wunder

schoen aber selten. very much alive.

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Ich reise allein

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Alleine zu reisen bedeutet für mich daher auch, dass ich mir immer wieder bewusst mache, dass ich bisweilen den sozialen Stecker ziehen muss, damit es mir gut geht, und dann irgendwo hinfahre, wo es schön ist und ich wieder Kräfte sammeln kann. Das Tolle ist: egal was vorher alles los war – spätestens nach drei Tagen verliere ich mein Zeitgefühl und mein Kopf ist so frei, dass ich wieder alles neu sortieren kann. Für mich ist diese Zeit eine, in der mir mühelos gelingt, was mich sonst sehr viel Kraft kostet: mich auf das Wesentliche konzentrieren. Mich um mich selbst kümmern. Der Abschaltfaktor eines solchen Urlaubs ist für mich durch nichts zu ersetzen.

“Ich reise allein” – warum das so ist, habe ich einmal für kleinerdrei aufgeschrieben.

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Ich reise allein

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Alleine zu reisen bedeutet für mich daher auch, dass ich mir immer wieder bewusst mache, dass ich bisweilen den sozialen Stecker ziehen muss, damit es mir gut geht, und dann irgendwo hinfahre, wo es schön ist und ich wieder Kräfte sammeln kann. Das Tolle ist: egal was vorher alles los war – spätestens nach drei Tagen verliere ich mein Zeitgefühl und mein Kopf ist so frei, dass ich wieder alles neu sortieren kann. Für mich ist diese Zeit eine, in der mir mühelos gelingt, was mich sonst sehr viel Kraft kostet: mich auf das Wesentliche konzentrieren. Mich um mich selbst kümmern. Der Abschaltfaktor eines solchen Urlaubs ist für mich durch nichts zu ersetzen.

“Ich reise allein” – warum das so ist, habe ich einmal für kleinerdrei aufgeschrieben.

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Spekulatius vom Wühltisch

(Symbolbild)

Zum ersten Mal seit vielen Jahren habe ich Spekulatius nicht selbst gebacken, sondern gekauft. Am Samstag, den 14. Dezember, war ich im Supermarkt, ich wollte Milch kaufen, fand aber plötzlich den Gedanken an Kekse sehr viel interessanter. Auf dem Weg zum Keksregal kam ich an den letzten Paletten mit den Weihnachtsartikeln vorbei. Genauer: an Paletten mit den Kartons, in denen einst die Weihnachtsartikel lagen: Schokonikoläuse, Lebkuchen (mit Füllung und ohne), Marzipankartoffeln – alles ausverkauft. Enttäuscht ging ich weiter, nahm versuchsweise eine Flasche Spülmittel vom Wühltisch in die Hand, einfach nur, weil ich die grüne Farbe so schön fand, und stellte sie wieder zurück. Doch da, neben dem Spülmittel, zwischen furchterregend großen Chipstonnen und sehr böse dreinblickenden Plüschtigern, da lag ganz versteckt noch eine Packung Spekulatius, wahrscheinlich einst mitgenommen von einem hungrigen Kind und außer Reich- und Sichtweite gebracht von einem Erwachsenen, nein, du hattest heute schon deinen Adventskalender, heute gibt es nichts Süßes mehr! Zum Glück bin ich erwachsen und darf mich so oft so schlecht ernähren wie ich will. Ich warf den Plüschtigern einen bösen Blick zu, nahm die Kekse, legte sie neben Karotten und Kaffee in meinen Einkaufswagen und bezahlte. Es war kein ganz billiger Spekulatius, es war welcher, bei dem die Packung gut über drei Euro kostet, entsprechend hoffte ich doch auf eine gewisse Qualität. Zuhause räumte ich die Einkäufe in den Kühlschrank und das Vorratsregal, kochte Suppe für einen Freund, war noch einmal unterwegs und kam wieder nach Hause. Dann, spät am Abend, holte ich die Spekulatius aus dem Regal, öffnete die Packung, nahm den ersten heraus, biss hinein, er schmeckte wirklich sehr gut. Erst als ich den zweiten herausnahm, da sah ich, dass die Spekulatius nicht einfach übereinander in die Schachtel vom Wühltisch geschichtet waren, sondern eng aneinander lagen, immer zwei, Bauch an Bauch, wie zwei einander sehr zugewandte Menschen. Ich empfand diesen Gedanken auf eine gewisse Art als sehr tröstlich.

