Flugraumsperrungen / Asche über Europa

Meine fahrradverrückte Familie sitzt nach einer Woche “Trainingslager” seit heute, 19.04., unfreiwillig weiter auf Mallorca fest. Die Informationslage ist dünn. Dort: “Keiner weiß irgendwas, wir wissen nicht, wann wir wiederkommen” (Zitat SMS von Sonntag Abend, seitdem Funkstille) ebenso wie hier in Deutschland, wo außer dem Internet und den überlasteten Hotlines der Reiseveranstalter nichts  bleibt. Also: Abwarten.

Aber für einen Zeitvertreib sorgt wenigstens der Flughafen Stuttgart. Der verkündet auf seiner Homepage mit momentan leicht ironischer Note:

(Links: “Aktuelles. Luftraum gesperrt bis Dienstag, 20. 04., 14 Uhr.”

Rechts: “Webcam – Faszination Flughafen. Mit den Webcams live dabei – Erleben Sie das spannende Vorfeldgeschehen am Flughafen Stuttgart!”)

Update 20.04.: Sperrung STR bis 20.04., 20 Uhr, verlängert.

Update 23.04.: Sind am 22.04. am späten Abend wohlbehalten heimgekehrt. Ich will mir nicht anmaßen, zu behaupten, ich wüsste jetzt, wie es Katastrophenopfern geht. Aber wenn Informations- und Auskunftslevel dann ähnlich sind wie in diesem eher harmlosen Fall, sehe ich für “echte” Katastrophen schwarz.

Nächster Feieranlass: Silberhochzeit

Wer eine Idee für ein Geschenk zu einer Silberhochzeit sucht:
Sämtliche Fotoalben des Paares / der Familie durchstöbern (funktioniert unter dem Vorwand, dass das ja alles mal unbedingt digitalisiert werden müsste), aus jedem Jahr ein Foto abfotografieren, sämtliche Bilder auf 9,75×9,75cm zuschneiden, in Schwarzweiß umwandeln, als Collage (50x50cm) zusammenstellen (links oben: Hochzeitsfoto – rechts unten: Aktuelles Bild) und als Poster mit Matt-Veredelung bestellen

Beim Möbelhaus seines Vertrauens einen Bilderrahmen kaufen, Poster rahmen, einpacken (optimalerweise möglichst genug Geschenkpapier zuhause haben – geht es wie in meinem Fall kurzfristig auf halber Strecke aus, verkompliziert sich die Aktion überproportional und erfordert spontane Malaktionen…), Karte dazu schreiben – fertig.

Ein persönlicher Jahresabschlusspost

Das war’s. Es ist aus und vorbei, in 7 Stunden wird das Jahr 2007 Geschichte und passé sein.

It was a very good year for soft summer nights
We’d hide from the lights
On the village green
When I was etwas älter als seventeen.

Heute vor einem Jahr habe ich die erste Nacht in meiner ersten eigenen Wohnung verbracht.

Anfangs war es eine ziemlich harte und auch lange noch eine sehr arbeitsintensive Zeit. In Zuge dessen möchte ich auch noch ein ganz großes Dankeschön loswerden. An meinen lieben Kollegen Wirtschaftsinformatiker, der mir in der Zeit viel geholfen hat, aber vor allem an meine Eltern. Ich weiß, dass es für sie nicht ganz einfach war, dass ausgerechnet ihre Tochter als erste aller im Bekanntenkreis von zuhause “abhaut”.
Dass sie mich trotzdem so unterstützt haben, auch als das Chaos später wieder ausgebrochen und nicht nachgelassen hat, ist daher noch um einiges dankenswerter. Ohne euch hätte ich das nicht geschafft. In diesem Jahr bin ich euch um einiges näher gekommen, als ich es vorher vielleicht überhaupt jemals war.
Deshalb: Danke!

