Zugegebenermaßen und im Vergleich zu den letzten Wochen – eine gewisse Schreibfäule hat mich befallen. Die Zeit, die ich vorher damit verbracht habe, auf die nächste Prüfung zu warten und zu bloggen, verbringe ich jetzt meist wieder bei der Arbeit.
Momentan besteht mein Leben daraus: - Polsterreiniger für kleines weißes Sofa suchen - Bilder bearbeiten - arbeiten! - bald Urlaub haben, den ich überhaupt nicht will (ein Hoch auf den geschickt geplanten Resturlaub) - und für die Abende: Zeitungen lesen - kaum schlafen - neues Ärzte- und altes Tote-Hosen-Album hören - mich über eigene Inkonsequenz ärgern - theoretisch zudem aus: Bügeln, aufräumen, Teppich reinigen, Wäsche waschen, Waschmaschine reparieren lassen. Und: Bloggen. - putzen - Kehrwoche machen
Ach, und für die Abende zusätzlich: - diverse Fotoshootings und Eigenwerbung in Form von provozierter Mund-zu-Mund-Propaganda (Marketing für Anfänger)
Mann, ist mein Leben langweilig…
24.September 2007 - meine Mum zeigt mir eine Ausschreibung in der Heilbronner Stimme, der regionalen Tageszeitung: Blende 2007, ein deutschlandweiter Fotowettbewerb mit regionalen Vorausscheidungen, ausgeschrieben in 60 teilnehmenden Tageszeitungen. Themen: “Die Farbe Rot” und als Spezial-Jugendthema “Meine Welt” Einsendeschluss: 1.Oktober, Montag eine Woche später.
Abends alle gesammelten Fotowerke hektisch am PC durchgeblättert, beim Online-Service bestellt und gehofft, dass es noch bis zur Deadline reicht. Donnerstags kam die Nachricht: Ich kann die Poster am Freitag abholen. In der Mittagspause zum Abholmarkt gerast, dort die Bilder schnell beschriftet, dabei versehentlich den Umschlag zerrissen, egal, schnell zur Redaktion, Bilder eingeworfen – und gehofft…
Vergangenen Mittwoch, nichts Böses ahnend, aufgestanden – um zwei Stunden später mit “Hallo große Gewinnerin!” angesprochen zu werden. Ich habe den ersten Platz zum Thema “Meine Welt” gewonnen! Und das Beste: Ich wusste nichts davon, hatte keine Ahnung, das Ganze sogar inzwischen völlig vergessen :-)
Neben einem warmen Lob und einer Bild-Fehlinterpretation gab’s von der Heilbronner Stimme dafür eine Goldmedaille (sehr hübsch!) und eine Urkunde. Mein Bild liegt inzwischen bei der Bundesausscheidung – wenn alles gut läuft, bekomme ich möglicherweise einen dieser Preise…
P.S.: Warum ausgerechnet dieses Bild zu einem Thema wie “Meine Welt”? Gute Frage.
Ich in aufgewachsen in einem Ort, in dem mindestens 50% der Einwohner Russlanddeutsche sind, in meiner Klasse waren immer mindestens 2 Olgas und auf Russisch tuschelnde Mädels standen meist irgendwo auf dem Schulhof. Das Bild entstand vor einem Jahr bei einem Ausflug nach Karlsruhe, schon vorbeigerast am Schaufenster, gestutzt, stehen geblieben und schnell fotografiert. Mit der Frage im Hinterkopf: Wenn sie “auch Deutsch” sprechen, was denn dann noch? Die Aussage bezieht sich jedoch auch auf die Ladenmitarbeiter und die Tatsache, dass Konsum nicht mehr ausschließlich “deutsch” ist, sich also auch Läden auf ausländische Kundschaft einstellen müssen. Gerade tagsüber, bei der Arbeit, treffe ich so viele Ausländer oder eben Deutsche, die aber Eltern aus der Türkei, Russland, Kasachstan, Spanien,… haben, dass wir nicht mehr von der Hand weisen können, dass man fast schon damit werben könnte – “wir sprechen Russisch, Türkisch, Arabisch – und wir sprechen auch Deutsch”.
Dieses multikulturelle Leben ist “meine Welt”. Darum.
Benzin. Benzin. Noch mehr Benzin! Das hört ja gar nicht mehr auf!
Zugegebenermaßen habe ich spätestens nach 500 Metern kaum mehr die Autos vor und neben mir geachtet – mein Hauptinteresse galt dieser nicht enden wollenden Ölpfütze auf meiner Fahrspur.
Von der Bundesstraße am Ortseingang schlängelte sie sich unter mir durch diverse Pfützen und Spurrinnen vorbei am Kino, dem Theater und verschwand erst in der Nähe eines Einkaufszentrums an einer Kreuzung – das Auto mit Loch (von einem Leck kann man da vermutlich nicht mehr sprechen) war abgebogen.
Nach einigem Hin- und Herüberlegen siegte mein Umwelt- bewusstsein, als es in einer Endlosschleife “ein Tropfen Öl kann 1000 Liter Wasser verseuchen! Ein Tropfen Öl kann…!” skandierte. Ok, zuständig ist die Feuerwehr. Hat mal bitte jemand die Nummer? Die erstbeste Nummer, die mir einfiel (sie blieb ausßer dem Rettungsdienst auch die einzige), war der Allround-Notruf 112.
Zugegebenermaßen leicht aufgeregt saß ich dann im Parkhaus (mit Empfang!), habe gewählt und mich dann über die entspannte, ruhige Stimme meines Gesprächspartners gefreut (im Nachhinein – die braucht man in dem Job vermutlich). “Ähm, ich weiß nicht, ob Sie dafür zuständig sind…” Er war. Notierte sich meine Angaben, verstand irgendwann auch, wo die kilometerlange Pfütze begann und versprach, sich darum zu kümmern, er wollte sich melden, falls noch irgendetwas sei.
Mann, war ich hinterher stolz! Mein Umweltbewusstsein tätschelte mir zustimmend die Schulter, hob den Daumen und ich hatte das Gefühl, eine gute Tat im Wert von 3 Wochen “jeden Tag eine gute Tat” und gleichzeitig etwas zur Rettung der Menschheit getan zu haben ;-)
Die Zeit hat mir die Augen geöffnet.

Nicht diese, sondern

[Screenshot: www.zeit.de]
Ein Nebensatz in einem Artikel zu einem völlig anderen Thema, lautete:
“Am Kunstanspruch ersticken.”
Das ist der Punkt. Genau das ist das Problem.
Wenn der Anspruch, Kunst, etwas Neues, Innovatives, nie da Gewesenes, Modernes, Perfektes,… zu produzieren, so hoch wird, dass man sich und seiner Kreativität damit auf den eigenen Fuß tritt, kommt man keinen Schritt weiter. Blöd. Unkreativ. Bremst. Und jeder Fortschritt erstickt.
Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen…
Vielleicht hilft’s ja!
Nur: Wo bitte lernt man mentales Gehen?
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