Nicht vergessen, nicht vergessen, nicht verg…


Mein momentanes Mantra, Mindestdosis zwei Portionen am Tag:

Hast du etwas getan was sonst keiner tut?
Hast du hohe Schuhe oder gar einen Hut?
Oder hast du etwa ein zu kurzes Kleid getragen,
ohne vorher deinen Nachbarn um Erlaubnis zu fragen?

Jetzt wirst du natürlich mit Verachtung gestraft,
bist eine Schande für die ganze Nachbarschaft.
Du weißt noch nicht einmal genau wie sie heißen,
während sie sich über dich schon ihre Mäuler zerreißen.

Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu.
Die meisten Leute haben ja nichts Besseres zu tun.
Lass die Leute reden bei Tag und auch bei Nacht.
Lass die Leute reden, das haben die immer schon gemacht.

Du hast doch sicherlich ‘ne Bank überfallen.
Wie könntest du sonst deine Miete bezahlen?
Und du darfst nie mehr in die Vereinigten Staaten,
denn du bist die Geliebte von Osama bin Laden.

Rasierst du täglich deinen Damenbart?
Oder hast du im Garten ein Paar Leichen verscharrt?
Die Nachbarn ham’ da sowas angedeutet,
also wunder dich nicht, wenn bald die Kripo bei dir läutet.

Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin,
die meisten Leute haben ja gar nichts Böses im Sinn.
Es ist ihr eintöniges Leben was sie quält
und der Tag wird interessanter, wenn man Märchen erzählt.

Und wahrscheinlich ist ihnen das nicht mal peinlich.
Es fehlt ihnen jede Einsicht
und wiedermal zeigt sich sie sind kleinlich, unvermeindlich fremdenfeindlich

Hast du gehört und sag mal wusstest du schon,
nämlich: Du verdienst dein Geld mit Prostitution.
Du sollst ja meistens vor dem Busbahnhof stehen,
der Kollege eines Schwagers hat dich neulich gesehen.

Lass die Leute reden und lächle einfach mild,
Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild.
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht,
aus: Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht!

Lass die Leute reden denn wie das immer ist,
solang’ die Leute reden, machen sie nichts Schlimmeres.
Und ein wenig Heuchelei kannst du dir durchaus leisten,
Bleib höflich und sag nichts.
Das ärgert sie am meisten. (auch wenn auf die Funge beifen manfmal fwer fällt…)


“Lasse redn” von den Ärzten aus dem aktuellen Album “Jazz ist anders” in Form einer Pizzaschachtel, Inhalt ist eine im CD-Player abspielbare Pizza mit viel Käse und undefinierbarem Belag.

Täglich auf dem Weg zur Arbeit und abends nach Hause einmal gehört hilft als Anti-Aggressions-Mittel – denn:
Das Lied trifft meine Wohnsituation hier auf den Kopf.
Das ist der Preis für die beschauliche Ruhe.

Auf dem Land eben…

Aktuelles – auf der Suche nach der Verhältnismäßigkeit: Fremdenfeindliche Ausschreitungen

Circa 3 Monate nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Mügeln (Sachsen) wurde am AG Oschatz ein 18-Jähriger zu 600 Euro Strafe, zu zahlen an den Kinderschutzbund, verurteilt. Er hatte einem Mob von ungefähr 50 Erwachsenen angehört, die nach einem Stadtfest 8 Inder verfolgten und beschimpften. Dabei waren 14 Menschen, darunter die 8 Inder sowie 2 Polizisten, verletzt worden.
Die Äußerungen wurden als “jugendtypische Verfehlungen” verurteilt. Hallo? Warum hat mir nicht früher, als ich noch unter 18 war, jemand gesagt, dass ich (heute im Sonderangebot!) ausländerfeindliche Parolen brüllen darf??
Nun prüft die Staatsanwaltschaft, die ein Strafmaß von 1800 Euro gefordert hatte, ob sie in Revision gehen wird. Zwei weitere Männer, 22 und 35, hatten bereits Strafen in Höhe von 2625 bzw. 1500 Euro akzeptiert, daher wurden ihre Fälle nicht vor Gericht verhandelt. Von den 50 Beteiligten sind damit jedoch noch einige übrig…

Der Kinderschutzbund braucht zweifellos Geld, und wird dieses auch sinnvoll verwenden. Doch warum gehen die Gelder nicht an eine Vereinigung, die sich um die Integration von Ausländern oder um anti-rechtsextremistische Projekte kümmert?