2007 – wie war’s?
Ich habe einiges getan, das ich besser gelassen hätte und manches, das ich zum Glück getan habe, unheimlich viel erlebt, Nächte durchgemacht, -geredet und -getanzt, manches bereut, viel riskiert, manchmal zu viel, richtig und falsch entschieden, tagelang gearbeitet und geackert, viel renoviert, gebastelt und gemalt, zu meinem Glück einen Igel und einen Kater aufgelesen, gelacht, geweint, gesungen und getanzt, bin gealtert, reifer geworden, nachdenklicher und pragmatischer, bin gegangen, gestakst, gelaufen, gerannt, geflogen (Treppen runter und die Wolken hinauf), geschwommen und habe gepicknickt, Musik gehört und fotografiert, geschrieben und Tee getrunken.

Und am Ende bleibt mir eigentlich nur, noch einmal good old Franky zu zitieren –

It was a very good year.

And now, let’s face future.

Ich bin 16… vom biologischen und emotionalen Alter

– un du? Wie alt bisch du?

So oder ähnlich hätte ich wohl jemanden kennenzulernen versucht, als ich 16 war und noch nicht versucht habe, meine teil-schwäbischen Wurzeln* durch möglichst natürliches Hochdeutsch zu kaschieren. (Ok, durch Hochdeutsch mit schwäbischem Touch, ich kann’s einfach nicht verleugnen…)
Angeregt durch einen Kommentar, den ich heute wieder einmal gehöPost veröffentlichenrt habe**, habe ich mir Gedanken über die Frage gemacht:

Sind wir jemals so alt, wie wir sind?

Eigentlich beginnt alles schon, bevor wir uns selbst über solche Kommentare freuen oder ärgern können.
Wenn der Arzt gleich mal beim zweiten Ultraschallbild verkündet “ersiees ist aber groß für die 22.Woche!” und der stolze Vater nach Betrachten des Bildes prompt der Meinung ist, das Kind werde mal, soll werden was es will, aber Basketballer auf jeden Fall.
Damit beginnt ein Dilemma, das uns unser Leben lang begleitet, egal in welcher Richtung. Sei es im Kindergarten, wenn man allen Kleinen beim Raufen schier sämtliche Knochen bricht, in der Grundschule, wenn einen die “Großen” fragen, ob man nicht noch in den Kindi gehört, weil man noch so klein sei. Oder später im Zug, wenn einem mit 13 kein Schaffner mehr glaubt, dass man noch keine 16 ist und tatsächlich ein Kinderticket lösen darf. Weil man ja so “groß für sein Alter” sei.

Sind wir irgendwann echt mal so alt, wie wir auch tatsächlich sind?
Wir sind klein / groß, weit / hinterher, dürr / proper**, schwach / kräftig, blass / gesund, nicht so / hübsch, aufgeweckt / langsam, intelligent / altklug, schnell / behäbig... für unser Alter. Was heißt dieses “für unser Alter” überhaupt? “Unsere Alten”, das wäre ja was anderes und irgendwie klar. Aber “für unser Alter”??
Und das “zu” vor diesen Adjektiven wird sowieso ganz verschwiegen. Was gemeint ist, weiß jeder. Weiß vor allem jede besorgte Mutter, der solche Aussagen dann entweder die Schames-/Angst- oder Freudesröte ins Gesicht treiben.
Mit großer Freude bekommt sie die von Leuten zu hören, von denen sie sie niemals hören wollte. Von wohlmeinenden Schwiegermüttern, die meinen, “das arme Kind” bekäme nicht genug zu essen. Keifenden Nachbarinnen, die eh nichts Besseres zu tun haben, als über Rabenmütter zu tratschen. Von der verhassten Turnlehrerin, die meint, Mädchen müssten alle mal “Schwanensee” tanzen und die noch nie davon gehört hat, dass Mädchen auch Basketballspielerinnen werden können.
Es sind interessanterweise tatsächlich meist Frauen, die derartige Kommentare loswerden. Vielleicht, weil sie gerne Kinder vergleichen – “also mein Hans-Günther-Michael, als der so alt war…!!!” Und meiner ist besser! Ätsch! – Und sowas von erwachsenen W… Frauen.

