— wunder

Archive
aktuelles

Beim süddeutschen Radiosender SWR3 (Homepage-Link) wird ab morgen zum wiederholten Mal “Elch und weg” gespielt. Die Reise führt diesmal, nach Zielen wie Tasmanien, Namibia, Australien, Südafrika, Kuba und Kanada, nach Island - der Elch, das hauseigene Maskottchen, darf dabei natürlich nicht fehlen.
Das Gewinnspiel funktioniert so, dass in der “Morningshow” zwischen 6 und 9 Uhr stündlich der Elch in einem Lied röhrt. Die Moderatoren Anneta Politi und Volker Janitz rufen dazu auf, dann bei SWR3 anzurufen, seinen Namen und seine Telefonnummer zu nennen – und auf einen Rückruf zu hoffen. Beantwortet man dann eine Frage zum Reiseland Island richtig, gewinnt man zwei von siebzig Tickets und darf Ende Januar (28.-31.) mitfliegen, wenn es in den hohen Norden geht.

So eine Reise nach Island, noch dazu mit dem geplanten Programm wie Clubbing, Reiten, Motorschlittenfahrt,… ist nun nicht ganz billig. 99 Euro plus Steuern sind zwar ganz in Ordnung, aber nur, wenn man auch nicht mehr zurückfliegen will. Und wenn man nicht seine 80 Freunde mitnimmt.
Wie also wird das Ganze finanziert?

Hurra, wozu gibt es die GEZ? Genau! Dafür!
Nun ja, in erster Linie wandert das Geld, das uns die Gebühreneinzugszentrale allmonatlich vom Konto belastet, in die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Daneben wird auch ein Teil zur Finanzierung des Verwaltungsapparates der Aufsichtsbehörden für den privaten Rundfunk (Landesmedienanstalten) verwendet sowie in die Filmförderung investiert.
Die Verwendung der Gebühren wurde in der Vergangenheit beanstandet, beispielsweise wurden über den öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrag (“jeder soll Zugang zu guten Programmen bekommen”) hinaus sachfremde Angebote im Internet finanziert (Partnerbörse, Gewinnspiele auf der Website der ARD), die teilweise in Konkurrenz zu privaten Anbietern standen. Daraufhin führte auch die EU-Komission Untersuchungen bezüglich unerlaubter Beihilfen durch (Subventionen werden an sich gezahlt, um ein niveauvolles Programm zu finanzieren, das unabhängig von der Unterstützung durch Sponsoren ist – und nicht, um Gewinnspiele möglich zu machen).

Ich habe diesbezüglich auch eine Mail an den SWR geschickt, Update folgt, falls ich eine Antwort erhalte. Ich bin kein GEZ-Hasser, sondern finde diese Abgabe durchaus sinnvoll – möchte sie dann aber auch sinnvoll verwendet wissen. Bei dieser Aktion ist auch eine Fluggesellschaft beteiligt, der finanzielle Aufwand für den SWR dürfte sich also in Grenzen halten.

Eine weitere Geldbeschaffungsmöglichkeit bietet zusätzlich möglicherweise auch das Telefon. Das Gewinnspiel funktioniert darüber, dass möglichst viele Hörer anrufen. Von denen SWR3 immerhin ca. 3 Millionen am Tag und ist damit das meistgehörte Radioprogramm Deutschlands.
Das Telefonat läuft über eine 01802er, so genannte “shared-cost”-Rufnummer. Dabei teilen sich Anrufer und Anbieter die Kosten für das Gespräch, für deren Höhe die erste Ziffer nach der 0180 entscheidend ist. Jetzt ist nur noch die Preisfrage, ob der SWR von den verlangten 14 Cent pro Minute (normalerweise kosten 01802-er Gespräche grundsätzlich 6 Cent) nicht 8 Cent pro Anruf kassiert. Denn selbst wenn in jeder Stunde der “Morningshow” nur 30.000 Hörer anrufen, wären das für drei Stunden Sendung immerhin 7.200 Euro. Multipliziert mit 10 Sendetagen.

Nun ja, warten wir die Antwort vom SWR ab…

Ach ja, und für alle Teilnehmer – viel Glück! 0180er-Rufnummern sind übrigens in keinem Telefon-Flatrate-Tarif enthalten, die 14 Cent gehen also extra.
Ich guck mir Island lieber mal alleine an. In mehr als nur 4 Tagen. Und in Ruhe – genau für die ist doch das Land eigentlich berühmt.

Read More

“Hello, hello, turn your radio on, is there anybody out there?”

Es ist erschreckend, wie wenig wir unterm Strich tatsächlich wissen.

Wir sind keine wissen(schaf)tlich verarmte Gesellschaft, allein im Fach Physik wurden bundesweit 2006 1.185 Doktortitel vergeben, immerhin 95% der hier Lebenden können lesen und schreiben, und auch wenn unsere Bildung weitestgehend nicht aus der Bild stammt -

Was wir haben, ist Pseudo-Wissen. Dinge, die wir in einer Schule, Zeitung oder auf einer Homepage aufgeschnappt haben, die uns irgendjemand für wahr verkauft hat. Dass 1×1=1, das Alphabet 26 Buchstaben + Umlaute hat, dass der Kongo auf dem afrikanischen Kontinent liegt und dass Eisbären keine Pinguine fressen, weil sie es nicht können – weniger weil sie es nicht wollten.
Das ist alles schön für uns. Aber was wissen wir wirklich?
Wir wissen doch noch nicht einmal, warum wir schlafen – obwohl wir 1/4 unseres Lebens damit verbringen, das zu tun. Warum wir sterben, obwohl wir nach den vier Vierteln einfach nur noch tot sind. Wie das mit unseren Gefühlen eigentlich genau funktioniert und was unsere Hormone mit uns machen können. Wir wissen nicht, wie klein wir eigentlich sind und wie groß das Universum um uns ist. Wir vergessen oft genug, dass das, was wir mit unseren Augen sehen, nicht immer das ist, was wir glauben, dass es sei. Wir leben – und haben keine Ahnung, warum.
Obendrein – was wissen wir denn eigentlich über die Dinge um uns herum? Biologen gehen davon aus, dass ein Drittel aller Säugetiere unbekannt ist – 4.500 kennen wir momentan, wenn auch nicht alle persönlich.