Erst am Morgen darauf beim Kaffeetrinken fiel mir ein, dass ich ja eigentlich Milch kaufen wollte.

Weit (weit weg)

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Ich sitze im Auto und fahre aus der Stadt hinaus. Eigentlich hatte ich das nicht geplant, eigentlich hatte ich mir überlegt, das reicht, wenn ich das nächstes Mal mache. Aber dann saß ich an einem Samstag Abend in der Bar, mit einem Isländer, einem Finnen und einem New Yorker, der eigentlich Venezolaner ist, wir tranken Bier, es gibt ein eigenes Weihnachtsbier hier, das ist ganz dunkel, fast schwarz, und schmeckt ein wenig nach Malz. Das mit der Bar, das war die Idee des Finnen, also saßen wir da und redeten, über das Alleinereisen und Wikileaks und Nazis. Und dann war es plötzlich Mitternacht und alles war klar: dass die Länder nie so sind wie ihre Hauptstädte. Dass ich endlich ein erstes Gefühl dafür bekommen will, was für ein Land das ist. Ich ging zur Rezeption, sagte, dass ich in der kommenden Nacht nicht da sein würde (ok), fragte, wo man denn hier ein Auto mieten könne (die Straße runter, da rechts), auf meinem Zimmer suchte ich ein Hotel, buchte und ging schlafen.

Am Sonntag Morgen um 09:40 Uhr breche ich auf. Ich will raus aus Reykjavik, die Westküste entlang, mein Ziel ist ein ein kleines Dorf auf einer Halbinsel. Es ist noch dunkel. Stockdunkel. Der Tag beginnt hier inzwischen gegen 11:30 Uhr, um 13 Uhr steht die Sonne am höchsten, also gerade so hoch, dass sie ganz über den Horizont schaut, und um 14:30 Uhr wird es auch schon wieder dunkel. Um 16 Uhr ist es Nacht.

Ich habe ein ganz kleines Auto gemietet, das günstigste, das sie hatten, mein Gepäck habe ich auf der Rückbank und den Beifahrersitz verteilt. Es ist der erste Advent, es soll den ganzen Tag regnen, für den folgenden Tag ist Schnee angesagt. Auf den Straßen ist kaum ein Auto zu sehen, ich fahre um die Stadt herum, 60 km/h, aus der Stadt heraus auf die Ringautobahn, die einmal um die Insel führt, 90m/h. Sturm, der das Auto zur Seite drückt. Regen gegen das Dach und die Scheiben. Ich schalte das Radio ein und drehe die Musik auf. Auf Senderspeicherplatz eins laufen Weihnachtslieder, ich verstehe zwar den Text nicht, aber das Glöckchengeläut im Hintergrund. Auf Senderspeicherplatz zwei läuft R’n’B, auf der drei auch, auf der fünf etwas, das klingt wie Volksmusik. Auf der sechs läuft die isländische Version von “Hey Baby”. Und dann fahre ich, immer weiter geradeaus, durch einen Tunnel unter einer Bucht hindurch, 1000 Kronen die Durchfahrt, das sind etwas über sechs Euro. Weiter durch karges Land, alles hier ist karg und kahl, über endlose Straßen in die Berge.

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Es wird langsam heller, Schnee ist auf ihren Kuppen zu sehen, zwischendurch fällt immer wieder Regen. Irgendwann esse ich, eine Banane, einen Müsliriegel, eine Handvoll salziges Studentenfutter, und trinke eine halbe Flasche Leitungswasser, die ich heute früh noch aufgefüllt habe. Die Ortsnamen sind hier so lang, dass sie auf den Straßenschildern abgekürzt werden, dann steht da “Reykjav.” für Reykjavik und “Grundarfj.” für Grundarfjördur.

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Ich summe leise die Musik mit, dann singe ich laut alles, was ich kenne (vielleicht auch das, was ich nicht kenne). Immer geradeaus. Über Brücken, die über Buchten führen, zwischen Hügeln hindurch, bisweilen ein Haus, irgendwann ist es wirklich hell, ich halte an, steige aus und der Wind knallt die Autotüre hinter mir zu. Ich ziehe meinen Mantel zu und die Kapuze über meinen Kopf, darunter trage ich noch einen Pullover und zwei T-Shirts, unter der Jeans eine Strumpfhose, darüber noch dicke Wollsocken. Ich nehme meine Kamera vom Beifahrersitz, klettere einen Hügel hinauf und sehe nach unten.

