10 Tage, 4.000 Kilometer, 11 Autos und 21 Menschen, die sich noch nie begegnet sind: von Berlin nach Astrachan entlang der Seidenstraße. Eine Reise, immer gen Osten.

Nachtrag, 22.09.: und hier ist das Video zur Reise:

Tag 1: Berlin-Krakau

Gestern die ganze Nacht noch hektisch gepackt und morgens prompt verschlafen: um 7:10 Uhr aufgewacht, 30 Minuten später soll ich am anderen Ende der Stadt sein. Haha. Doch noch irgendwie pünktlich angekommen. Aber direkt nach dem Aufstehen mit 18kg Gepäck rennen ist wirklich nicht lustig. Beim offiziellen Start in der Botschaft des britischen Botschafters Aufmerksamkeit vorgetäuscht und mit offenen Augen geschlafen. Danach Autobahn, Autobahn, Autobahn. Ich muss erstmal nicht fahren, also turne ich im Auto herum und kundschafte aus, was wir so alles mitführen: Ordner mit Dokumenten, Berge von gefülltem Knäckebrot und – Kekse! Nach der ersten Packung Vanillekekse ist die Müdigkeit weg und ich kann selber fahren. Dann das Auto mit Hilfe einer dieser fiependen Heck-Kameras rückwärts einparken, weil man nach hinten nichts sehen kann. Sehr seltsam. Abends Stadtführung in Krakau, zum Abendessen Berge von Fleisch.

Tag 2: Krakau-Lemberg

Für den Tourfotografen morgens um 5 aufgestanden, dafür Krakau bei Sonnenaufgang gesehen. Wunderschön. Danach Abfahrt, über die Grenze in die Ukraine. Die Grenzkontrollen ziehen sich etwas, wir lernen unseren Übersetzer Dima kennen und kaufen an einer Tankstelle Kaffee und Eis für 20 Mann. Die Tankstelle schließt danach erstmal, der Tagesumsatz ist gemacht. Danach ukrainisches Eis, das wie eine riesige Milchschnitte schmeckt. Lecker. Auf der Wiese nebenan steht ein schwarzes Pferd und jemand verbrennt einen Haufen Gartenabfälle.

Dann die ersten Straßenschilder auf Ukrainisch. In Lemberg gleich großes Verkehrschaos, wir kommen direkt im Feierabendverkehr an. Alle paar Minuten einen Meter weiterrollen. Die Einwohner halten an und machen Fotos von uns und winken. Abends Stadtführung in der “schönsten Stadt im Universum” (das findet zumindest der Stadtführer). Überall Blumen in den Nationalfarben. Im Hotel Zimmer Nr. 404. Der befürchtete Error dann nachts: das Bett quietscht wie eine Horde Ratten auf der Flucht.

Tag 3: Lemberg-Odessa

Die erste Stunde Zeitverschiebung. Morgens viel zu früh los. Das Gute daran, gen Osten unterwegs zu sein: man fährt immer in den Sonnenaufgang.

Heute überall Nebel und dazwischen Sonnenstrahlen, ich packe mir diese Bilder in den Hinterkopf. Aber vergessen werde ich all das sowieso nie.

Erstmal beifahren und eine Weile aus dem Fenster hängen, um bessere Bilder zu erwischen, die Fahrerin sagt: “Das machst du doch nur, damit du ein bisschen herumturnen kannst.” Sie hat Recht.

Satz des Tages: “Zieh den Kopf ein, oder setz die Sauerstoffmaske auf!”

Dann Frust galore: wir sind müde, die Fahrt ist langweilig, wir können keine Pause machen, haben Hunger und niemand mag mehr Knäckebrot essen. Wir beginnen, die ukrainischen Straßenschilder in böse Flüche zu übersetzen. Die letzten 150 Kilometer Autobahn wurden wohl auf dem Reißbrett per Lineal entworfen, ein Lada nach dem anderen zieht an uns vorbei, wir sind die einzigen, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Die Fahrt zieht sich ins Endlose.

Bei später Ankunft Vorbeifahrt an den Ölfeldern von Odessa, ein erster Blick aufs nachtschwarze Schwarze Meer.

