Wien-Tagebuch. Die Franzbrötchenkatastrophe, das Wetter, Deutschlandfahnen und ein Auto.

Montag, 12. Juli 2010.

Der Tag beginnt super.

Gegen 09.30 zerfließt mir der Franzbrötchenteig unter den Händen. Es ist sogar jetzt schon zu heiß zum ‘Backen. Selbst ein längerer Aufenthalt in der Tiefkühltruhe kann die Franzbrötchenkatastrophe nicht mehr verhindern. Fluchen hilft auch nicht. Der Franzbrötchenkatastrophenlieferservice (= das Fahrrad, die im Supermarkt erschlichene Haribo-Transportkiste + ich) endet schweißgebadet, mit ölverschmierten Händen und einer irreparablen Kette an einer Kreuzung. Verbotener Satz des Jahrhunderts: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt.

Die Hitze schlägt mir auf den Kreislauf. Komme morgens gar nicht erst richtig in die Gänge, trotz Unmengen von Wasser, Himbeersaft und Kaffee. Hänge völlig in den Seilen, erst abends werde ich langsam wieder Mensch. Ich will gerne 100 Sachen machen, und muss dann doch stündlich mein Scheitern deklarieren. Alles unmöglich.

Eine kribbelige Stimmung liegt über der Stadt. Alles kocht, alles glüht, wie aufgeladen. Die Passanten sind hektisch, klammern sich an ihre Eiswaffeln und verteidigen mit letzter Kraft die wenigen Schattenplätze. Ich warte darauf, dass jeden Moment etwas in die Luft fliegt.

Als mein Körper 4 Stunden nach dem Franzbrötchendesaster wieder Normaltemperatur hat, gehe ich doch noch Himbeersirup und Papier für den Laden kaufen. Grober Fehler. In der Mariahilfer Straße angekommen (nach Überwindung von gefühlten 800 Höhenmetern), gibt mein Kreislauf das Ende der Friedenspflicht und den Beginn des Generalstreiks bekannt.

Unglaublich, aber Irgendwann wird es doch Abend, die Sonne verschwindet hinter den Häusern.

Eigentlich will ich noch eine Flasche Wein kaufen und mich sinnlos betrinken den ruhigen Abend genießen. Die Supermärkte hier schließen fast alle um 19 Uhr, sehr ungewohnt. Das mit dem Wein geht sich nicht mehr aus, dafür kreuzen nach und nach noch einige liebe Menschen, mehrere Teelichter, ein BMW X6, zwei Deutschlandfahnen und eine Sonnenbrille auf.

… Ja, es gibt Fotos. … Nein, nicht hier. 😉

Es ist nach Mitternacht, als wir langsam heimradeln. Angenehm warm ist es, und sehr ruhig. Stille über den Straßen, wer kann, schläft in seiner Tiefkühltruhe.

Über das erste Mädchen mit sehr kurzen Hotpants und High Heels wundere ich mich noch nicht. Ist ja auch noch gaz schön warm, so nachts um kurz vor eins, und es ist Sommer, jaja. Als dann innerhalb der nächsten 100 Meter weitere 10 in einem ähnlichen Outfit stehen, geht mir langsam ein Licht auf … auch, warum die Autos hier so langsam fahren und die Fahrer darin mich so seltsam anschauen. …

Dienstag, 13. Juli 2010.

Frische Bettwäsche, letzte Nacht. Die Fenster weit offen, vom Bett aus den Sternenhimmel sehen. Ein Traum.

Lande morgens in einem Anfall von Übereifer 20 Minuten zu früh im Laden. Setze mich draußen in die Sonne, lese (Heute könnte ein glücklicher Tag sein von Xaver Bayer),

und übe Milchschaum. Nach diversen Fehlversuchen wird aus dem Zufallsglück ein hey-ich-habs-langsam-drauf. Yeah yeah yeah!

Ein älterer Herr kommt vorbei und beginnt eine Diskussion über meine Haarfarbe. Jaaaa, ich bin eigentlich blonder. Jaaaa, ich weiß, dass ich verdammt helle Haut habe und damit nicht in die Sonne darf. Und jaaaaa, natürlich habe ich mich nicht eingecremt. Gut, dass wir das geklärt hätten. Genau, ja, ich war grade wieder auf dem Weg nach drinnen …

Unabhängig von penetranten Passanten: Mehr als 10 Minuten ist es schon jetzt, gegen 9, kaum in der Sonne auszuhalten. Ein leichter Wind zieht die Gasse hinunter, der Himmel blitzblau. Ach.

Wien ist eine schöne Stadt.

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