*März: larger than life

Gesagt
“Wenn Du auf dem Foto ganz genau hinschaust, kannst Du den Sternenhimmel sehen.” – “Das ist ein iPhone-Foto. Ich sehe Körnchen.” – “STERNE!”
I’m a girl, I’m a girl with a gun yeah, and I’m gonna blow your head, I’m a girl, I’m a girl with a gun yeah, and I WANT SOME ROCK’N’ROLL, BABY!
Sternenstaub hält sich.

Gehabt
Den abartigsten, großartigsten Schokoladenkuchen auf Erden.
7-Tage-Bart am Hals.
Tequila.
Spät am Freitag einen Freund mit Bier am Bahnsteig.

Gemacht
Schuhe geputzt.
Beim Bowling gewonnen.
Haar auf Blazer gefunden.
Bier getrunken.
Versucht, jemanden zu retten. Gescheitert.
High Heels anprobiert.
Analog-DMs verschickt.
Keine High Heels gekauft.
Zahnputzfotos verschickt.
Keine Pläne für die Zeit nach der Schule.
Hotelbetten getestet.

Gemacht (2)
Tage vergessen.
Fahrrad gefahren, das erste Mal.
Spazieren gegangen.
Von Brotlaib und Käsestück abgebissen: Käsebrot im Zug.
Amerikanisches Frühstück, mehrfach.
Geschlafen wie ein Baby.
Nummern getauscht.
Keine Witze über Bad Godesberg.
Sonntag Morgens durchs Wohnzimmer getanzt.
Keinen Knutschfleck.
In Köln, morgens um 6, bei Sonnenaufgang am Rhein die letzte Zigarette der Nacht geraucht.
Schuhe getauscht. (<3)
Krone getragen.

Ruhmestat des Monats
Dem Idioten, der mir im Club an den Arsch grabschte, nach Ablaufen einer Sekunde Reaktionszeit eine gescheuert.

Gehört
“Bescheid!”
“Dieses Hotelzimmer sieht aus, als hätte man es einmal komplett durch eine Wanne Cappucchino gezogen.”
“Wieso haben wir nicht miteinander geflirtet?”
“Kannst du nicht doch nach Köln ziehen?”
“Hast Du dann schon einen neuen Job?”

Gelesen
“When you HTTParty, you must party hard!”
“Willst du nicht über Autos schreiben?”
“Vergiss die Orchideen.”
“Im Übrigen ist die romantische Liebe ja die unerfüllte unglückliche.”

Gesehen
Hochauflösende Landschaft.
Lichterketten.
Eine Unbekannte im Spiegel.
Schrecklich (aus).

Gewesen
Da, wo es weh tut.
Auf einer Twitter-Party.
Verfroren.
Frei.
Stark angetrunken.
Aufgehoben.
Unterwegs unter blauem Himmel.
Völlig durch.

Gewissheit

Gesagt
Ich bin ja mehr so der ja-oder-nein-Typ.
Retten kannst am Ende nur du dich selber.
Ich sang die ganze Zeit von dir.
Furchtlos muss man sein.
Ich koche auch nur mit Whisky.

Autocorrect says:
“everything’s so heart”

Februar: sie nannten sie “Die Frau mit der Eisensäge”

Gesagt
“Vermissen ist eine Frage der Möglichkeit: Es ist leichter, das Unmögliche nicht zu vermissen, als das unter anderen Umständen vielleicht doch Mögliche.”
“Die Zeiten sind wild und awesome.”
“Wahrscheinlich bin ich wahnsinnig.”

Geschrieben
“Wir müssen reden.”
“Wir müssen uns sehen.”
BITTE FÜTTERN.
“Ich schreibe jetzt über Brüste.”

Gehabt  Continue reading “Februar: sie nannten sie “Die Frau mit der Eisensäge””

*Januar: She’s a Pirate

Januar, oh Januar. Was tust Du nur.
Die Dinge sind sehr groß geworden, bald zu groß, als dass ich sie noch fassen könnte (und ich habe sehr große Hände). Und so groß, dass mir die Worte fehlen. (Und wo die Worte zu Ende sind, fängt die Geschichte erst an.)

Gelacht
Über einen Wurststand
und einen Hamster.
Darüber, wie sich Menschen jahrelang online “kennen”, überall miteinander virtuell verbunden sein kann – und wie auf einmal alles anders ist, wenn sie sich ein einziges Mal begegnen.

Gehabt
Kater.
Zombie-Auge.
Katzenhaare auf dem Pullover.
Sehsucht.
Frühstücksverabredungen und Wiedersehensfreude.

