Notiz: Gibt es Leben in der Waschmaschine? (1)

Leben ist manchmal schon anstrengend. Da fühl ich mich wie im Schleudergang, Kochwäsche, und irgendwer hat ein paar Schrauben in seiner Hosentasche vergessen, so dass mir ständig Metall an den Kopf knallt.

Und dann hab ich einen Termin, bin spät dran, sitze im Auto, und bleibe nach 500 Metern mitten auf der belebtesten Kreuzung der Stadt stehen. Im Feierabendverkehr. Hinter, vor, rechts, links von mir, überall Autos, wild hupende und gestikulierende Menschen und staunende Fußgänger. Ich schalte den Warnblinker an und gucke in aller Seelenruhe unter Motorhaube, wegschieben kann ich das Auto alleine eh nicht. Hole mein Handy, verschiebe erst einmal den Termin und dirigiere nebenher den Verkehr.

Und noch bevor ich jemanden anhalten könnte, hält vor mir ein teures Auto mit Münchner Kennzeichen, heraus springt ein Mann, – ob er mir helfen könne. Kann er.

So kam’s, dass ich heute das erste Mal abgeschleppt wurde, von einem, der eigentlich noch ganz dringend zu einem Meeting muss. Und so kam es, dass mir, die sonst so wortreich ist, vor lauter Freude und Überraschung die Worte fehlten, um mich zu bedanken.

Später erzähle ich einen Zeitraffer der letzten paar Wochen einem, der mich nur sporadisch kennt, der aber verstehen, wissen mag. Der lange zuhört, an den richtigen Stellen nachhakt und ab und an nickt.  Der versteht, abwägt. Und meint: “Ich mache Ihnen jetzt ein ungewöhnliches Angebot, das Ihnen seltsam erscheinen mag. Aber Sie brauchen einen Lichtblick, nicht irgendwann, sondern ganz ganz bald. Und deshalb: Sie sollten nach ______ fahren. Wenn Sie das Geld nicht haben, – ich leihe es Ihnen. Sehr gerne sogar. Sie zahlen es mir einfach irgendwann zurück, egal wann, gern auch in zehn Jahren. Ich will nur, dass es Ihnen jetzt gut geht. Dass Sie glücklich sind – und sei es nur für ein paar Stunden.”

Mir fehlen vor Rührung die Worte. Man kann ja übers Leben und die Menschheit sagen, was man will, aber manchmal…

By Lena

Fast walker, avid reader, poetry fan, public speaker, violinist, pianist in the making, intersectional feminist. Works in tech, writes about anything here (and less frequently than in the past).

2 comments

  1. so sind aus den schrauben doch noch goldstücke geworden

    leben … abwechselnd beschÜÜÜ und dann doch wieder gut. das macht es wunder.schoenaberselten

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