Kinder stellen am liebsten solche bohrenden Fragen, am liebsten in einer nicht enden wollenden Reihe von “warum?”.
Der kleine Mann in Fernseher und Radio, der Nachrichten verliest und Schallplatten auflegt. Der Strom, der eben irgendwie aus der Steckdose kommt. Der Mann im Mond, der abends das Licht einschaltet, damit der Vollmond leuchten kann. Das Licht “geht halt an”, wenn man den Schalter umlegt – das sind die Erklärungen, mit denen ihnen dann ihre Umwelt nähergebracht werden soll. Und warum? Weil wir es doch selbst nicht besser wissen. Weil wir selbst keine Ahnung haben, was um uns herum passiert, wie Technik, Wetter, Natur und Himmel funktionieren. Wir wissen es nicht besser.
Halten uns aber gleichzeitig für so dermaßen altklug, allwissend, weltgewandt, wie man nur zu sein glauben kann. Schreiben mehr Bücher als eine Menschheit lesen kann, machen “Wissenschaftssendungen” im Fernsehen, auf dass das Volk endlich wisse, was ein “schwarzes Loch” (im Übrigen weder “schwarz” noch ein “Loch”). Das ist schön und gut – aber viele von uns wissen doch noch nicht einmal, wie ein Gewitter entsteht! Warum es Erdbeben gibt. Und wieso wir eigentlich sehen können. Warum beginnen wir nicht bei banaleren Themen?

Unsere Sinne. Die Klimakatastrophe. Meteoriten. Allein in Brasilien wird pro Sekunde Regenwald in der Größe von 4 Fußballfeldern abgeholzt. Die Zeit. Der Ur-Meter. 3 oder 4 Dimensionen. Das Alter von Fossilien und Dinosauriern.
Mal ganz ehrlich – wer kann sich das alles wirklich vorstellen?
Nicht nur “klar, ich weiß, das Klima ist kaputt und so”. Wer weiß tatsächlich, wie die Zeit funktioniert und wie alt eine versteinerte Schnecke ist, wer kann das ausmessen?
Wie weit reicht unser Horizont? Was ist mit 4 Fußballfeldern pro Sekunde? Allein bei dieser Dimension hört es doch schon auf, wie erst wollen wir das Ausmaß einer Klimakatastrophe oder das Alter eines Dinos wirklich in unser kleines Gehirn reinkriegen?

Wir benutzen dutzende Dinge Tag für Tag – und sind völlig ahnungslos, was ihre Funktionsweise angeht. Warum wird es hell, wenn wir das Licht einschalten? Und vor allem: Warum bemerken wir das? Jahrelang wurde gelehrt, man solle sich das Licht in “Wellenform” vorstellen, über die es das Auge erreicht. Und heute? Wie war das nochmal mit den “Quanten”? (siehe dazu / lesenswert: “Eine kurze Geschichte der Zeit” von Stephen Hawking).
Ich sitze vor meinem Laptop, im Hintergrund läuft das Radio. Hallo? Das ist ein viereckiger Kasten mit ein paar Knöpfen und einem schicken Display, an dem irgendwo eine Stange gen Himmel heraussteht. Und da soll Musik herauskommen? Natürlich, es gibt Funkwellen, aber wie genau funktioniert das?

Das Schlimme finde ich nicht, dass wir all das nicht oder nur ungenau wissen. Das wirklich Frappierende daran ist, dass uns das doch überhaupt nicht mehr interessiert. Wir sitzen in unserem eigenen, selbstgebastelten Kreislauf aus arbeiten, essen, schlafen und etwas Freizeit, aus dem wir nicht mehr heraus wollen, außer vielleicht für eine Woche Strand auf Mallorca im Jahr, von dem wir uns so vereinnahmen lassen, dass wir etwas grundlegend Überlebenswichtiges verloren haben: Die Neugier.
Goethe hat über einen Neugierigen einmal geschrieben: “In jedem Quark begräbt er seine Nase.” Kinder sind dafür bekannt, dass sie alles Unbekannte ersteinmal einer ausgiebigen sensorischen Prüfung unterziehen, um den Gegenstand mit allen Sinnen zu erfühlen, zu riechen und zu schmecken. Das muss nicht immer unbedingt gesund sein, aber mit genau dieser “das ist aber bäh!”-Einstellung versperren wir uns doch selbst neue Erfahrungen. Mit den Jahren verlieren wir unsere Neugier, die Spannung vor Neuem , die GIER auf Neues, die kindliche Entdeckerfreude. Und wir sorgen dafür, dass das bei unseren Kindern genauso wird – “das macht man nicht, Klaus-Jürgen!”.

So lange unsere Kinder noch glauben, Kühe seien lila, Cornflakes wüchsen auf Kornfeldern und man könnte Gummibärenbäume pflanzen, bewegen wir uns weiter rückwärts in Richtung “Nullkenntnis”, denn während der allgemeine wissenschaftliche und technische Fortschritt voranschreitet bleiben wir auf unserem mühsam zusammengeklaubten Häufchen Wissen stolz sitzen wie der Kaiser auf seinen neuen Kleidern – und merken gar nicht, wie sie veralten und von Motten zerfressen werden.

Ende des 16. Jahrhunderts sprach der Philosoph Francis Bacon davon, dass “Wissen selbst [...] Macht” sei. Diese Aussage, interessanterweise veröffentlicht in dem Werk “Religiöse Betrachtungen”, bezieht sich darauf, dass es beim Wissen an sich seiner Ansicht nach nicht auf das Anhäufen, sondern auf seine Anwendbarkeit ankommt. Was hilft uns die Erkenntnis, dass schwarze Löcher verdammt gefährlich sein können, wenn man in eines reinfällt – wenn uns doch schon das Verständnis für einen 11.034 Meter tiefen Marianengraben fehlt? 3 Meter tiefe Hallenbadschwimmbecken, ok. Aber 11 Kilometer??

