Liebe ist ein mürber Keks (und umgekehrt)

Liebe ist der Schweizer Franken unter den Gefühlen. Und was kann selbst an Weihnachten nicht aufhören, an der Börse zu zocken? Das Spekulatius. Spekulatius reimt sich auf Kuss, aber Kuss ist nicht Liebe, Kuss kann Liebe sein, muss aber nicht, mathematisch ausgedrückt bedeutet das, dass eine Schnittmenge vorliegen kann, jedoch gleichzeitig eine stochastische Unabhängigkeit. Stochastisch abhängig wären sie, wenn Kuss auch Liebe bedeuten würde und Liebe Kuss, aber das tut es nicht. Nur in manchen, ganz seltenen Fällen, ist Kuss auch für Liebe zuständig, und deshalb sind Kuss und Liebe stochastisch unabhängig. Unabhängigkeit wird groß geschrieben, FreiheitLiebe und Zustand auch, aber, mal ehrlich: das mit der Liebe, das ist doch kein Zustand.

Zuständig für diese ganze verworrene emotionale Scheiße sind aber nicht, wie die Verschwörungstheoretiker unter Ihnen glauben mögen, die Freimaurer, Hitler, die Pharmalobby oder Walt Disney.

Walt Disney mag daran Schuld tragen, dass die meisten jungen Mädchen immer noch lieber Prinzessinnenkrönchen tragen als Laserschwerter. Nach der Übernahme von Star Wars durch Walt Disney sollten uns aber in Zukunft wenigstens häufiger kleine Prinzesschen in rosa Kleidchen mit goldenen Krönchen und pinkfarbenen Laserschwertchen begegnen. Laserschwerter sind jetzt zwar nicht gerade pazifistisch, aber Emanzipation kann ja nicht immer friedlich sein. Emotionen auch nicht.

Genauso wenig schuld am emotionalen Desaster der heutigen Gesellschaft sind die Romantiker. Wiiiiiie? Nicht die Romantiker?, werden Sie fragen, die sind es doch, die uns das alles eingebrockt haben. Ohne Romantiker kein Valentinstag, keine Fotos von roten Rosen mit Wassertropfen, keine “ohne dich ist alles doof”-Schafe, kein Bryan Adams und Friede auf Erden und unter den Völkern!

Ich aber sage Ihnen eines: die Romantiker verantwortlich zu machen, das wäre zu einfach.

Der Romantiker an sich war nämlich wirklich in Ordnung. Er war wirklich dufte. Ein prima Typ. Wie ich darauf komme? Nun, der Romantiker, geboren im 19. Jahrhundert, war der Punk der Aufklärung. Ja, Sie lasen richtig: im Prinzip war er erstmal einfach nur dagegen. Man hatte ja nichts, damals, im 19. Jahrhundert: kein Internet, kein AngryBirds, kein Fast Food, keinen Atomausstieg, keinen Catcontent, keine Meinungsfreiheit, noch nicht einmal Megan Fox, unterm Strich also nichts, wo man wirklich aus Überzeugung hätte dafür sein können.

Das Einzige, was man überhaupt hatte, war die Aufklärung. Gerade die Elterngeneration jener Zeit war doch sehr dem kritisch denkenden Menschen zugeneigt, und, ja, auch damals waren die Leute mal jung, auch damals kamen sie in die Pubertät, auch damals mussten sie sich gegenüber ihren Eltern abgrenzen. Wenn die Eltern also fürs kritische Denken waren, was blieb einem zu Beginn der Pubertät? Man musste gegen das Denken sein.

Und alles, was einem blieb, war das Fühlen.

Gut, es blieb einem auch noch die Todessehnsucht. Beim Totsein denkt es sich ja bekanntermaßen auch recht schlecht, das heißt ungefähr so gut wie man denkt, während man fühlt. Deshalb schaffte man sich noch ein Bild von der gequälten Seele, schrieb Gedichte darüber und erfand so den Emo. Zu jener Zeit aber waren Kajalstifte nur schwerlich zu bekommen, schließlich war Kleopatra schon lange tot und die Händler auf den Schwarzmärkten waren mit dem Vertrieb billiger deutscher Kopien britischer Dampfmaschinen beschäftigt. Aber was ist ein Emo ohne seinen Kajalstift? Also beschloss man, den bekanntesten Emo mit einer Zeitreisedampfmaschine in die Zukunft zu schicken, damit er mit einer Wagenladung Kajalstifte zurückkäme, leider war die Zeitreisedampfmaschine noch nicht ganz ausgereift, beim Transport ging einiges schief und was übrig blieb, wurde 2008 als Justin Bieber bekannt.

Nachdem also die üblichen Verdächtigen, Walt Disney und auch die Romantiker nicht schuld an der Verrohung der Gefühle sind: wer ist es dann?

Es ist viel einfacher. Schuld an allem ist: das letzte Einhorn.  Ja, Sie lesen richtig, das letzte Einhorn. Um Ihnen das zu erklären, muss ich kurz mit Ihnen knappe 2000 Jahre Popgeschichte durchgehen.

Das war nämlich so: es begab sich eines beschissen kalten Tages …Wie? Sie haben keine Zeit für so einen Schwachsinn, und für 2000 Jahre Popgeschichte schon gar nicht? Und Sie glauben nicht, dass es dieses letzte Einhorn überhaupt je gegeben hat? Aber wenn es dieses Einhorn nicht gegeben hat, warum sollte es dann die Liebe geben?

Es gibt sogar Leute, die behaupten, sie hatten eine Erscheinung gehabt und hätten das letzte Einhorn gesehen, und, es gibt sogar Leute, die behaupten, sie hätten da etwas gespürt und dann sie die Liebe gesehen.

Und jetzt sagen Sie mir: was ist schlimmer? Und fühlen Sie noch was?

Denn: wenn es das letzte Einhorn nicht gegeben hat, dann ist der Schuldige an diesem ganzen Desaster ein Hirngespinst namens Emotion, verursacht durch wolkenbruchartige Hormonausschüttungen. Ein Hirngespinst, das in unseren Köpfen dafür sorgt, dass manche Herzen sich Liebe einbilden und das auf irgendein hilfloses Gegenüber projizieren, das sich ebenfalls ein Hirngespinnst namens Liebe einbildet, das es auf ein hilfloses Gegenüber — hä? Versteht keiner. Egal. Auf jeden Fall: zu viel Liebe, zu viel Projektion, zu viele Hirngespinste. Also:

Finger weg von der Liebe, Finger rauf auf die Play-Taste und tanzen.

Flattr this!