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Und es ist genau so, wie ich es schon die letzten Tage geahnt hatte. Genau das, was ich gedacht hatte, als ich vor einigen Monaten den Flug hierher gebucht hatte. Es ist genau der Grund, warum ich schon wusste, dass ich nach meinem ersten Besuch hierher zurückkehren würde, ohne jemals hier gewesen zu sein:

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Es ist diese Weite. Die mich sprachlos macht. Und mich völlig fassungslos zurücklässt.

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Da ist nichts: kein Gebäude, keine Straßenlaterne, kein Verkehrsschild, kein Busch, kein Baum. Nur vereinzelt Pferde mitten in den Felswänden und riesige Lavabrocken am Straßenrand. Dann eine Pfütze, ein Bach, ein See, eine Insel, ein Wasserfall, und dann die Wolken, sie hängen tief über Bergen, die aussehen wie vor langer Zeit gestrandete Wale.

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Es sind diese Farben. Überall schwarze Lava, weißen Schaumkrone auf den Wellen, blaugrauer Himmel mit schwarz und weiß hingetupften Wolken. Brauner Schlamm, Moos in dunklem Grün, verblichene gelbe Gräser, weiße Möwen, alles wird eins mit der Landschaft.

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Es sind die Formen. Der Wind, der das Wasser auf der Meeresoberfläche entlangpeitscht und die Gischt der Wasserfälle nach oben jagt. Die Gräser, die sich seiner Richtung längst ergeben haben. Die Vögel, die in Scharen über die Felder ziehen. Die Wellen, in denen die Landschaft ins Meer abfällt. Die Kurven, in denen sich die Straßen in die Landschaft einfügen, und die endlos langen Geraden.

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Und es ist die Macht. Die Gewalt, mit der der Wind durch die Berge weht, dass ich mich anstrengen muss, nicht umgeworfen zu werden. Die Kraft des Hagels und Graupels, wenn er einem ins Gesicht schlägt, gegen den Körper prallt, durch dicke Schichten von Kleidung hindurch auf die Haut trifft. Die Wucht der Wellen, die immer und immer wieder gegen die Küste schlagen, bis sie sie ausgehölt haben. Die Größe der Berge, die Einsamkeit der Täler.

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Es ist die Ruhe. Dass nichts zu hören ist außer dem Sturm, der See, dem Regen, dem Rascheln der Gräser. Es ist, als läge eine Stille über allem. Als könnte man den Schnee auf den Boden fallen hören.

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Ich kann nicht aufhören, hinzusehen, hinzuhören, und ich weiß, der Tag ist kurz. In wenigen Stunden wird es wieder Nacht sein, der Sturm wird wieder an den Fenstern rütteln, der Regen wird gegen die Mauern peitschen und ich werde in einem kleinen Hotel an einem Fjord meine Nase in eine Decke stecken, die immer noch ein wenig nach Schaf riecht.

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Was bleibt, ist dieses Gefühl, schwächer, kleiner, verletzlicher zu sein als je zuvor. Und dabei die Gewissheit, keine Angst zu haben, nicht vor dem Sturm und dem Wasser, nicht vor der Nacht und nicht vor dem Alleinsein am Morgen. Und diese unendlich große Dankbarkeit, hier sein, und überhaupt, einfach sein zu dürfen.

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Am Morgen stehe ich um 05:30 Uhr auf, ich soll meinen Mietwagen in knapp 4 Stunden zurückbringen. Vor mir liegen wieder 200 Kilometer durchs Hochland und an der Küste entlang, unter Einhaltung aller Verkehrsregeln dauert das zweieinhalb Stunden.

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Es soll schneien, heftig schneien, als ich um kurz vor sechs das Hotel verlasse, liegt schon Schnee auf der Straße, vom Wind in schräge Muster verweht. Ich rauche noch eine Zigarette, der Rauch steigt in den knallschwarzen Himmel. Ich schließe das Auto auf, fahre los, minus fünf Grad, ich drehe die Heizung auf.