Abends großes Essen, schön ist das, nachts eine Mücke auf dem Zimmer und 30 Stiche binnen weniger Minuten. Ich habe die Schnauze voll, gehe raus, setze mich auf eine Parkbank und beobachte das Treiben im Hafen direkt unterhalb.

Nach einer halben Stunde auf der Parkbank plötzlich Stimmen wenige Meter weiter. Gemurmel, Lachen, das habe ich alles schonmal gehört. Ich stehe auf und laufe den Geräuschen nach. Und da stehen sie, nachts um 3, die besten Mitfahrer aller Zeiten, an einem der mitgeführten Kühlschränke, holen Bier und gucken überrascht. Der Rest der Nacht: Bier auf Parkbänken, die Entdeckung des zweitlängsten Tresens der Welt, mehr Bier, es ist eine laue Sommernacht bei 22 Grad, noch mehr Bier, gute und schlechte Witze, ein streunender Hund, Geschichten, schlafen lohnt sich eh nicht mehr, Flucht vor der Stadtreinigung, Sonnenaufgang. Um sieben für drei Stunden ins Bett. Es wird die schönste, beste Nacht auf der ganzen Tour sein.

Tag 4: Odessa

10 Uhr. Die, die gestern Nacht mit dabei waren, sind heute an den Sonnenbrillen zu erkennen. Die Stadtführung plätschert vorbei, Männer mit stark behaarten Rücken, Liebesschlösser, Spontanverliebung in einen Typen mit M.C. Escher-Tattoos.

Nach dem Mittagessen arbeiten, dann ins Spa: Dampfbad, Schwimmbecken, sie verpassen uns olle Badehauben, wir hängen in Liegestühlen herum und dösen. Abends Spaziergang durch die Stadt und ins Restaurant, das Essen (Fleisch oder Fisch und Bratkartoffeln) steht schon auf dem Tisch, als wir ankommen, als die Redebeiträge zu Ende sind, ist das Essen kalt. Heute mal wirklich früh ins Bett, und mit “früh ins Bett” meine ich: es gibt nur 2 Bier. Dafür Feuertänzer auf dem Platz unterhalb der Oper.

Tag 5: Odessa-Sewastopol

Viel zu früh los. Lunchpakete zum Frühstück und ein neuer, großartiger Beifahrer, der sich ebenso wie ich als großer Fan von “wir sind jetzt in diesem Land, also hören wir auch das Radio hier” herausstellt. Super Fahrt: ukrainisches Radio mit Modern Talking, Desireless, Boomfunk MCs, MC Hammer und den besten Hits der 80er, die man eigentlich nie wieder hören wollte. Und: die Entdeckung des gemeinsamen Tanzens im Auto.

Dann ein Zebra am Straßenrand, ein paar Stunts mit dem Auto für den Fotografen, auf dem Markt halten und Melone kaufen, noch zwei Mal Abbiegen und plötzlich: am Strand. Es gibt Picknick mit Knäckebrot, Melone und Schokolade, aber vor allem: Baden im Schwarzen Meer! Werfe meinen gesamten Rucksackinhalt auf den Strand, um meinen Bikini zu finden, und gehe eine Runde Schwimmen. Leider etwas intensiver Körperkontakt mit Quallen.

Dann sandig und mit tropfenden Haaren zurück ins Auto, Honig (???) kaufen und eine riesige Bienenwabe samt Honig geschenkt bekommen.

Abends in Sewastopol Sonnenuntergangfotos und Essen, während nebenan bei grauenvoller Musik eine Hochzeitsfeier stattfindet. Der Rest der Nacht wieder zusammen mit den Besten: am Kai stehen, Bier und Gin Tonic aus Dosen trinken, und knapp eine “wenn du jetzt auf die andere Seite des Kais schwimmst, bekommst du 120 Euro”-Wette ausschlagen. Ganz, ganz knapp. Satz des Abends: “Ich habe hundert von dieser Währung bezahlt und dafür zwei Bier bekommen!”

Fortsetzung gibt es hier.