Eben. In einem Marianengraben kann man wenigstens schwimmen, Wissen darüber ist uns zumindest örtlich näher – als ein ebenfalls gefährlich tiefes schwarzes Loch.

Andererseits meinte Einstein: “Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.” Wo aber verläuft diese Grenze? Dort, wo wir mit unserem Verstand nicht mehr weiterkommen? Wo Fakten fehlen? Aber ist nicht Phantasie ebenfalls ein Teil unseres Verstandes, der mit Fakten operiert? Phantasie kann über das hinausgehen, wovon wir wissen, dass das Mögliche, Greifbare und GeWisse an seine Grenzen stößt. Aber wir können unseren Horizont erweitern. Wir müssen nur endlich wieder neugierig, wieder wie Kinder werden – wir können nicht, wir müssen fragen, denn sonst läuft irgendwann die Zeit an uns vorbei und fragt uns nicht mehr danach, wo wir eigentlich geblieben sind.

Um es mit Newtons Worten auszudrücken: Je mehr wir wissen, desto größer wird der Ozean dessen, was wir nicht wissen.
Am Ende bleibt uns nur noch die Erkenntnis: Wir haben keine Ahnung.
Noch nicht einmal davon, wer wir eigentlich selbst sind.

Und zumindest für die unbekannten Tierarten gibt es einen Trost: Wir brauchen uns kaum Sorgen darum machen, dass wir sie noch nicht alle kennen. Beim derzeitigen Voranschreiten der Umweltzerstörung werden wir von der Existenz vieler dieser Arten ohnehin nie erfahren.

Read More

Jeden Tag begegnen wir, wenn wir in einer Großstadt arbeiten und in der Mittagspause durch die Fußgängerzone bummeln, tausend Menschen. In einer kleineren Stadt hundert. Bleiben wir im Büro sitzen, vielleicht fünfzig.
Mindestens aber bleibt es bei einem – dem, den wir spüren, dessen Magenknuren wir fühlen, der uns bewusst ist, selbst wenn er uns nicht in einem Spiegel oder einer Fensterscheibe begegnet. Was dieser Mensch tut, bekommen wir immer mit, wenn nicht gerade unser Gehirn wegen der Nachwirkungen überhöhten Alkoholkonsums (guten Morgen an alle, die gerade aus ihrem Post-Silvester-Koma erwachen!) sämtliche Erinnerungen gelöscht hat.

Wir wissen alles. Aber muss das “alles” dann auch gleich die ganze Welt wissen?

Einem Phänomen bin ich in den letzten Tagen schon des Öfteren begegnet, ich bezeichne es als Mutter-Tochter-Phänomen, obwohl es genauso, wenn auch in anderer Ausprägung, in anderen Konstellationen auftritt.

Situation, heute Nachmittag in einem Café:
Tochter (25) kommt mit Mutter (50) in schickes Café in Innenstadt. Wohlgemerkt: Nicht umgekehrt, denn Tochter ist Stadtführer-Ersatz, Mutter hat keine Ahnung!
Tochter, noch hüfteschwingend durch Café promenierend und überhaupt sehr hip-modern:”Also, ich bin hier ganz oft, schicker Laden, außerdem gibts Chai Latte unfat with hazelnut cream, sour cream and onion, und sexy Kellner haben die hier, quasselquatschblablubb…”
Mutter sagt: “…”
Mutter denkt: “Sexy???”
Tochter: “Setzen wir uns hier hin? Wir setzen uns hier hin! Guck mal, da unten kannst du deine Tasche hinstellen soll ich dir die Jacke abnehmen hast du Hunger willst du was trinken geb mir maldenSchirmWarteSetzDichLieberAufDenAnderenStuhlVonDaAussiehtmanbessersoschöndasswirendlichhiersind…”
Mutter : “Kind, lass doch, ich kann meine Jacke doch selber…”
Tochter: “Was magst du trinken?”
In ähnlichem Stil setzt sich das Gespräch über die nächsten 30 Minuten fort.

Gesprächsanteilsverteilung: Tochter 80%. Mutter 10%. Die übrigen 10% übernimmt die Kellnerin (leider gar icht sexy). Das Gespräch würde jeden Marketing-Experten in Verzückung versetzen – Selbstvermarktung at its best.
“Klar geht’s mir gut, Mami, ich verdien doch jetzt auch mehr, ach und meine tolle Wohnung, die musst du nachher noch unbedingt angucken, und erst meine neuen Möbel…! Aber ich bin ja eigentlich eh nie daheim, nächste Woche bin ich Mannheim, dann in Würzburg, dann auf dieser Messe in Wolfsburg, hach. Aber hier, da ist ja auch so gar nichts los, völlig öde, ganz schrecklich. Da würde ich abends unter der Woche so gern weggehen, aber hier ist ja nichts, und am Wochenende auch nur Schrott. Wobei, die Leute, die so mit mir an der Uni sind, die hocken ja auch nur abends daheim…” Und so weiter und so fort. Bliblablubb.
Während all dieser Zeit sitzt die Mutter geduldig zuhörend nebendran, nickt an den richtigen Stellen, lässt sich ein Ciabatta mit Spinat und Käse aufschwatzen, obwohl sie gar keinen Spinat mag, hört sich an, wie toll das Leben ihrer Tochter ist und blickt ab und zu gedankenverloren auf die Getränkekarte, als könnte sie daran ablesen, wie viel Zeit schon vergangen ist.

Egal wie weit man glaubt, sich von seinen Eltern “emanzipiert” zu haben (ein schreckliches Wort, so an sich – erst emanzipiert man sich von den Eltern, später von dem Kerl, den man sich angelacht hat) – es holt einen ein. Das Gefühl aus dem Kindergarten, wenn man Mami unbedingt noch zeigen muss, wie toll der Sandkuchen geworden ist, den man gebacken hat. “Ich bin so stolz und so toll und ich will, dass du das weißt und mir auch nochmal sagst, damit ich ganz sicher weiß, wie großartig ich bin.”