Oberhalb des Fjords halte ich an. Der Sternenhimmel ist so klar, die Milchstraße zieht sich wie ein weißes Band über den Himmel, ich zünde noch eine Zigarette an und ich kann es doch nicht lassen. Ich hole die Kamera aus dem Auto. Weil ich nicht anders kann. Es schneit, es stürmt, nach zwei Minuten zittere ich vor Kälte. Ich bleibe noch zehn Minuten stehen, bis ich meine Hände in den Handschuhen nicht mehr spüre.

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Es gibt so Gegenden, da ist der Mensch an sich einfach überflüssig.

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Hallo Island, Tag 2: Puderzucker auf Lava, Teddybären klauende Weihnachtsmänner, Wut-Gifs und Wasser von überall

Gemacht

Touristenprogramm. Endlich mal Teil einer Bewegung sein! Allerdings einer Bewegung, die sich doch eher … langsam bewegt. Mit der bin ich auf der ersten Station des Tages gleich mal in einem Gewächshaus gelandet, das so bei Nacht (also um 10:30 Uhr morgens) aussieht wie ein UFO. Und das außerdem genauso viel Strom verbraucht wie eine Stadt mit 3.000 Einwohnern. Dafür gibt es hier Tomaten, die gibt es in Städten mit 3.000 Einwohnern nämlich nicht nur im Supermarkt.

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Gleich neben dem CO2-Container neben dem Gewächshaus eine statisch HÖCHST fragwürdige Konstruktuion entdeckt, bei der ich mich natürlich sofort frage, wo ich noch so drei, vier Europaletten herbekomme, damit ich ausprobieren kann, wann das Ding um- und ins Gewächshaus unterhalb reinfällt (ICH WAR’S NICHT!).

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Und dann fing es auch noch an zu schneien. Aber wie!

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Also, hier: Wut-Gif:

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Ansonsten: geatmet

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Wieder total gesund ernährt (aber diese Cocktailsauce (oder Kokteilsósa, wie wir Isländer sagen) ist ein wirklich ziemlich gutes Zeug.

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Peinliche Langzeitbelichtungen von Flüssen. Kann man auch mal wieder machen.

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Wut-Gifs, 2

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Gewesen

Im Bus

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Beim Dampfkochtopf

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Am Fels

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Am Wasserfall

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Am größten See Islands

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An der Touristeninformation

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Gesehen

Die Stelle, an der die eurasische auf die nordamerikanische Kontinentaleplatte trifft. Genauer gesagt: die Platten driften jedes Jahr 2 Zentimeter auseinander, und damit wäre dann auch tektonisch belegt, was politisch eh schon länger überfällig ist. Nordamerika ist übrigens der fette, schwarze Fels, der da so rausragt.

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Getroffen

E., dank der ich eine Touristentour inmitten lauter Pärchen überstand (<3!), und die außerdem im Schneesturm dieses Bild machte (nein, das sind KEINE Tränen in meinem Gesicht)

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Gemerkt

Wie krass groß die Wälder hier doch sind!

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Keinen Schnee von der Lava ablecken, auch wenn es echt gut aussieht (der Schnee)

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Der Weihnachtsmann hat meinen Teddybären von früher geklaut! Blödi.

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Gehört

“I love your haircut. It’s perfect!” (Zufällige Touristin am Geysir) <3

“Wie ihr seht … also, gut, ihr seht es ja nicht, es ist zu dunkel.” (Touristenführerin um 11:30 Uhr)

“So lange sie fett sind, dürfen sie bei jedem Wetter draußen sein.” (Touristenführerin. Und, nein, sie sprach nicht über die Mitreisenden, sondenr über Islandponys)

Zum Ende des Abends noch ein Konzert einer nicht namentlich bekannten Band. Isländer sind sie auf jeden Fall. Und sie singen auf Englisch (jedenfalls, so weit das zu verstehen war). Lautstärke: WAS HAST DU GESAGT??? Aber ansonsten wirklich, wirklich prima.

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Unfall des Tages

Die letzten zwei Stufen aus dem Bus rausgefallen, weil die Stufen leider glatt waren. Sah ungefähr so aus:

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Ohrwürmer des Tages Den ganzen Tag gesungen

The Beatles – All my loving

Johnny Cash – Rose of my heart
Joe Cocker – You can leave your hat on

Morgen

Verabredet mit E., wir gehen schwimmen. Oder so. Olé!

Vorsätze für morgen

Alle Klamotten wieder trockenkriegen.
Nicht mehr wie ein kalter, nasser Hund aussehen riechen.
Weniger Wolken!