nur ein Wort: zwar

Erlaubt mir ein’ und andre Frage.
Mit Eifer hab’ ich mich der Studien beflissen;
Zwar weiß ich viel, doch möcht’ ich alles wissen.

(Johann Wolfgang von Goethe – Faust)

Ein Konjunktiv mit einräumender Funktion. Das ist zwar.

Zwar kommt selten alleine. Es wird zusammen mit einer adversativen Konjunktion verwendet (zwar mag ich deine Brille, doch dich kann ich nicht leiden). Oder man verwendet es als Erläuterung von Voranstehendem (sie mag Kuchen, und zwar Apfelkuchen).

Das Wort zwar kommt ursprünglich aus dem Althochdeutschen. Zi wäre bedeutete im 8. Jh. “in Wahrheit, wahrhaftig, in der Tat, freilich”, wurde später zu ze wäre, zusammengezogen zu zewäre / zwäre für “wahrlich, fürwahr” (fürwahr, welch schönes Wort) und existiert nun seit ca. 500 Jahren in der heutigen Form zwar.

Die Ursprungsform zi wäre besteht aus zu und wahr. Zunächst drückte sie eine Bestätigung aus, später wurde ein Widerspruch eingeschlossen und das Ganze wurde zu einer einräumenden Konjunktion (“du spottest … – neyn zwar, ich spotte nicht” aus dem 16. Jh.). Ihr folgte ein Satzglied, “‘dessen Inhalt anerkannt wird, obwohl ein damit verknüpftes Satzglied gegen dessen Bestehen zu sprechen scheint'”*.

ZWAR gibt es übrigens auch als “Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen”. Und allen Urlaubern, denen ein zwar nicht genug ist, sei ein Besuch im zwarwald empfohlen.

Im Übrigen, und nur, weil es so oft gegoogelt wird: Bei zwar in Kombination mit aber steht ein Komma (zwar kostet die Welt nichts, aber kaufen kannst du sie trotzdem nicht). Sprachlich schöner ist es allerdings meist, statt “aber” jedoch, doch oder andererseits zu verwenden.

*Quelle: dtv Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 2005

//

Hier gibt es nun wieder die Etymologiekolumne nur ein Wort. Die Autorin hat ein Herz für Sprache und Wörter (zum Unterschied zwischen “Worten” und “Wörtern” sei dieser Beitrag empfohlen) und setzt diese Reihe nun fort. Wer ein schönes Wort kennt und besprochen beschrieben lesen möchte, möge es vorschlagen.

By Lena

Fast walker, avid reader, poetry fan, public speaker, violinist, pianist in the making, intersectional feminist. Works in tech, writes about anything here (and less frequently than in the past).

2 comments

  1. Vielen Dank für diese Ausführungen. Nur bezüglich meiner vordringlichsten Frage zu dem Wort ‘zwar’ finde ich keine Antwort: Zwingt die Benutzung von ‘zwar’ nicht zu einer Abgrenzung des erläuternden Satzteils mittels eines Kommas ?
    Ich lese häufig seltsam verwaist klingende Sätze, die eben mit einem ‘zwar’ beginnen, denen dann jedoch erst im nächsten, durch einen Punkt amputierten Satz, die relativierende Gegenüberstellung, bzw. Erklärung folgt.
    Die Tatsache, daß viele orthographische Unzulänglichkeiten, denen man, z.B. im Internet, begegnet, sofort irgendeinen Sprach-Polizisten auf den Plan rufen, der den korrekten Umgang mit diesem Wort oder jener Redewendung einfordert, aber sich nirgendwo jemand zu Worte meldet, dem es dieselben Schmerzen bereitet, einen eigentlich zusammenhängenden Gedanken so barbarisch getrennt zu sehen, lässt mich daran zweifeln, ob ich noch der richtigen Lehre folge.
    Hier wäre ich für Aufklärung sehr dankbar.

    Grüße,

    Elmar

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *