April, April

Heute morgen schon brachte mein Lieblings-Radiosender (-> Link) einen äußerst interessanten Bericht: FDP fordert Aprilscherz-Verbot – was meinen die SWR-HörerInnen dazu //

Ich muss gestehen, ich fand das Ganze reichlich schwachsinnig, und war dann eh bei der Arbeit, so dass ich es nicht weiter verfolgt habe. Zum Glück – einige Stunden später wurde das Ganze als Aprilscherz aufgelöst.

Es gibt jedoch noch eine weitere Meldung, bei der ich inständig hoffe, dass es sich dabei um einen Aprilscherz handeln möge: Nicolas Sarkozy (, ja, genau, der Mann von Carla Bruni und der, der obendrein auch noch Sonnenkö… französischer Präsident ist) singt. S i n g t.
Französische Chansons, versteht sich.

Ich weigere mich einfach, die Story zu glauben, und hoffe, dass ich morgen aufwache, und sie nichts weiter war als ein böser Traum.

Frei nach dem Motto: “Jetzt singt er auch noch”…

Nachzulesen in einem Artikel auf sueddeutsche.de (-> Link).

Wenn ich groß bin, werd ich ein Star. Ein Brief an: Rihanna

Im Radio läuft gerade “Hate that I love you” von Rihanna.

Es ist nun wirklich nicht so, dass ich dieses 19-jährige Mädel oder gar ihre Musik besonders gut leiden könnte (sie kenne ich nicht persönlich, und ihre Stimme klingt wie wenn jemand Durchschnittsbegabtes in eine Erbsendose singt).
Trotzdem hat sie mich gerade zum Grübeln gebracht. Immerhin ist sie jünger als ich, verdient aber (trotzdem!) weitaus mehr und hat es, jedenfalls in ihrem Business, zu etwas gebracht. Und ich sage: UNFAIR!

Denn: Ich bin der Meinung, ganz so viel fehlt mir nicht, um ebenfalls ein (Pop)Star zu werden.

Ich kann

  • singen – laut, leise, zart und klassisch ausgebildet
  • schauspielern
  • vor einer Kamera nett gucken
  • Stöckelschuhe, High Heels und Stilettos nicht nur unterscheiden, sondern auch in ihnen stehen und gehen und, auch wenns unbequem ist,
  • dabei die Hüften schwingen.

Ich fürchte nur, das reicht nicht. Sonst wäre ich schon lang berühmt!
Was mir noch fehlt, um erfolgreich zu sein:

To Do-Liste:

  1. tanzen lernen. Beim Jazz Dance bin ich immer über meine Füße (Gr. 43) gestolpert.
  2. Extensions in die Haare kleben, lange Haare sind (noch) in!
  3. wenn wir grade beim Verlängern sind: Über Beinverlängerung nachdenken. Gibt’s in Sibirien günstig. 15cm wären drin.
  4. teure Klamotten kaufen und täglich was anderes anhaben. Und Beinverlängerung sein lassen, in der Länge gibt’s keine Jeans.
  5. mir die Nägel bei meinem personal Nail Designer machen lassen. Nägel in Wände hauen und Badezimmer putzen lässt sich nicht mit dem Leben als Star vereinbaren.
  6. Personal Trainer anheuern, der mir dann täglich sagt, dass ich so gut aussehe, dass wir die Sportstunde ausfallen lassen können.
  7. 30 Kilo abnehmen, damit auch wirklich alle Wangen- und sonstigen Knochen herausstehen
  8. Erbsen aus der Dose essen. Essen lassen! (siehe letzter Punkt)
  9. in Erbsendosen singen
  10. mir einen Produzenten suchen, auch wenn ich keine Ahnung habe, wozu man den braucht
  11. Gehirn abschaffen.
  12. Schritt 2: Keine Zeitung mehr lesen. Nur noch MTV gucken.
  13. mir einen schöneren Namen zulegen, der international gut und trotzdem exotisch klingt. Hmmh… Michelle? Gibt’s schon zu oft. Laura? Langweilig. Öhm.
  14. einen Paparazzo anheuern, in der Hoffnung, dass er seine Freunde mitbringt.
  15. Dialekt reden. Sächsisch vielleicht? Unsächsi. Schwäbisch? Verstehen nur noch Leute über 40, und die gehören nicht zu meiner Hauptzielgruppe. Deutsch. Mitö einö Dialektö Fransösiiischö.
  16. ins Dschungelcamp gehen. Ach nee, das mach ich erst, wenn ich kein Star mehr bin, das aber erst alle wissen – außer mir.
  17. teuren Schmuck von exklusiven Juwelieren leihen und nicht mehr zurückbringen
  18. mein Auto abschaffen. Ab sofort parkt auf dem Spar-Parkplatz unterhalb meiner Wohnung eine 10-türige Limo. Hehe…

Boah. Und wenn ich erst berühmt bin, dann will jeder meinen Blog lesen. Und meine Fotos sehen. Und mich hören, wenn ich singe.
Bloß blöd: Den Blog schreibt dann ein Hiwi / Praktikant / unterbezahlter Student.
Und Kameras kann ich keine mehr sehen, weil die mich ständig verfolgen.

Aber wartet’s nur ab, irgendwann…
Rihanna, zieh dich warm an – mit Beinverlängerung bin ich auch noch größer als du!

If… singing about life

If life was a song,
it would be rocking all night long
it would be sighing without a word
’bout all the pain, ’bout all the hurt.

If life was just a melody
not even one note in it could be really free
they’d all be prisoned in their beat,
there’d be no justice, no more seed.

If life could be sung
out of the deepest deeps of your lungs
it would be hard to breathe some air
’cause oxygen had left to nowhere.

If living would mean singing all day long,
tell me what this song was about!
About people, small, fat and strong,
faithful, chicken-hearted, full of doubt?

Or would life write notes telling stories
of popes, bushs and kings with their glory?
You should mention destruction, desaster
and time, running away just faster and faster.

Life would be singing, seeming endlessly,
we’d suppose to compose a part of the melody.
And even if some of its parts were really strong –
it wouldn’t be more than three minutes long.

Ihr Kinderlein, kaufet,… Über die Weihnachtsakademie Trier

Nein, das wird kein “Weihnachten besteht doch eh nur noch aus den 3 Ks (Krust, Krempel, Kommerz)”-Gezeter-Post.
Sondern ein Post, der sich fragt: Was bitte ist davon zu halten, wenn Kinder Singen nur noch von Rolf Zuckowski lernen?

In Trier (bekannt: Porta Nigra. Unbekannt: Horst Köhler stammt aus Trier*) gibt es eine Weihnachtsakademie. Hier gibt es beispielsweise einen speziellen Weihnachtsliederkurs für Kinder. Super Sache (Achtung, Ironie)! Denn: Irgendjemand muss ja dafür sorgen, dass die armen Kinder von heute auch mal zum Singen kommen. Oder wie sagt eines der teilnehmenden Kinder so schön:”Wir singen zuhause keine Weihnachtslieder. Aber singen macht mir Spaß!” Die leitende Pädagogin erzählt, dass die Kinder Lieder von oben genanntem Rolf Zuckowski (Lieblingskinderliederautor!) prima auswendig können, von “In der Weihnachtsbäckerei” bis zu “Es schneit”, womöglich haben sie die auch nicht vom Singen mit Mama, sondern von der DVD, aber das sei mal dahingestellt. Traditionelle (Weihnachts)Lieder kennt dagegen kaum jemand. Und das soll in der Weihnachtsakademie geändert werden, ebenso wie die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes.

Aus diesem Grund lernen nicht nur die Kleinen was – auch ihre Eltern werden in die erzieherische Mangel genommen. Damit die Kinder nicht nach drei Stunden vorlesen immer noch wach sind, gibt es für die Mamas Vorlesekurse – in denen sie Artikulation mit einem Korken im Mund lernen oder ihnen beigebracht wird, dass man ein Satzende verdeutlichen sollte, indem man die Stimme senkt.

Neben Krippenbastelkursen werden auch Fotokurse für die Papis angeboten, Männer sind eben doch wieder am besten über die (Tücken der) Technik zu kriegen. In ihrem Kurs hören manche von ihnen möglicherweise zum ersten Mal, dass allein der Besitz einer Digitalkamera noch keine perfekten Fotos bedeutet (meine Rede!).

Und was meinen die Kleinen über ihren Kurs?
“Vielleicht können wir ja daheim immer ein bisschen mehr singen.” Natürlich, nicht jede Mutter ist eine Maria Callas, und auch nicht jeder Vater ein Villazón, aber darum geht es doch gar nicht beim gemeinsamen Singen, ob an Weihnachten oder an den restlichen über 360 Tagen im Jahr. Es geht um das Gemeinsame, ja, auch um eine Emotionalität, denn Singen verbindet. Das Problem ist nicht, dass die Kinder eben die Texte der alten Lieder nicht kennen. Das Problem ist, dass sie dieses Gefühl der Einigkeit, Innigkeit, die beim Singen oder Musizieren entstehen kann, nicht kennen. Das ist es, was fehlt.

Offizielles Ziel der Akademie ist, “traditionelle und emotionale Werte in der Familie wieder aufleben zu lassen”, so Rudolf Hahn, Leiter der Akademie, die mit einem Stand auf dem Trierer Weihnachtsmarkt vertreten ist. Der Radiosender, der ein Interview mit ihm ausstrahlt, drückt das so aus:”Holen Sie aus Weihnachten noch mehr raus!” Wohin kommen wir eigentlich noch, wenn wir jetzt nicht nur aus uns, unserer Arbeit, unserem Leben und überhaupt “noch mehr rausholen” sollen? Aber wie gibt auch Hahn am Ende seines Radiointerviews so schön zu – “wir können uns dem Kommerz eben auch nicht ganz entziehen”.

*Horst Köhler ist besser bekannt unter seinem Künstlernamen Guildo Horn, Schlagersänger und singt zum Beispiel “Guildo hat euch lieb”. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage wurde bis heute nicht nachgewiesen.

Selbstbetrachtungen

Gestern Abend fand das halbjährliche Konzert meiner Gesangsklasse statt, diesmal unter dem Motto “Musicals” unter anderem mit Stücken aus “Les Misérables” und der “Rocky Horror Picture Show” (aber ohne die Leichen).
Trotz einiger ungeplanter Katastrophen (Katastrophen sind ja doch meistens
ungeplant, es sei denn man ist eine Feuerwehr beim Probealarm)
war es
ein sehr schöner Abend, der mit griechischem Bauernsalat,
einem Berg Zwiebeln mit den Ausmaßen einer Riesenorange, einem
halben Kilo Feta und gefühlten 50 schwarzen Oliven endete.

Wir sind ungefähr 12 Leute zwischen 18 und 48, alles sehr nette
und liebe Menschen und noch dazu tolle Sänger. Es gab da aber schon während der Proben etwas, das mich ein wenig gefuchst hat, wenn ich ganz ehrlich bin.

Ich denke, man muss sich nicht ständig mit anderen vergleichen.
Das kann zwar in puncto Selbstkritik manchmal ganz heilsam sein,
ist auf Dauer aber nicht nötig, da wir einfach zu unterschiedlich sind,
um wirklich miteinander vergleichbar zu sein.
Wir tragen zwar alle
den selben Prototypen in uns, was darum
aber äußerlich und innerlich
gebaut ist, ist dann doch sehr unterschiedlich.

Es gibt unter den Sängerinnen aber eine, die mich
jedes Mal, wenn ich sie treffe, dazu bringt, mich klein, dick, hässlich
und doof zu finden und zu fühlen. Sie ist nett und wir verstehen uns
sehr gut, dieses Mal war es sogar sehr lustig mit ihr – aber da
ist einfach immer diese kleine gelbe Eifersuchtswolke, die über mir
schwebt.
Vielleicht, weil ich einfach in manchen Dingen gerne so wäre
wie sie. Es aber nie sein werde. Und ich mich deshalb blöd finde.

Das ist sehr kindisch, dessen bin ich mir durchaus bewusst.
Ich glaube aber, jeder hat so jemanden, entweder im eigenen Familienkreis oder unter Bekannten / Freunden. Entweder die eigene Mutter
(“Kind, aus dir wird nie was! Guck dir doch mal den an, zu was
der’s schon gebracht hat!”)
oder Freunde, die einfach schon mehr
geschafft haben (“Mist, schon wieder einer mit Einser-Abi”).
Jemand, der einem ständig die eigenen Unzulänglichkeiten
überbewusst macht und einem das Gefühl gibt,
es ja doch nicht auf die Reihe zu kriegen.

Nur: Da ich sie nicht umbringen werde, nur um mir das Gefühl
vom Leibe zu schaffen (dafür ist sie dann doch zu nett), werde
ich wohl mit ihrer Gegenwart leben müssen.

Und meine Stimme ist lauter als ihre, äääätsch! 🙂