Das verlässt einen nicht. Bei einer Fünfjährigen ist das ja noch ganz süß. Doch bei einer 25-Jährigen hat es schnell etwas von billiger Effekt- und Beifallsheischerei, fast wie um die Mutter kleiner zu machen, als sie eigentlich ist. Mit 25 wird man eben immer noch nach elterlicher Aufmerksamkeit, Bestätigung und Zuneigung hungern, schließlich gibt’s die kostenlos und manchmal schon relativ einfach – manche Eltern finden grundsätzlich alles toll, was der Nachwuchs treibt. Man wird auch mit 50 noch Kind sein, da kann man machen, was man will.

Und auch mit 50 will man keine schlechten Mathearbeiten, verzogenen Enkel oder verbrannten Käsekuchen mit zu Mama und Papa bringen.

Read More

Das Medienecho auf die Gewalttaten, die in den letzten Tagen von (teilweise ausländischen) Jugendlichen verübt wurden, war gewaltig. Hier einige Beispiele (jeweils verlinkt):
Süddeutsche Zeitung
Bild-Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Neben den Medien, die diese Taten durchweg schockiert, teilweise feixend (“das habt ihr davon”) kommentierten, gab es auch ein sehr großes Echo in der Politik. Den Anfang dazu machte Roland Koch, seines Zeichens Ministerpräsident von Hessen, mit einem Interview (Link) in der Bild-Zeitung, bei dem er wissenschaftlich fundiert feststellte: “Wir haben zu viele junge kriminelle Ausländer.” Die Schlagzeile wirkte – als ich in meiner Mittagspause im naheliegenden Supermarkt einkaufen war, stand ich auch erst einmal mit offenem Mund am Zeitschriftenständer. Was mich an der Aussage stört? “Zu viele”? “Junge”? “Kriminelle”? Oder doch die “Ausländer”??
Mich stört in erster Linie das, was danach kam. Denn seine Aussage löste in erster Linie eine nicht enden wollende Debatte über Kochs Aussagen aus und führte bei vielen Politikern und Journalisten zu der Feststellung, dass Koch eigentlich zuerst einmal gar nichts sagen brauche – er habe eben diese Probleme mit verschuldet. Erst mit den Nachwehen und den nächsten Straftaten bewegt sich die Diskussion so langsam auf eine sachliche Debatte über das bisher unbeantwortete Kernproblem zu: Was tun?

Was mir an dieser Diskussion allerdings neben dem oben genannten Problem überhaupt nicht passt: Der Missbrauch des Themas für Wahlkampfmarketingmaßnahmen. Zur Erinnerung: Schon 1999 hat Koch eine Wahl gewonnen – mit einer Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Ende Januar ist wieder Landtagswahl in Hessen – seine heiße Phase.

Hier läuft etwas schief. Denn wirklich spannend finde ich die Frage, wie lange noch über Gewaltprävention und -nachsorge in einer derartigen Öffentlichkeit diskutiert werden wird, sobald die nächsten Wahlen passé sind.
Dass derartige Themen, die schon seit Jahren im Argen liegen (allgemeine Integrations-, genauso wie die Familienpolitik), für billige, schnelle Aufmerksamkeitsproduktion und wahltechnisch effektive Propagandamaschinerie (“die rot-grüne Kuschelpolitik musste doch dahin führen!”) missbraucht werden, statt für das offensichtlich schwierige Beginnen konkreter, langfristiger Maßnahmen, halte ich für verantwortungslos.
Durch das ständige Aufwerfen der Schuldfrage und das Anbieten von billigen Lösungen à la “wenn wir an der Macht wären…!” (03.01.08, FDP-Landeschefin Birgit Homburger im SWR1-Radiointerview) kommen wir nicht weiter. Und auch mit zweifelhaften Äußerungen wie “in Deutschland soll kein Deutscher sich fürchten müssen!“, ebenfalls von Birgit Homburger, schürt man nur wieder den Verdacht ausländerfeindlicher Gesinnung. Mehr erreicht sie dadurch nicht. Darf denn dann ein Afrikaner in Deutschland vor den Deutschen Angst haben müssen? Ist ja nicht sein Land…

Es existieren im Jugendstrafvollzug bereits einige sehr sinnvolle Projekte, beispielsweise auch zur Integration der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Arbeitsmarkt. Für mehr Sinnvolles fehlen Geld, Zeit und – Interessen. Es gibt nunmal Themen, die länger auf den ersten Seiten überleben als ein paar Rentner mit blauen Flecken. Wenn wir uns aber nicht eine Kinder- und Enkelgeneration von Klein- und Großkriminellen heranziehen wollen, können wir nicht mehr mit “Maßnahmen” anfangen, wenn das Kind schon im Brunnen liegt.
Ich habe in meinem Heimatort derartige Bemühungen um die Integration russischer, nicht-krimineller Migranten erlebt. Diese endeten nach der vierten Totalzerstörung mit einer Kapitulation des (engagierten!) Bürgermeisters und der Schließung des Jugendhauses, das eine Stätte der Begegnung hätte werden sollen. Ob es eine Lösung ist, dass es den zugehörigen Sozialarbeiter nun auch nicht mehr gibt, ist eine andere Frage.

Wenn Eltern in einer eigenen kleinen, nicht- oder kaum deutschsprachigen Welt leben, Kinder in ihrer Clique bleiben, auf dem Schulhof und im Unterricht auf Türkisch /… geflüstert wird, das anders-Sein vielleicht auch durch das Tragen eines Kopftuchs, andere unbekannte Bräuche, eine unverständliche Sprache und nicht vorhandene Kommunikation zwischen den Kulturen gefördert wird, entsteht eine Parallelgesellschaft, statt Brücken zu bauen werden Gräben immer tiefer. Integrationsförderung, Ideen wie zweisprachige Kindergärten oder Schulen mit Wachpersonal, aber auch Projekte zur Reintegration straffällig gewordener Jugendlicher in die Gesellschaft – sie sind immer dann Thema, wenn man damit gerade polarisieren kann, wenn bei jeder Fußgängerzonenumfrage jedes 08/15-Radiosenders jedem Passanten sofort etwas Wichtiges dazu einfällt.

Schade eigentlich. Ganz abgesehen davon, dass fremde Kulturen sehr bereichernd für unseren grauen, angestaubten, “deutschen” (ist ja nun wirklich fast schon ein Schimpfwort, gleichzusetzen mit “spießig” und “langweilig”) Alltag sein könn(t)en – hey, diese Politiker verbauen sich damit, dass sie nichts für die Jugend tun, ihre eigenen Rentenzahlungen. Wenn wir alle kriminell werden und im Gefängnis landen, wovon sollen die Ärmsten dann bloß noch leben??

Read More

Es ist sehr seltsam zu spüren, dass das eigene Leben sich verändert, und man glaubt, auf einem Laufband zu stehen, das sich weiterbewegt, während es einem gleichzeitig an manchen Tagen schwerfällt, auch nur einen Fuß zu bewegen – und man an anderen Tagen wiederum gerne doppelt so schnell laufen würde.

Change changing places
Root yourself to the ground
Capitalize on this good fortune
One word can bring you round
Changes

(YES)

Read More

Seit der Nacht von 20. auf 21.Dezember 2007 wird der 18-jährige André Hellmich aus Obersulm vermisst, er wollte von einer Bandprobe nach Hause fahren, kam dort aber nie an. Er wurde noch am Heilbronner Hauptbahnhof gesehen, sein Handy konnte zuletzt am Rosenberg in Heilbronn geortet werden.
André ist 18 Jahre alt, ca. 1,85m groß und schlank, hat grün-braune Augen und dunkelbraunes Haar. Ein auffälliges Merkmal ist eine runde, noch nicht ganz verheilte Narbe an der linken Schläfe.

Fotos von ihm sind auf einer Homepage zu finden, die seine Familie eingerichtet hat: Link
Auch auf YouTube hat einer seiner Freunde ein Video mit Bildern eingestellt – unterlegt mit “Every breathe you take” von Police…

Kontaktdaten sind auf der Homepage der Familie zu finden, auch jede Polizeidienststelle nimmt Hinweise hingegen.

Read More

Das war’s. Es ist aus und vorbei, in 7 Stunden wird das Jahr 2007 Geschichte und passé sein.

It was a very good year for soft summer nights
We’d hide from the lights
On the village green
When I was etwas älter als seventeen.

Heute vor einem Jahr habe ich die erste Nacht in meiner ersten eigenen Wohnung verbracht.

Anfangs war es eine ziemlich harte und auch lange noch eine sehr arbeitsintensive Zeit. In Zuge dessen möchte ich auch noch ein ganz großes Dankeschön loswerden. An meinen lieben Kollegen Wirtschaftsinformatiker, der mir in der Zeit viel geholfen hat, aber vor allem an meine Eltern. Ich weiß, dass es für sie nicht ganz einfach war, dass ausgerechnet ihre Tochter als erste aller im Bekanntenkreis von zuhause “abhaut”.
Dass sie mich trotzdem so unterstützt haben, auch als das Chaos später wieder ausgebrochen und nicht nachgelassen hat, ist daher noch um einiges dankenswerter. Ohne euch hätte ich das nicht geschafft. In diesem Jahr bin ich euch um einiges näher gekommen, als ich es vorher vielleicht überhaupt jemals war.
Deshalb: Danke!

2007 – wie war’s?
Ich habe einiges getan, das ich besser gelassen hätte und manches, das ich zum Glück getan habe, unheimlich viel erlebt, Nächte durchgemacht, -geredet und -getanzt, manches bereut, viel riskiert, manchmal zu viel, richtig und falsch entschieden, tagelang gearbeitet und geackert, viel renoviert, gebastelt und gemalt, zu meinem Glück einen Igel und einen Kater aufgelesen, gelacht, geweint, gesungen und getanzt, bin gealtert, reifer geworden, nachdenklicher und pragmatischer, bin gegangen, gestakst, gelaufen, gerannt, geflogen (Treppen runter und die Wolken hinauf), geschwommen und habe gepicknickt, Musik gehört und fotografiert, geschrieben und Tee getrunken.

Und am Ende bleibt mir eigentlich nur, noch einmal good old Franky zu zitieren -

It was a very good year.

And now, let’s face future.

Read More

“Geld stinkt nicht” – das Sprichwort hat wohl jeder schon einmal gehört. Was aber ist wirklich dran? Riecht man in einen Geldbeutel, in dem vielleicht 50 Euro in ein paar Scheinen und Münzen stecken, steigt einem vielleicht eher Parfümduft in die Nase. Und selbst ein Sparschwein muffelt noch nicht einmal deutlich nach… ja, wie riecht Geld denn eigentlich? Denn glaubt man dem Sprichwort, so dürfte es höchstens nach der Luft riechen, die es umgibt.

Aber, um es kurz zu machen – das Sprichwort ist so grottenfalsch, dass es zum Himmel stinkt (Witz!).
Wer das nicht glaubt, hat noch nie viel Geld gezählt. Keine 100, 1.000 oder 10.000, sondern 80-, 90-, 150.000 Euro.
Geld ist dreckig. Massen von Menschen haben es täglich in der Hand, “geparkt” wird es meist in Kassen oder Tresoren nur kurz, badet ständig in Bakterien. Wie dreckig die das Geld machen, sieht man nach Zählen einer solchen Geldmasse. Die Hände sind tatsächlich schwarz.
Geld ist hässlich. Es wird geknittert, geknickt, gerollt, gewaschen (nein, auch Geldwäsche macht Geld nicht sauber), getrocknet. Die einzigen Scheine, die manchmal noch schön aussehen, sind 500er. Und das frisch gedruckte Geld (, das die abends bei der Bank direkt aus dem Drucker laufen lassen, jaja).
Geld stinkt!! Dieses Geld durch eine Zählmaschine laufen zu lassen ist selbst für hardcore-landlufterprobte Näschen eine echte Zerreißprobe, der Geruch ist beinahe unerträglich. Man muss in die andere Richtung atmen, um überhaupt noch Luft zu bekommen.

