Zuckerlöffel.

Ein letztes Poltern, dann fällt die Haustür ins Schloss. Draußen startet der Wagen.

Niemand sagt ein Wort.

Ben verschwindet im Arbeitszimmer. Einige Minuten später taucht er wieder auf. Streicht sich mit der Linken über die Stirn. In der Rechten hält er sein Notebook, setzt sich ans andere Ende der Eckcouch, klappt es auf. Der Raum ist voll vom Klackern seiner langen, dünnen Finger auf der Tastatur.

Durch die Fenster dringt leises Vogelzwitschern.

Lukas kauert zwischen uns, die Knie bis unters Kinn angezogen. Die schwarzen Haare fallen ihm ins Gesicht, sein müder Blick verliert sich hinterm Couchtisch.

Die letzten Nächte haben wir uns abgewechselt.

Ich ziehe die Wolldecke enger um mich. Kalt ist es geworden, dunkel. Der Scheinwerfer eines vorbeifahrenden Autos streift Lukas’ Schulter, fällt auf das Sofa. Der graue Cordstoff ist abgewetzt neben der Stelle, wo er sitzt. Ich lehne mich seitlich an die Sofalehne, lege meine Wange an ein Kissen. Und alles ist leiser.

In ein paar Stunden wird es hell sein.

Dann wird es an der Tür klingeln. Wir werden den Rollstuhl und das Bett hinaustragen. Den letzten halb vollen Beutel, der am Bettrand hängt. Still werden wir stehen, am Straßenrand, die Leute werden an uns vorbeigehen.

Irgendwann wird einer von uns die anderen sanft nach drinnen schieben.

Ben wird im Garten Holunderblüten pflücken und Tee daraus kochen. Er wird große Tassen aus dem Schrank holen, in jede vier Esslöffel Zucker geben und langsam den Tee darübergießen. Lukas wird so lange auf der selben Stelle auf dem Sofa sitzen, dass darin eine Delle kleben bleibt. Wie eine Tätowierung. Und jede Nacht werden wir für ein paar Minuten in einen fiebrig erschöpften Schlaf fallen.

Eines Morgens werde ich erwachen und Lukas wird meine Hand halten.

An diesem Morgen werden wir unsere Mäntel anziehen und die CD nehmen, auf der nur ein Lied ist.

Wir werden noch einmal an der Kreuzung überlegen, nicht links abzubiegen.

Und dann werden wir dastehen. Wir, dieser bunter Haufen, den der Zufall in eine Ecke geweht hat. Der Wind wird über die engen Wege fegen. Wir werden nebeneinander stehen. Schwarz werden wir tragen.

Geradeaus geht es zum Meer.