Gesagt
Wenn das alles so weitergeht, sollte ich vorsichtshalber jetzt schon Baldrian nehmen.
Zukunft hat, was die Liebe angeht, auch etwas Homöopathisches.
Manche Menschen sind wie Planeten: sie kennen einfach ihre Umlaufbahn.
“Hat er Brusthaare?” – “Frag ihn doch selbst. … Moment, ich kläre das. … Hast Du Haare auf der Brust?” Continue reading “*Januar: She’s a Pirate”

Pauls letzte Fahrt

Lieber Paul,

heute ist es so weit – heute machst Du Deine letzte Fahrt. Kennst Du mich denn überhaupt noch? Es ist bald drei Jahre her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Das ist verdammt viel Zeit im Leben eines Autos. Und das hier – ist mein zweiter und letzter Brief an Dich.

Fünf Jahre haben wir zusammen verbracht. Jeden Tag sind wir zusammen zur Arbeit gefahren, 50 Kilometer hin, 50 zurück, nachts und am Wochenende zum Catering, wir waren im Gesangsunterricht und wenn ich zu einem Auftritt musste, hast Du jedes Mal meine Einsing-Übungen und meine Aufregung ertragen (besonders entschuldigen möchte ich mich hier für die ersten Proben zur Rocky Horror Picture Show). Wir waren im ganzen Land unterwegs, haben alte und neue Freunde besucht, Du hast sogar eine Fernbeziehung in Kassel ertragen, und immer geduldig irgendwo am Straßenrand gewartet, bis wir wieder nach Hause fahren. Meist waren wir nachts auf den Straßen, so war mein Leben eben damals, sind durch Wälder gefahren in der Gegend, in der wir wohnten, einmal haben wir einen Hirsch mitgenommen, nur leider nicht am Stück.  Continue reading “Pauls letzte Fahrt”

Ein Neon-Negativ, ein Spiel mit dem Feuer und zwei Katzen: Die fünfundzwanzig Ecken einer Wohnung und ihre Geschichten

“Wir wünschen Ihnen alles Gute, auch privat.” Ich werfe den Brief ins Eck. In dem selben Eck liegen auch schon Schreiben von meiner Krankenkasse, dem Finanzamt, der Bank, mein Schweizer Taschenmesser und ein ungeöffneter Brief von einer verflossenen Liebe, bis heute ist nicht klar, ob es jemals Liebe war, was wir uns da einbildeten, der Brief wird daran nichts mehr ändern. Unter den Briefen und dem Taschenmesser liegt Staub. Ich weiß, dass er dort schon seit bald zwei Jahren liegt, denn er liegt da, seit ich in die Wohnung einzog und den ersten Brief gleich am Tag meines Einzugs dort hinwarf.

Ich mag Ecken. Meine Wohnung hat viele davon, ungefähr fünfundzwanzig, und in jeder sind Dinge passiert.

In der allerersten Ecke, die man sieht, sobald man die Wohnung betritt, haben Kati und Paul sich kennengelernt, irgendwann haben sie geknutscht und ungefähr fünf Minuten später waren sie zusammen. Das war bei meiner Einzugsparty und zusammen sind sie immer noch, nur in der Ecke haben sie schon lange nicht mehr gestanden und geknutscht, dort steht jetzt ein Garderobenständer, den küsst niemand.

Bei einer anderen Party zwei Monate später klingelte es gegen halb vier morgens an der Tür, ich rechnete mit Polizeibeamten und erschrak gehörig. Ich habe ein wenig Angst vor Polizeibeamten, das liegt nicht an den Beamten, sondern an einem Trauma aus meiner Vergangenheit in Österreich. Die Polizeibeamten dort sind nicht sehr nett, ich glaube auch, dort foltern sie auch auf den Revieren Leute, die ihren Umzugswagen nicht ordnungsgemäß parkiert haben, so heißt das da, und sie werden besonders lange gefoltert, wenn sie Piefkes, Deutsche, sind. Es war also halb vier, es klingelte, und weil ich Angst vor Polizeibeamten habe, holte ich meinen besten Freund, das dauerte, da er mit einem Bier in der hinterletzten Ecke stand und es ein wenig dauerte, bis ich ihn dort aufgetrieben hatte (es war ziemlich dunkel, auf der Party) und ihn mit zur Tür nahm. Ich öffnete. Continue reading “Ein Neon-Negativ, ein Spiel mit dem Feuer und zwei Katzen: Die fünfundzwanzig Ecken einer Wohnung und ihre Geschichten”