Ansichtssachen

Sie sieht die Bilder von vor zwei Jahren. Von dem Park, wo sie sich das erste Mal küssten. Von einer Spiegelung in einem Zugfenster, Gnocchi und einer gusseisernen Pfanne. Sie blättert weiter zu Kuchen, dann Bilder von einem Bahnhof und einem Besuch im Zoo. Eine Schlange, die sich häutet, Fische hinter dicken Glasscheiben und Kamele, die aussehen, als hätten sie dicke Teppiche an. Es war der Zoo, wo jedes Vogelhäuschen eine eigene Hausnummer hatte. Und wo es egal war, was sie fotografierte. Weil er da war, und alles andere war so einfach, so egal. Es gibt noch einen letzten Umschlag. Die Bilder, die er gemacht hat: sie, in seinem Badezimmerspiegel, nachts mit zerwühlten Haaren in der Küche, morgens auf dem Boden vor der Plattensammlung sitzend. Und sie, in seinem Shirt. Schlafend.

Die nächsten Fotos zeigen eine Wohnung voller gepackter Kartons. Möbelteile in allen Ecken, dazwischen ein Hammer und ein Schokomuffin. Und irgendwo er. Wenige Wochen später schon gibt es das Bett, die Möbel, die Wohnung nicht mehr. Und diese Stadt ist da schon lange nicht mehr ihre Stadt.

Man sagt, alles sei schön, was man mit Liebe betrachtet. Sie stellt die Kiste mit den Bildern zurück. Er muss sie sehr geliebt haben.

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