Come on, baby, start me up.

Unterschwellig, tagsüber verhalten
verdeckt durch Anzug und Krawatte
Nicht mehr als ein leises Zittern.

Abends kaum noch zu verbergen:
Es pulsiert.

Dicht unter meiner Hautoberfläche.

Es gibt da diese Menschen in meinem Leben
Sie machen sich oft nur in kurzen Sequenzen bemerkbar,
sind wie Glühwürmchen:
Jede Nacht ist schöner, wenn sie da sind
Sie nehmen der Dunkelheit die Finsternis
Und erhellen jeden Tag um tausende Lux.

Diese Menschen sind es, die
mit ihren kleinen Spuren auf meiner Oberfläche
das Pulsieren tief in mir verstärken.

Die das leise Pochen von flüchtigen Ideen
in meinen Adern wachsen lassen
Von einem sachten Klopfen im Hintergrund
zu einem Bass
der einem in den Magen fährt

Die das hungrige Raubtier in mir locken
auf seiner Suche nach Beute
Und meine Gedanken vor Gefühlen / Geschriebenem /
Ungesagtem sprudeln lassen
Bis ich schreibe, male, denke, fühle
in Papier und mit roter Farbe konserviere
was bis dahin nichts als Teil meines Bluts war.

Ich brauche diese Menschen.

Ohne euch wäre mein Herzschlag nichts als ein flaches Atmen.
Ich lese nur noch, wenn ich schlafe und nur zwischen den Zeilen

und höre nur noch zu, wenn jemand blitzschnell rückwärts spricht.

Begegnung. Der alte Mann aus dem Nachbarhaus.

er alte Mann aus dem Nachbarhaus

Schaute abends immer fern.

Aus dem Fenster in meinem Zimmer schaute ich von oben

Den Farbspielen des Lichts im gelben Fensterglas zu

Der alte Mann sieht nicht mehr gut.


Der alte Mann aus dem Nachbarhaus

Wurde immer wütend. Wir waren Kinder! –

Und unser Fußball war aus Leder. Und seine Pflänzchen waren zart.

Jedes abgerissene Blättchen eine Katastrophe, schlimmer als der Krieg.

Ich habe ihn nie danach gefragt.

Der alte Mann hört nicht mehr viel.


Der alte Mann aus dem Nachbarhaus

Ist mir auf der Straße begegnet.

Er läuft oft nur hin und her, abgenommen hat er auch.

Er ist kleiner geworden. Oder bin ich gewachsen?

Guten Tag.

Einmal nicht weitergehen und wegsehen.

Wie geht es Ihnen?

Gut. Ein Lächeln.


Der alte Mann aus dem Nachbarhaus

Wusste nicht, dass er seit Jahren nicht mehr mein Nachbar war.

Häufiger als jetzt habe ich ihn damals auch nicht gesehen.

Und noch nie mit ihm gesprochen. Ich war ein Kind!

Danke, mir geht es auch gut. Der Stress, wissen Sie…


Der alte Mann aus dem Nachbarhaus

Nickt: Ich habe immer gesagt –

Wenn man gebraucht wird, soll man da sein.

Alles Gute Ihnen.

Seit wann siezt er mich? Ich bin ein Kind!

Grüßen Sie Ihre Frau.

Ich schlucke schwer an seiner Weisheit in antibiotischen Dosen.

Auf halber Strecke bleibt der Kloß in meinem Hals hängen.


Der alte Mann aus dem Nachbarhaus

Wird unser kurzes Wir schon sehr bald wieder vergessen haben.