Und wonach riecht Geld nun?
Nach Bier. Geld hat eine regelrechte Alkoholfahne, riecht wie eine dauerbetrunkene ehemalige Schönheit, die man auf drei Meter Entfernung nicht einmal mehr ertragen kann.
Es riecht nach Qualm, nach kaltem Zigarettenrauch. Vielleicht auch nach ein wenig scheußlichem, billigen Parfüm.
Nach Menschen, es trägt den Geruch tausender Geldbeutel, Hosentaschen, Jackentaschen, Hände und Finger an sich.
Ein Mischgeruch, mit dem man Menschen verjagen kann. Hat man dermaßen viel Geld in den Händen, das vor allem noch diesen Geruch verströmt, ist es in keinster Hinsicht mehr attraktiv, interessant. Es ist einfach nur noch hässliches Papier. Und ekelhaft.

“Geld stinkt nicht”, das hat der Überlieferung nach zuallererst der römische Kaiser Vespasian gesagt. Er wollte auf die Benutzung der öffentlichen Toiletten eine Steuer erheben und machte damit klar: An sich ist es egal, womit man sein Geld macht – an den Steuereinnahmen riecht hinterher niemand mehr, dass sie mit Exkremitäten verdient wurden.

Und selbst das kann man heute nicht mehr sagen – dem Geld aus den Bäckereibeständen und dem aus der KFZ-Werkstatt riecht man das durchaus noch an. Genauso wie dem Zigarettengeld des Dauertrinkers.

In diesem Sinne – good shopping!

Read More

Ich habe mich durch den (gefühlten) Tiefschnee vom Kino wieder nach Hause gegraben…

Wer jetzt noch etwas Zeit hat oder Zeit finden mag, hier zwei Tipps für absolut sehenswerte Filme:
“Nichts als Gespenster” von Martin Gypkens, ein deutsches Episodendrama, basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Judith Hermann. Der Film erzählt in mal schneller, mal langsamer wechselnden, wunderschönen und sehr intensiven Betrachtungen und Bildern von
5 Beziehungen,
5 Lieben,
5 Ländern,
mehr als 10 Menschen
um die 30,
wie sie zueinander stehen und sich einander annähern oder vollständig voneinander entfernen. Von der (un)glücklichen Liebe und Verlorenheit der Protagonisten, die doch nichts mehr wollen als etwas finden, von dem sie gar nicht wissen, dass sie es suchen.
Eine Frau muss sich zwischen ihrer besten Freundin und einem Mann entscheiden; ein Paar auf einem Roadtrip durch die USA fährt mit dem Mietwagen beziehungstechnisch in eine Sackgasse; bester Freund und beste Freundin fahren zum Abschalten nach Island und besuchen ihren Jugendfreund und dessen Frau – die falsche verliebt sich in den, der mit der anderen im Bett landet und noch nicht einmal weiß, warum; zwei Frauen besuchen einen alten Freund auf Jamaika – eine der beiden weiß nicht, was sie von ihrem Leben eigentlich noch wollen soll, wünscht sich einen herannahenden Hurrikan förmlich herbei in der Hoffnung, er möge die Veränderung in ihr Leben bringen, die sie selbst nicht herbeiführen kann; die letzte Frau reist Hals über Kopf zu ihren Eltern, die sich auf Dauerreise und derzeit in Italien befinden, kommt ihnen aber nicht weiter als räumlich näher.

Es geht um Begegnungen, lange gehegte Hoffnungen und Veränderungen, durch alle Szenen zieht sich wie die Fäden eines Teppichs diese Sehnsucht und alle fünf Geschichten verschmelzen zu einer einzigen.

Film #2 ist der, den ich heute Abend gesehen habe: “Die Erde von oben – ein kostbares Geschenk”, der 2004 erschienene erste Film von Regisseur Renauld Delourme, eine Adaption von Bildern von Yann Arthus-Bertrand. Der französische Luftfotograf hat über 80 Länder überflogen und dabei mehrere Tausend Detailaufnahmen gemacht, die in mehreren Geo-Bildbänden erschienen sind. Der Film handelt vom Konflikt Mensch-Natur, zeigt in Bildern die Schönheit, aber auch die Zerstörung unseres Planeten, in Bildern, die jedoch selbst dann ergreifen, wenn sie Müllberge, verbrannte Erde, ausgetrocknete Wüsten oder völlig überbevölkerte Slums zeigen.

In sieben Kapiteln (Genesis, Mensch, Sinne, Babel, Das Chaos und die Ordnung, Zivilisation und Terra Incognita) spannt der Film in einem Dialog, geführt von Stimmen aus dem Off zwischen einem Vater und seinem Sohn, eine Weltreise durch Geographie, Geschichte und Philosophie – immer auf der Suche nach der Antwort auf die Frage: Wie lange noch?
Die Texte der Dialoge sind sehr kindliche Fragen einerseits, die Antworten entstammen de-Saint-Exupérys “Der kleine Prinz” und Edgar Morins “Das Rätsel des Humanen. Grundfragen einer neuen Antropologie.” Sie sprechen von der Verletzlichkeit der Schönheit und vor allem: Von unserer Verantwortung. Und wenn es den Homo Sapiens nun schon so lange gibt – seit wann gibt es dann ethisches Handeln und menschliche Verantwortung? Diese Frage des Kindes bleibt ohne Antwort.

Mit über 170 Aufnahmen in gewaltigen Bildern stürmt eine wahre Wucht auf einen zu, die man, verbunden mit den Worten, erst einmal verdauen muss. Durch die wunderschöne Musik von Armand Amar wird die Botschaft der Bilder erst hörbar und stellenweise sehr laut.