Weitere Beispiele:
– “Du kannschd abr schee moooole! Wie alt bisch denn?… Was? Erschd siebe? Ha, des Bild hoschd doch bstimmt ausm Molbuch!!”
– “Ihr Sohn ist noch etwas schwach für sein Alter, ich fürchte er wird mit seinen Altersgenossen in Zukunft nicht mithalten können. Was halten Sie von Astronautennahrung?”
– “Junge Frau, wir können dich hier nicht reinlassen, der Laden ist ab 18.” – “Aber ich bin doch 22!” – “Nee, sorry, aber so klein wie du bist nehm ich dir das nicht ab!”

Und nie sind wir genau so richtig, wie wir sind.

Gegen dieses “zu”, das uns so durch diverse Lebensstufen begleitet, wird einiges unternommen. Von Frühchenstationen, Hochbegabtenförderung, überFörderklassen und ganze Förderschulen über Sonderschulen, Stipendien und Nachhilfe bis zum Überspringen von Kindergarten- oder Klassenstufen.

Richtig, dieses “zu” endet. Es endet nicht mit dem 18.Geburtstag, erst recht nicht bei allem, was mal ein Mann werden soll. Meist verläuft es sich, oder eher: Verwächst sich. Die meisten keifenden Nachbarinnen und bösen Schwiegermütter werden vorsichtiger mit Kommentaren à la “duuu hasch aber schmale Schultern, also mein Hans-Günther-Michael…!!” – sobald der besagte schmalschultrige Kerl ihnen über den Kopf zu wachsen beginnt. Oder der Hänfling Hans-Günther-Michael kennenlernt, feststellt, was für ein schmalbrüstiges Hähnchen besagter Schrank von Kerl doch in Wirklichkeit ist und genau das dessen ach so stolzer Mutter erzählt.

Gut, zugegebenermaßen endet es doch nicht richtig – im Seniorenalter, frei nach dem Motto “die ist aber noch mutig für ihr Alter – mit 70 nochmal zu heiraten,…!” – hier aber dann meist mit einer Mischung aus Neid und dem Gefühl, selbst etwas zu verpassen / verpasst zu haben.

Zum Glück geht das aber meist nicht ewig. Wobei….
“Also Tobias, dass aus dir mal noch was wird, des hädd bei dem Hänfling, der du immer warsch, au koiner denkt!”

*Situation: Seminar
Dozent: “Und, wie fanden Sie sich und Ihr Beratungsgespräch?”
Katze: “Och ja, eigentlich gar net schlecht!”
(für Outsider: “net schlecht” = höchstes schwäbisches Lob)
Dozent: “Das heißt nicht ‘net schlecht’, das heißt…”
Katze: “…gut, ich weiß. Aber was kann denn ich für meine schwäbischen Eltern??!

**Kommentar: “Du wirkst viel älter als du eigentlich bist.”

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einen “Hohlkörper aus Vollmilch-Schokolade” essend –
now playing: Bee Gees – Man In The Middle

Ideen, um die Welt zu verändern

Man sollte Kleinkindern, am besten schon Babies, so früh wie möglich das Sprechen beibringen.
Dann könnten sie erzählen, wie es für sie im Mutterleib war, wie es war, aus der vertrauten Umgebung einfach so und ungefragt herausgerissen zu werden. Und wie sie sich gefühlt haben, als sie das erste Mal ihre Eltern gesehen haben. Ob sie wussten, dass das ihre Eltern waren. Und wie es war, als Mamas Augen auf einmal farbig und nicht mehr nur grau waren.

Wie man dadurch die Welt verändern könnte? Möglicherweise würden sich einige deutlicher ihrer Wurzeln und damit auch ihrer Verletzlichkeit bewusst.

Wobei, vielleicht wissen wir ja doch schon ein bisschen was – immerhin schlafen auch viele Erwachsene noch in der “Fötusstellung“. Soll ja sehr bequem sein – hab ich gehört…

Zum Ausprobieren: In Decke einkuscheln, Kopf auf ein bequemes Kissen legen, Beine so weit anziehen wie möglich und sich so richtig zusammenrollen. Und entweder kann man jetzt noch ein bisschen dieses Höhlengefühl genießen – oder ist sowieso gleich eingeschlafen….

Gute Nacht!