Ich zweifle jedoch vor allem die abschreckende Wirkung dieser Strafe an. Wer diese 600 Euro abarbeiten muss, beispielsweise in einer sozialen Einrichtung, dem tut dies meist mehr weh als eine bloße Überweisung, die innerhalb von 5 Minuten getätigt ist.
Wenn ein kleines Kind trotz eindringlicher Warnungen in einem unbeobachteten Moment mit der Hand auf die heiße Herdplatte patscht, reicht das als Abschreckung meist aus – kaum ein Kind wird ein paar Minuten später wieder zum Herd rennen.

In diesem Fall bin ich mir da nicht so sicher…
Denn: Seine Grundeinstellung verkauft man nicht für 600 Euro.

Nicht jugendfrei!

“Diese DVD ist nicht für Vorschulkinder geeignet!”

Dieser Hinweis prangt nicht etwa auf “Alien Teil 10″, oder “Swimming Pool II” – sondern auf einer DVD mit alten Folgen der Sesamstraße.

VERBRECHER!


Der Grund? Typen wie ein zynisches Mülltonnenmonster oder das Krümelmonster, das versehentlich eine Pfeife verschlingt könne man den armen Kleinen nicht mehr antun. Genauso wenig wie den etwas verklemmten, aber im Grunde seines Herzens lieben Büroklammernsammler Bert. Statt dessen – hoch den pädagogischen Zeigefinger und die süßen Kleinen schön an Zähneputzen, Schuhebinden und Körperpflege erinnert. Dem Krümelmonster (es hat übrigens am 2.November Geburtstag) die Kekse ausgeredet (also bloß keine Kekse schenken!) und es zum Karottenmonster umerzogen.
Das
macht Spaß!

Man erinnere sich: 1968. Die Sesamstraße wird von amerikanischen Pädagogen und Psychologen erfunden, um Lerndefizite kulturell benachteiligter Kinder auszugleichen. Diverse Gremien und die Jury, die den Emmy vergibt, müssen sich also haufenweise getäuscht haben.
Hurra, ich weiß endlich warum wir alle einen Knacks haben – wir haben zu häufig Sesamstraße geschaut! (Hach, herrlich, wie sich die Amerikaner die Ausreden selbst liefern!)

Ab sofort läuft die Sesamstraße also im Privatfernsehen (ProSiebenSat1 wird sich freuen). Er kann sein Bierchen trinken und sich wie ein kleines Kind darüber freuen, wie Kermit seine Moderationen ins Mikro grölt und ein wenigmelancholisch an die alten Fußballreportagen zurückdenken, die früher um diese Zeit liefen.
Tja, und was tut sie derweil? Wird wohl versuchen, Rosamunde-Pilcher-like die ersten Funken zarter Liebe zwischen Ernie und Bert und Miss Twiggy zu entdecken. Und schon wieder ein Fernseh-Einheitsbrei mehr, diesmal in zartrosa.

Der erste Fall von Kritik an Kindersendungen ist das übrigens nicht – man erinnere sich daran, wie eine polnische Kinderbeauftragte angesichts eines Tieres Menschen Viechs Wesens mit Handtasche die sexuelle Orientierung der Sendung “Teletubbies” anzweifelte – ist Tinky-Winky etwa schwul?? (Hey, die Handtasche für den Mann ist in!) Das Ganze klärte sich erst, als ein Sexualforscher attestierte, die sexuelle Ausrichtung der Teletubbies sei nicht zweifelsfrei zu klären.

Nun ja – erreicht die Sesamstraße wenigstens bei den Erwachsenen das, wozu sie einmal erfunden wurde, dürften wir uns immerhin in nächster Zeit über blühende Kreativitätsauswüchse, Spiel und Spaß bis ins Seniorenalter freuen…

In diesem Sinne:
“Ernie, ich kann nicht schlafen. Der Wasserhahn tropft.”
“Jetzt habe ich den Staubsauger angestellt, Bert. Hörst Du noch den Wasserhahn?”

Ich glaub es geht los…

- im Radio haben sie soeben das erste Mal in diesem Jahr “Last Christmas(Link, wer sich das Video antun will) von Wham! gespielt.

Wo kann ich einen Auswanderungsantrag stellen??

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