Das Kino war nach dem Ende des Abspanns leise wie nie.


Read More

Die Säue
Die Helden
Die Porträts (welch grässliches Wort!)
Das Beste aus der radiowelt
Menschen
Höhenflüge
Tiefgänge
Finanzmarkt
Die sieben Bilder
Die Sportzitate
Die Videos
Unsere Besten
Sicherheitsaspekte
Die Top-Sportler
Fußballer
Die ddp-Zitate
Leserbilder
Die Filme
Die Veröffentlichungen
Die Outfits
Die TV-Flops
PR-Bild des Jahres
Mann
Person
Münchner
Die Grid Girls
Momente
Beeindruckende Momente
Themen
Worst
Gewinner und Verlierer
Foto des Jahres

des Jahres 2007.

Mal abgesehen davon, dass ich damit auch angefangen habe -
warum hängen wir eigentlich alle in der Vergangenheit herum?

So dermaßen toll war 2007 nun wirklich nicht, dass man es an irgendeine Glocke hängen konnte, noch dazu, wo es noch nicht einmal vorbei ist! Eigentlich war es ein Jahr wie jedes andere. Wir sind alle ein bisschen älter, faltiger, mehr oder weniger reif und mehr oder weniger weise geworden. Haben alle mehr oder weniger zu viele schreckliche Bilder von furchtbaren Katastrophen gesehen, von mehr Katastrophen, als eine Menschheit ertragen kann. Um diese Bilder nach Sekunden zu vergessen und uns dem 20:15-Spielfilm zu widmen.
Es gibt immer noch Politiker, Zyniker, Idioten, Arbeitslose, völlig unterbezahlte Arbeiter, korrupte Menschen überall, Manager, die Geld dafür bekommen, dass sie endlich gehen, auch Al Gore hat es nicht geschafft, das Ozonloch zu flicken, außer den USA wissen alle von der Klimakatastrophe, Knut ist nun auch schon nicht mehr knuffig, das Fernsehen wurde ebenfalls noch nicht abgeschafft und es liegen nach wie vor zu viele schlechte Bücher in den Buchhandlungen dieser Welt, abgesehen von den viel zu vielen Menschen, die immer noch nicht lesen können.
Das klingt desillusioniert, aber, hey, das ist mein Job!

Ich habe im vergangenen Jahr
meine Begeisterung für einige Ex-Sportarten wieder entdeckt,
meine gesamte Wohnung zweimal komplettrenoviert,
verstopfte Abflussrohre,
den beinahe-Führerscheinverlust,
verbranntes Essen,
Überstunden,
Feuerlöscher-Spielen,
Trennungsschmerz (schluchz),
nachbarschaftliche Provokationen,
Allergiediagnosen,
den ersten Schnee (heute!!!),
diverse zwischenmenschliche Katastrophen,
Strafzettel,
Reklamationen,
Löcher in Socken,
abgerissene Knöpfe,
Beitritte in Internetforen,
Klausuren und Abschlussprüfung,
seltsame Geschichten, an die ich mich nicht mehr erinnern will,
zuhause-ausgesperrt haben,
hitzige Diskussionen,
Arbeit + Nebenjobs,
Selbstüberwindung mit sicherer Zukunft,
kaputtgemachte Autos,
viele Missverständnisse,
eine Lumbalpunktion und
einige Ärgernisse
überstanden. Und recht unbeschadet überlebt.
Und vor allem: Ich durfte viele interessante, uninteressante, nette, hilfsbereite, liebe, neugierige und tolle Menschen treffen und teilweise näher kennenlernen.

Und abgesehen davon, dass ich gestern Abend beinahe noch eine Tanzschule + die darunter liegende Bar abgefackelt hätte, war es ein recht feuerwehrfreundliches Jahr.
Mit tollen Momenten, tollen Menschen
und der Moral von der Geschicht’:
Zurückzublicken lohnt sich nicht! :-) (ok, kaum)

Read More

Was haben Muammar Abu Minyar al-Gaddafi, Staatschef von Libyen, Nordafrika, und Ex-Model und Sängerin Carla Bruni gemeinsam?

Sie lassen Nicolas Sarkozy, seines Zeichens französischer Präsident, reichlich grau und alt aussehen.
Allein die Tatsache, dass er mit Gaddafi, der einen recht großen Kult um seine Person pflegen lässt sowie hobbymäßig Gedichte schreibt, Waffengeschäfte zum Aufbau einer Eliteeinheit in Libyen betreibt, spricht für sich – nicht nur angesichts der großen Proteste, sogar aus Reihen von Sarkozys Mitregenten sowie von Menschenrechtlern. Betrachtet man dann noch die Kamelmilch im Vorrat, das Beduinenzelt, mit dem Gaddafi anreiste und das im Garten des Gästehauses aufgestellt wurde und den bunten Tross, der mit ihm kam, ist es so langsam Zeit, dass er etwas tut, um nach seiner Frau Cécilia (Scheidung inoffiziell im Oktober 2007) nicht auch noch seine Unterstützer zu verlieren.
Tja, und was hat Madame Bruni damit zu tun? Als eines der bestbezahlten Models der 90er und als mit 39 immer noch sehr hübsche Frau, die bekanntermaßen diverse Männergeschichten hinter sich hat, wirkt sie neben ihrem Neuen wie ein Paradiesvogel.
Die Frage, was außer Macht und Geld sie an ihm findet, stelle ich einfach einmal nicht.

Und trotzdem, Vögelchen hin oder her – liebe sueddeutsche.de, faz.net, taz.de, stuttgarter-zeitung.de und wie ihr alle heißt: Vielen Dank, wenn ihr jetzt dann mal das Thema wechselt.

Was ein Pariser Single in seiner Freizeit im Disneyland oder sonstwo treibt, ist mir reichlich egal – so lange er seinen Job nicht schleifen lässt.

Read More

- un du? Wie alt bisch du?

