hab’ ich mich der Studien beflissen;
Zwar weiß ich viel, doch möcht’ ich alles wissen.

(Johann Wolfgang von Goethe – Faust)

Ein Konjunktiv mit einräumender Funktion. Das ist zwar.

Zwar kommt selten alleine. Es wird zusammen mit einer adversativen Konjunktion verwendet (zwar mag ich deine Brille, doch dich kann ich nicht leiden). Oder man verwendet es als Erläuterung von Voranstehendem (sie mag Kuchen, und zwar Apfelkuchen).

Das Wort zwar kommt ursprünglich aus dem Althochdeutschen. Zi wäre bedeutete im 8. Jh. “in Wahrheit, wahrhaftig, in der Tat, freilich”, wurde später zu ze wäre, zusammengezogen zu zewäre / zwäre für “wahrlich, fürwahr” (fürwahr, welch schönes Wort) und existiert nun seit ca. 500 Jahren in der heutigen Form zwar.

Die Ursprungsform zi wäre besteht aus zu und wahr. Zunächst drückte sie eine Bestätigung aus, später wurde ein Widerspruch eingeschlossen und das Ganze wurde zu einer einräumenden Konjunktion (“du spottest … – neyn zwar, ich spotte nicht” aus dem 16. Jh.). Ihr folgte ein Satzglied, “‘dessen Inhalt anerkannt wird, obwohl ein damit verknüpftes Satzglied gegen dessen Bestehen zu sprechen scheint’”*.

ZWAR gibt es übrigens auch als “Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen”. Und allen Urlaubern, denen ein zwar nicht genug ist, sei ein Besuch im zwarwald empfohlen.

Im Übrigen, und nur, weil es so oft gegoogelt wird: Bei zwar in Kombination mit aber steht ein Komma (zwar kostet die Welt nichts, aber kaufen kannst du sie trotzdem nicht). Sprachlich schöner ist es allerdings meist, statt “aber” jedoch, doch oder andererseits zu verwenden.

*Quelle: dtv Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 2005

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Hier gibt es nun wieder die Etymologiekolumne nur ein Wort. Die Autorin hat ein Herz für Sprache und Wörter (zum Unterschied zwischen “Worten” und “Wörtern” sei dieser Beitrag empfohlen) und setzt diese Reihe nun fort. Wer ein schönes Wort kennt und besprochen beschrieben lesen möchte, möge es vorschlagen.

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Die Straßenbahnlinie 21, weit im Osten der Stadt: 41 Stationen, 16,5 Kilometer, 51 Minuten. Vom Sterndamm bis zur Gudrunstraße.

Sie saß mit ihrem Hund vor der Tür, als er einstieg. Auf dem Rücken trug er eine Gitarre, eine Tasche auf der Schulter. Sie sahen sich kurz an, lächelten.

Das schreibt er nun im Internet. Die Seite verspricht eine zweite Chance (was ist schon eine zweite Chance gegen eine erste): für alle, die nicht nach einer Nummer gefragt, ein Gespräch begonnen, ein Wiedersehen vereinbart haben. 900 Millionen Fahrgäste fahren im Jahr mit der Berliner Verkehrsgesellschaft, 9.861 Augenblicke sind auf der Seite in den letzten 3 Jahren eingetragen worden. Experten sprechen von einer hohen Dunkelziffer.

Er war in der Herzbergstraße ausgestiegen.

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