So oder ähnlich hätte ich wohl jemanden kennenzulernen versucht, als ich 16 war und noch nicht versucht habe, meine teil-schwäbischen Wurzeln* durch möglichst natürliches Hochdeutsch zu kaschieren. (Ok, durch Hochdeutsch mit schwäbischem Touch, ich kann’s einfach nicht verleugnen…)
Angeregt durch einen Kommentar, den ich heute wieder einmal gehöPost veröffentlichenrt habe**, habe ich mir Gedanken über die Frage gemacht:

Sind wir jemals so alt, wie wir sind?

Eigentlich beginnt alles schon, bevor wir uns selbst über solche Kommentare freuen oder ärgern können.
Wenn der Arzt gleich mal beim zweiten Ultraschallbild verkündet “ersiees ist aber groß für die 22.Woche!” und der stolze Vater nach Betrachten des Bildes prompt der Meinung ist, das Kind werde mal, soll werden was es will, aber Basketballer auf jeden Fall.
Damit beginnt ein Dilemma, das uns unser Leben lang begleitet, egal in welcher Richtung. Sei es im Kindergarten, wenn man allen Kleinen beim Raufen schier sämtliche Knochen bricht, in der Grundschule, wenn einen die “Großen” fragen, ob man nicht noch in den Kindi gehört, weil man noch so klein sei. Oder später im Zug, wenn einem mit 13 kein Schaffner mehr glaubt, dass man noch keine 16 ist und tatsächlich ein Kinderticket lösen darf. Weil man ja so “groß für sein Alter” sei.

Sind wir irgendwann echt mal so alt, wie wir auch tatsächlich sind?
Wir sind klein / groß, weit / hinterher, dürr / proper**, schwach / kräftig, blass / gesund, nicht so / hübsch, aufgeweckt / langsam, intelligent / altklug, schnell / behäbig... für unser Alter. Was heißt dieses “für unser Alter” überhaupt? “Unsere Alten”, das wäre ja was anderes und irgendwie klar. Aber “für unser Alter”??
Und das “zu” vor diesen Adjektiven wird sowieso ganz verschwiegen. Was gemeint ist, weiß jeder. Weiß vor allem jede besorgte Mutter, der solche Aussagen dann entweder die Schames-/Angst- oder Freudesröte ins Gesicht treiben.
Mit großer Freude bekommt sie die von Leuten zu hören, von denen sie sie niemals hören wollte. Von wohlmeinenden Schwiegermüttern, die meinen, “das arme Kind” bekäme nicht genug zu essen. Keifenden Nachbarinnen, die eh nichts Besseres zu tun haben, als über Rabenmütter zu tratschen. Von der verhassten Turnlehrerin, die meint, Mädchen müssten alle mal “Schwanensee” tanzen und die noch nie davon gehört hat, dass Mädchen auch Basketballspielerinnen werden können.
Es sind interessanterweise tatsächlich meist Frauen, die derartige Kommentare loswerden. Vielleicht, weil sie gerne Kinder vergleichen – “also mein Hans-Günther-Michael, als der so alt war…!!!” Und meiner ist besser! Ätsch! – Und sowas von erwachsenen W… Frauen.

Weitere Beispiele:
- “Du kannschd abr schee moooole! Wie alt bisch denn?… Was? Erschd siebe? Ha, des Bild hoschd doch bstimmt ausm Molbuch!!”
- “Ihr Sohn ist noch etwas schwach für sein Alter, ich fürchte er wird mit seinen Altersgenossen in Zukunft nicht mithalten können. Was halten Sie von Astronautennahrung?”
- “Junge Frau, wir können dich hier nicht reinlassen, der Laden ist ab 18.” – “Aber ich bin doch 22!” – “Nee, sorry, aber so klein wie du bist nehm ich dir das nicht ab!”

Und nie sind wir genau so richtig, wie wir sind.

Gegen dieses “zu”, das uns so durch diverse Lebensstufen begleitet, wird einiges unternommen. Von Frühchenstationen, Hochbegabtenförderung, überFörderklassen und ganze Förderschulen über Sonderschulen, Stipendien und Nachhilfe bis zum Überspringen von Kindergarten- oder Klassenstufen.

Richtig, dieses “zu” endet. Es endet nicht mit dem 18.Geburtstag, erst recht nicht bei allem, was mal ein Mann werden soll. Meist verläuft es sich, oder eher: Verwächst sich. Die meisten keifenden Nachbarinnen und bösen Schwiegermütter werden vorsichtiger mit Kommentaren à la “duuu hasch aber schmale Schultern, also mein Hans-Günther-Michael…!!” – sobald der besagte schmalschultrige Kerl ihnen über den Kopf zu wachsen beginnt. Oder der Hänfling Hans-Günther-Michael kennenlernt, feststellt, was für ein schmalbrüstiges Hähnchen besagter Schrank von Kerl doch in Wirklichkeit ist und genau das dessen ach so stolzer Mutter erzählt.

Gut, zugegebenermaßen endet es doch nicht richtig – im Seniorenalter, frei nach dem Motto “die ist aber noch mutig für ihr Alter – mit 70 nochmal zu heiraten,…!” – hier aber dann meist mit einer Mischung aus Neid und dem Gefühl, selbst etwas zu verpassen / verpasst zu haben.

Zum Glück geht das aber meist nicht ewig. Wobei….
“Also Tobias, dass aus dir mal noch was wird, des hädd bei dem Hänfling, der du immer warsch, au koiner denkt!”

*Situation: Seminar
Dozent: “Und, wie fanden Sie sich und Ihr Beratungsgespräch?”
Katze: “Och ja, eigentlich gar net schlecht!”
(für Outsider: “net schlecht” = höchstes schwäbisches Lob)
Dozent: “Das heißt nicht ‘net schlecht’, das heißt…”
Katze: “…gut, ich weiß. Aber was kann denn ich für meine schwäbischen Eltern??!

**Kommentar: “Du wirkst viel älter als du eigentlich bist.”

******************************************
einen “Hohlkörper aus Vollmilch-Schokolade” essend -
now playing: Bee Gees – Man In The Middle

Read More
 zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...vor